Ein alter Bilderrahmen ist für dieses Projekt ein Glücksfall: Er hat bereits eine definierte Fläche, einen Aufhänger und eine ansehnliche Kante. Alles, was fehlt, ist etwas zwischen den Leisten, an dem Ketten und Ohrringe halten. Genau dort steckt aber die konstruktive Frage, die in Anleitungen meist übersprungen wird.
Warum die Rückwand nichts trägt
Rückwände von Bilderrahmen sind Abdeckungen, keine Bauteile. Verbreitet sind Rückwandkarton und HDF-Platten von etwa 3 Millimetern Stärke. Beide sind dafür gemacht, ein Blatt Papier flach zu halten, nicht dafür, eine Schraube zu tragen. Wer einen Haken in eine 3 Millimeter starke Faserplatte dreht, hat eine Verbindung, die beim ersten Zug ausreißt, und bei Karton ist sie von Anfang an keine.
Die Konsequenz ist einfach: Alles, was Last aufnimmt, muss am Rahmen selbst befestigt werden. Bespannungen werden also über die Rahmenleisten gezogen und dort getackert oder geschraubt, Haken sitzen in der Leiste, nicht in der Fläche. Die Rückwand können Sie entweder ganz entfernen oder als Sichtfläche hinter der Bespannung liegen lassen, ohne ihr eine Aufgabe zu geben.
Glas gehört aus dem Rahmen heraus. Es trägt nichts zur Konstruktion bei, es erhöht das Gewicht, und es bricht, sobald jemand von vorn gegen den Rahmen stößt oder der Halter beim Aufhängen aus der Hand rutscht. Alte Bilderrahmen haben oft dünnes Glas mit scharfen Kanten und ohne jede Splitterbindung. Entsorgen Sie es und arbeiten Sie mit der offenen Öffnung weiter. Wenn Sie den Halter neben einem Waschbecken oder in Kopfhöhe montieren wollen, ist das ein zusätzliches Argument dagegen, Glas drinzulassen.
Welche Bespannung passt zu welchem Schmuck?
Das hängt allein daran, wie das Schmuckstück hängt. Ein Ohrhaken braucht ein Loch, durch das er greifen kann. Ein Ohrstecker braucht ein Loch, das kleiner ist als sein Kopf. Eine Kette braucht einen Haken oder eine Stange. Diese drei Anforderungen widersprechen sich, deshalb ist die häufigste Ursache für einen unbrauchbaren Schmuckhalter, dass er nur eine Bespannung für alles hat.
| Bespannung | Geeignet für | Befestigung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Volierendraht, etwa 12,7 Millimeter Maschenweite | Ohrhaken, kleine Anhänger | Auf die Rahmenrückseite tackern | Schnittkanten umbiegen, sie sind sehr scharf |
| Feinmaschiges Fliegengitter | Ohrstecker | Auf einen Holzrahmen spannen, dann einlegen | Kunststoffgitter reißt bei Zug, Metallgitter hält besser |
| Waagerecht gespannte Schnüre oder Gummibänder | Ohrhaken, leichte Ohrringe | An beiden Leisten anschrauben | Abstand von 4 bis 6 Zentimetern, sonst hängen die Stücke ineinander |
| Kleine Schraubhaken in der unteren Leiste | Ketten und Armbänder | Direkt in die Rahmenleiste | Vorbohren, sonst spaltet die Leiste |
| Korkplatte hinter der Öffnung | Broschen und Anstecker | Auf einen Träger geklebt, nicht auf Karton | Nadeln hinterlassen dauerhafte Löcher |
| Lochblech | Alles gemischt | Verschraubt an den Leisten | Schwer, nur bei stabilen Rahmen sinnvoll |
Praktisch bewährt hat sich die Kombination: oberes Drittel Volierendraht für Ohrhaken, unten eine Reihe Schraubhaken für Ketten. Damit deckt ein Rahmen die zwei häufigsten Schmuckarten ab, ohne dass sich etwas verheddert.
Wie kommt das Ganze sicher an die Wand?
Schmuck wiegt fast nichts. Das Gewicht kommt vom Rahmen, und ein massiver Holzrahmen mit Lochblech kann durchaus mehrere Kilogramm erreichen. Wiegen Sie den fertigen Halter auf der Personenwaage, statt zu schätzen, und wählen Sie danach den Aufhänger.
Für Metallaufhänger an der Rückseite nennen Herstellerangaben Werte um 10 Kilogramm bei einem Befestigungsloch, 15 Kilogramm bei zwei und 20 Kilogramm bei drei Löchern. Für Bilder über etwa 7,5 Kilogramm werden eigene Aufhängesysteme empfohlen. Diese Zahlen gelten für die Verbindung zwischen Aufhänger und Rahmen, nicht für die Wand: Was der Dübel im Untergrund hält, ist eine getrennte Frage. In Gipskartonwänden gehören Hohlraum- oder Klappdübel, in Beton und Vollziegel Spreizdübel.
Zwei Aufhängepunkte sind einem einzelnen vorzuziehen. Ein Rahmen an einem Punkt verdreht sich, sobald jemand eine Kette von der Seite abnimmt, und muss ständig geradegerückt werden. Bei zwei Punkten im Abstand von mindestens der halben Rahmenbreite bleibt er stehen.
Wie bauen Sie den Halter Schritt für Schritt?
- Rahmen prüfen. Drücken Sie die Ecken gegeneinander. Ein Rahmen, der sich verschieben lässt, muss zuerst verleimt oder mit Winkeln stabilisiert werden.
- Zerlegen. Nehmen Sie Glas, Passepartout und Rückwand heraus. Das Glas wird entsorgt, die Rückwand können Sie als Sichtfläche behalten.
- Oberfläche behandeln. Schleifen Sie den Rahmen mit Körnung 180 bis 240 an und lackieren oder beizen Sie ihn. Nach dem Bespannen kommen Sie nicht mehr an alle Stellen.
- Bespannung zuschneiden. Schneiden Sie Draht oder Gitter rundum 2 Zentimeter größer als die Rahmenöffnung, damit Sie einen Überstand zum Befestigen haben.
- Drahtkanten sichern. Biegen Sie alle Schnittkanten des Volierendrahts um oder feilen Sie sie ab. Sie sind scharf und ziehen an jedem Ärmel.
- Bespannung befestigen. Tackern oder schrauben Sie das Gitter auf die Rückseite der Rahmenleisten. Arbeiten Sie von der Mitte einer Seite zur nächsten, damit die Spannung gleichmäßig bleibt.
- Haken setzen. Bohren Sie für Schraubhaken mit einem Bohrer vor, der etwa dem Kerndurchmesser des Hakens entspricht. Ohne Vorbohren spaltet eine schmale Rahmenleiste.
- Gewicht bestimmen. Wiegen Sie den fertigen Halter und wählen Sie danach Aufhänger und Dübel.
- Aufhängen und belasten. Hängen Sie den Halter auf und belasten Sie ihn testweise mit dem doppelten geplanten Gewicht, bevor Sie den Schmuck einräumen.
Ist offene Aufbewahrung gut für den Schmuck?
Für die Übersicht ja, für das Material nicht immer. Silber läuft an, weil Schwefelwasserstoff aus der Luft mit dem Metall reagiert und an der Oberfläche Silbersulfid bildet. Der natürliche Gehalt dieses Gases in der Raumluft reicht dafür aus. Feuchtigkeit, Wärme und Chemikalien beschleunigen den Vorgang, und offen aufbewahrte Stücke sind der Luft dauerhaft ausgesetzt.
Daraus folgt eine ehrliche Einschränkung: Ein Schmuckhalter an der Wand ist bequem, aber für Silber die schlechteste Lagerung. Stücke, die Sie täglich tragen, stören sich daran wenig, weil das Anlaufen beim Tragen abgerieben wird. Silber, das monatelang hängt, wird dunkel. Wenn Sie beides mischen wollen, hängen Sie die selten getragenen Stücke nicht an die Wand, sondern legen Sie sie in einen geschlossenen Behälter. Ein Stück Kreide darin bindet Schwefelwasserstoff aus der eingeschlossenen Luft.
MerkeDas Badezimmer ist der falsche Platz. Dort ist die Luftfeuchtigkeit am höchsten, dazu kommen Haarspray, Parfum und Reinigungsmittel. Ein Schmuckhalter gehört ins Schlafzimmer oder in den Ankleidebereich, und nicht direkt neben ein Fenster mit direkter Sonne.
Was gilt im Alltag?
- Abstand halten: Planen Sie zwischen den Haken mindestens 4 Zentimeter, sonst verknoten sich feine Ketten miteinander.
- Schwere Stücke unten: Hängen Sie kräftige Ketten in die untere Reihe. Das senkt den Schwerpunkt und der Rahmen kippt nicht nach vorn.
- Nicht über dem Bett: Ein Halter mit Drahtgitter und Haken ist nichts, was über einem Kopfkissen hängen sollte.
- Staub: Offen hängender Schmuck verstaubt. Rechnen Sie mit einer Reinigung alle paar Monate, für Silber mit einem trockenen Poliertuch.
- Kinder und Katzen: Baumelnde Ketten sind für beide interessant. Montieren Sie den Halter hoch genug oder in einen Raum, der geschlossen bleibt.
- Nachziehen: Prüfen Sie Tackerklammern und Schraubhaken nach einigen Wochen. Holz arbeitet, und eine gelockerte Klammer im Gitter ist eine Rissquelle im Ärmel.
Wenn Ihr Rahmen zu instabil ist oder Sie mehr Fläche brauchen, sind alte Fensterflügel die stabilere Grundlage, dazu passt der Beitrag über Bilderrahmen aus alten Fenstern. Wer nur wenige Ketten unterbringen will und keinen Rahmen zur Hand hat, findet im Schmuckhalter aus Zweigen die leichtere Variante. Und für die Rahmenleiste selbst, wenn nichts Passendes im Keller liegt, zeigt der Beitrag über Bilderrahmen aus altem Besteck eine Alternative aus Metall. Rechnen Sie für einen Halter im Format 30 mal 40 Zentimeter mit rund 90 Minuten Arbeit plus Trockenzeit für den Lack.
