Lippenstift ist unter den Kosmetikflecken der unangenehmste, und das aus einem sachlichen Grund: Er hat die höchste Pigmentdichte. Was auf den Lippen als dünne Schicht deckt, ergibt auf einem weißen Hemd einen sehr sichtbaren Fleck aus wenigen Milligramm Material.
Dazu kommt der Träger. Lippenstift enthält Wachse und Öle, damit er haftet und nicht verläuft. Genau diese Eigenschaft macht ihn auf Textilien so beständig.
Die richtige Reihenfolge
- Nicht wischen. Der häufigste Fehler, er vergrößert den Fleck sofort um ein Vielfaches.
- Überschuss trocken abheben, mit einem stumpfen Messer oder der Kante eines Löffels.
- Saugfähiges Tuch unterlegen, damit das gelöste Pigment dort landet.
- Alkoholhaltiges Gesichtswasser oder Haarspray auf ein Wattepad geben und die Stelle betupfen, von außen nach innen.
- Unterlage wechseln, sobald sie sich färbt, und den Vorgang wiederholen.
- Gallseife nacharbeiten gegen den verbliebenen Wachsanteil, dann waschen.
Alkohol vorher testen. An einer verdeckten Stelle wie der Innennaht prüfen, ob die Textilfarbe standhält. Auf Acetat und einigen Kunstfasern greift Alkohol das Material selbst an, dort bleiben Gallseife und Rasierschaum die sichere Wahl.
Warum Alkohol hier besser wirkt als Spülmittel
Ein reiner Fettlöser wie Spülmittel geht den Wachsanteil an, lässt aber das Pigment weitgehend unberührt. Alkohol dagegen löst beides: Er schwächt die Bindung zwischen Farbstoff und Träger und nimmt den Farbstoff mit.
Deshalb ist die Kombination am wirksamsten. Erst mit Alkohol das Pigment herausholen, dann mit Gallseife den fettigen Rest. Umgekehrt bleibt der Farbschatten oft stehen, auch wenn der Fleck sich nicht mehr fettig anfühlt.
Lippenstift auf verschiedenen Materialien
| Untergrund | Geeignet | Ungeeignet |
|---|---|---|
| Baumwolle, Leinen | Gesichtswasser, Gallseife, danach heiß waschen | Wischen im ersten Schritt |
| Seide, Wolle | Gallseife, Handwäsche kalt | Alkohol pur, Enzymwaschmittel |
| Acetat, Kunstfaser | Rasierschaum, Gallseife | Alkohol, Aceton |
| Servietten, Stoffbindchen | Einweichbad mit Sauerstoffbleiche | punktuelle Behandlung allein |
| Glas, Tasse, Besteck | Spülmittel, notfalls Natron | Scheuermittel auf Glasur |
| Leder, Polster | Lederreiniger, sparsam | Alkohol, viel Wasser |
Der Rand an Gläsern und Tassen
Lippenstift auf Glasrändern ist kein Textilproblem, aber ein hartnäckiges: Er übersteht die Spülmaschine regelmäßig, weil das Wachs bei Spültemperatur nicht vollständig gelöst wird und sich beim Abkühlen wieder absetzt.
Wischen Sie den Rand vor dem Spülen mit einem Küchenpapier und etwas Spülmittel ab. Ist der Rand bereits eingebrannt, hilft eine Paste aus Natron und Wasser mit einigen Minuten Einwirkzeit. Auf Gläsern mit Dekor oder Goldrand kein Scheuermittel verwenden.
TippBei Hemdkragen und Blusen lohnt es sich, den Stoff vor der Behandlung flach auszubreiten und von der Rückseite zu arbeiten. So drücken Sie das Pigment aus dem Gewebe heraus statt hindurch, und der Fleck wandert in das untergelegte Tuch statt in die Sichtseite.
Warum Lippenstift zwei Behandlungen braucht, ordnet die Übersicht zu den vier Fleckenarten ein. Die übrigen Kosmetikflecken behandelt der Ratgeber zu Make-up-Flecken, den Fettanteil allgemein der zu Fettflecken.
