Encasings gehören zu den Produkten, über die entweder zu viel oder zu wenig versprochen wird. Sie sind allergendichte Vollbezüge, die Matratze, Zudecke und Kopfkissen komplett umschließen. Ihre Aufgabe ist begrenzt und klar umrissen: Sie trennen das Allergenreservoir im Bett von der Atemluft der schlafenden Person. Sie töten keine Milben, sie heilen keine Allergie, und sie ersetzen keine ärztliche Abklärung. Dieser Text beschreibt, welche technischen Anforderungen gelten, wie die Wirksamkeit einzuschätzen ist und welche weiteren Maßnahmen dazugehören, damit ein Encasing überhaupt etwas bewirken kann.

Wogegen richtet sich ein Encasing eigentlich?
Nicht gegen die Milben selbst, sondern gegen ihre Ausscheidungen. Hausstaubmilben ernähren sich von Hautschuppen, leben bevorzugt in Matratze, Bettzeug und Polstern und geben Kotpartikel ab, die die eigentlichen Allergene tragen. Diese Partikel sind leicht, sie werden bei jeder Bewegung aufgewirbelt und eingeatmet. Ein Encasing bildet eine geschlossene Hülle um das Reservoir, sodass die Partikel nicht mehr nach außen gelangen und keine neuen Hautschuppen nach innen.
Für die Belastung gibt es Orientierungswerte. Unterhalb von 10 Mikrogramm Milbenallergen je Gramm Staub gelten akute Beschwerden als weitgehend vermeidbar, als anzustrebender Zielwert werden 2 Mikrogramm je Gramm genannt. Ein Gehalt von 1 bis 2 Mikrogramm je Gramm entspricht etwa 100 Milben je Gramm Staub und geht bereits mit einem deutlich erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Asthmas einher. Diese Zahlen stammen aus der allergologischen Fachliteratur und lassen sich im Haushalt nur mit Labortests überprüfen, nicht durch Ansehen.
| Anforderung | Wert oder Kriterium | Warum |
|---|---|---|
| Porengröße | 0,5 Mikrometer | Milbenallergene sollen nicht hindurchtreten |
| Nahtausführung | Verschweißt oder so vernäht, dass die Porengröße eingehalten bleibt | Eine offene Naht macht die Fläche wirkungslos |
| Wasserdampfdurchlässigkeit | Muss gegeben sein | Sonst staut sich Feuchtigkeit, das Bett wird klamm |
| Waschbarkeit | Mindestens 60 Grad Celsius, ohne Verlust der Dichtigkeit | Erst ab 60 Grad Celsius werden Milben und Allergene zuverlässig entfernt |
| Umschließung | Vollbezug mit umlaufendem Reißverschluss | Spannbezüge über nur eine Seite lassen die Unterseite offen |
| Reißverschluss | Abgedeckt oder mit Abdecklasche | Der Verschluss selbst ist die größte Schwachstelle |
Ein Encasing ersetzt keine Diagnose. Beschwerden wie laufende Nase, tränende Augen, Husten und nächtliche Atemnot haben viele mögliche Ursachen. Ob eine Hausstaubmilbenallergie vorliegt, klärt eine allergologische Untersuchung mit Anamnese, Hauttest und gegebenenfalls Bluttest. Kaufen Sie kein Encasing als Selbstbehandlung bei unklaren Beschwerden, sondern lassen Sie die Ursache abklären. Bei Verdacht auf Asthma gehört das ohnehin in ärztliche Hände. Für diagnostizierte Milbenallergien kann eine spezifische Immuntherapie infrage kommen, und in manchen Fällen übernehmen Krankenkassen die Kosten für Encasings auf Antrag. Fragen Sie dazu Ihre Kasse.
Wie gut ist die Wirksamkeit belegt?
Hier ist Ehrlichkeit angebracht, weil die Werbung anderes suggeriert. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten kamen zu dem Ergebnis, dass milbendichte Bezüge als alleinige Maßnahme keinen belastbaren klinischen Nutzen zeigen. Eine viel zitierte Cochrane-Übersicht von Gøtzsche und Johansen formulierte, dass Maßnahmen zur Verringerung der Milbenallergenbelastung nicht empfohlen werden können. Eine große Studie im New England Journal of Medicine von 2003 fand bei erwachsenen Patienten mit allergischer Rhinitis durch undurchlässige Bettbezüge allein keinen klinisch bedeutsamen Effekt.
Diese Ergebnisse werden seit einigen Jahren methodisch hinterfragt. Kritiker weisen darauf hin, dass die ältere Cochrane-Arbeit heutigen Berichtsstandards nicht mehr entspricht und nicht als Grundlage klinischer Entscheidungen dienen sollte. Neuere randomisierte Studien bei Kindern mit Milbenallergie und Asthma zeigten, dass allergendichte Bettbezüge die Zahl notfallmäßiger Krankenhausvorstellungen wegen schwerer Asthmaanfälle senken können. Der plausibelste Stand ist damit: Encasings sind kein Selbstläufer, sie wirken nur im Rahmen eines konsequent umgesetzten Gesamtkonzepts, und der Nutzen ist bei ausgeprägter Sensibilisierung und Asthma eher zu erwarten als bei leichten Beschwerden.
Wie setzen Sie ein Encasing richtig ein?
- Diagnose sichern. Lassen Sie die Allergie ärztlich bestätigen, bevor Sie das Schlafzimmer umbauen. Ohne gesicherte Sensibilisierung investieren Sie in eine Maßnahme ohne Ziel.
- Alle drei Teile beziehen. Matratze, Zudecke und Kopfkissen gehören gemeinsam in Encasings. Ein einzeln bezogenes Teil lässt das Reservoir in den anderen unverändert.
- Alle Schlafplätze im Raum einbeziehen. Bei Doppelbetten und Kinderzimmern bringt es wenig, nur die eine Seite abzudichten. Die Partikel verteilen sich im Raum.
- Vor dem Beziehen absaugen. Saugen Sie die Matratze gründlich ab und lüften Sie sie, bevor Sie den Bezug schließen. Was eingeschlossen wird, bleibt drin.
- Reißverschluss vollständig schließen. Führen Sie den Verschluss bis zum Anschlag und legen Sie die Abdecklasche darüber. Ein offener Zentimeter macht die Hülle undicht.
- Normale Bettwäsche darüber. Ein Encasing ist kein Laken. Beziehen Sie es zusätzlich mit gewöhnlicher Bettwäsche, die Sie häufig wechseln.
- Regelmäßig waschen. Waschen Sie das Encasing entsprechend der Herstellerangabe, üblicherweise alle drei Monate bei mindestens 60 Grad Celsius. Prüfen Sie danach Nähte und Reißverschluss.
Für die 60-Grad-Wäsche muss die Maschine die Temperatur auch tatsächlich erreichen und halten, was bei Sparprogrammen nicht selbstverständlich ist. Welche Geräteeigenschaften dabei zählen, ist im Beitrag zu Waschmaschinen für Allergiker aufgeführt, die Grundlagen zu Programmen und Temperaturen stehen im Beitrag über das richtige Waschen von Wäsche.
Welche Maßnahmen gehören zum Gesamtkonzept?
- Bettwäsche: Wöchentlich bei mindestens 60 Grad Celsius waschen. Niedrigere Temperaturen entfernen Milben und Allergene nicht zuverlässig.
- Inletts: Zudecken- und Kissenfüllungen mindestens alle drei Monate bei mindestens 60 Grad Celsius waschen, sofern das Pflegeetikett das erlaubt.
- Luftfeuchtigkeit: Nach Möglichkeit 45 bis 55 Prozent im Schlafzimmer. Milben brauchen Feuchtigkeit, sie nehmen Wasser aus der Luft auf.
- Raumtemperatur: Eine Schlafzimmertemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius wird empfohlen. Kühl und trocken ist für Milben ungünstig.
- Kuscheltiere: Regelmäßig bei 60 Grad Celsius waschen. Alternativ 12 Stunden ins Gefrierfach, danach waschen, oder zwei Stunden bei 60 bis 80 Grad Celsius in den Wäschetrockner.
- Staubfänger reduzieren: Offene Regale, schwere Vorhänge und Teppiche im Schlafzimmer sammeln Staub. Glatte, feucht wischbare Böden sind einfacher sauber zu halten.
- Staubsauger: Ein handelsüblicher Sauger ohne feinporige Filterung bläst feine Partikel wieder in den Raum. Für Allergiker werden Geräte mit entsprechender Filterstufe oder Zentralstaubsauganlagen empfohlen.
- Lüften: Mehrmals täglich kurz querlüften, damit Feuchtigkeit aus dem Raum kommt. Bett morgens aufgeschlagen auslüften lassen, statt es sofort zu machen.
MerkeDie Naht und der Reißverschluss entscheiden über die Dichtigkeit, nicht die Fläche. Prüfen Sie beim Kauf, ob der Hersteller Angaben zur Nahtausführung macht und ob der Reißverschluss eine Abdecklasche hat. Ein Bezug mit angegebener Porengröße, aber offen genähter Naht ist an dieser Stelle so durchlässig wie normale Bettwäsche.
Wie lange hält ein Encasing?
Herstellerangaben schwanken deutlich, verbreitet sind Nutzungsdauern von mehreren Jahren bei regelmäßiger Wäsche. Belastbare, herstellerunabhängige Werte dazu haben wir nicht gefunden, deshalb bleibt der Blick auf das Material der praktikable Weg. Kontrollieren Sie bei jeder Wäsche die Nähte, den Reißverschluss und die Ecken der Matratzenhülle, weil dort die Beanspruchung am größten ist. Sobald das Gewebe dünn wird, sich Nähte öffnen oder der Verschluss klemmt, ist der Bezug an dieser Stelle nicht mehr dicht.
Und ein praktischer Punkt für die Matratze darunter: Ein Encasing schützt sie zusätzlich vor Feuchtigkeit und Verschmutzung, verhindert aber nicht, dass sie durchliegt. Wie sich Schäden an Matratzen beurteilen und teils beheben lassen, steht in der Anleitung zum Reparieren beschädigter Matratzen. Beginnen Sie die Sanierung des Schlafzimmers in dieser Reihenfolge: Diagnose, dann Bettwäsche wöchentlich bei 60 Grad Celsius, dann Encasing für alle drei Bettteile, dann Luftfeuchte auf 45 bis 55 Prozent.
