Ein Lederrucksack wird über sein Material verkauft, und genau dieses Material ist im Laden am schwersten zu beurteilen. Auf dem Etikett steht meist nur "echtes Leder", manchmal "Rindsleder", selten mehr. Diese Angaben sagen fast nichts darüber aus, wie lange der Rucksack hält, ob die Nähte reißen und ob der Farbstoff auf helle Kleidung abfärbt. Dieser Text erklärt, welche Merkmale sich tatsächlich prüfen lassen, wo die gesetzlichen Schadstoffgrenzen liegen und wie Sie Leder so pflegen, dass es nicht nach zwei Jahren spröde wird.

Warum sagt "echtes Leder" nichts über die Qualität?
Weil der Begriff nur eine Abgrenzung leistet: Es handelt sich um gegerbte tierische Haut und nicht um beschichtetes Gewebe. Welche Schicht der Haut verarbeitet wurde, bleibt offen, und genau daran hängt die Haltbarkeit. Die europäische Terminologienorm DIN EN 15987 regelt die Hauptbegriffe für den Lederhandel. Danach gilt eine Oberflächenbeschichtung bis 0,15 Millimeter noch als Leder; darüber ist von beschichtetem Leder zu sprechen. Übersteigt die Beschichtung ein Drittel der Gesamtdicke, ist die schlichte Bezeichnung "Leder" nicht mehr zulässig.
Praktisch heißt das: Ein stark pigmentiertes, geprägtes Spaltleder kann aussehen wie feines Narbenleder, verhält sich aber anders. Es reißt früher ein, nimmt keine Patina an, und wenn die Deckschicht bricht, kommt eine faserige, helle Schicht zum Vorschein. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kennzeichnungsvorschriften nicht deckungsgleich sind: Nach DIN EN 15987 ist Spaltleder als solches zu deklarieren, nach der älteren Regelung RAL 060 A2 durfte es ohne Zusatz "Leder" heißen. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf das Wort, sondern auf die Prüfung am Objekt.
| Lederart | Herkunft in der Haut | Erkennungsmerkmal | Verhalten im Gebrauch |
|---|---|---|---|
| Vollnarbenleder | Oberste, dichteste Schicht, Narbe unangeschliffen | Unregelmäßige Poren, sichtbare Hautmerkmale | Sehr reißfest, entwickelt Patina |
| Korrigiertes Narbenleder (Top-Grain) | Oberste Schicht, leicht angeschliffen und gedeckt | Sehr gleichmäßiges, oft geprägtes Muster | Robust, kaum Patina, Deckschicht kann abplatzen |
| Spaltleder | Untere Hautschicht ohne natürliche Narbung | Faserige Rückseite, aufgeprägte Narbung | Geringere Reißfestigkeit, anfällig an Kanten |
| Nubuk und Velours | Angeschliffene Ober- beziehungsweise Unterseite | Samtiger Griff, Schreibeffekt beim Streichen | Sehr empfindlich gegen Wasser und Fett |
| Lederfaserstoff | Zerfaserte Lederreste mit Bindemittel | Absolut gleichmäßige Struktur, oft an Kanten erkennbar | Formstabil, aber nicht dauerhaft belastbar |
Chrom(VI): Grenzwert 3 Milligramm je Kilogramm. Für Lederartikel und Erzeugnisse mit Lederteilen, die mit der Haut in Berührung kommen, gilt nach der REACH-Verordnung, Anhang XVII, Eintrag 47, ein Grenzwert von 3 Milligramm Chrom(VI) je Kilogramm Trockengewicht des Leders. Analysiert wird nach DIN EN ISO 17075. Chrom(VI) ist ein Kontaktallergen und kann bei bereits sensibilisierten Personen ein allergisches Kontaktekzem auslösen. Zugesetzt wird es nicht: In der Gerberei kommt dreiwertiges Chrom zum Einsatz, das erst durch Oxidation in die sechswertige Form übergehen kann. Begünstigt wird das durch Wärme, UV-Licht, ungünstige Fettung und lange Lagerung. Ein Lederartikel, der monatelang in einer heißen Halle oder hinter einem Schaufenster lag, ist deshalb ungünstiger als frische Ware. Wer auf Chrom verzichten will, greift zu pflanzlich gegerbtem Leder, oft als vegetabil oder chromfrei ausgewiesen.
Welche Konstruktionsmerkmale entscheiden über die Haltbarkeit?
- Nahtbild: Gerade, gleichmäßige Stiche ohne Auslassungen, an Gurtansätzen und Griffen zusätzlich rückwärts vernäht oder als Riegel ausgeführt. Die Naht am Gurtansatz ist die Stelle, an der Rucksäcke zuerst versagen.
- Verstärkung an Lastpunkten: Unter Tragegurten und Tragegriff gehört eine zweite Lederlage oder ein Metallring. Ein direkt auf die Rückwand genähter Gurt reißt das Leder mit heraus.
- Kanten: Umgeschlagene und vernähte Kanten halten länger als offen geschnittene. Bei geschnittenen Kanten sollte die Schnittfläche versiegelt sein, sonst saugt sie Feuchtigkeit.
- Reißverschluss: Metallzähne mit Kunststoffband sind ein guter Kompromiss. Prüfen Sie den Lauf über die gesamte Länge, besonders in der Rundung, denn dort verhakt sich ein schlecht eingesetzter Verschluss.
- Futter: Ein eingenähtes Futter aus dichtem Gewebe verhindert, dass sich Kleinteile zwischen Lederlagen schieben. Ein nur eingeklebtes Futter löst sich.
- Gurtbreite: Schmale Riemen von 25 Millimeter Breite schneiden bei mehr als wenigen Kilogramm ein. Für den täglichen Weg mit Laptop sind breitere, gepolsterte Gurte sinnvoll.
- Leergewicht: Leder ist schwer. Wiegen Sie den leeren Rucksack im Laden und rechnen Sie das Gewicht Ihres Laptops dazu, bevor Sie sich entscheiden.
Wie prüfen Sie einen Lederrucksack im Laden?
- Schnittkante suchen. Sehen Sie sich eine offene Kante oder das Innere einer Lasche an. Durchgefärbtes Leder ist im Querschnitt gleichmäßig, eine dünne Farbschicht auf hellem Kern zeigt eine reine Deckfarbe.
- Poren betrachten. Halten Sie die Fläche schräg ins Licht. Unregelmäßige Poren und kleine Hautmerkmale sprechen für Vollnarbenleder, ein exakt wiederkehrendes Muster für eine Prägung.
- Falten prüfen. Drücken Sie die Fläche mit dem Daumen ein. Echtes Narbenleder wirft feine, unterschiedlich verlaufende Falten und glättet sich wieder; eine starre Deckschicht knickt.
- Reibprobe mit hellem Tuch. Reiben Sie an einer verdeckten Stelle mit einem weißen Tuch. Bleibt deutlich Farbe zurück, färbt der Rucksack später auf Kleidung ab.
- Am Gurt hängen lassen. Heben Sie den Rucksack an einem einzelnen Tragegurt an und beobachten Sie den Ansatzpunkt. Zieht sich das Leder dort sichtbar lang, fehlt die Verstärkung.
- Geruch beachten. Ein scharfer, chemischer Geruch ist ein Warnsignal und Anlass, den Kauf zu verschieben. Gut ausgelüftetes Leder riecht mild.
Wie pflegen Sie Leder, ohne es zu ruinieren?
Leder verliert im Gebrauch Fett, und mit dem Fett die Geschmeidigkeit. Wird nicht nachgefettet, brechen die Fasern an Knickstellen, und diese Risse sind nicht reparabel. Wird zu viel und zu oft gefettet, schließt sich die Oberfläche, das Leder wirkt speckig und nimmt Schmutz stärker an. Ein bis zwei Anwendungen im Jahr genügen bei normaler Nutzung, bei starker Beanspruchung im Winter auch drei. Tragen Sie das Pflegemittel dünn mit einem weichen Tuch auf, lassen Sie es einziehen und polieren Sie den Überschuss ab.
Glattleder verträgt eine Lederpflegecreme oder ein Lederfett. Nubuk und Velours vertragen beides nicht, weil das Fett den aufgerauten Flor verklebt; hier arbeiten Sie trocken mit Krepp- oder Messingbürste und einem Imprägnierspray für Rauleder. Bei Wasserflecken gilt für alle Arten: nicht föhnen, nicht auf die Heizung legen, sondern locker mit Papier ausstopfen und bei Raumtemperatur trocknen lassen. Wie man Flecken behandelt, die bereits eingezogen sind, steht ausführlicher im Beitrag über Flecken auf Leder, und die Prinzipien der Reinigung heller Oberflächen erklärt der Text über die Reinigung einer weißen Ledercouch.
MerkeLagern Sie den Rucksack nicht in einer Plastiktüte und nicht in der prallen Sonne. Kunststoff hält Feuchtigkeit fest und begünstigt Schimmel, Wärme und UV-Licht fördern die Oxidation von dreiwertigem zu sechswertigem Chrom. Ein Baumwollbeutel im Schrank ist die richtige Aufbewahrung.
Wann lohnt sich Leder und wann nicht?
Leder lohnt sich, wenn der Rucksack überwiegend trocken bewegt wird, wenn er repariert statt ersetzt werden soll und wenn das Mehrgewicht keine Rolle spielt. Eine gerissene Naht lässt sich beim Sattler oder Schuhmacher nachnähen, ein durchgescheuerter Gurtansatz lässt sich unterlegen. Das ist der reale Vorteil gegenüber verschweißten Kunststoffkonstruktionen. Die Verschnittstücke, die bei einer solchen Reparatur anfallen, sind zu schade für den Müll; was sich daraus machen lässt, zeigt die Anleitung für Schlüsselanhänger aus Lederresten.
Gegen Leder sprechen drei Situationen. Erstens dauerhafte Nässe, etwa auf dem täglichen Radweg ohne Regenhülle, weil Leder Wasser aufnimmt und beim Trocknen hart wird. Zweitens hohe Lasten über lange Strecken, weil Lederrucksäcke selten ein tragfähiges Rückensystem mit Hüftgurt haben. Drittens ein knappes Budget, denn günstiges Leder ist meist beschichtetes Spaltleder und hält weniger lang als ein solides Nylonmodell derselben Preisklasse. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der Hersteller Ersatzteile wie Schnallen und Karabiner nachliefert; das entscheidet oft mehr über die Lebensdauer als die Lederart.
