Der Besen gehört zu den Geräten, die jeder zu kennen glaubt. Trotzdem steht in vielen Haushalten ein einziges Modell für alles: für die Fliesen in der Küche, für den Kellerboden und für die Terrasse. Das funktioniert nirgends richtig. Ein Besen ist ein Werkzeug mit einer klaren Zuordnung von Borstenmaterial zu Untergrund, und wer die falsche Borste nimmt, schiebt den Staub entweder nur herum oder zerkratzt die Oberfläche. Dazu kommt eine Frage, die noch grundsätzlicher ist: In vielen Situationen ist Kehren gar nicht die richtige Methode.

Welche Borste gehört auf welchen Boden?
Die Auswahl folgt einer einfachen Logik: Je feiner der Schmutz und je empfindlicher der Belag, desto weicher die Borste. Feiner Staub auf glattem Parkett verlangt nach Rosshaar oder Ziegenhaar. Grober Schmutz auf rauem Beton verlangt nach Kokos oder Piassava, weil weiche Borsten dort einfach umklappen. Zwischen diesen beiden Polen liegen die Mischbesen, die zwei Materialien kombinieren und für Flur, Keller und geschützte Außenbereiche die praktischste Lösung sind.
Bei den Naturfasern lohnt ein Blick auf die Herkunft. Rosshaar stammt aus dem Schweifhaar und ist sehr langlebig, Ziegenhaar ist noch feiner, sehr weich und von Natur aus antistatisch, weshalb es vor allem für Staubbürsten verwendet wird. Kokosfaser aus der Kokosnuss gehört zu den härtesten Naturborsten. Piassava wird aus den Blattrippen einer westafrikanischen Palme gewonnen und ist für grobes Kehrgut gedacht. Arenga stammt aus der Zuckerpalme und ist die vielseitigste Faser, weil sie feinen wie groben Schmutz aufnimmt und Nässe verträgt.
| Besatzmaterial | Härte | Nässe | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Ziegenhaar | Sehr weich, antistatisch | Nein | Feiner Staub auf Parkett, Laminat, glatten Möbeln |
| Rosshaar | Weich bis mittel | Nein | Staub, Haare und Krümel auf glatten Innenböden |
| Arenga aus der Zuckerpalme | Mittel | Ja | Universalbesen für innen und geschützt außen |
| Kokosfaser | Hart | Ja | Grober Schmutz auf Beton, Werkstatt, Kellerboden |
| Piassava | Sehr hart | Ja | Grobes Kehrgut, Hof, Einfahrt, raue Pflastersteine |
| Kunststoff, meist PET oder PVC, geflaggt | Weich bis mittel | Ja | Innenräume, gut abwaschbar, für Feuchträume geeignet |
| Kunststoff als glattes Monofilament | Mittel bis hart | Ja | Außenbereich, nimmt Feinstaub schlechter auf |
Warum wirbelt Kehren so viel Staub auf?
Weil der Besen beim Zug über den Boden zwei Dinge gleichzeitig tut. Er schiebt die groben Partikel vor sich her, und er erzeugt mit jeder Borste einen kleinen Luftwirbel, der die feinen Partikel nach oben trägt. Grober Schmutz fällt danach wieder herunter. Der feine, lungengängige Anteil tut das nicht: Er bleibt in geschlossenen Räumen lange in der Luft und wird von allen Anwesenden eingeatmet. Genau deshalb gilt trockenes Kehren im Arbeitsschutz als staubintensives Verfahren, das dort vermieden werden soll, wo eine bessere Methode zur Verfügung steht.
Für den Haushalt heißt das nicht, den Besen wegzuwerfen. Es heißt, ihn dort einzusetzen, wo er stark ist: bei grobem Kehrgut wie Scherben, Erde, Blättern, Sägespänen oder Katzenstreu, bei denen ein Staubsauger schnell an seine Grenzen kommt oder Schaden nimmt. Für Hausstaub, Tierhaare und Textilfasern auf glatten Böden und auf Teppich ist der Sauger die bessere Wahl, weil er den Staub aufnimmt statt ihn umzuverteilen. Für kleine Flächen und schnelle Einsätze zwischendurch reicht oft ein Akku-Handstaubsauger.
Nie über Scherben, Bauschutt oder Schimmelbefall trocken kehren. Bei Glasscherben schieben Sie feine Splitter in Fugen, wo sie schwer wieder herauskommen. Bei mineralischem Bauschutt und beim Schleifen von Wänden entsteht quarzhaltiger Feinstaub, der beim Einatmen dauerhaft schädigt. Bei sichtbarem Schimmel verteilt trockenes Kehren die Sporen in der ganzen Wohnung. In diesen Fällen arbeiten Sie feucht oder mit einem Sauger, der einen geeigneten Filter besitzt. Ein normaler Haushaltssauger ohne Feinstaubfilter bläst den Anteil hinten wieder aus.
Wie kehren Sie so, dass möglichst wenig aufwirbelt?
- Fenster kurz schließen. Zugluft trägt aufgewirbelten Staub in die ganze Wohnung. Lüften Sie erst nach dem Kehren, dafür dann gründlich.
- Besen flach führen. Halten Sie den Stiel möglichst flach, damit die Borsten mit ihrer Länge und nicht mit den Spitzen arbeiten. Steil gehaltene Besen wirbeln mehr auf.
- Kurze, langsame Züge. Ziehen Sie in Zügen von etwa 30 bis 50 Zentimetern und immer in dieselbe Richtung. Schnelle Wischbewegungen hin und her verteilen den Staub nur.
- Von außen nach innen arbeiten. Führen Sie den Schmutz aus den Ecken auf eine gemeinsame Stelle in der Raummitte zu, statt ihn zur Tür zu schieben.
- Kehrblech nachziehen. Setzen Sie das Blech dicht an den Haufen und ziehen Sie es mit, statt den Haufen hineinzuschieben. Der letzte Streifen bleibt sonst liegen.
- Rest feucht aufnehmen. Wischen Sie die dünne Staublinie hinter dem Blech mit einem feuchten Tuch weg. Trockenes Nachkehren erzeugt genau dort die nächste Wolke.
- Besen ausklopfen, nicht ausschütteln. Klopfen Sie ihn draußen an einer Kante aus. Im Innenraum landet alles wieder auf dem Boden.
Was Sie am Besen prüfen sollten
- Borstenende: Gespaltene oder geflaggte Enden nehmen Feinstaub deutlich besser auf als glatt geschnittene Monofilamente. Erkennbar an den fransigen Spitzen im Gegenlicht.
- Borstenlänge: Lange, weiche Borsten kehren fein, klappen aber unter Druck um. Kurze, harte Borsten übertragen Kraft, hinterlassen aber auf empfindlichen Belägen Kratzspuren.
- Kehrbreite: Breite Besen ab etwa 40 Zentimetern sparen in Fluren und Kellerräumen Zeit, kommen aber in Küchen zwischen Möbeln kaum an die Ecken.
- Stielgewinde: Standardgewinde lassen sich mit Ersatzstielen kombinieren. Steckstiele ohne Gewinde lockern sich mit der Zeit und lassen sich nicht nachziehen.
- Stiellänge: Der Stiel sollte etwa bis zum Kinn reichen. Ein zu kurzer Stiel zwingt in eine gebeugte Haltung und belastet den unteren Rücken.
- Bestückung: Eingezogene Borstenbündel halten länger als eingeklebte. Ausfallende Büschel sind das erste Verschleißzeichen.
- Randbüschel: Ein etwas längerer Besatz an den Außenkanten hilft an Sockelleisten und in Ecken.
Besen, Handfeger oder Bürste: Was wofür?
Der Stielbesen ist für Flächen zuständig. Sobald es um kleine Bereiche geht, etwa Arbeitsplatte, Treppenstufen oder das Innere eines Schranks, ist ein Handfeger schneller und genauer, weil Sie ihn führen können statt ihn zu balancieren. Für festsitzende Verschmutzungen auf einer Fläche taugt beides nicht: Dort brauchen Sie Druck und Wasser, also einen Schrubber oder eine kräftige Handbürste. Die Übersicht der Bauformen und ihrer Einsatzbereiche liefert der Beitrag zur Haushaltsbürste.
Ein häufiger Fehler ist, einen Innenbesen im Außenbereich zu benutzen. Auf rauem Pflaster und Waschbeton schleift der weiche Besatz schnell ab, und die Borsten verlieren binnen weniger Wochen an Länge. Umgekehrt hinterlässt ein Kokos- oder Piassavabesen auf geöltem Parkett und weichen Vinylbelägen feine Kratzspuren. Halten Sie deshalb zwei Besen vor, einen für drinnen und einen für draußen, und markieren Sie die Stiele, damit sie nicht vertauscht werden.
MerkeEin leicht angefeuchteter Besen bindet Feinstaub, statt ihn aufzuwirbeln. Das funktioniert bei Kunststoff- und Pflanzenfaserbesatz gut, bei Rosshaar und Ziegenhaar dagegen nicht: Tierhaar verklebt bei Nässe, verliert die Spannkraft und trocknet nur langsam. Wenn Sie mit Wasser arbeiten wollen, nehmen Sie einen Arenga- oder Kunststoffbesen und hängen Sie ihn danach mit den Borsten nach unten frei hängend zum Trocknen auf.
Wie halten Sie einen Besen lange brauchbar?
Der häufigste Grund für einen kaputten Besen ist die Lagerung. Steht er auf den Borsten in der Ecke, verbiegen sie sich dauerhaft und der Besen kehrt danach nur noch einseitig. Hängen Sie ihn an einem Haken auf oder stellen Sie ihn mit dem Stiel nach unten. Ausgeklopft wird nach jedem Einsatz, gewaschen wird nur, was waschbar ist: Kunststoff- und Pflanzenfaserbesen dürfen mit lauwarmem Wasser und etwas Spülmittel ausgespült werden, danach kopfüber trocknen.
Ausgetauscht gehört ein Besen, wenn die Borsten so weit abgeschliffen sind, dass die Bündel unterschiedlich lang stehen, oder wenn sie sich nicht mehr aufrichten. Prüfen können Sie das in zehn Sekunden: Drücken Sie den Besen mit normalem Arbeitsdruck auf den Boden und heben Sie ihn wieder an. Stehen die Borsten sofort gerade, ist der Besen in Ordnung. Bleiben sie schräg liegen, kehrt er nur noch mit halber Fläche.
