Ein Auto versteckt seine Technik hinter Blech. Beim Motorrad liegt alles offen: Lager, Kette, Bremssättel, Stecker, Kühler. Deshalb ist die Motorradwäsche weniger eine Frage des Glanzes als eine Frage der Reihenfolge und des Abstands. Ein falscher Sprühstoß richtet mehr Schaden an als eine Saison Streusalz.

Welcher Reiniger passt an welches Bauteil?
Der wichtigste Punkt ist Aluminium. Es ist am Motorrad überall verbaut, an Felgen, Gabelbrücken, Schwinge, Motorgehäuse und Rahmen, und es reagiert in beide Richtungen empfindlich. Starke Säuren greifen die Oxidschicht an und hinterlassen matte, weißlich angelaufene Stellen. Starke Laugen tun dasselbe, weil Aluminium amphoter ist und sich auch im alkalischen Bereich auflöst. Blanke, polierte und eloxierte Flächen sind besonders gefährdet.
| Bauteil | Passendes Mittel | Finger weg von |
|---|---|---|
| Lack und Verkleidung | pH-naher Motorradreiniger, weicher Schwamm | Scheuermitteln, harten Bürsten |
| Aluminiumfelgen, blank oder eloxiert | Säurefreier Felgenreiniger | Sauren Felgenreinigern, stark alkalischen Grundreinigern |
| Kette mit O-, X- oder Z-Ringen | Kettenreiniger mit Kennzeichnung O-Ring-sicher | Benzin, Bremsenreiniger, Verdünnung |
| Bremsscheiben und Bremssättel | Bremsenreiniger, danach trocknen lassen | Jedem Fett-, Wachs- oder Silikonspray |
| Kunststoffscheibe am Windschild | Viel Wasser, mildes Tensidwasser | Alkohol, Kunststoffreiniger mit Lösemittel |
| Auspuffkrümmer aus Edelstahl | Spezialpolitur für Anlauffarben | Sauren Reinigern, sie verstärken die Verfärbung |
Kein Fett und kein Wachs in die Nähe der Bremse. Kettenspray, Sprühfett, Konservierungswachs und Silikonspray dürfen weder auf die Bremsscheibe noch auf die Beläge gelangen. Schon ein feiner Sprühnebel senkt die Reibung und damit die Bremswirkung. Eine verölte Bremsscheibe können Sie mit Bremsenreiniger säubern, verölte Beläge dagegen nicht: Das Öl zieht in die poröse Reibmasse ein und wird bei Erwärmung wieder abgegeben. Verölte Beläge müssen ausgetauscht werden. Decken Sie die Bremsscheibe beim Kettenschmieren mit einem Karton oder einem alten Lappen ab und kontrollieren Sie nach jeder Behandlung, ob etwas danebengegangen ist.
Wie waschen Sie ein Motorrad, ohne Wasser in die Lager zu drücken?
Mit Geduld statt Druck. Der größte Teil des Schmutzes löst sich, wenn er lange genug eingeweicht wird. Wer stattdessen mit dem harten Strahl arbeitet, presst Wasser durch Dichtlippen, in die es nicht zurückwill.
- Abkühlen lassen. Motor und Auspuff müssen handwarm sein. Auf heißem Metall trocknet der Reiniger sofort ein und hinterlässt Flecken, außerdem droht Verzug an Bremsscheiben.
- Vorwässern. Spülen Sie das gesamte Motorrad mit klarem Wasser ab, damit Sand und Staub abgetragen sind, bevor irgendein Schwamm die Oberfläche berührt.
- Reiniger auftragen. Sprühen Sie von unten nach oben ein und lassen Sie das Mittel 5 bis 10 Minuten einwirken, ohne dass es antrocknet. Nicht in der Sonne arbeiten.
- Insekten einweichen. Legen Sie ein nasses Tuch auf Windschild und Scheinwerfer und lassen Sie es einige Minuten liegen. Reiben ohne Einweichen erzeugt feine Kratzer.
- Von Hand nacharbeiten. Weicher Schwamm für Lack, weiche Bürste für Felgen und Rahmen, ein Pinsel für Kühlerlamellen und enge Winkel.
- Mit Abstand abspülen. Hochdruckreiniger nur mit 30 bis 50 Zentimetern Abstand und im flachen Winkel. Nie direkt in Radlager, Lenkkopflager, Schwingenlager, Kettendichtringe, Stecker, Zündkerzenschächte oder Kühlerlamellen zielen.
- Trocknen. Mit Druckluft oder einem Mikrofasertuch abnehmen. Danach den Motor kurz laufen lassen oder eine kurze Runde fahren, damit Restwasser aus Spalten verdunstet.
- Bremsen prüfen. Beim Losfahren zuerst vorsichtig anbremsen. Nasse Beläge greifen die ersten Meter schlechter.
Wie oft muss die Kette gereinigt und geschmiert werden?
Die üblichen Werte liegen bei Schmieren alle 500 bis 1.000 Kilometer und Reinigen alle 1.500 bis 2.000 Kilometer, bei Regenfahrten und auf Schotter deutlich früher. Der Unterschied, den das macht, ist erheblich: Eine gepflegte Kette erreicht in der Praxis rund 50.000 Kilometer, eine vernachlässigte oft keine 10.000.
Moderne Ketten haben O-, X- oder Z-Ringe. Diese kleinen Gummidichtungen halten das Fett im Kettenbolzen, und genau sie sind der Grund, warum aggressive Mittel verboten sind. Benzin, Bremsenreiniger, Verdünnung und stark lösemittelhaltige Universalreiniger lassen die Dichtringe aufquellen oder verspröden. Ist das Fett aus den Bolzen heraus, ist die Kette verschlissen, egal wie gut sie aussieht. Verwenden Sie deshalb nur Produkte, die ausdrücklich als O-Ring-sicher gekennzeichnet sind.
Beim Schmieren gilt: leicht warme Kette nach der Fahrt, Fahrzeug auf dem Hauptständer oder Montageständer, Rad langsam von Hand drehen. Sprühen Sie auf die Innenseite der Kette an der Stelle, wo sie auf das hintere Kettenrad aufläuft. Von dort verteilt die Fliehkraft das Mittel nach außen statt in den Raum. Lassen Sie das Schmiermittel danach mindestens 10 bis 15 Minuten ablüften, bevor Sie losfahren, sonst schleudert es auf Felge und Reifenflanke.
Nie zwei Reiniger mischen. Saure Felgenreiniger und Kalklöser setzen zusammen mit chlorhaltigen Produkten Chlorgas frei. Das Gas reizt Augen, Nase und Rachen und verursacht in höherer Konzentration schwere Atemnot und Lungenschäden. Auch der Einsatz nacheinander ist riskant, weil Reste auf Felge und Boden zurückbleiben. Arbeiten Sie mit einem Produkt, spülen Sie zwischen zwei Mitteln gründlich mit Wasser und waschen Sie in einer offenen, gut durchlüfteten Umgebung, niemals in der geschlossenen Garage.
Wo dürfen Sie Ihr Motorrad überhaupt waschen?
Nicht überall, und das wird oft übersehen. Beim Waschen lösen sich Öl, Kraftstoffreste, Bremsabrieb und Reinigungsmittel und laufen mit dem Wasser ab. Auf unbefestigtem Grund gelangen sie ins Erdreich und ins Grundwasser. Viele Gemeinden untersagen deshalb die Fahrzeugwäsche auf privaten Flächen ganz oder erlauben sie nur ohne Reinigungsmittel auf einer befestigten Fläche mit Anschluss an die Kanalisation. Die Regelung steht in der kommunalen Abwassersatzung und unterscheidet sich von Ort zu Ort. Fragen Sie im Zweifel bei der Gemeinde nach, bevor Sie den Schlauch auf dem Hof aufdrehen. Rechtssicher ist die Selbstbedienungswaschbox, weil dort das Abwasser über einen Ölabscheider läuft.
Was gehört nach der Wäsche noch dazu?
- Konservierung: Ein Sprühwachs oder eine Lackversiegelung erschwert das Anhaften von Insekten und Straßenschmutz. Die Wirkung entspricht der von Autowachs am Pkw. Aussparen: Sitzbank, Fußrasten, Griffe, Bremsen.
- Kunststoffpflege: Matte Pflege für schwarze Kunststoffteile, kein Silikon auf Sitzbank oder Tank, weil die Oberfläche sonst rutschig wird.
- Kettenspannung prüfen: Nach dem Reinigen ist die Kette gut sichtbar. Der Durchhang steht in der Bedienungsanleitung und ist modellabhängig.
- Elektrik kontrollieren: Blinker, Bremslicht und Instrumente nach der Wäsche einmal durchschalten. Feuchtigkeit in einem Stecker zeigt sich sofort.
- Lederkombi und Sitzbank: Getrennt behandeln, mit einem Lederreiniger und ohne Silikon. Grundsätzliches dazu steht unter Flecken auf Leder entfernen.
- Wintereinlagerung: Das Motorrad muss vor dem Abstellen vollständig trocken sein. Restfeuchte unter der Abdeckplane führt zu Flugrost an Schrauben und Bremsscheiben.
Wer den Hochdruckreiniger meiden möchte, kommt mit einer Drucksprühflasche und einem Gartenschlauch bei den meisten Verschmutzungen genauso weit. Welche Geräte dafür in Frage kommen, zeigt der Vergleich zur Reinigungspistole. Für den Bereich rund um Kette und Bremse ist die schwächere Variante ohnehin die richtige.
