Bei Klebstoffflecken scheitern pauschale Ratschläge zuverlässig, denn hinter dem Wort Leim stecken chemisch völlig verschiedene Produkte. Weißleim ist eine wässrige Kunststoffdispersion, Sekundenkleber ein reaktiver Cyanacrylat-Kleber, Heißkleber ein aufgeschmolzener Thermoplast.
Bevor Sie also irgendetwas auftragen: Schauen Sie nach, welcher Kleber es war. Diese eine Minute entscheidet über den Erfolg.
Welcher Kleber braucht welches Mittel?
| Klebstoff | Frisch | Eingetrocknet |
|---|---|---|
| Bastelkleber, Klebestift | warmes Wasser, Seife | einweichen, dann auswaschen |
| Weißleim, Holzleim | warmes Wasser | mehrere Stunden einweichen, abbürsten |
| Alleskleber, Kontaktkleber | Waschbenzin, Spiritus | Waschbenzin, mehrfach tupfen |
| Sekundenkleber | Aceton | Aceton, mehrere Durchgänge |
| Heißkleber | abkühlen lassen | mit Kälte spröde machen, abbrechen |
| Sprühkleber | Waschbenzin | Waschbenzin, dann Gallseife |
| Etiketten und Aufkleber | warmes Wasser, Öl | Öl einwirken lassen, abrubbeln |
Wasserlösliche Kleber
Bastelleim, Klebestifte und Holzleim sind vor dem Aushärten wasserlöslich. Frisch genügt warmes Wasser mit etwas Seife, ausgespült von der Rückseite.
Eingetrocknet brauchen sie Zeit statt Chemie: Weichen Sie das Textil mehrere Stunden in warmem Wasser ein, bis der Film weich wird, und bürsten Sie ihn dann vorsichtig ab. Bei Holzleim ist das Ergebnis oft unvollständig, weil er beim Aushärten mit den Fasern vernetzt.
Alleskleber und Sekundenkleber
Alleskleber und Kontaktkleber weichen mit Waschbenzin, Spiritus oder Nagellackentferner auf. Tragen Sie das Mittel auf ein Tuch auf, legen Sie ein saugfähiges Tuch unter und tupfen Sie von außen nach innen. Anschließend mit Gallseife nacharbeiten und waschen.
Sekundenkleber ist der schwierigste Fall. Er härtet innerhalb von Sekunden durch Feuchtigkeit aus und verbindet die Fasern miteinander. Das einzige verlässlich wirksame Mittel ist Aceton.
Aceton löst Acetat, Triacetat und Modacryl auf. Auf diesen Fasern entsteht ein Loch statt eines sauberen Textils. Prüfen Sie deshalb zuerst das Pflegeetikett und testen Sie an einer verdeckten Stelle. Bei Wolle, Seide und hochwertigen Stücken ist die Textilreinigung die bessere Entscheidung.
Heißkleber: mit Kälte statt Chemie
Heißkleber ist ein Thermoplast und wird beim Abkühlen fest, nicht chemisch fest. Genau deshalb funktionieren Lösungsmittel hier schlecht und Kälte umso besser.
- Vollständig aushärten lassen, nichts abwischen, solange der Kleber weich ist.
- Kühlakku auflegen oder das Textil ins Gefrierfach legen, bis der Kleber hart ist.
- Stoff knicken, damit die Schicht springt, und die Reste abheben.
- Rest mit Waschbenzin abtupfen, falls noch ein Film zurückbleibt.
- Mit Gallseife nacharbeiten und waschen.
Kleber auf der Haut
Auf der Haut gehört kein Lösungsmittel, auch nicht bei Sekundenkleber. Weichen Sie die Stelle in warmem Seifenwasser ein und massieren Sie anschließend Speiseöl ein. Der Klebefilm löst sich dabei langsam von der Hautoberfläche ab.
Verklebte Finger niemals auseinanderziehen, sondern vorsichtig gegeneinander rollen, während das Öl einwirkt. Bei Kleber an Augen oder Lippen ist ärztliche Hilfe die richtige Adresse, nicht das Hausmittel.
MerkeEtiketten- und Aufkleberreste sind chemisch nah verwandt und folgen derselben Logik: Öl einwirken lassen, dann abrubbeln. Details dazu stehen im Ratgeber zum Aufkleber entfernen.
Warum Klebstoffe zu den Pigment- und Lösungsmittelfällen zählen, ordnet die Übersicht zu den vier Fleckenarten ein. Für Aceton gelten dieselben Einschränkungen wie bei Nagellackflecken.
