Steckregale sind der Standard im Keller, in der Garage und im Lager, weil sie schnell stehen und wenig kosten. Genau deshalb werden sie auch am häufigsten falsch beladen. Die Zahl auf dem Karton, meist etwas wie 175 Kilogramm je Boden, ist keine Garantie, sondern eine Angabe unter Bedingungen. Welche das sind und worauf Sie beim Kauf achten sollten, steht hier.

Wie funktioniert ein Stecksystem ohne Schrauben?
Ein Steckregal besteht aus vier gelochten Winkel- oder T-Profilen als Ständer und aus Fachböden, die entweder direkt in die Profile eingehängt oder auf eingesteckte Fachbodenträger gelegt werden. Die Verbindung hält durch Formschluss und durch das Eigengewicht der Last. Beim Schraubsystem übernimmt dagegen eine festgelegte Anzahl verschraubter Böden mit Eckwinkeln die Aussteifung. Ein Grundregal von 2.000 Millimetern Höhe kommt dabei auf rund 88 Schrauben, bei 150 Kilogramm Feldlast müssen drei Ebenen mit Eckwinkeln montiert sein.
Der Zeitvorteil des Stecksystems ist erheblich. Sie brauchen keinen Akkuschrauber, nur einen Gummihammer, und Sie können die Fachhöhe später ohne Werkzeug ändern. Der Preis dafür ist die geringere Steifigkeit der Einzelverbindung. Ein Steckregal bezieht seine Stabilität nicht aus den Böden, sondern aus der Diagonalversteifung.
Warum gilt die Traglast nur bei gleichmäßig verteilter Last?
Die Fachlast beschreibt, wie viel ein einzelner Regalboden bei gleichmäßig über die Fläche verteilter statischer Last trägt. Das ist die Belastungsart, für die der Boden bemessen und geprüft wird. Legen Sie stattdessen einen Motorblock in die Mitte, wirkt das Gewicht als Punktlast. Die Durchbiegung steigt, die Kante des Bodens verformt sich, und der Boden kann aus der Steckverbindung springen, lange bevor der Nennwert erreicht ist.
Das Wort statisch ist ebenfalls wörtlich zu nehmen. Wer eine Kiste aus 40 Zentimetern Höhe auf den Boden fallen lässt, erzeugt eine dynamische Last, die ein Vielfaches des Ruhegewichts betragen kann. Setzen Sie schwere Gegenstände ab, statt sie abzuwerfen.
| Begriff | Bedeutung | Typischer Wert | Fallstrick |
|---|---|---|---|
| Fachlast | Belastung eines einzelnen Bodens | 85 Kilogramm bei leichten Stahl-Steckregalen | gilt nur bei gleichmäßiger Verteilung |
| Fachlast Schwerlastvariante | Boden aus Holzfaserplatte auf Traversen | 250 Kilogramm je Boden werden angeboten | Plattenmitte biegt bei Punktlast durch |
| Feldlast | Summe aller Ebenen eines Feldes | oft 150 bis 1.500 Kilogramm je nach Bauart | meist kleiner als Fachlast mal Ebenenzahl |
| Gesamttraglast | Herstellerangabe für das ganze Regal | Feldlast geteilt durch Ebenen ergibt die zulässige Ebenenlast | Werbeangabe, nicht mit Fachlast verwechseln |
MerkeFünf Böden mit je 175 Kilogramm Fachlast ergeben nicht automatisch ein Regal für 875 Kilogramm. Maßgeblich ist die kleinere der beiden Zahlen: Feldlast und Summe der geplanten Fachlasten. Steht auf dem Karton nur eine Gesamttraglast, teilen Sie diese durch die Zahl der Böden und behandeln Sie das Ergebnis als Ihre Ebenenlast.
Welche Aussteifung braucht ein Steckregal?
Vier Ständer und ein paar Böden bilden ohne Diagonale ein Parallelogramm. Es steht senkrecht, solange niemand dagegen stößt, und es verzieht sich seitlich, sobald eine Querkraft angreift. Deshalb gehört in jedes Steckregal eine Aussteifung. Zwei Bauarten sind üblich.
- Kreuzstreben: zwei diagonal gekreuzte Flachstähle, die in die Rückseite des Regals eingespannt werden. Sehr wirksam, schränken aber die beidseitige Entnahme ein. Für ein Regal an der Wand ist das die richtige Wahl.
- Längenriegel: waagerechte Riegel in der Rückebene, die die beidseitige Entnahme erlauben. Sie sind die Lösung für Regale, die frei im Raum stehen und von beiden Seiten bedient werden.
- Gitterrückwand: bei frei im Raum stehenden Regalen sinnvoll, damit Lagergut nicht nach hinten durchgeschoben wird und herunterfällt.
- Rahmenverbinder: koppeln nebeneinanderstehende Regale und erhöhen die Kippsicherheit der ganzen Reihe.
- Wandbefestigung: ersetzt keine Diagonale, ergänzt sie aber. Sie ist die Kippsicherung, nicht die Aussteifung.
Kaufen Sie ein Regal, dessen Beschreibung weder Kreuzstreben noch Längenriegel erwähnt, prüfen Sie das Produktfoto von hinten. Fehlt beides, ist das Regal für leichte Lasten gedacht und sollte nicht als Werkstattregal eingesetzt werden. Höhere Lastklassen mit stabilerer Rahmenkonstruktion behandelt der Beitrag zu Schwerlastregalen.
Ab wann muss ein Steckregal an die Wand?
Die DGUV Regel 108-007 nennt ein Höhen-Tiefen-Verhältnis über 5 zu 1 als Grenze, ab der ein Regal gegen Kippen gesichert werden muss, etwa durch Wandbefestigung, Bodenverdübelung oder eine Verbindung nach oben. Das lässt sich einfach nachrechnen: Ein Regal mit 300 Millimetern Tiefe und 2.000 Millimetern Höhe liegt bei 6,7 zu 1 und muss gesichert werden. Ein Regal mit 350 Millimetern Tiefe und 1.800 Millimetern Höhe kommt auf 5,1 zu 1 und liegt ebenfalls darüber.
Praktisch bedeutet das: Fast jedes handelsübliche Kellerregal in Zimmerhöhe gehört an die Wand. Das ist im Betrieb Pflicht und zu Hause schlicht vernünftig, weil der Schwerpunkt beim Herausziehen einer schweren Kiste aus der obersten Ebene kurzzeitig weit nach vorn wandert.
Ein umkippendes Regal fällt schneller, als Sie zur Seite treten können. Besonders gefährlich ist die Kombination aus hoher Ebene, schwerer Kiste und unebenem Boden. Verankern Sie hohe Regale an einer tragfähigen Wand, laden Sie von unten nach oben mit abnehmendem Gewicht und lagern Sie nichts über Kopfhöhe, was Sie nicht mit einer Hand halten können. Welcher Befestigungspunkt in Beton, Hohlblockstein oder Gipskarton hält, klärt der Beitrag welchen Dübel für welche Wand.

In welcher Reihenfolge wird ein Steckregal aufgebaut?
- Teile zählen. Ständer, Böden, Fachbodenträger, Kreuzstreben und Fußkappen gegen die Stückliste prüfen. Ein fehlender Träger fällt sonst erst auf, wenn das Regal halb steht.
- Fläche freiräumen. Der Aufbau erfolgt in der Regel liegend. Sie brauchen etwa die Regalfläche plus einen Meter Bewegungsraum ringsum.
- Fachhöhen festlegen. Vor dem Stecken die Ebenen einteilen. Der unterste Boden gehört einige Zentimeter über den Fußboden, damit gewischt werden kann und Feuchtigkeit nicht direkt ansteht.
- Rahmen stecken. Zwei Ständer und den obersten sowie den untersten Boden verbinden. Diese beiden Ebenen geben die Geometrie vor, alles Weitere richtet sich danach.
- Rechtwinkligkeit prüfen. Diagonalen messen. Sind beide Diagonalen gleich lang, steht der Rahmen rechtwinklig. Erst danach die Kreuzstreben einspannen.
- Verbindungen setzen. Mit dem Gummihammer arbeiten, nie mit dem Stahlhammer. Schläge auf verzinktes Blech beschädigen die Zinkschicht und legen den Rostansatz frei.
- Aufstellen und ausrichten. Fußkappen aufsetzen, Regal senkrecht stellen, Wasserwaage an Ständer und Boden anlegen. Unebenheiten mit flachen Metall- oder Kunststoffplättchen ausgleichen, nicht mit Holzkeilen, die arbeiten.
- Kippsicherung montieren. Wandwinkel möglichst weit oben ansetzen und in tragfähigen Untergrund dübeln.
- Restliche Böden einsetzen und beladen. Schwer nach unten, leicht nach oben. Nach der ersten vollen Beladung alle Steckverbindungen kontrollieren und die Böden auf Durchbiegung prüfen.
Worauf achten Sie beim Kauf?
Der wichtigste Wert ist die Fachlast in Verbindung mit der Regalbreite. Ein Boden von 75 Zentimetern Breite trägt bei gleicher Blechstärke mehr als einer von 120 Zentimetern, weil die Stützweite kürzer ist. Hersteller geben deshalb für dieselbe Baureihe je nach Breite unterschiedliche Fachlasten an. Vergleichen Sie also nie nur die Zahl, sondern immer die Zahl zusammen mit dem Maß.
Beim Bodenmaterial gibt es drei Varianten. Stahlböden sind unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Öl, verzinkte Ausführungen halten auch in der Garage. Holzfaser- und Spanplatten sind günstiger und leiser, quellen aber bei Nässe irreversibel auf. Kunststoffböden findet man an leichten Systemen für den Hauswirtschaftsraum. Für Keller mit Feuchtigkeit ist die verzinkte Stahlvariante die einzige Wahl, die dauerhaft hält. Passende Bauformen und Korrosionsschutzklassen vergleicht der Beitrag zu Kellerregalen.
Achten Sie außerdem auf ein Traglastschild. Im gewerblichen Einsatz sind Traglastangaben am Regal vorgeschrieben, zusammen mit Angaben zu Hersteller, Typ und Baujahr. Auch privat lohnt sich das Schild, weil sonst nach zwei Jahren niemand mehr weiß, ob dieser Boden 85 oder 250 Kilogramm trägt. Fehlt es, kleben Sie die Werte aus dem Datenblatt selbst an den Ständer.
