Ein Zangenset kostet weniger als die Summe der Einzelzangen und liegt trotzdem oft halb ungenutzt in der Schublade. Der Grund ist meist derselbe: Es fehlt das Bild davon, welche Bauart welche Aufgabe erledigt. Dieser Beitrag ordnet die vier Grundtypen, nennt die zugehörigen Normen und benennt die Stellen, an denen eine Zange Schaden nimmt oder Schaden anrichtet.

Welche vier Zangen brauchen Sie wirklich?
Die Kombizange ist der Ausgangspunkt. Ihr Kopf ist in drei Zonen geteilt: vorn eine geriffelte Flachfläche zum Greifen und Halten, dahinter ein rundes Maul für Rohre und Muttern, ganz hinten die Schneide. Diese Dreiteilung macht sie universell und gleichzeitig in jeder Einzeldisziplin unterlegen. Übliche Längen liegen bei 160, 180 und 200 Millimetern. Wer viel über Kopf arbeitet, nimmt die kurze Ausführung, weil sie leichter ist.
Der Seitenschneider trennt. Seine Schneide sitzt quer zur Griffachse, sodass Sie einen Draht bündig an einer Fläche abkneifen können. Die Schneiden sind induktiv gehärtet, das heißt: nur die Schneidkante selbst ist hart, der Rest des Kopfs bleibt zäh. Genau deshalb ist der Seitenschneider empfindlich. Er ist für Kupfer, Aluminium und weichen Stahldraht gemacht.
Die Spitzzange, auch Radiozange genannt, hat lange schmale Backen. Sie greift in Zwischenräume, in die keine andere Zange kommt, biegt Ösen an Drahtenden und hält Kleinteile beim Ansetzen fest. Ihre Backen verbiegen sich, sobald Sie damit hebeln. Die Wasserpumpenzange schließlich hat ein verstellbares Gelenk mit mehreren Raststufen und packt runde Teile über einen weiten Durchmesserbereich. Bei 250 Millimetern Länge erreichen gängige Modelle Spannweiten um 50 Millimeter.
| Zangenart | Norm | Typische Länge | Aufgabe | Falscher Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Kombizange | DIN ISO 5746 | 160 bis 200 Millimeter | Greifen, Halten, gelegentlich Schneiden | als Hauptschneide für harte Drähte |
| Seitenschneider | DIN ISO 5749 | 140 bis 180 Millimeter | bündiges Trennen weicher Drähte | Federstahl, Nägel, Schrauben |
| Spitzzange | DIN ISO 5745 | 140 bis 200 Millimeter | Greifen im Engen, Ösen biegen | Hebeln, hohe Haltekraft |
| Wasserpumpenzange | DIN ISO 8976 | 180 bis 300 Millimeter | runde Teile, Verschraubungen | verchromte Sanitärarmaturen ohne Schutz |
Für Rohre mit größerem Durchmesser reicht das Maul der Wasserpumpenzange irgendwann nicht mehr. Wo die Grenze liegt und welches Werkzeug dann greift, beschreibt der Beitrag zur Rohrzange. Am Kabel selbst arbeiten Sie ohnehin sauberer mit dem Spezialwerkzeug, wie der Vergleich zum Abisoliermesser zeigt.
Was bedeutet das VDE-Zeichen auf einer Zange?
Isolierte Handwerkzeuge werden nach DIN EN IEC 60900, in Deutschland geführt als VDE 0682-201, geprüft. Die Norm gilt für Arbeiten an oder in der Nähe unter Spannung stehender Teile bei Nennspannungen bis 1000 Volt Wechselspannung und 1500 Volt Gleichspannung. Erkennbar sind solche Zangen an der mehrschichtigen Tauchisolierung der Griffe, üblicherweise mit einer harten Innenlage und einer weichen Außenlage in zwei Farben, sowie an der aufgedruckten Normbezeichnung und dem Doppeldreieck als Symbol für die Prüfspannung.
Jedes einzelne Werkzeug durchläuft dabei eine Stückprüfung mit einer Prüfspannung deutlich oberhalb der Nennspannung. Das sagt etwas über den Zustand der Isolierung aus. Es sagt nichts darüber, ob der Anwender arbeiten darf.
VDE-Zangen erlauben Laien keine Arbeit unter Spannung. Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen sind nach den einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften Elektrofachkräften vorbehalten, und selbst dort nur unter engen Bedingungen. Für alle anderen gilt ausnahmslos: Sicherungsautomat ausschalten, Sicherung entnehmen oder gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit an allen Leitern mit einem zweipoligen Spannungsprüfer feststellen. Ein Phasenprüfer im Schraubendreher ist dafür kein zulässiges Prüfmittel. Die isolierte Zange ist die letzte Rückfallebene gegen einen Fehler, nicht die Erlaubnis, den Fehler zu machen. Fest angeschlossene Geräte, Verteilungen und alles hinter der Steckdose gehören in die Hand eines eingetragenen Elektrofachbetriebs.
Eine isolierte Zange ist außerdem ein Verschleißteil. Sobald die Isolierung eingeschnitten, angeschmolzen, aufgequollen oder vom Werkzeugkopf abgelöst ist, verliert sie ihre Schutzwirkung und gehört ersetzt. Reparieren mit Schrumpfschlauch oder Isolierband stellt die Prüfung nicht wieder her.
Woran erkennen Sie eine brauchbare Zange?
- Gelenkspiel: Backen zusammendrücken und seitlich verschieben. Spürbares Wackeln bedeutet, dass die Schneiden nicht sauber aufeinandertreffen und der Draht gequetscht statt getrennt wird.
- Schneidenschluss: Bei geschlossenem Seitenschneider gegen das Licht schauen. Ein durchgehender Lichtspalt heißt: Dünne Litzen bleiben stehen.
- Werkstoff: Übliche Angaben sind Chrom-Vanadium-Stahl oder legierter Werkzeugstahl. Der Kopf ist meist gesenkgeschmiedet und die Schneide induktiv nachgehärtet.
- Griff: Für Standardzangen genügen aufgesteckte Kunststoffhüllen. Für die Nähe von Elektroinstallationen nehmen Sie eine tauchisolierte Ausführung nach DIN EN IEC 60900.
- Rückstellfeder: Bei Spitz- und Seitenschneidern angenehm, weil die Zange nach jedem Schnitt selbst aufgeht. Bei der Kombizange eher störend.
- Gelenkbauart: Durchgesteckte Gelenke sind schlanker, gelegte Gelenke sind seitensteifer. Für hohe Haltekraft ist die zweite Bauart im Vorteil.
- Nachkaufbarkeit: In einem Set gehen erfahrungsgemäß Seitenschneider und Spitzzange zuerst kaputt. Prüfen Sie, ob es beide einzeln gibt.
Wie schneiden Sie Draht, ohne die Schneide zu ruinieren?
- Werkstoff einordnen. Kupfer, Aluminium und weicher Bindedraht sind unkritisch. Klaviersaite, Speichen, Federstahl und gehärtete Nägel sind es nicht.
- Zangengröße wählen. Je dicker der Draht, desto länger die Zange. Ein 140-Millimeter-Seitenschneider ist für Litzen gedacht, nicht für 3 Millimeter Stahldraht.
- Nahe am Gelenk schneiden. Die Hebelwirkung ist dort am größten. Schneiden an der Spitze bricht die Schneidkante aus.
- Gerade ansetzen. Der Draht muss rechtwinklig zwischen den Schneiden liegen. Schräg angesetzt drückt er die Backen auseinander.
- Gleichmäßig zudrücken. Kein Ruck, kein Verdrehen der Zange während des Schnitts. Verdrehen ist die häufigste Ursache für ausgebrochene Schneiden.
- Abflug sichern. Das kurze Drahtende springt weg. Halten Sie es mit der zweiten Hand fest oder schneiden Sie in einen Lappen hinein, und tragen Sie eine Schutzbrille.
- Gelenk pflegen. Ein Tropfen Öl auf das Gelenk, überschüssiges Öl abwischen. Auf die Griffe gehört kein Öl, weil es die Isolierung angreifen kann.
MerkeEine Wasserpumpenzange hinterlässt auf verchromten Armaturen und weichen Messingteilen Riefen, die sich nicht wegpolieren lassen. Legen Sie ein Stück Leder, einen Lappen oder einen Streifen Fahrradschlauch zwischen Backe und Bauteil, oder greifen Sie zu einer Zange mit glatten Backen. Bei Sanitärverschraubungen mit Überwurfmuttern ist der passende Maulschlüssel ohnehin die bessere Wahl, weil er an mehreren Flächen gleichzeitig anliegt.
Wie lagern und pflegen Sie ein Zangenset?
Zangen rosten an der Gelenkstelle zuerst, weil sich dort Feuchtigkeit hält. Eine Aufbewahrung mit Luft zwischen den Werkzeugen ist deshalb besser als eine geschlossene Tasche, in der alles aufeinanderliegt. Rolltaschen aus Textil nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie an das Werkzeug zurück; im unbeheizten Keller ist das ein Problem, in der Wohnung nicht.
Prüfen Sie einmal im Jahr die Schneiden und das Gelenkspiel. Kleine Scharten in einer Seitenschneiderschneide lassen sich mit einer feinen Feile nicht sinnvoll beseitigen, weil die gehärtete Randschicht nur wenige Zehntelmillimeter dick ist; danach ist die Schneide weich. In dem Fall ist Ersatz der ehrlichere Weg. Wenn Sie das Zangenset als Teil einer Grundausstattung aufbauen, ergänzen sich Zangen und Steckschlüssel sinnvoll; welche Antriebsgrößen dazu passen, ordnet der Beitrag zum Knarrenkasten ein. Lagern Sie isolierte Zangen nicht in der prallen Sonne oder neben einer Heizung, weil die Tauchisolierung unter dauerhafter Wärme spröde wird.
