Nagellack ist im Grunde Lack: Farbpigmente in einem Lösungsmittel, das nach dem Auftragen verdunstet und einen festen Film zurücklässt. Genau dieser Film macht den Fleck so unangenehm, denn er sitzt nicht in der Faser, sondern verklebt sie miteinander.
Deshalb funktioniert hier kein Waschmittel und kein Hausmittel im üblichen Sinn. Was den Film löst, ist dasselbe Lösungsmittel, das ihn auch von den Nägeln entfernt: Aceton. Und genau dort liegt das Problem.
Vorher das Material prüfen
Aceton greift bestimmte Kunstfasern nicht an, sondern löst sie auf. Betroffen sind Acetat, Triacetat und Modacryl. Auf diesen Materialien entsteht statt eines Flecks ein Loch, und das ist nicht reparabel.
- Pflegeetikett lesen. Steht dort Acetat, Triacetat oder Modacryl, scheidet Aceton aus.
- An verdeckter Stelle testen, etwa an der Innennaht oder am Saum, und eine Minute warten.
- Auf Farbveränderung achten, viele Textilfarben lösen sich in Aceton ebenfalls.
- Im Zweifel acetonfreien Entferner nehmen, er wirkt schwächer, aber schadet weniger.
Aceton nur in gut gelüfteten Räumen und fern von offenen Flammen einsetzen. Die Dämpfe sind leicht entzündlich und reizen die Atemwege. Handschuhe schützen zusätzlich die Haut, die sonst schnell austrocknet.
Die Behandlung Schritt für Schritt
- Nicht reiben. Frischen Nagellack höchstens vorsichtig mit einem feuchten Papiertuch abtupfen.
- Saugfähiges Tuch unterlegen, damit die gelöste Farbe dort landet und nicht auf der Vorderseite.
- Wattepad mit Nagellackentferner tränken und etwa fünf Minuten auf den Fleck legen.
- Abtupfen, von außen nach innen, und die Unterlage wechseln, sobald sie sich färbt.
- Rest mit Waschbenzin nacharbeiten, falls noch Farbe sichtbar ist.
- Gründlich mit Wasser ausspülen und anschließend normal waschen.
Was auf empfindlichen Materialien bleibt
| Material | Aceton erlaubt | Alternative |
|---|---|---|
| Baumwolle, Leinen | ja, nach Farbtest | Waschbenzin |
| Polyester, Polyamid | meist ja, testen | acetonfreier Entferner |
| Acetat, Triacetat, Modacryl | nein, Faser löst sich auf | Textilreinigung |
| Wolle, Seide | nur sehr vorsichtig | Textilreinigung |
| Teppich, Polster | punktuell, sparsam | vorher an verdeckter Stelle testen |
| Lackiertes Holz, Kunststoff | nein, greift die Oberfläche an | vorsichtig mechanisch abheben |
MerkeWenn Aceton ausscheidet, ist die Textilreinigung meist die bessere Entscheidung als ein Experiment. Fachbetriebe arbeiten mit Lösungsmitteln, die den Lackfilm angreifen, ohne die Faser zu zerstören, und das lohnt sich bei jedem Kleidungsstück, das mehr wert ist als der Reinigungspreis.
Hausmittel, wenn kein Aceton infrage kommt
Es gibt einige Alternativen, die alle auf demselben Prinzip beruhen: Sie enthalten Alkohol oder ein anderes Lösungsmittel, das den Lackfilm anlöst. Keine davon ist so wirksam wie Aceton, aber alle sind schonender.
- Frischer Nagellack auf den getrockneten Fleck. Klingt widersinnig, funktioniert aber: Das Lösungsmittel im neuen Lack weicht den alten Film wieder auf. Auftragen, kurz warten, bevor er trocknet, und beides gemeinsam abtupfen.
- Alkoholhaltiges Haarspray großzügig aufsprühen, einige Minuten einwirken lassen, abtupfen.
- Alkoholhaltiges Deo nach demselben Prinzip, meist etwas schwächer dosiert.
- Isopropanol oder Spiritus auf ein Wattepad, die sauberste der Alkoholvarianten, weil keine Pflegestoffe zurückbleiben.
- Waschbenzin für den Rest nach der Alkoholbehandlung, gut gelüftet und fern von offenen Flammen.
Bei allen Varianten gilt dieselbe Technik wie bei Aceton: Tuch unterlegen, tupfen statt reiben, Unterlage wechseln, sobald sie sich färbt, und anschließend gründlich mit Wasser ausspülen.
Nagellack auf Möbeln und Polstern
Auf Polstern lässt sich nichts ausspülen, deshalb wird punktuell und sparsam gearbeitet. Testen Sie zuerst an einer verdeckten Stelle, etwa unter dem Sitzkissen, ob der Bezug das Mittel verträgt.
Danach ein Wattestäbchen mit Nagellackentferner tränken, den Rand des Flecks nach innen abtupfen und ein saugfähiges Tuch unterlegen. Wichtig ist, wenig Flüssigkeit einzusetzen, sonst wandert der gelöste Lack in die Polsterung und trocknet dort als Rand wieder auf.
Auf lackierten und furnierten Möbeln hat Aceton nichts verloren, es löst die eigene Oberfläche mit ab. Dort den Lack aushärten lassen und mit einem Kunststoffspachtel vorsichtig abheben.
Nagellackflecken vorbeugen
- Auf einer abwaschbaren Unterlage lackieren, etwa einem Stück Backpapier oder einem alten Handtuch.
- Flasche auf eine flache, standfeste Fläche stellen, nicht auf die Sofalehne oder das Bettzeug.
- Deckel zwischendurch schließen, gerade wenn zwischen zwei Schichten gewartet wird.
- Nicht im Sitzen auf dem Sofa lackieren, das ist statistisch die häufigste Fleckenquelle überhaupt.
- Entferner griffbereit halten, denn frischer Lack lässt sich in den ersten Sekunden noch abnehmen.
Nagellack auf harten Oberflächen
Auf Fliesen, Glas und Edelstahl ist der Fall einfach: Der Lackfilm haftet nur oben auf und lässt sich nach kurzem Einwirken von Aceton abwischen oder vorsichtig mit einer Klinge abheben.
Auf lackiertem Holz, Kunststoff und Laminat darf kein Aceton verwendet werden, dort löst es die eigene Beschichtung mit. Lassen Sie den Lack in diesen Fällen vollständig aushärten und heben Sie ihn mit einem Kunststoffspachtel vorsichtig ab. Was danach noch matt aussieht, hilft eine Politur.
Warum Lackflecken zu den Pigmentflecken gehören, ordnet die Übersicht zu den vier Fleckenarten ein. Verwandte Fälle sind Lackflecken und Wandfarbenflecken.
