Ein Heimkinosystem besteht aus mehreren Geräten, die sich gegenseitig etwas mitteilen müssen, bevor überhaupt etwas zu sehen oder zu hören ist. Quelle, Receiver oder Soundbar, Fernseher und Lautsprecher bilden eine Kette. Fällt irgendwo in dieser Kette die Verständigung aus, bleibt der Bildschirm schwarz oder der Ton stumm, obwohl jedes einzelne Gerät für sich funktioniert. Deshalb ist Raten hier besonders unergiebig. Man prüft Glied für Glied.
Was ist der HDMI-Handshake, und warum bleibt der Bildschirm schwarz?
Bevor über ein HDMI-Kabel ein Bild fließt, verhandeln die beteiligten Geräte miteinander. Die Quelle fragt beim Empfänger ab, welche Auflösungen, Bildraten und Tonformate er beherrscht, und gleichzeitig wird der Kopierschutz HDCP ausgehandelt. Erst wenn beides erfolgreich abgeschlossen ist, erscheint ein Bild. Diesen Vorgang nennt man Handshake. Er dauert Sekundenbruchteile und läuft bei jedem Einschalten und bei jedem Formatwechsel erneut ab.
Scheitert der Handshake, sehen Sie typische Fehlerbilder: einen dauerhaft schwarzen Bildschirm, ein Bild, das im Sekundentakt blinkt, Ton ohne Bild oder eine Meldung wie HDCP nicht unterstützt. Die Ursachen sind fast immer dieselben. Ein Gerät in der Kette beherrscht eine ältere HDCP-Version, ein Receiver reicht das Signal nicht sauber durch, eine veraltete Firmware verträgt sich nicht mit einem neuen Endgerät, oder das Kabel schafft die Datenrate nicht.
Der wirksamste Handgriff ist ein sauberer Neustart der ganzen Kette im stromlosen Zustand. Trennen Sie Fernseher, Receiver und Quelle vom Netz, warten Sie eine Minute und schalten Sie dann in Signalrichtung ein: zuerst die Quelle, dann den Receiver, zuletzt den Fernseher. Bleibt das Problem, schließen Sie die Quelle testweise direkt an den Fernseher an und leiten den Ton über ARC oder eARC zum Receiver zurück. Damit umgehen Sie die Bilddurchleitung durch den Receiver und wissen sofort, wo der Fehler sitzt.
Worin unterscheiden sich ARC und eARC?
ARC steht für Audio Return Channel, also den Rückkanal für Ton. Er löst ein praktisches Problem: Der Fernseher empfängt selbst Signale, etwa über seine Streaming-Apps oder den eingebauten Tuner, und muss den Ton irgendwie an den Receiver zurückgeben. Ohne ARC bräuchte man dafür ein zusätzliches optisches Kabel. Wichtig ist: An den meisten Fernsehern kann das nur ein einziger HDMI-Anschluss, und er ist mit ARC oder eARC beschriftet. Steckt die Soundbar am falschen Anschluss, bleibt sie stumm. Das ist der häufigste Fehler überhaupt.
| Merkmal | ARC | eARC |
|---|---|---|
| Eingeführt mit | HDMI 1.4 | HDMI 2.1 |
| Verfügbare Bandbreite | etwa 1 Megabit pro Sekunde | bis rund 37 Megabit pro Sekunde |
| Dolby Digital und DTS in 5.1 | ja | ja |
| Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio | nein | ja |
| Dolby Atmos | nur komprimiert über Dolby Digital Plus | ja, auch verlustfrei |
| Kabelanforderung | High-Speed-Kabel genügt | Ultra-High-Speed-Kabel empfohlen |
| Abhängig von HDMI-CEC | ja, muss an beiden Geräten aktiv sein | eigener Datenkanal, CEC trotzdem oft nötig |
Beide Verfahren setzen voraus, dass die Steuerfunktion HDMI-CEC aktiviert ist. Sie trägt bei jedem Hersteller einen anderen Namen: Anynet+ bei Samsung, Bravia Sync bei Sony, Simplink bei LG, Viera Link bei Panasonic. Wenn die Soundbar nach dem Einschalten des Fernsehers stumm bleibt, ist diese Funktion oft schlicht abgeschaltet.
Warum fehlt der Ton, obwohl das Bild läuft?
- Falscher Anschluss: Die Soundbar oder der Receiver hängt nicht am ARC- oder eARC-Anschluss des Fernsehers. Ein Blick auf die Beschriftung an der Buchse klärt das in Sekunden.
- Tonausgabe im Menü: Der Fernseher gibt den Ton noch über seine eigenen Lautsprecher aus. Stellen Sie die Tonausgabe im Menü auf Receiver, externes Gerät oder HDMI-Audiosystem um.
- Bitstream statt PCM: Kann ein Gerät in der Kette das gesendete Tonformat nicht dekodieren, bleibt es still. Stellen Sie die Quelle testweise von Bitstream auf PCM oder Stereo; kommt dann Ton, ist das Format die Ursache.
- Fehlende Lizenz: Nicht jedes Gerät beherrscht jedes Format. DTS wird von einigen Fernsehern gar nicht dekodiert, was bei Blu-rays regelmäßig zu Stille führt.
- Kopierschutz beim Streaming: Manche Dienste geben den Ton nur aus, wenn die gesamte Kette den Kopierschutz erfüllt. Ein altes Zwischengerät kann alles blockieren.
- Lautsprecherkonfiguration: Im Receiver ist ein Kanal auf keine oder none gesetzt, etwa der Center. Dann fehlen ausgerechnet die Dialoge.
- Kabelrichtung: Optische Kabel und Cinch-Verbindungen sind richtungsgebunden angeschlossen, Ausgang an Eingang. Vertauscht ist ein häufiger Fehler beim Umbauen.
Bild und Ton laufen auseinander: Lippensynchronität
Moderne Fernseher rechnen am Bild: Rauschunterdrückung, Bewegungsglättung, Hochskalierung, HDR-Anpassung. Jeder dieser Schritte kostet Zeit. Der Ton dagegen läuft direkt zum Receiver und ist deshalb vor dem Bild da. Die Folge sind Lippenbewegungen, die nicht zum Gesprochenen passen. Das ist kein Defekt, sondern eine Nebenwirkung der Bildverarbeitung.
Korrigiert wird das über die Tonverzögerung im Receiver oder in der Soundbar, oft als Lip Sync, Audio Delay oder AV-Sync bezeichnet. Erhöhen Sie den Wert schrittweise, bis es passt; je nach Gerät steht ein Bereich bis etwa 200 oder 250 Millisekunden zur Verfügung. Hilfreich ist eine Szene mit deutlich sichtbarem Sprechen in Großaufnahme. Zweiter Ansatzpunkt: Schalten Sie am Fernseher in den Spielmodus oder deaktivieren Sie die Bewegungsglättung. Beides verkürzt die Bildverzögerung an der Wurzel, statt sie mit Ton zu kaschieren.
Davon zu unterscheiden ist die Laufzeitkorrektur zwischen den Lautsprechern. Im Receiver geben Sie für jeden Kanal den Abstand zum Hörplatz an, und das Gerät errechnet daraus die passende Verzögerung, damit alle Kanäle gleichzeitig am Ohr ankommen. Schall legt etwa 343 Meter pro Sekunde zurück, ein Meter Wegunterschied entspricht also rund 2,9 Millisekunden. Messen Sie die Abstände wirklich nach, statt sie zu schätzen.
MerkeÄndern Sie beim Suchen immer nur eine Sache: ein Kabel, einen Anschluss, eine Einstellung. Notieren Sie sich vorher, wie es eingestellt war. Wer parallel an Receiver, Fernseher und Quelle dreht, hat nach zwanzig Minuten ein System, das an drei Stellen falsch konfiguriert ist, und weiß nicht mehr, wo er angefangen hat.
Welches HDMI-Kabel brauchen Sie, und wie lang darf es sein?
Kabel sind bei HDMI keine Nebensache, weil die Datenraten hoch sind. Für 4K mit 60 Hertz und HDR benötigen Sie mindestens ein Premium-High-Speed-Kabel mit 18 Gigabit pro Sekunde. Für 4K mit 120 Hertz, 8K oder eARC in voller Bandbreite ist ein Ultra-High-Speed-Kabel mit 48 Gigabit pro Sekunde vorgesehen. Ein altes Kabel aus der Schublade macht sich nicht durch ein schlechteres Bild bemerkbar, sondern durch Aussetzer, Blitzer oder ein Bild, das gar nicht erst kommt.
Bei der Länge gilt: Je höher die Datenrate, desto kürzer der zuverlässige Weg. Zertifizierte passive Kupferkabel gibt es üblicherweise bis etwa 3 Meter; darüber hinaus arbeitet man mit aktiven oder optischen Kabeln, die eine feste Signalrichtung haben und entsprechend beschriftet sind. Wer Kabel hinter der Wand oder in Kanälen verlegt, sollte die Datenrate vorher festlegen und lieber eine Reserve einplanen, denn das Nachrüsten ist aufwendig. Wie sich Kabel sauber führen lassen und worauf bei der Wandbefestigung des Fernsehers zu achten ist, beschreibt der Beitrag dazu, wie man einen Flachbildfernseher an der Wand montiert.
Wo stehen Lautsprecher und Subwoofer richtig?
- Abstand zur Wand schaffen. Rücken Sie Frontlautsprecher von der Rückwand ab und probieren Sie mehrere Abstände aus. Eine Aufstellung dicht an Wand oder Möbeln erzeugt fast immer unsauberen, aufgedickten Bass.
- Auf Ohrhöhe bringen. Die Hochtöner gehören etwa auf Ohrhöhe des Sitzplatzes. Regallautsprecher auf dem Boden klingen dumpf, weil die Höhen nach oben abstrahlen.
- Center ausrichten. Der Centerlautsprecher steht mittig unter oder über dem Bildschirm und zeigt zum Hörplatz. Er trägt den größten Teil der Dialoge.
- Subwoofer aus der Ecke holen. In der Raumecke werden Raumresonanzen besonders stark angeregt, der Bass dröhnt und wird ortbar. Ein Platz an der Frontseite zwischen Front- und Centerlautsprecher ist der übliche Ausgangspunkt.
- Kriechtest machen. Stellen Sie den Subwoofer probeweise auf den Hörplatz, lassen Sie Musik mit gleichmäßigem Bass laufen und gehen Sie am Boden die möglichen Standorte ab. Wo es am gleichmäßigsten klingt, steht später der Subwoofer.
- Pegel zuletzt einstellen. Erst wenn die Position steht, gleichen Sie den Pegel an. Wenn es noch dröhnt, drehen Sie den Regler am Subwoofer zurück, statt am Receiver den Bass anzuheben.
- Einmessung laufen lassen. Starten Sie danach die automatische Einmessung des Receivers mit dem mitgelieferten Mikrofon am Hörplatz, in einem ruhigen Raum.
Vor jeder Prüfung: Netzstecker ziehen. Das gilt für Receiver, Endstufen und aktive Subwoofer gleichermaßen. Alles, was ein Öffnen des Gehäuses erfordern würde, gehört in die Hände einer Fachkraft oder des Herstellerkundendiensts. Im Inneren stehen Bauteile auch nach dem Ausstecken noch unter Spannung; in Endstufen und Netzteilen speichern Kondensatoren gefährliche Ladungen über lange Zeit. Ein unsachgemäß zusammengebautes Gerät ist eine Brandgefahr. Umstecken, reinigen und neu einstellen dürfen Sie im stromlosen Zustand ohne Weiteres.
Wann ist der Punkt für den Kundendienst erreicht?
Manche Fehlerbilder lassen sich von außen nicht mehr eingrenzen. Dazu zählen ein Receiver, der nach wenigen Minuten in den Schutzmodus schaltet, ein Kanal, der auch nach Tausch von Kabel und Lautsprecher stumm bleibt, Brummen aus dem Gerät bei gezogenen Signalkabeln sowie jeder Geruch nach heißem Kunststoff. In diesen Fällen führt der Weg zum Herstellerkundendienst oder in eine Fachwerkstatt, und das ist die richtige Adresse, nicht die teure.
Vor dem Anruf lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme: Kaufdatum wegen der gesetzlichen Gewährleistung von 24 Monaten, Modell- und Seriennummer, Firmwarestand und eine Beschreibung, bei welcher Quelle und in welchem Betriebszustand der Fehler auftritt. Notieren Sie außerdem, was Sie bereits ausgeschlossen haben. Wenn nur eine einzelne Quelle Ärger macht, sollten Sie diese getrennt betrachten, etwa nach den Punkten im Beitrag zu Problemen mit dem Blu-ray-Player. Liegt der Fehler dagegen im Fernseher selbst, hilft der Beitrag zu Problemen mit dem Smart TV weiter. Prüfen Sie zum Schluss noch den Firmwarestand aller beteiligten Geräte: Ein großer Teil der HDMI-Probleme wird durch Updates behoben, die längst bereitstehen.
