Küchenschränke wirken beliebig, sind es aber nicht. Hinter jeder Einbauküche steht ein Raster aus wenigen Grundmaßen, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. Wer dieses Raster kennt, plant schneller, tauscht später einzelne Elemente aus und erkennt sofort, warum ein Geschirrspüler in eine Nische passt und ein anderer nicht.
Der zweite Teil ist die Ergonomie. Die Standardhöhe einer Arbeitsplatte ist auf eine mittlere Körpergröße ausgelegt. Wer deutlich darüber oder darunter liegt, arbeitet jeden Tag in einer Haltung, die Rücken, Schultern und Nacken belastet. Das lässt sich beim Bau einer Küche für wenig Geld korrigieren und danach kaum noch.
Welche Standardmaße haben Küchenschränke?

| Bauteil | Höhe | Tiefe | Breiten im Raster |
|---|---|---|---|
| Unterschrank (Korpus) | 72 Zentimeter | 56 Zentimeter Korpus, rund 60 Zentimeter mit Front | 30, 40, 45, 50, 60, 80, 100 Zentimeter |
| Sockel | 10 bis 18 Zentimeter, sichtbar meist 10 bis 15 | zurückgesetzt für den Fußfreiraum | durchlaufend |
| Arbeitsplatte | 3 bis 4 Zentimeter stark | 60 Zentimeter, oft mit Überstand | zugeschnitten |
| Oberschrank (Hängeschrank) | 36, 48, 60 oder 72 Zentimeter | 35 bis 37 Zentimeter | 30 bis 100 Zentimeter |
| Hochschrank | Korpus meist 200 bis 220 Zentimeter | 56 bis 60 Zentimeter | 30, 45, 50, 60 Zentimeter |
Rechnen Sie die Arbeitshöhe zusammen: 72 Zentimeter Korpus, 10 bis 15 Zentimeter Sockel, 3 bis 4 Zentimeter Arbeitsplatte. Das ergibt 85 bis 91 Zentimeter. Genau in dieser Spanne liegen die meisten Einbauküchen, und genau hier liegt der Stellschlüssel für die Ergonomie: Der Sockel ist das einzige Bauteil, das sich ohne Sonderanfertigung in der Höhe verändern lässt.
Die Korpustiefe von 56 Zentimetern erklärt außerdem, warum sich Geräte tauschen lassen. Einbaugeschirrspüler, Backöfen und Kühlschränke sind auf dieselbe Nische ausgelegt. Die Standardnische für einen Geschirrspüler ist 60 Zentimeter breit, für schmale Modelle 45 Zentimeter.
Wie hoch muss die Arbeitsplatte für Ihren Rücken sein?
Das ist der praktische Kern jeder Küchenplanung. Die Messmethode ist einfach und braucht zwei Minuten:
- Aufrecht hinstellen. Barfuß oder in den Schuhen, die Sie in der Küche tragen. Beides ergibt unterschiedliche Werte, deshalb entscheiden Sie sich für eine Variante.
- Ellenbogen anwinkeln. Der Unterarm steht waagerecht, der Oberarm hängt locker am Körper.
- Höhe messen. Vom Boden bis zur Unterkante des angewinkelten Ellenbogens, mit einem Zollstock an der Wand.
- 10 bis 15 Zentimeter abziehen. Das Ergebnis ist Ihre Arbeitshöhe. Für schwere Arbeiten wie Teigkneten nehmen Sie den größeren Abzug, für feine Schneidearbeiten den kleineren.
- Sockelhöhe anpassen. Die Differenz zur Standardhöhe gleichen Sie über den Sockel aus. Verstellbare Möbelfüße decken meist einen Bereich von mehreren Zentimetern ab.
- Vor der Montage prüfen. Stellen Sie ein Brett auf Stapel in der geplanten Höhe auf und schneiden Sie zehn Minuten lang Gemüse darauf. Was sich dabei nicht gut anfühlt, fühlt sich in zehn Jahren nicht besser an.
| Gemessene Ellenbogenhöhe | Arbeitshöhe bei 15 Zentimetern Abzug | Arbeitshöhe bei 10 Zentimetern Abzug |
|---|---|---|
| 95 Zentimeter | 80 Zentimeter | 85 Zentimeter |
| 100 Zentimeter | 85 Zentimeter | 90 Zentimeter |
| 105 Zentimeter | 90 Zentimeter | 95 Zentimeter |
| 110 Zentimeter | 95 Zentimeter | 100 Zentimeter |
| 115 Zentimeter | 100 Zentimeter | 105 Zentimeter |
Die Werte in der Tabelle sind reine Rechenwerte aus der Messmethode, keine Normvorgabe. Als deutscher Standardwert wird häufig 86 Zentimeter genannt, ausgelegt auf Körpergrößen zwischen 168 und 172 Zentimetern. Andere Quellen nennen für 170 Zentimeter Körpergröße eher 88 bis 90 Zentimeter. Diese Streuung ist der Grund, warum die eigene Messung der Tabelle vorzuziehen ist.
MerkeWenn zwei Personen mit sehr unterschiedlicher Körpergröße dieselbe Küche nutzen, planen Sie zwei Höhen: die Hauptarbeitsfläche für die Person, die häufiger kocht, und eine zweite Zone, etwa eine tiefer gesetzte Fläche zum Kneten oder eine erhöhte Kochinsel. Ein Kompromiss in der Mitte passt am Ende zu niemandem.
Auszug oder Drehtür: was ist im Alltag besser?
Ein Unterschrank mit Drehtür und festen Böden ist die günstigste Variante. Sein Nachteil ist geometrisch: Sie sehen nur die vordere Hälfte des Inhalts und müssen sich für die hintere bücken und hineingreifen. Was in der zweiten Reihe steht, wird nicht benutzt.
Ein Auszug dreht das Verhältnis um. Der Inhalt kommt zur Person, nicht umgekehrt. Bei einem Vollauszug fährt der Auszug vollständig aus dem Korpus, bei einem Teilauszug bleibt ein Rest im Schrank. Für Töpfe und schwere Vorräte lohnt der Vollauszug, weil sonst genau der hintere Bereich wieder unerreichbar wird.
- Traglast: Sie steht im Datenblatt des Auszugs und ist der am seltensten beachtete Wert. Ein Auszug mit Topfgeschirr wird schnell schwer.
- Selbsteinzug und Dämpfung: zieht die Front auf den letzten Zentimetern zu und verhindert Zuschlagen. Nachrüstbar an vielen Systemen.
- Korpusmaterial: beschichtete Spanplatte ist Standard, üblich sind 16 oder 19 Millimeter Stärke. Dickere Seiten tragen mehr und schrauben besser.
- Rückwand: dünne, eingenutete Rückwände sind stabiler als aufgenagelte Hartfaserplatten.
- Kantenanleimer: ABS-Kanten halten Feuchtigkeit besser ab als Papierkanten. An der Spülenfront ist das der Unterschied zwischen zehn und drei Jahren.
- Scharniere: Topfscharniere mit Dämpfung und Winkelbereich ab 110 Grad lassen sich später einzeln tauschen.
Warum brauchen Hochschränke eine Kippsicherung?
Weil ein hoher, schmaler Schrank mit ausgezogenen Auszügen den Schwerpunkt nach vorn verlagert. Die europäische Norm EN 14749 legt die Anforderungen an die Standsicherheit von Kastenmöbeln fest. Geprüft wird im voll beladenen Zustand mit geöffneten Türen und Auszügen, zusätzlich mit einer definierten Zugkraft an Front und Schub.
Mitgelieferte Wandbefestigung ist keine Option. Liefert der Hersteller eine Wandbefestigung mit und ist sie laut Produktbeschreibung für die Kippsicherheit erforderlich, muss sie montiert werden. Besonders kritisch sind Haushalte mit kleinen Kindern, die Auszüge und Türen als Leiter benutzen. Als Faustformel gelten Möbel ab 90 Zentimetern Höhe und mehr als 10 Kilogramm Masse sowie Möbel ab 35 Zentimetern Höhe und mehr als 35 Kilogramm als kippgefährdet.
Die Befestigung braucht einen tragfähigen Untergrund. In Beton und Vollziegel ist das unkritisch, in Gipskarton-Ständerwänden müssen Sie die Ständerprofile treffen oder Hohlraumdübel verwenden. Bei Hängeschränken kommt das volle Gewicht des Inhalts dazu, dort ist die Befestigung sicherheitsrelevant. Die Schritt-für-Schritt-Montage steht in der Anleitung zum Anbringen von Hängeschränken.
Welche Abstände gelten über dem Kochfeld?
Der Mindestabstand zwischen Kochfeld und Dunstabzugshaube ist keine frei wählbare Größe. Verbindlich ist die Montageanweisung des Haubenherstellers. Die dort genannten Werte liegen für Elektrokochfelder wie Ceran und Induktion üblicherweise zwischen 45 und 65 Zentimetern, für Gaskochfelder zwischen 65 und 75 Zentimetern. Der größere Abstand bei Gas hat einen Grund: offene Flamme und höhere Abgastemperatur.
Nach oben gibt es ebenfalls eine sinnvolle Grenze. Über etwa 80 Zentimetern Abstand erfasst die Haube den aufsteigenden Wrasen kaum noch, weil sich der Dampfkegel bis dorthin zu weit ausbreitet.
Für Hängeschränke neben der Haube gilt der Abstand ebenfalls, weil auch sie der Hitze ausgesetzt sind. Zwischen Arbeitsplatte und Unterkante der Hängeschränke werden üblicherweise 50 bis 60 Zentimeter geplant. Weniger schränkt den Arbeitsraum ein, mehr macht das oberste Fach unerreichbar.
Wie planen Sie Stauraum sinnvoll?
Ordnen Sie den Inhalt nach Griffhäufigkeit, nicht nach Größe. Alles, was täglich gebraucht wird, gehört in den Bereich zwischen Hüfte und Schulter. Selten Benutztes wandert nach ganz oben oder ganz unten. Schwere Dinge gehören nach unten, weil Sie sie sonst über Kopfhöhe heben.
Der Bereich unter der Spüle ist wegen der Siphonleitung schlecht nutzbar und eignet sich für Mülltrennsysteme und Reinigungsmittel. Eckschränke verlieren ohne Karussell oder Auszugsbeschlag den größten Teil ihres Volumens. Offene Flächen für häufig Benutztes ergänzen die Schränke sinnvoll, dazu passt der Beitrag zu Küchenregalen. Wo der Grundriss es zulässt, verschiebt eine Kücheninsel Arbeitsfläche und Stauraum in die Raummitte.
Bevor Sie kaufen, messen Sie die Wand an drei Stellen: unten am Sockel, auf Arbeitsplattenhöhe und an der Oberkante der Hängeschränke. Altbauwände weichen dabei häufig um mehrere Zentimeter voneinander ab, und dieser Unterschied entscheidet darüber, ob die Zeile am Ende ohne Blende passt.
