Schwerlastregale werden über eine einzige Zahl verkauft: die Traglast. 350 Kilogramm je Boden, 1.750 Kilogramm gesamt, so steht es auf dem Karton. Diese Zahlen sind nicht falsch, aber sie gelten unter Bedingungen, die auf der Verpackung selten stehen. Wer sie kennt, kauft das richtige Regal und beladet es so, dass die Angabe auch trägt.

Warum trägt ein Boden mit 350 Kilogramm oft weniger?
Die Fachlast ist die maximale Belastung eines einzelnen Regalbodens, und alle Angaben gelten ausschließlich bei gleichmäßig verteilter Last. Das ist der Prüfzustand: eine flächige Last über den ganzen Boden. Legen Sie stattdessen einen Motorblock in die Mitte, wirkt dieselbe Masse als Punktlast. Die Durchbiegung steigt überproportional, die Plattenmitte gibt nach, und bei Holzfaser- oder Spanplattenböden bleibt die Verformung dauerhaft.
Zwei weitere Bedingungen stecken im Wort statisch. Erstens gilt die Angabe für ruhende Lasten, nicht für abgeworfene Kisten. Wer eine 30-Kilogramm-Kiste aus 40 Zentimetern Höhe auf den Boden fallen lässt, erzeugt kurzzeitig ein Vielfaches davon. Zweitens setzt sie ein senkrecht stehendes, rechtwinklig montiertes Regal voraus. Ein verzogener Rahmen auf unebenem Boden verteilt die Last nicht mehr auf vier Ständer, sondern auf zwei oder drei.
Was ist der Unterschied zwischen Fachlast und Feldlast?
Die Fachlast beschreibt einen Boden, die Feldlast das ganze Feld zwischen zwei Ständern. Die Regel dazu ist eindeutig: Die Summe der Fachlasten darf die maximale Feldlast nicht überschreiten. Diese Formulierung stammt aus der DGUV Regel 108-007, die im gewerblichen Bereich gilt und privat ein guter Maßstab ist.
| Angabe | Bedeutung | Typische Werte | Was oft übersehen wird |
|---|---|---|---|
| Fachlast | ein einzelner Boden | 200 bis über 3.000 Kilogramm je nach Bauart | gilt nur bei gleichmäßig verteilter Last |
| Feldlast | alle Ebenen eines Feldes | oft niedriger als die Summe der Fachlasten | begrenzt die Gesamtbeladung, nicht die Werbeangabe |
| Gesamttraglast | Marketingwert auf dem Karton | Fachlast mal Ebenenzahl | oft ohne Prüfung gegen die Feldlast gebildet |
| Punktlast | Einzelgewicht auf kleiner Fläche | nicht angegeben | reduziert die Tragfähigkeit deutlich |
MerkeRechnen Sie mit 10 bis 20 Prozent Reserve auf Ihre ermittelte Last. Der Grund ist nicht Vorsicht um ihrer selbst willen, sondern Erfahrung: Ein Satz Winterreifen auf Felgen wiegt schnell über 100 Kilogramm, ein Kanister mit 20 Litern Farbe rund 25 Kilogramm, eine Kiste mit Konserven 25 bis 30 Kilogramm. Solche Posten werden beim Schätzen fast immer zu niedrig angesetzt.
Wie viel Last verträgt der Boden im Keller?
Die Rechnung überrascht die meisten. Ein handelsübliches Schwerlastregal mit 180 Zentimetern Höhe, 90 Zentimetern Breite und 45 Zentimetern Tiefe steht auf 0,4 Quadratmetern Grundfläche. Mit fünf Böden zu je 350 Kilogramm ergibt das voll beladen 1.750 Kilogramm auf dieser Fläche, also über 4.300 Kilogramm je Quadratmeter Standfläche.
Ob das ein Problem ist, hängt vollständig vom Untergrund ab. Steht das Regal in einem Kellerraum auf einer Bodenplatte, die unmittelbar auf dem Erdreich liegt, ist die Flächenlast in der Regel unkritisch, weil der Baugrund die Last aufnimmt. Kritisch wird es in drei Fällen: bei Kellerräumen über einer Tiefgarage oder einem Hohlraum, bei Aufstellung im Obergeschoss oder Dachboden und bei Altbauten mit Holzbalken- oder Kappendecken.
Für Decken gilt: Wohnräume werden nach den Eurocode-Regeln üblicherweise für 1,5 bis 2,0 Kilonewton je Quadratmeter bemessen, also rund 150 bis 200 Kilogramm je Quadratmeter Flächenlast, Büroflächen für 2,0 bis 3,0 Kilonewton je Quadratmeter. Diese Werte sind Bemessungswerte für die gesamte Deckenfläche, nicht Grenzwerte für den einen Quadratmeter unter dem Regal, und die Decke verteilt die Last mit. Eine belastbare Aussage über eine bestimmte Decke kann trotzdem nur ein Tragwerksplaner treffen, der die Statik des Gebäudes kennt. Wenn Sie mehrere schwere Regale in einem Obergeschoss planen, ist genau das der Punkt, an dem Sie einen Fachbetrieb hinzuziehen sollten.
Statik ist kein Bereich für Faustregeln. Wer im Dachgeschoss, im Altbau oder über einer Garage schwere Lasten einlagern will, holt sich eine Aussage vom Tragwerksplaner oder Statiker. Die Kosten dafür liegen weit unter dem Schaden, den eine überlastete Decke anrichtet. Für den Selbstbau eines Regals gilt dasselbe: Wer die Tragfähigkeit einer selbst gebauten Konstruktion nachweisen will, braucht dafür entsprechende Fachkenntnis, im gewerblichen Umfeld ist das eine formale Anforderung.

Ab wann muss ein Schwerlastregal an die Wand?
Die Grenze ist einfach zu merken: Wandbefestigung ist erforderlich, wenn die Höhe des Regals das Fünffache seiner Tiefe überschreitet. Ein Regal mit 200 Zentimetern Höhe und 40 Zentimetern Tiefe liegt genau bei 5 zu 1, ein Regal mit 180 Zentimetern Höhe und 45 Zentimetern Tiefe bei 4 zu 1 und damit noch darunter. Sobald die Tiefe auf 30 Zentimeter sinkt, wird jede Zimmerhöhe zum Fall für die Verankerung.
Die Wandbefestigung ersetzt keine Diagonalversteifung. Sie verhindert das Kippen nach vorn, nicht das seitliche Verziehen des Rahmens. Bei frei im Raum stehenden Regalen kommen Gitterrückwände hinzu, damit Lagergut nicht nach hinten durchgeschoben wird und herunterfällt. Bei höheren Regalen ist zusätzlich eine Bodenverankerung sinnvoll.
- Befestigungspunkt wählen. Möglichst weit oben am Ständer, idealerweise an der obersten Ebene. Je höher der Angriffspunkt, desto kleiner die Kraft im Dübel.
- Wandaufbau bestimmen. Klopfprobe und Probebohrung. Beton, Vollziegel, Hochlochziegel, Porenbeton und Gipskartonständerwand brauchen jeweils andere Dübel. Eine Übersicht bietet der Beitrag welchen Dübel für welche Wand.
- Leitungen suchen. Mit dem Leitungssucher prüfen, besonders in Installationszonen neben Schaltern und Dosen sowie waagerecht unter der Decke.
- Bohren und dübeln. Bohrlochtiefe gleich Dübellänge plus einmal Dübeldurchmesser. Bohrmehl aussaugen, sonst sitzt der Dübel auf dem Mehl statt in der Wand.
- Winkel montieren. Erst an der Wand, dann am Ständer. Bei Hohlwänden in den Metallständer schrauben oder Hohlraumdübel mit ausreichender Zuglast verwenden.
- Ausrichten und ausgleichen. Vor dem Anziehen mit der Wasserwaage kontrollieren. Unebenheiten mit flachen Metall- oder Kunststoffplättchen unterlegen, nicht mit Holzkeilen.
- Beladen und nachziehen. Schwer nach unten, leicht nach oben. Nach der ersten vollen Beladung alle Verbindungen und die Wandbefestigung kontrollieren.
Worauf achten Sie beim Kauf?
- Fachlast mit Breite lesen: Derselbe Boden trägt bei 90 Zentimetern Breite mehr als bei 120 Zentimetern, weil die Stützweite kürzer ist. Die Zahl ohne das Maß daneben sagt wenig.
- Feldlast suchen: Steht sie nicht im Datenblatt, ist das ein Warnzeichen. Rechnen Sie dann konservativ und beladen Sie nicht alle Ebenen bis zum Anschlag.
- Bodenmaterial prüfen: Stahlgitterböden lassen Flüssigkeiten durch und rosten bei Verzinkung kaum, Holzfaserplatten sind leiser und günstiger, quellen aber bei Nässe irreversibel auf.
- Oberfläche wählen: Sendzimirverzinkt für feuchte Räume, pulverbeschichtet für trockene Räume mit Anspruch an die Optik. Eine Lackschicht ist kein Korrosionsschutz für den Nassbereich.
- Prüfzeichen beachten: Ein GS-Zeichen zeigt, dass das Modell einer Baumusterprüfung unterzogen wurde. Es ersetzt nicht die Prüfung der eigenen Beladung.
- Belastungsaufkleber verlangen: Nach DGUV Regel 108-007 sind Traglastangaben am Regal Pflicht und müssen gut sichtbar angebracht sein. Auch privat ersparen sie die spätere Suche nach dem Datenblatt.
- Zu zweit aufbauen: Steck- und Schraubregale lassen sich allein montieren, mit zwei Personen ist der Aufbau sicherer und schneller.
Wenn Sie zwischen einem sehr schweren und einem mittleren System schwanken, hilft eine einfache Überlegung: Die höhere Fachlast nützt nichts, wenn Sie das Gewicht nicht in die Ebene bekommen. Ab etwa 25 bis 30 Kilogramm je Kiste wird das Heben in Schulterhöhe unangenehm und in Kopfhöhe unsicher. Planen Sie schwere Ebenen deshalb bewusst nach unten und nutzen Sie die obersten Fächer für Leichtes. Welche Bauformen darunter liegen, zeigt der Beitrag zu Fachbodenregalen.
Wie kontrollieren Sie ein beladenes Regal?
Im gewerblichen Bereich sind Regale mindestens einmal jährlich nach DGUV Regel 108-007 und DIN EN 15635 zu prüfen. Privat gibt es keine Vorschrift, der Rhythmus ist trotzdem sinnvoll. Schauen Sie einmal im Jahr auf vier Dinge: Stehen die Ständer noch senkrecht? Sind Böden sichtbar durchgebogen? Sitzen alle Steckverbindungen oder Schrauben fest? Ist die Wandbefestigung noch straff?
Ein durchgebogener Boden wird entlastet und ersetzt, nicht weiterbenutzt. Ein verformter Ständer wird ebenfalls getauscht und nicht zurückgebogen, denn ein einmal geknicktes Profil hat seine Knicksteifigkeit verloren, auch wenn es danach wieder gerade aussieht. Verwenden Sie beim Tausch Originalteile derselben Baureihe, weil Lochbild und Blechstärke verschiedener Systeme nicht zusammenpassen. Mehr zur Auslegung feuchter Lagerräume steht im Beitrag zu Kellerregalen.
