Ständerbohrmaschine richtig nutzen: Drehzahl nach Durchmesser und Werkstoff wählen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Spannen Sie jedes Werkstück fest, ohne Ausnahme. Ein Blech, das sich vom Bohrer mitreißen lässt, dreht sich mit voller Spindeldrehzahl und wirkt wie ein Sägeblatt.
  • Tragen Sie an rotierenden Maschinen keine Handschuhe. Sie werden vom Bohrer erfasst und ziehen die Hand mit, während ein nackter Finger meist nur gestreift wird.
  • Die Drehzahl berechnen Sie mit n gleich vc mal 1000 geteilt durch Pi mal Bohrerdurchmesser. Je größer der Bohrer, desto niedriger die Drehzahl.
  • Für HSS-Bohrer gelten als Schnittgeschwindigkeit etwa 30 bis 50 Meter pro Minute in unlegiertem Baustahl, 20 bis 25 in nichtrostendem Stahl und 15 bis 25 in Gusseisen.
  • Der Bohrtiefenanschlag ist kein Zubehör, sondern das Bauteil, das aus einer Bohrmaschine eine Serienmaschine macht. Er verhindert Durchbohren und hält Sacklochtiefen reproduzierbar.
Ständerbohrmaschine richtig nutzen: Drehzahl nach Durchmesser und Werkstoff wählen
Bild: KI generiert

Die Ständerbohrmaschine, im Metallbau meist Säulenbohrmaschine genannt, unterscheidet sich von der Handbohrmaschine in zwei Punkten: Die Spindel steht rechtwinklig zum Tisch, und die Drehzahl lässt sich gezielt einstellen. Beides zusammen macht Bohrungen wiederholbar. Der Preis dafür ist eine Gefährdung, die es bei der Handmaschine so nicht gibt, weil das Werkstück hier nicht in der Hand liegt, sondern zwischen Bohrer und Tisch.

Saeulenbohrmaschine mit Maschinenschraubstock auf dem Bohrtisch
Bild: KI generiert

Warum muss das Werkstück festgespannt sein?

Weil ein Bohrer beim Durchbruch schlagartig hakt. In der letzten halben Umdrehung, wenn die Schneide nur noch einen dünnen Grat trägt, zieht sich der Bohrer in das Material und verkantet. Ein von Hand gehaltenes Blech reißt in diesem Moment herum und dreht sich mit der Spindeldrehzahl weiter. Bei 900 Umdrehungen pro Minute sind das 15 Umdrehungen in der Sekunde, und die Blechkante wirkt wie ein Sägeblatt. Verletzungen an Unterarm und Hand entstehen fast immer in dieser einen Sekunde.

Die Regelwerke der Unfallversicherer sind hier eindeutig: Werkstücke sind gegen Mitreißen zu sichern, kleine Teile gehören in den Maschinenschraubstock, und der Schraubstock selbst wird auf dem Bohrtisch verschraubt oder gegen einen Anschlag gesetzt. Ein Schraubstock, der lose auf dem Tisch steht, verlagert das Problem nur: Dann dreht sich eben der Schraubstock.

Keine Handschuhe an rotierenden Maschinen. Handschuhe sind an der Bohrmaschine keine Schutzausrüstung, sondern eine zusätzliche Gefahr. Der Stoff wickelt sich um Bohrer oder Spannfutter und zieht die Hand mit, ohne dass Sie loslassen können. Dasselbe gilt für weite Ärmel, Halsketten, Armbänder und offene lange Haare. Was Sie stattdessen brauchen: eine Schutzbrille gegen fliegende Späne, eine geschlossene Spanschutzhaube am Futter und den abgezogenen Bohrfutterschlüssel. Ein steckengebliebener Schlüssel wird beim Einschalten zum Geschoss.

Welche Drehzahl für welchen Bohrer?

Die Drehzahl ergibt sich nicht aus dem Gefühl, sondern aus der Schnittgeschwindigkeit. Sie beschreibt, wie schnell sich die äußerste Schneide des Bohrers durch das Material bewegt, und ist eine Werkstoffeigenschaft. Die Formel lautet: n gleich vc mal 1000, geteilt durch Pi mal d. Dabei ist vc die Schnittgeschwindigkeit in Metern pro Minute, d der Bohrerdurchmesser in Millimetern und n die Drehzahl in Umdrehungen pro Minute.

Für HSS-Spiralbohrer werden als Richtwerte genannt: unlegierter Baustahl 30 bis 50 Meter pro Minute, nichtrostender Stahl 20 bis 25, Gusseisen 15 bis 25, Aluminiumlegierungen 30 bis 50 und thermoplastische Kunststoffe 20 bis 40. Für Holz führen die Metalltabellen keine Werte, hier richtet man sich nach den Angaben des Bohrerherstellers. Die folgende Tabelle rechnet die Formel für gängige Durchmesser aus, mit 30 Metern pro Minute für Baustahl, 20 für nichtrostenden Stahl und 40 für Aluminium.

BohrerdurchmesserBaustahl, etwaNichtrostender Stahl, etwaAluminium, etwa
3 Millimeter3200 Umdrehungen pro Minute21004250
5 Millimeter190012702550
6 Millimeter160010602120
8 Millimeter11908001590
10 Millimeter9506401270
12 Millimeter8005301060
16 Millimeter600400800
20 Millimeter480320640

Eine Ständerbohrmaschine mit Riemenstufen bietet meist 5 bis 16 feste Drehzahlen, die exakte Rechenzahl liegt fast nie dabei. Runden Sie in diesem Fall nach unten. Zu langsam kostet Zeit, zu schnell kostet den Bohrer: Die Schneide wird heiß, verliert ihre Härte, und die Spitze rundet sich ab. Erkennbar ist das an blauen Spänen und an einem Bohrer, der nach dem Anschleifen nicht mehr greift.

  • Vorschub: Gleichmäßig drücken, nicht ruckartig. Kurze, brüchige Späne deuten auf zu wenig Vorschub hin, lange Wirrspäne auf zu viel.
  • Kühlung: In Stahl mit Bohremulsion oder Schneidöl arbeiten, in Aluminium hilft Spiritus oder Petroleum gegen Aufschmieren. Gusseisen und Messing werden trocken gebohrt.
  • Anbohren: Vor dem Bohren körnen. Ohne Körnerpunkt wandert die Bohrerspitze auf der Fläche und die Bohrung sitzt schief.
  • Große Durchmesser: Ab etwa 10 Millimetern in Stahl vorbohren, üblicherweise mit einem Durchmesser in der Größenordnung der Querschneide des Enddurchmessers.
  • Späne: Niemals mit der Hand entfernen. Spänehaken oder Pinsel verwenden, und erst nach dem Stillstand der Spindel.
  • Bohrertyp: HSS-Bohrer sind der Standard, HSS-Co mit Kobaltanteil ist für nichtrostenden Stahl besser geeignet, weil er höhere Temperaturen erträgt.

Welche Bauteile bestimmen die Genauigkeit?

Vier Angaben im Datenblatt sagen mehr über die Maschine aus als die Motorleistung in Watt.

Der Bohrtiefenanschlag begrenzt den Weg der Pinole. Er wird auf ein Maß eingestellt und danach bei jedem Loch eingehalten, unabhängig davon, wie kräftig Sie am Hebel ziehen. Ohne diesen Anschlag lassen sich Sacklöcher für Gewinde oder Dübel nicht reproduzierbar fertigen. Achten Sie auf eine Skala und eine Kontermutter, die sich nicht von selbst verstellt.

Die Höhenverstellung des Bohrtisches ist der Unterschied zwischen einer Maschine, mit der Sie arbeiten, und einer, an der Sie sich ärgern. Tische mit Zahnstange und Kurbel lassen sich unter Last verstellen, Tische mit reiner Klemmung müssen Sie mit einer Hand halten und mit der anderen festziehen. Prüfen Sie zusätzlich, ob sich der Tisch schwenken lässt, denn für Schräglöcher ist das die einfachste Lösung.

Die Ausladung ist der Abstand von der Spindelmitte zur Säule. Sie bestimmt, wie weit von der Kante entfernt Sie in eine Platte bohren können. Bei 125 Millimetern Ausladung erreichen Sie die Mitte einer 250 Millimeter breiten Platte, mehr nicht. Diese Zahl wird beim Kauf regelmäßig übersehen und später schmerzlich vermisst.

Die Rundlaufgenauigkeit beschreibt, wie stark ein eingespannter Prüfdorn beim Drehen seitlich ausschlägt. Gemessen wird mit einer Messuhr, angegeben wird der Wert in Hundertstelmillimetern. Herstellerangaben schwanken je nach Maschinenklasse erheblich, und viele Anbieter machen gar keine Angabe. Wenn Ihnen Passgenauigkeit wichtig ist, fragen Sie den Wert vor dem Kauf ab, statt ihn zu schätzen. Ein sichtbar eiernder Bohrer erzeugt ein Loch, das größer ist als der Bohrer.

MerkeLegen Sie unter dünne Werkstücke immer ein Opferbrett aus Holz oder Kunststoff. Es stützt das Material beim Durchbruch, verhindert Grat auf der Unterseite und schützt den Bohrtisch vor Bohrspuren. Bei Blech ist das Opferbrett zusätzlich der Grund, warum der Bohrer nicht schlägt: Er tritt in Holz aus statt in Luft.

So arbeiten Sie eine Bohrung sauber ab

  1. Maschine prüfen. Netzstecker gezogen, Spanschutzhaube vorhanden, Bohrfutter fest, Bohrfutterschlüssel abgezogen und abgelegt.
  2. Bohrer wählen. Durchmesser und Werkstoff bestimmen, HSS oder HSS-Co, Schneiden auf Beschädigung sichten.
  3. Drehzahl einstellen. Wert aus der Formel oder der Tabelle ablesen und die nächstniedrigere Riemenstufe wählen. Riemenwechsel nur bei gezogenem Stecker.
  4. Werkstück spannen. In den Maschinenschraubstock einlegen, plan auf die Backen aufsetzen, Schraubstock auf dem Tisch verschrauben oder gegen einen Anschlag legen.
  5. Anreißen und körnen. Bohrmitte anreißen und mit dem Körner vertiefen. Bei Blech genügt ein leichter Schlag, sonst wölbt sich das Material.
  6. Tischhöhe setzen. Tisch so weit anheben, dass der Bohrer knapp über dem Werkstück steht. Kurzer Pinolenweg bedeutet weniger Spiel.
  7. Tiefenanschlag einstellen. Bohrer bis zur gewünschten Tiefe absenken, Anschlag setzen und kontern. Bei Durchgangsbohrungen so einstellen, dass der Bohrer das Opferbrett nur anritzt.
  8. Bohren und kühlen. Gleichmäßig vorschieben, bei tiefen Löchern die Pinole zwischendurch zurückziehen, damit die Späne aus der Nut kommen.
  9. Entgraten. Erst nach Stillstand der Spindel Späne entfernen und die Bohrung mit Kegelsenker oder Schaber entgraten.

Was kann die Maschine nicht?

Sie ersetzt keine Fräse. Seitliche Kräfte auf den Bohrer belasten die Pinolenlagerung, für die sie nicht ausgelegt ist, deshalb gehören Fräser nicht in ein Bohrfutter. Sie ersetzt auch keine Handmaschine im Haus: Alles, was in einer Wand steckt, muss vor Ort gebohrt werden, und dort entscheidet der Untergrund über Bohrer und Befestigung, wie im Beitrag über den richtigen Dübel für die jeweilige Wand beschrieben.

Für die Werkstatt gilt dieselbe Logik wie bei anderem Grundwerkzeug: Wenige, gut passende Teile schlagen große Sets. Ein Maschinenschraubstock mit 100 Millimetern Backenbreite, ein Satz HSS-Bohrer von 1 bis 13 Millimetern in Halbmillimeterschritten und ein Kegelsenker decken den Alltag ab. Ergänzend brauchen Sie Handwerkzeug zum Halten und Lösen, wie es die Beiträge über den Knarrenkasten und das Zangenset beschreiben. Prüfen Sie vor dem Kauf der Maschine, ob der Spannbereich des Bohrfutters zu Ihren Bohrern passt: Ein Futter mit 1,5 bis 13 Millimetern nimmt keinen 16-Millimeter-Bohrer auf, dafür brauchen Sie eine Aufnahme mit Morsekegel.

Häufige Fragen zu Ständerbohrmaschine richtig nutzen: Drehzahl nach Durchmesser und Werkstoff wählen

Wie berechne ich die richtige Drehzahl beim Bohren?

Mit der Formel n gleich vc mal 1000, geteilt durch Pi mal d. vc ist die werkstoffabhängige Schnittgeschwindigkeit in Metern pro Minute, d der Bohrerdurchmesser in Millimetern. Für einen 10-Millimeter-HSS-Bohrer in Baustahl mit 30 Metern pro Minute ergibt das rund 950 Umdrehungen pro Minute.

Warum darf man an der Bohrmaschine keine Handschuhe tragen?

Weil Handschuhe von Bohrer oder Spannfutter erfasst und aufgewickelt werden, und die Hand folgt dabei zwangsläufig. Dasselbe gilt für weite Ärmel, Schmuck und offene lange Haare. Erforderlich ist stattdessen eine Schutzbrille, weil Späne beim Metallbohren mit hoher Geschwindigkeit wegfliegen.

Muss ich jedes Werkstück wirklich einspannen?

Ja. Beim Durchbruch hakt der Bohrer im Restgrat und reißt lose Teile herum, ein Blech dreht sich dann mit voller Spindeldrehzahl weiter. Kleine Werkstücke gehören in den Maschinenschraubstock, und dieser wird selbst auf dem Bohrtisch verschraubt oder gegen einen Anschlag gesetzt.

Welche Drehzahl brauche ich für nichtrostenden Stahl?

Deutlich weniger als für Baustahl, weil die Schnittgeschwindigkeit nur bei 20 bis 25 Metern pro Minute liegt. Bei 8 Millimetern Durchmesser sind das etwa 800 Umdrehungen pro Minute, bei 12 Millimetern etwa 530. Arbeiten Sie mit gleichmäßigem Vorschub und Kühlschmierstoff, ein HSS-Co-Bohrer verträgt die Wärme besser als ein einfacher HSS-Bohrer.

Wofür ist der Bohrtiefenanschlag gut?

Er begrenzt den Pinolenweg und macht Sacklochtiefen wiederholbar, etwa für Gewinde oder Dübel. Bei Durchgangsbohrungen verhindert er, dass der Bohrer in den Bohrtisch läuft. Achten Sie beim Kauf auf eine Skala und eine Kontermutter, die sich unter Vibration nicht löst.

Was bedeutet die Ausladung bei einer Säulenbohrmaschine?

Sie ist der Abstand von der Spindelmitte zur Säule und bestimmt, wie weit entfernt von der Werkstückkante Sie bohren können. Bei 125 Millimetern Ausladung erreichen Sie die Mitte einer 250 Millimeter breiten Platte. Die Angabe wird beim Kauf oft übersehen und lässt sich später nicht ändern.

Quellen

Die Inhalte wurden mit Hilfe von KI erstellt, jedoch durch die Redaktion geprüft am 1. August 2026