Kräuter auf der Fensterbank scheitern selten am Licht und fast immer am Wasser. Die Bauform des Regals entscheidet dabei mit, weil sie festlegt, wohin überschüssiges Gießwasser läuft. Diese Anleitung baut ein dreibödiges Regal für die Fensternische und legt die Wasserführung vorher fest.
Warum sterben Kräuter am Gießwasser?
Weil Wurzeln Sauerstoff brauchen. Steht Wasser dauerhaft im Topfballen oder im Untersetzer, verdrängt es die Luft aus den Poren der Erde. Die Feinwurzeln ersticken, dann setzen Fäulniserreger an, und die Pflanze welkt. Das Tückische daran ist das Erscheinungsbild: Eine Pflanze mit erstickten Wurzeln sieht aus wie eine durstige Pflanze, also gießt man noch mehr. Staunässe gilt in der Kräuterzucht als Problem Nummer eins.
Die Gegenmaßnahmen sind einfach und unverhandelbar. Jeder Topf braucht mindestens ein Abzugsloch im Boden. Über dem Loch liegt eine Drainageschicht aus Blähton oder Tonscherben von etwa 2 Zentimetern Höhe. Unter dem Topf steht ein Untersetzer, der das Wasser auffängt, und dieser Untersetzer wird nach dem Gießen geleert, spätestens nach 20 bis 30 Minuten. Dekorative Übertöpfe ohne Loch sind bei Kräutern der sicherste Weg zum Misserfolg.
Untersetzer sind keine Wasserspeicher. Wasser, das nach einer halben Stunde noch im Untersetzer steht, wird nicht mehr aufgenommen. Es hält den Topfboden dauernd nass und lässt die unteren Wurzeln faulen. Gießen Sie lieber zweimal wenig als einmal viel, und schütten Sie den Rest weg.
Wie viel Licht braucht welches Kraut?
Unterschiedlich viel, und genau das macht ein Regal mit mehreren Ebenen sinnvoll. Auf einem Regal am Fenster bekommt die oberste Ebene deutlich mehr Licht als die unterste, besonders wenn das Regal seitlich neben dem Fenster steht. Verteilen Sie die Pflanzen entsprechend, statt sie durcheinanderzustellen.
| Kraut | Licht | Wasser | Erde | Platz im Regal |
|---|---|---|---|---|
| Basilikum | viel Licht und Wärme | gleichmäßig feucht | nährstoffreich | oberste Ebene, Südfenster |
| Rosmarin | vollsonnig | zwischen den Gaben abtrocknen lassen | sandig, durchlässig | oberste Ebene |
| Thymian | vollsonnig | eher trocken | sandig, durchlässig | oberste Ebene |
| Oregano | sonnig | eher trocken | sandig, durchlässig | obere Ebene |
| Petersilie | etwa 8 Stunden Licht, halbschattig, nicht zu warm | gleichmäßig feucht | nährstoffreich | mittlere Ebene, Ost- oder Westfenster |
| Schnittlauch | hell bis halbschattig | gleichmäßig feucht | nährstoffreich | mittlere Ebene |
| Minze | hell bis halbschattig | feucht, verträgt viel | humos | untere Ebene |
Die beiden Gruppen vertragen sich beim Gießen nicht. Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian und Oregano stammen aus trockenen, sandigen Böden und reagieren empfindlich auf zu viel Wasser. Basilikum, Petersilie und Schnittlauch wollen dagegen nährstoffreiche, gleichmäßig feuchte Erde. Stellen Sie die Gruppen deshalb getrennt auf, dann können Sie jeweils die ganze Ebene nach einem Schema gießen und müssen nicht Topf für Topf entscheiden.
MerkeIm Winter reicht das Fensterlicht in unseren Breiten für die meisten Kräuter nicht aus. Die Pflanzen vergeilen dann, bilden lange, dünne Triebe mit wenig Aroma. Rücken Sie die Töpfe im Winter so nah wie möglich ans Glas, aber nicht direkt über den Heizkörper. Eine Pflanzenleuchte kann helfen, ist aber ein zusätzliches Gerät mit Stromverbrauch und eigenem Standortproblem.
Material und Werkzeug
Die Stückliste ergibt ein stehendes Regal mit drei Böden, 70 Zentimetern Breite, 20 Zentimetern Tiefe und 75 Zentimetern Höhe. Standardtöpfe für Küchenkräuter aus dem Supermarkt haben etwa 12 Zentimeter Durchmesser und 11 Zentimeter Höhe, größere Kulturtöpfe kommen auf 15 bis 19 Zentimeter Durchmesser. Planen Sie 25 Zentimeter lichte Fachhöhe, dann passt auch eine gewachsene Pflanze hinein.
| Position | Menge | Maß | Kosten |
|---|---|---|---|
| Leimholz für Böden | 3 Stück | 664 x 200 x 18 mm | 22 bis 45 Euro |
| Leimholz für Seiten | 2 Stück | 750 x 200 x 18 mm | 18 bis 35 Euro |
| Diagonalstreben | 2 Stück | etwa 1000 x 40 x 15 mm | 6 bis 12 Euro |
| Zinkblech oder PVC-Wanne je Boden | 3 Stück | 660 x 195 mm, Rand 20 mm | 18 bis 45 Euro |
| Untersetzer aus Kunststoff | 9 Stück | Durchmesser 14 cm | 6 bis 14 Euro |
| Blähton für die Drainage | 3 Liter | Körnung 8 bis 16 mm | 5 bis 10 Euro |
| Spanplattenschrauben | 16 Stück | 4,5 x 50 mm | 5 bis 8 Euro |
| Kippsicherungsset | 1 Set | Winkel oder Gurt | 4 bis 8 Euro |
| Hartwachsöl oder Lack | 0,375 Liter | zwei Schichten | 12 bis 25 Euro |
- Handkreissäge oder Baumarktzuschnitt: Fünf rechtwinklige Teile lassen sich im Zuschnitt genauer bekommen als mit der Stichsäge aus freier Hand.
- Akkuschrauber: mit Holzbohrer 3 Millimeter und Kegelsenker. 18 Millimeter starkes Leimholz reißt an der Stirnseite ohne Vorbohren.
- Blechschere: falls Sie die Wannen aus Zinkblech selbst kanten. Fertige PVC-Pflanzwannen sind die schnellere Lösung.
- Wasserwaage: mindestens 60 Zentimeter Länge. Ein schiefer Boden sammelt das Gießwasser an einer Ecke.
- Vier Schraubzwingen: zum Fixieren beim Verschrauben.
- Schutzausrüstung: Schutzbrille beim Sägen, Handschuhe bei der Blecharbeit, Blechkanten sind scharf.
Schritt für Schritt zum Kräuterregal
- Standort festlegen. Beobachten Sie einen Tag lang, wie lange die Sonne auf die gewählte Fläche fällt. Unter vier Stunden direktem Licht scheiden Rosmarin und Thymian aus, dann planen Sie nur mit den halbschattigen Arten.
- Fachhöhen festlegen. Messen Sie Ihre höchsten Töpfe und rechnen Sie 12 Zentimeter Wuchshöhe dazu. 25 Zentimeter lichte Höhe je Fach sind ein guter Ausgangswert.
- Zuschnitt kontrollieren. Legen Sie alle fünf Teile aus und messen Sie nach. Abweichungen von 1 bis 2 Millimetern aus dem Baumarktzuschnitt addieren sich über drei Böden.
- Positionen anzeichnen. Legen Sie beide Seitenteile Rücken an Rücken und übertragen Sie die Bodenhöhen in einem Zug auf beide.
- Vorbohren und senken. Bohren Sie je Verbindung zwei Löcher mit 3 Millimetern und senken Sie sie an. Der Bohrer muss mittig auf die Bodenkante treffen.
- Korpus verschrauben. Ziehen Sie die Böden mit 4,5 mal 50 Millimeter langen Schrauben zwischen die Seiten und prüfen Sie nach jedem Boden den rechten Winkel.
- Diagonal aussteifen. Schrauben Sie zwei Latten kreuzweise auf die Rückseite. Auf eine geschlossene Rückwand verzichten Sie, damit Luft an die Pflanzen kommt.
- Oberfläche behandeln. Schleifen Sie mit Korn 120 und 180, brechen Sie alle Kanten und tragen Sie zwei Schichten Hartwachsöl oder Lack auf. Gießwasser läuft hier regelmäßig über das Holz.
- Wannen einlegen. Legen Sie in jeden Boden eine Zink- oder PVC-Wanne mit umlaufendem Rand von 2 Zentimetern. Sie fängt übergelaufenes Wasser auf, bevor es ins Holz zieht.
- Töpfe vorbereiten. Prüfen Sie bei jedem Topf das Abzugsloch, füllen Sie 2 Zentimeter Blähton ein und setzen Sie die Pflanze darauf. Töpfe ohne Loch bohren Sie auf oder ersetzen Sie.
- Nach Lichtbedarf einräumen. Rosmarin, Thymian und Basilikum nach oben, Petersilie und Schnittlauch in die Mitte, Minze nach unten. Gruppieren Sie nach Gießbedarf, nicht nach Aussehen.
- Kippsicherung setzen. Schrauben Sie einen Winkel an die Regaloberkante und dübeln Sie ihn in die Wand. Ein schmales, hohes Regal mit 20 Zentimetern Standtiefe kippt, sobald jemand dagegen stößt.
Wie viel trägt so ein Regal?
Deutlich mehr, als Kräuter wiegen. Ein Standardtopf mit feuchter Erde und Pflanze kommt auf 0,6 bis 1,2 Kilogramm, ein großer Kulturtopf von 19 Zentimetern Durchmesser auf 2 bis 3 Kilogramm. Fünf Töpfe je Ebene ergeben also 3 bis 15 Kilogramm. Ein 18 Millimeter starkes Leimholzbrett mit 66 Zentimetern Stützweite trägt das ohne sichtbare Durchbiegung.
Kritisch wird es erst, wenn Sie größere Pflanzgefäße aufstellen. Ein Balkonkasten von 60 Zentimetern Länge mit feuchter Erde wiegt gefüllt 10 bis 15 Kilogramm, und wenn Sie zwei davon auf einen Boden stellen, sollten Sie eine Mittelstütze einbauen oder die Brettstärke auf 27 Millimeter erhöhen. Für Wandmontage statt stehender Bauform gelten die Fragen aus dem Beitrag welchen Dübel für welche Wand.
Eine platzsparende Alternative ist das hängende Regal mit einzelnen Töpfen, wie es der Beitrag zum Kräuterregal aus Töpfen beschreibt. Wer die Kräuter lieber draußen zieht, findet die Bauform mit größerem Wurzelraum im Beitrag zum Kräuterhochbeet.
Wie halten die Kräuter länger als drei Wochen?
Indem Sie die Supermarktware umtopfen. Ein handelsüblicher Kräutertopf enthält meist mehrere Dutzend Sämlinge in einem sehr kleinen Ballen, die einander Wasser und Nährstoffe wegnehmen. Diese Pflanzen sind auf schnellen Verkauf gezüchtet, nicht auf Dauer. Teilen Sie den Ballen in zwei bis drei Portionen und setzen Sie jede in einen eigenen Topf von 12 bis 14 Zentimetern Durchmesser mit frischer Erde.
Ernten Sie regelmäßig, aber nie mehr als ein Drittel der Triebe auf einmal. Bei Basilikum schneiden Sie über einem Blattpaar, dann treibt die Pflanze zweifach aus. Schnittlauch schneiden Sie etwa 3 Zentimeter über dem Boden. Rosmarin und Thymian brauchen einen Rückschnitt ins junge Holz, nie ins alte, verholzte, dort treiben sie nicht mehr aus.
Kontrollieren Sie einmal pro Woche die Untersetzer, auch wenn Sie zwischendurch nicht gegossen haben. In der Heizperiode verdunstet Wasser schnell, in feuchten Wochen bleibt es stehen. Wenn ein Topf nach dem Gießen dauerhaft schwer bleibt und die Erde oben nicht abtrocknet, ist das Abzugsloch verstopft. Nehmen Sie die Pflanze heraus und räumen Sie das Loch frei.
