Eine Spielzeugkiste aus Obstkisten kostet wenig und ist an einem Nachmittag fertig. Der Haken steckt in einer Eigenschaft, die man der Kiste nicht ansieht: Sie ist als Einwegverpackung für Äpfel gebaut, nicht als Möbel für ein Kinderzimmer. Wer sie unverändert stapelt und verleimt, baut ein Möbel mit Verbindungen, die für die auftretende Belastung nicht ausgelegt sind. Dieser Text beschreibt, wie Sie das ändern, und welche Werte gelten, sobald ein Deckel dazukommt.

Warum halten geklammerte Obstkisten als Möbel nicht?
Obstkisten und Weinkisten aus dem Handel werden traditionell genagelt oder mit Drahtklammern geschossen. Das ist schnell, billig und für den Zweck ausreichend: Eine gestapelte Kiste trägt die Last der Kiste darüber, und die drückt senkrecht auf die Ecken. Genau in dieser Achsrichtung sitzen Klammer und Nagel gut. Sie werden auf Auszug belastet, und der Reibschluss im Holz hält.
Im Kinderzimmer sieht die Belastung anders aus. Ein Kind zieht sich seitlich an der Kiste hoch, setzt sich auf die Kante, schiebt die volle Kiste über den Teppich. Dann wirkt eine Scherlast quer zur Klammer, und dazu kommt ein Kippmoment. Drahtklammern haben quer zur Schaftrichtung wenig Widerstand, sie biegen sich auf und ziehen sich langsam aus dem Holz. Sichtbar wird das erst, wenn die Kiste sich in der Ecke bewegen lässt. Bis dahin sind die Verbindungen schon locker.
Die Abhilfe ist einfach und dauert eine halbe Stunde. Sie ersetzen die Klammern nicht, Sie ergänzen sie. An jeder Stelle, an der ein Brett auf einen Eckpfosten trifft, kommt zusätzlich eine Holzschraube. Damit übernimmt das Gewinde die Scherkraft und die Klammer bleibt, wo sie ist.
Kistenmöbel für Kinder gehören verschraubt und verleimt. Eine reine Leimverbindung zwischen zwei Kisten ist nicht ausreichend, weil sie auf der rauen, unbearbeiteten Oberfläche von Verpackungsholz kaum Fläche findet. Prüfen Sie die fertige Kiste, indem Sie sich mit vollem Körpergewicht auf eine Ecke stützen. Was dabei knarrt, hält kein Kind.
Welche Anforderungen gelten, sobald ein Deckel dazukommt?
Eine offene Kiste ist harmlos. Ein Klappdeckel an Scharnieren macht daraus eine Truhe, und für Truhen enthält DIN EN 71-1 eigene Zahlen. Die wichtigsten drei sollten Sie kennen, bevor Sie das erste Scharnier anschrauben.
- Deckelhalter: Der Deckel darf unter seinem eigenen Gewicht an keiner Stelle des Öffnungswegs mehr als 12 Millimeter absacken. Ausgenommen sind die letzten 50 Millimeter vor der Schließstellung beziehungsweise ein Bogen von höchstens 60 Grad. Die Haltevorrichtung muss auch nach 7000 Öffnungs- und Schließvorgängen noch wirken.
- Belüftung: Bei einem umschlossenen Volumen über 0,03 Kubikmetern, bei dem alle Innenmaße mindestens 150 Millimeter betragen, fordert die Norm mindestens zwei unverdeckte Öffnungen von je mindestens 650 Quadratmillimetern in mindestens 150 Millimetern Abstand. Ein Bohrloch mit 30 Millimetern Durchmesser hat rund 707 Quadratmillimeter und erfüllt die Anforderung.
- Öffnungskraft von innen: Der Deckel muss sich von innen mit höchstens 50 Newton öffnen lassen. Das entspricht etwa 5 Kilogramm. Jeder Magnetschnapper und jedes Schloss, das mehr verlangt, gehört nicht an eine Kinderkiste.
- Klemmspalte: Ein Spalt, in den ein Stab mit 5 Millimetern Durchmesser passt, muss auch einen Stab mit 12 Millimetern aufnehmen. Dazwischen liegt die Zone, in der ein Kinderfinger hineingerät und gequetscht wird.
- Splitter: Splitter an Oberflächen und zugänglichen Kanten dürfen nach der Norm kein unangemessenes Verletzungsrisiko darstellen. Bei sägerauem Verpackungsholz ist das die aufwendigste Anforderung.
Ein Selbstbau durchläuft keine dieser Prüfungen und trägt kein CE-Zeichen. Die Werte lassen sich aber nachbauen. Die einfachste Lösung ist der Verzicht auf Scharniere: Ein Deckel, der lose aufliegt und zur Seite geschoben wird, kann niemanden einklemmen. Wenn Sie die Kaufalternativen abwägen wollen, finden Sie die Prüfpunkte für den Handel in der Kaufberatung zur Kinderspielzeugkiste.
Material, Maße und Vorbohrdurchmesser
Die verbreitete Obstkiste misst 50 mal 40 mal 30 Zentimeter. Zwei nebeneinander gestellte Kisten ergeben eine Kiste von 100 Zentimetern Breite mit rund 120 Litern Volumen. Das ist für ein Kinderzimmer reichlich. Eine Höhe von 30 Zentimetern hat den Vorteil, dass ein Dreijähriger bis auf den Boden greift.
Kistenholz ist meist Fichte oder Kiefer, also Weichholz. Für Weichholz gilt beim Vorbohren die Faustregel 50 bis 60 Prozent des Schraubendurchmessers. Bohren Sie zu groß, greift das Gewinde nicht. Bohren Sie gar nicht vor, reißt das dünne Kistenbrett auf.
| Schraubendurchmesser | Kernloch in Weichholz | Kernloch in Hartholz | Durchgangsloch im oberen Teil |
|---|---|---|---|
| 3 Millimeter | 1,8 Millimeter | 2 Millimeter | 3 Millimeter |
| 3,5 Millimeter | 2 Millimeter | 2,5 Millimeter | 3,5 Millimeter |
| 4 Millimeter | 2,5 Millimeter | 3 Millimeter | 4 Millimeter |
| 4,5 Millimeter | 2,8 Millimeter | 3,2 Millimeter | 4,5 Millimeter |
| 5 Millimeter | 3 Millimeter | 3,5 Millimeter | 5 Millimeter |
Der Abstand einer Schraube zur Brettkante beträgt mindestens das Dreifache des Schraubendurchmessers. Bei einer 4-Millimeter-Schraube sind das 12 Millimeter. Bei den schmalen Latten einer Obstkiste ist dieser Wert oft nicht einzuhalten, dann setzen Sie die Schraube stattdessen in den kräftigen Eckpfosten. Die Schraubenlänge wählen Sie so, dass mindestens 20 Millimeter Gewinde im unteren Bauteil sitzen, ohne auf der Rückseite auszutreten.
Bauanleitung in neun Schritten
- Kisten prüfen. Drücken Sie jede Ecke von Hand auf. Kisten mit gerissenen Latten, ausgebrochenen Klammern oder Wasserrändern sortieren Sie aus. Restfeuchtes Holz arbeitet nach und lockert jede Verbindung.
- Grob schleifen. Gehen Sie mit Körnung 80 über alle Innen- und Außenflächen. Rechnen Sie mit 20 Minuten je Kiste, wenn Sie von Hand arbeiten.
- Kanten brechen. Ziehen Sie jede Kante mit dem Schleifklotz auf etwa 2 Millimeter Radius ab. Scharfe Kanten sind der häufigste Grund für Schürfwunden an Kistenmöbeln.
- Fein schleifen. Zweiter Durchgang mit Körnung 120. Fahren Sie danach mit der flachen Hand über jede Innenfläche. Was hakt, wird später zum Splitter im Kinderfinger.
- Klammern nacharbeiten. Setzen Sie an jeder Ecke oben und unten je eine Schraube 4 mal 40 Millimeter durch das Seitenbrett in den Eckpfosten. Vorbohren mit 2,5 Millimetern, Durchgangsloch im oberen Brett 4 Millimeter.
- Kisten verbinden. Stellen Sie die Kisten auf eine ebene Fläche, spannen Sie sie mit zwei Schraubzwingen zusammen und verschrauben Sie die aneinanderliegenden Seiten mit vier Schrauben je Stoß. Holzleim kommt zusätzlich in die Fuge, nicht anstelle der Schrauben.
- Lüftungslöcher bohren. Zwei Löcher mit 30 Millimetern Durchmesser in zwei gegenüberliegende Seiten, mindestens 150 Millimeter voneinander entfernt. Bohren Sie mit einem Forstnerbohrer und legen Sie ein Restholz unter, damit die Rückseite nicht ausreißt.
- Deckel entscheiden. Entweder loser Auflegedeckel aus 18 Millimeter Leimholz mit umlaufender Führungsleiste, oder Scharnierdeckel mit gekauftem Deckelhalter aus dem Beschlaghandel. Distanzklötze von 15 Millimetern Höhe an den Deckelecken halten den Spalt über der Klemmzone.
- Oberfläche behandeln. Verwenden Sie nur Lacke oder Öle, die ausdrücklich als speichel- und schweißecht nach DIN 53160 und als geeignet nach DIN EN 71-3 ausgewiesen sind. Zwei dünne Aufträge mit Zwischenschliff halten besser als ein dicker.
Welche Fehler machen die Kiste gefährlich?

Der häufigste Fehler ist die Kiste, die zu hoch wird. Drei gestapelte Obstkisten ergeben 90 Zentimeter Höhe bei 40 Zentimetern Tiefe. Das kippt, sobald ein Kind an der oberen Kante zieht. Kastenmöbel für den Wohnbereich werden nach DIN EN 14749 im beladenen Zustand auf Standsicherheit geprüft, und jede hohe, schmale Bauform braucht einen Wandanker. Welcher Befestigungspunkt in Ihrer Wand hält, klärt der Überblick zu der Frage, welchen Dübel welche Wand verträgt.
Der zweithäufigste Fehler sind Rollen. Sie machen die Kiste beweglich, aber auch instabil, sobald sich ein Kind daran hochzieht. Nehmen Sie feststellbare Rollen oder lassen Sie sie weg. Der dritte Fehler ist Farbe aus dem Baumarktregal ohne Prüfhinweis. Ein Lack ohne Angabe zu EN 71-3 ist für Möbel in Ordnung und für Spielzeug nicht belegt.
Wenn Ihnen die Obstkiste zu leicht gebaut erscheint, ist die stabilere Alternative eine Konstruktion aus dickwandigen Weinkisten. Wie sich daraus eine tragfähige Truhe bauen lässt, steht in der Anleitung zur Truhe aus Holzkisten. Rechnen Sie für die Obstkistenvariante mit Kosten von etwa 20 bis 40 Euro für zwei Kisten, Schrauben, Schleifpapier und Lack sowie mit rund vier Stunden Arbeitszeit, davon allein zwei Stunden für das Schleifen.
