Gartenarbeit sieht harmlos aus. Sie ist es nicht. Rosendornen dringen tief ein und tragen Erdkeime mit, Heckenscheren rutschen ab, Kies scheuert die Handfläche auf, und im Kompost sitzen Bakterien und Pilzsporen. Handschuhe sind hier kein Komfortartikel, sondern Schutzausrüstung. Und Schutzausrüstung ist genormt, was die Auswahl deutlich leichter macht, sobald Sie die Kennzeichnung auf der Stulpe lesen können.
Was bedeuten die Ziffern nach EN 388 auf dem Handschuh?
Die Norm DIN EN 388 regelt Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken. Geprüft wird auf vier Eigenschaften, und das Ergebnis steht als Zahlenfolge unter einem Piktogramm, das einen Hammer zeigt. Seit der Fassung EN 388:2016 kommen bis zu zwei Buchstaben dazu. Die Reihenfolge ist immer gleich: Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit im Coup-Test, Weiterreißkraft, Durchstichkraft, danach der TDM-Buchstabe und optional ein P für bestandenen Stoßschutz.
| Stelle | Eigenschaft | Skala | Was die höchste Stufe bedeutet |
|---|---|---|---|
| 1. Ziffer | Abriebfestigkeit | 0 bis 4 | Stufe 4 ab 8.000 Scheuertouren |
| 2. Ziffer | Schnittfestigkeit (Coup-Test) | 0 bis 5 | Stufe 5 ab Index 20 |
| 3. Ziffer | Weiterreißkraft | 0 bis 4 | Stufe 4 ab 75 Newton |
| 4. Ziffer | Durchstichkraft | 0 bis 4 | Stufe 4 ab 150 Newton |
| 5. Stelle | Schnittfestigkeit TDM nach EN ISO 13997 | A bis F | A ist 2 Newton, F ist 30 Newton |
| 6. Stelle | Stoßschutz | P oder nichts | P heißt Test bestanden |
Ein X an einer Stelle bedeutet nicht Stufe 0, sondern nicht geprüft. Das kommt bei Schnittschutzhandschuhen vor, deren Material die Klinge des Coup-Tests stumpf macht, sodass das Verfahren kein gültiges Ergebnis mehr liefert. In diesem Fall zählt allein der Buchstabe aus dem TDM-Test.
Die zweite Norm heißt EN ISO 21420 und hat 2020 die alte EN 420 abgelöst. Sie regelt keine Schutzwirkung, sondern die Grundeigenschaften: Passform, Größensystem, Kennzeichnung und Unbedenklichkeit des Materials. Chrom VI in Leder darf danach 3 Milligramm je Kilogramm nicht überschreiten, der pH-Wert muss zwischen 3,5 und 9,5 liegen, und Nickel darf höchstens 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche freisetzen. Chrom VI entsteht bei unsauberer Chromgerbung und ist ein starkes Kontaktallergen.
Welcher Wert schützt gegen Dornen?
Hier machen die meisten Käufer denselben Fehler. Sie achten auf die Schnittfestigkeit, weil das Wort vertraut klingt. Ein Dorn schneidet aber nicht, er sticht. Maßgeblich ist deshalb die vierte Ziffer, die Durchstichkraft in Newton. Stufe 2 entspricht 60 bis 99,9 Newton, Stufe 3 liegt bei 100 bis 149,9 Newton, Stufe 4 beginnt bei 150 Newton.
Für Rosen, Brombeeren, Berberitze und Kakteen suchen Sie also einen Handschuh mit mindestens Stufe 3 an vierter Stelle und mit langer Stulpe. Die Stulpe ist kein Zierrat. Der typische Rosenschnitt-Unfall ist nicht die zerstochene Handfläche, sondern der tiefe Kratzer am Unterarm, wenn Sie in den Strauch hineingreifen, um an das innere Holz zu kommen. Rosenhandschuhe reichen deshalb bis zum Ellenbogen und sind an Handfläche, Fingerkuppen und in der Zone zwischen Daumen und Zeigefinger verstärkt.
Kein Handschuh ist dornensicher. Hersteller werben mit dornenfest, dornensicher oder stichfest. Diese Begriffe sind nicht genormt. Ein Dorn mit sehr kleiner Spitzenfläche erzeugt bei geringer Kraft einen sehr hohen Druck und kann auch Stufe 4 durchdringen, wenn Sie mit vollem Körpergewicht dagegenlaufen. Behandeln Sie jede blutende Stichwunde aus dem Garten ernst und prüfen Sie Ihren Tetanusschutz. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Auffrischung alle zehn Jahre.
Leder oder Nitril, was passt zu welcher Arbeit?
Beide Materialien haben eine klare Domäne. Leder ist mechanisch robust, atmungsaktiv und formt sich nach einigen Stunden an die Hand an. Es saugt sich aber voll, trocknet langsam und wird nach jedem Nasswerden ein Stück steifer. Nitril ist ein synthetischer Kautschuk, flüssigkeitsdicht, beständig gegen viele Chemikalien und deutlich dünner, was die Fingerfertigkeit erhöht.
| Material | Stärke | Schwäche | Typische Arbeit |
|---|---|---|---|
| Rindsleder, Spaltleder | hohe Durchstich- und Abriebfestigkeit | nass kaum brauchbar, grobes Gefühl | Rosenschnitt, Hecke, Holz, Steine |
| Ziegenleder | dünn, weich, gutes Tastgefühl | geringere Durchstichfestigkeit | Pflanzen, Umtopfen, feine Arbeit |
| Nitril auf Nylon- oder Polyesterstrick | wasserdicht in der Handfläche, guter Nassgriff | Dornen dringen durch die dünne Schicht | Unkraut jäten, Pflanzen, feuchte Erde |
| Latex auf Strickmaterial | sehr guter Griff, elastisch | Latexallergie möglich | allgemeine Gartenarbeit |
| PU-beschichtet | sehr dünn, hohe Fingerfertigkeit | geringe Schutzwirkung gegen Spitzes | Aussaat, Stecklinge, Topfarbeit |
| Baumwolle unbeschichtet | günstig, luftig | kein Stichschutz, kaum Abriebschutz | Sortieren, trockene Leichtarbeit |
Für die meisten Haushalte ist eine Kombination sinnvoll: ein Paar nitrilbeschichtete Strickhandschuhe für die tägliche Arbeit im Beet und ein Paar lange Lederhandschuhe für den Gehölzschnitt. Wer viel mit scharfem Werkzeug arbeitet, sollte zusätzlich auf einen sauberen Schliff achten, denn ein stumpfes Werkzeug rutscht häufiger ab und erzeugt genau die Verletzungen, die der Handschuh verhindern soll. Wie Sie Klingen und Gelenke instand halten, steht im Beitrag zu der Reparatur von Gartenwerkzeugen.
Warum ist ein zu großer Handschuh gefährlicher als gar keiner?
Ein Handschuh, der nicht sitzt, verschiebt sich unter Belastung. Das hat mehrere Folgen, die zusammen mehr Verletzungen erzeugen als der ungeschützte Griff.
- Faltenbildung: Überschüssiges Material staucht sich in der Handfläche. Genau dort entstehen dann Blasen, weil die Falte bei jedem Griff scheuert.
- Kraftkontrolle: Sie müssen fester zupacken, um dasselbe Werkzeug zu halten. Ermüdung setzt früher ein, und müde Hände führen die Heckenschere ungenau.
- Einzugsgefahr: Lose Fingerkuppen und weite Stulpen können von rotierenden Teilen erfasst werden, etwa am Häcksler, am Vertikutierer oder an der Bohrmaschine. An Maschinen mit Einzugsstellen sind Handschuhe teilweise ausdrücklich untersagt.
- Verschobener Schutz: Die verstärkte Zone sitzt dann nicht mehr dort, wo der Dorn ankommt. Ein Handschuh schützt nur an der Stelle, an der er im Moment der Belastung tatsächlich liegt.
- Kälte und Nässe: Zu große Handschuhe ziehen bei jedem Handgriff Luft und Wasser ein. Die Hand kühlt schneller aus als ohne Handschuh.
Zu klein ist ebenfalls falsch, nur anders. Ein enger Handschuh schnürt ab, die Finger werden kalt, und das Material reißt an den Nähten. Die Norm EN ISO 21420 verlangt deshalb ausdrücklich, dass Form, Größe und Konstruktion die Fingerfertigkeit nicht einschränken dürfen.
Wie messe ich die richtige Handschuhgröße?
- Umfang messen. Legen Sie ein Maßband um die Hand direkt unterhalb der Fingerknöchel, ohne den Daumen einzuschließen. Halten Sie die Hand dabei flach und locker.
- Zahl übersetzen. Größe 6 liegt bei rund 152 Millimetern Umfang, Größe 8 bei rund 203 Millimetern, Größe 10 bei rund 254 Millimetern. Das Größensystem der Norm reicht von 4 bis 13.
- Zwischengröße entscheiden. Liegen Sie zwischen zwei Größen, nehmen Sie bei Leder die kleinere, weil Leder sich weitet, und bei beschichtetem Strick die größere, weil Strick nicht nachgibt.
- Faust prüfen. Ballen Sie die Faust. Zieht der Handschuh am Handrücken stark oder hebt er sich von den Fingerkuppen ab, ist er falsch.
- Fingerspitzen kontrollieren. Zwischen Fingerkuppe und Handschuhende sollten höchstens rund 5 Millimeter Luft sein. Mehr Leerraum kostet Tastgefühl.
- Beide Hände testen. Die dominante Hand ist bei den meisten Menschen etwas größer. Richten Sie sich nach ihr.
MerkeKaufen Sie Gartenhandschuhe nicht allein nach der Größenangabe, wenn Sie die Marke nicht kennen. Die Norm gibt zwar ein Größensystem vor, die Länge der Finger und der Schnitt der Stulpe unterscheiden sich zwischen Herstellern aber erheblich. Zwei Handschuhe in Größe 9 können sich völlig unterschiedlich anfühlen.
Wie pflege ich Gartenhandschuhe richtig?
Lederhandschuhe gehören nicht in die Waschmaschine und nicht auf die Heizung. Beides entzieht dem Leder Fett, es wird hart und bricht an den Knickfalten. Klopfen Sie groben Schmutz ab, wischen Sie die Handschuhe feucht ab und lassen Sie sie bei Raumtemperatur trocknen, möglichst mit Luft von allen Seiten. Trockenes Leder lässt sich mit Lederfett wieder geschmeidig machen.
Beschichtete Strickhandschuhe vertragen in der Regel 30 bis 40 Grad Celsius in der Maschine, ohne Weichspüler und ohne Trockner. Die genaue Angabe steht auf dem eingenähten Etikett und gilt vor der allgemeinen Empfehlung. Ein Handschuh, dessen Beschichtung Risse hat, ist Abfall und kein Arbeitsmittel mehr, denn an jeder Rissstelle ist die Schutzwirkung weg.
Lagern Sie Handschuhe trocken und nicht zusammengeknüllt im Eimer. Ein Haken an der Wand der Gartenhütte reicht, und dafür gibt es einfache Lösungen, wie der Beitrag über Haken und Aufhängungen für Gartengeräte zeigt. Für Arbeiten mit Reinigungsmitteln im Haus sind Gartenhandschuhe übrigens die falsche Wahl, dort zählt Chemikalienbeständigkeit statt Durchstichfestigkeit, wie im Beitrag zu Haushaltshandschuhen beschrieben.
Ein letzter, sehr konkreter Punkt: Prüfen Sie vor jedem Einsatz die Naht zwischen Daumen und Zeigefinger. Dort reißt ein Gartenhandschuh zuerst, weil diese Stelle bei jedem Griff an Spaten, Schere und Rechen die größte Zugbelastung trägt.
