Wachsreste sammeln sich von selbst an. Ausgebrannte Teelichter, abgebrochene Stumpen, der Rest im Glas. Daraus eine neue Kerze zu gießen ist naheliegend und funktioniert auch, wenn man drei Dinge beachtet: die Schmelzpunkte, die Hitzeführung und den Docht. An genau diesen drei Punkten scheitern die meisten Versuche.

Warum darf Wachs nicht direkt im Topf erhitzt werden?
Wachs ist brennbar, und zwar nicht erst als Flamme am Docht. Der Flammpunkt von Paraffin liegt bei etwa 160 Grad Celsius, der Siedepunkt bei rund 250 Grad. Ein Topf auf einer Herdplatte erreicht diese Temperaturen mühelos, ohne dass Sie es sehen. Das Wachs wirkt dabei ruhig, bis es plötzlich raucht und sich selbst entzündet.
Das Wasserbad löst dieses Problem physikalisch. Solange Wasser im äußeren Topf steht, kann der innere Behälter nicht wesentlich über 100 Grad Celsius steigen. Damit liegen Sie mit großem Abstand unter dem Flammpunkt. Nehmen Sie einen alten Topf oder eine Konservendose als Innengefäß und lassen Sie den Topf nie ohne Aufsicht, denn kochendes Wasser verdampft und die Sicherheitsreserve verschwindet mit ihm.
Brennendes Wachs niemals mit Wasser löschen. Wachs und Wasser mischen sich nicht. Das Wasser sinkt in das heiße Wachs, verdampft schlagartig und reißt dabei feinste brennende Tröpfchen mit nach oben. Das Ergebnis ist eine Stichflamme, genau wie bei einem Fettbrand in der Pfanne. Richtig ist: Herd ausschalten, Topfdeckel oder Löschdecke auflegen, Flamme ersticken. Ein Feuerlöscher muss für Fett- und Flüssigkeitsbrände zugelassen sein. Halten Sie eine Löschdecke griffbereit, bevor Sie mit dem Schmelzen anfangen, nicht danach.
Welche Wachsreste passen zusammen?
Nicht alle. Der Schmelzpunkt hängt von der Wachsart ab, und eine Mischung erstarrt nicht als homogene Masse, sondern in Schichten mit unterschiedlicher Härte. Die Folge sind Risse, unregelmäßiger Abbrand und Wachs, das am Rand stehenbleibt, während die Mitte längst flüssig ist. Sortieren Sie deshalb vor dem Schmelzen, statt alles zusammenzukippen.
| Wachsart | Schmelzpunkt (Richtwert) | Übliche Gießtemperatur | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|---|
| Sojawachs | etwa 46 bis 54 Grad Celsius | etwa 60 bis 65 Grad Celsius | Weich, cremig weiß, meist aus Duftkerzen im Glas |
| Paraffin | etwa 55 bis 70 Grad Celsius | etwa 70 bis 85 Grad Celsius | Durchscheinend, hart, Standard bei Teelichtern |
| Bienenwachs | etwa 60 bis 65 Grad Celsius | etwa 72 bis 75 Grad Celsius | Gelblich, honigartiger Geruch |
| Stearin | oberhalb von Paraffin | je nach Mischung | Matt, kreidig, oft als Härtezusatz beigemischt |
Die Werte sind Richtwerte und schwanken je nach Zusammensetzung. Wenn Sie nicht wissen, was Sie vor sich haben, gilt eine einfache Regel: Reste einer Sorte zusammen verarbeiten, Restehaufen unbekannter Herkunft lieber in eine dicke Stumpenkerze gießen als in eine dünne Formkerze. Bei größerem Durchmesser fallen Ungleichmäßigkeiten weniger auf.
Wie viel Duftöl darf hinein?
Die verbreitete Faustregel liegt bei 6 bis 10 Prozent der Wachsmenge. Bei 500 Gramm Wachs sind das 30 bis 50 Gramm Duftöl. Zugegeben wird es meist bei etwa 65 bis 75 Grad Celsius, also nach dem Schmelzen und vor dem Gießen. Zu heiß eingerührt verflüchtigen sich die leichten Duftbestandteile, zu kalt verteilt sich das Öl nicht mehr gleichmäßig.
Mehr Öl ergibt nicht mehr Duft. Ab einem gewissen Anteil nimmt das Wachs das Öl nicht mehr auf, es setzt sich als fettiger Film auf der Oberfläche ab, das ist das sogenannte Ausschwitzen. Zusätzlich verändert überschüssiges Öl das Brandverhalten: Der Docht saugt eine Flüssigkeit an, die anders verbrennt als Wachs, die Flamme wird unruhig und rußt. Beachten Sie außerdem, dass viele Reste bereits beduftet und gefärbt sind. Rechnen Sie diesen Anteil mit ein, statt die volle Dosis noch einmal zuzugeben.
MerkeÄtherische Öle aus der Küche sind kein Ersatz für Duftöl zum Kerzengießen. Sie verdampfen bei deutlich niedrigeren Temperaturen und sind nach dem Erkalten oft geruchlos. Wer Duft will, braucht ein für Kerzen ausgewiesenes Produkt, und auch dann bleibt der Duftausstoß bei selbst gegossenen Kerzen unberechenbar.
Welcher Docht passt zu welchem Durchmesser?
Der Docht ist kein Zubehör, er ist das Bauteil, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Er transportiert flüssiges Wachs zur Flamme, und die Flamme muss genau so viel Wärme abgeben, dass der Wachsspiegel bis zum Rand flüssig wird. Nicht mehr und nicht weniger.
Ein zu dicker Docht erzeugt eine zu große Flamme. Sie rußt, das Wachs brennt zu schnell ab, und bei einer Kerze im Glas kann die Wärme das Glas überfordern. Ein zu dünner Docht schafft es nicht, das Wachs bis zum Rand aufzuschmelzen. Es entsteht ein Tunnel: Die Kerze brennt in die Tiefe, der Rand bleibt stehen, und irgendwann ertrinkt die Flamme im eigenen Wachs. Als Anhaltspunkt gelten dünne Dochte für Durchmesser bis etwa 5 Zentimeter, mittlere für 5 bis 7 Zentimeter und starke Dochte darüber. Bei Flachdochten wird die Größe in Angaben wie 3x4 oder 3x9 geführt, wobei 3x4 für Kerzen bis etwa 22 Millimeter Durchmesser gedacht ist und 3x9 bis etwa 40 Millimeter.
Schritt für Schritt aus Resten eine neue Kerze gießen
- Reste sortieren. Trennen Sie nach Wachsart und nach Farbe. Entfernen Sie alte Dochtreste, Metallplättchen aus Teelichtern, Streichhölzer und Staub.
- Wasserbad aufsetzen. Stellen Sie eine Konservendose in einen Topf mit Wasser. Das Wasser soll nicht kochen, sondern nur simmern.
- Schmelzen und filtern. Gießen Sie das flüssige Wachs durch ein feines Sieb oder ein Stück Küchenpapier in einen zweiten Behälter. Rußpartikel aus alten Dochten trüben sonst die neue Kerze.
- Temperatur messen. Verwenden Sie ein Küchenthermometer. Ohne Messung arbeiten Sie blind, und genau daraus entstehen sowohl Brandgefahr als auch Gießfehler.
- Docht setzen. Fixieren Sie den Docht mittig, zum Beispiel mit einem Holzspieß quer über der Öffnung. Ein schief stehender Docht brennt eine Seite der Kerze aus.
- Duft einrühren. Geben Sie das Duftöl bei etwa 65 bis 75 Grad Celsius zu und rühren Sie 1 bis 2 Minuten langsam unter, ohne Luft einzuschlagen.
- Gießen und ruhen lassen. Füllen Sie das Gefäß langsam und lassen Sie die Kerze bei Raumtemperatur erstarren. Zugluft und Kühlschrank erzeugen Risse.
- Nachgießen. Beim Erstarren zieht sich Wachs zusammen und bildet um den Docht eine Senke. Füllen Sie diese nach dem Auskühlen mit etwas Restwachs auf.
- Docht kürzen. Schneiden Sie ihn vor dem ersten Anzünden auf etwa 10 Millimeter zurück, sonst rußt die erste Flamme stark.
Was gilt beim Anzünden und Abbrennen?
- Abstand: Halten Sie mindestens 50 Zentimeter Abstand zu brennbaren Gegenständen wie Gardinen, Papier, Regalböden und Trockengestecken.
- Aufsicht: Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt und löschen Sie sie, bevor Sie den Raum verlassen oder schlafen gehen.
- Erster Brand: Lassen Sie die Kerze beim ersten Mal so lange brennen, bis der Wachsspiegel bis zum Rand flüssig ist. Wird sie vorher gelöscht, brennt sie dauerhaft im Tunnel weiter.
- Zugluft: Eine flackernde Flamme rußt und lässt das Wachs einseitig ablaufen. Stellen Sie die Kerze nicht in den Luftzug offener Fenster oder einer Lüftung.
- Teelichter: Stellen Sie mehrere Teelichter nicht dicht nebeneinander. Die Aluminiumschalen heizen sich gegenseitig auf, und wenn das Wachs seinen Siedepunkt bei rund 250 Grad Celsius erreicht, kann es sich entzünden.
- Restwachs: Brennen Sie Kerzen im Glas nicht vollständig aus. Ab etwa 10 Millimetern Restwachs wird der Boden zu heiß.
- Flecken: Übergelaufenes Wachs erst erkalten lassen, dann abheben. Wie Sie den Rest aus Textilien bekommen, steht im Beitrag zum Wachsflecken entfernen.
Für das Gefäß gibt es zwei einfache Wege. Entweder Sie gießen in ein vorhandenes Glas, dann gelten die gleichen Wärmeregeln wie bei Windlichtern aus alten Gläsern. Oder Sie gießen einen freistehenden Stumpen und stellen ihn auf einen nicht brennbaren Halter, etwa einen Kerzenhalter aus Beton. Planen Sie in beiden Fällen für den ersten Versuch etwa 90 Minuten ein, davon rund 60 Minuten reines Auskühlen.
