Beim Stromsparen wird viel Energie auf Kleinigkeiten verwendet und wenig auf die Posten, die tatsächlich zählen. Das liegt daran, dass niemand seinen Verbrauch sieht: Die Rechnung kommt einmal im Jahr und nennt eine Summe, keine Ursachen.
Dieser Artikel dreht die Reihenfolge um. Zuerst der Preis, den Sie bezahlen, dann die Geräte, die dauerhaft laufen, dann die, die sich nur so anfühlen, als würden sie viel verbrauchen. Alle Zahlen sind Stand Mitte 2026.
Was kostet eine Kilowattstunde 2026?

Es gibt keinen einen Strompreis, sondern eine erhebliche Spanne, die allein vom Vertrag abhängt. Im Juli 2026 liegen die Werte so weit auseinander:
| Vertragsart | Preis je kWh | Kosten bei 2.500 kWh im Jahr |
|---|---|---|
| Neukundentarif | rund 23,9 Cent | etwa 598 Euro |
| Bestandskunde | rund 31,1 Cent | etwa 778 Euro |
| Grundversorgung | rund 42,8 Cent | etwa 1.070 Euro |
Zwischen Grundversorgung und Neukundentarif liegen bei diesem Verbrauch rund 470 Euro im Jahr. Diese Differenz erreichen Sie durch keine Verhaltensänderung im Haushalt. Wer noch in der Grundversorgung ist, sollte deshalb dort anfangen, wie im Ratgeber dazu beschrieben, wie man den besten Stromanbieter findet.
MerkeRechnen Sie Ihren eigenen Preis aus, bevor Sie irgendetwas umstellen: Jahreskosten geteilt durch Jahresverbrauch in Kilowattstunden. Beide Zahlen stehen auf der letzten Abrechnung. Ohne diesen Wert lässt sich keine Sparmaßnahme in Euro bewerten.
Standby: der teuerste unsichtbare Posten
Das Umweltbundesamt schätzt den Standby-Verbrauch eines durchschnittlichen deutschen Haushalts auf rund 360 Kilowattstunden im Jahr, das sind etwa 115 Euro und rund 170 Kilogramm CO2. Diese Energie erzeugt keinen Nutzen, sie hält lediglich Geräte in Bereitschaft, die niemand benutzt.
Die größten Posten sind selten der Fernseher, sondern Geräte, die niemand als eingeschaltet wahrnimmt:
- Router und Modem: laufen 8.760 Stunden im Jahr. Schon 10 Watt Dauerlast sind 88 Kilowattstunden.
- Receiver und Streaming-Boxen: ziehen im Bereitschaftsbetrieb oft mehr Strom als der Fernseher selbst.
- Computer, Monitor und Drucker: besonders in Kombination mit Dockingstations.
- Netzteile ohne Gerät: jedes eingesteckte Ladegerät verbraucht auch ohne angeschlossenes Handy.
- Alte HiFi-Anlagen: haben oft keinen echten Aus-Zustand.
Die Lösung ist unspektakulär: abschaltbare Steckdosenleisten für die Unterhaltungselektronik und den Arbeitsplatz. Ausgenommen bleiben Geräte, die wirklich durchlaufen müssen, also Kühlgeräte, Heizungssteuerung, Telefonanlage und Router, wenn darüber Telefonie läuft.
Welche Geräte verbrauchen am meisten?
Die Leistungsaufnahme in Watt sagt weniger aus als die Betriebsstunden. Ein Föhn mit 2.000 Watt läuft fünf Minuten am Tag, ein Kühlschrank mit 100 Watt läuft rund um die Uhr.
Deshalb stehen Kühl- und Gefriergeräte fast immer an der Spitze. Ein aktuelles Gerät kommt auf 90 bis 160 Kilowattstunden im Jahr, also etwa 28 bis 50 Euro bei 31,1 Cent. Ein Kühlschrank aus dem Jahr 2002 verbraucht mit bis zu 330 Kilowattstunden mehr als das Dreifache.
Daraus ergibt sich eine Faustregel für den Austausch: Bei einer Differenz von rund 200 Kilowattstunden spart ein neues Gerät jährlich etwa 62 Euro. Bei einem Anschaffungspreis von 500 Euro hat sich der Tausch nach etwa acht Jahren gerechnet, bei einem alten Gefrierschrank mit noch höherem Verbrauch deutlich früher. Ein funktionierendes Gerät von 2015 auszutauschen lohnt dagegen selten.
Vorsicht bei Zweitgeräten. Der alte Kühlschrank, der nach dem Neukauf in den Keller wandert und dort Getränke kühlt, macht die gesamte Ersparnis zunichte. Er läuft weiter, jetzt zusätzlich zum neuen Gerät.
Beleuchtung: was der Umstieg auf LED wirklich bringt

LED-Lampen verbrauchen bei gleicher Helligkeit rund 70 bis 90 Prozent weniger Strom als Glühlampen. Konkret: Eine 60-Watt-Glühlampe, die im Schnitt vier Stunden täglich brennt, kostet gegenüber einer gleich hellen LED mit 6 bis 7 Watt etwa 80 Kilowattstunden und rund 32 Euro pro Jahr zusätzlich.
Dazu kommt die Lebensdauer. Moderne LEDs erreichen bis zu 50.000 Betriebsstunden, Energiesparlampen rund 10.000, Halogenlampen etwa 4.000 und Glühlampen etwa 1.000 Stunden.
Die Einordnung gehört aber dazu: Weil die meisten Haushalte längst umgestellt haben, macht Beleuchtung heute nur noch 2 bis 4 Prozent des Stromverbrauchs aus, früher waren es bis zu 15 Prozent. Wer noch alte Halogenspots im Wohnzimmer hat, spart durch den Tausch spürbar. Wer bereits LED nutzt, sollte die Suche woanders fortsetzen.
Wie viel Strom verbraucht ein Haushalt im Jahr?
Ohne Vergleichswert lässt sich die eigene Abrechnung nicht einordnen. Der Stromspiegel nennt für Wohnungen ohne elektrische Warmwasserbereitung diese Durchschnittswerte. Wird das Wasser elektrisch erwärmt, kommen rund 400 Kilowattstunden und etwa 160 Euro dazu.
| Haushalt | Durchschnitt pro Jahr | Kosten bei 31,1 Cent |
|---|---|---|
| 1 Person | etwa 1.200 kWh | rund 373 Euro |
| 2 Personen | etwa 1.900 kWh | rund 591 Euro |
| 3 Personen | etwa 2.400 kWh | rund 746 Euro |
| 4 Personen | etwa 2.600 kWh | rund 809 Euro |
Liegt Ihr Verbrauch deutlich über diesen Werten, lohnt sich die Suche nach der Ursache mehr als jede allgemeine Sparmaßnahme. In den meisten Fällen ist es genau eines von drei Dingen: ein altes Kühl- oder Gefriergerät, elektrische Warmwasserbereitung, oder ein Zweitgerät im Keller, an das niemand mehr denkt.
Notieren Sie den Zählerstand einmal im Monat am selben Tag. Aus zwölf Werten wird ein Verlauf, und ein Verlauf zeigt Ausreißer, die eine Jahresabrechnung verschluckt. Wer die Zahlen zusammen mit den übrigen Fixkosten führt, findet die passende Struktur im Haushaltsplan.
Wo Sparen sich lohnt und wo nicht
| Maßnahme | Ersparnis pro Jahr | Aufwand | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Wechsel aus der Grundversorgung | mehrere hundert Euro | einmalig, eine Stunde | der größte Einzelhebel |
| Standby konsequent abschalten | bis rund 115 Euro | einmalig Steckerleisten | hoher Effekt, geringe Kosten |
| Kühlgerät älter als 15 Jahre ersetzen | etwa 60 Euro | Anschaffung | lohnt bei alten Geräten |
| Halogen auf LED umstellen | etwa 30 Euro je Lampe | gering | lohnt, wenn noch nicht erfolgt |
| Wäsche bei 30 statt 60 Grad | zweistelliger Betrag | keiner | lohnt, hygienisch mit Grenzen |
| Handspülen statt Spülmaschine | meist negativ | hoch | die Maschine ist sparsamer |
| Router nachts ausschalten | wenige Euro | stört Updates und Telefonie | selten sinnvoll |
Den eigenen Verbrauch messen statt schätzen
Ein Energiekostenmessgerät für rund 15 Euro beendet jede Diskussion darüber, welches Gerät wie viel verbraucht. Es wird zwischen Steckdose und Gerät gesteckt und zeigt Leistungsaufnahme sowie Verbrauch über die Zeit.
- Dauerläufer zuerst messen: Kühlschrank, Gefriertruhe, Router, Heizungspumpe. Diese Geräte über mindestens 24 Stunden messen, bei Kühlgeräten besser eine Woche.
- Standby-Verbraucher einzeln prüfen. Alles unter einem halben Watt ist zu vernachlässigen, alles über fünf Watt gehört auf eine schaltbare Leiste.
- Ergebnisse in Euro umrechnen: Kilowattstunden mal eigener Arbeitspreis. Erst dann wird aus einer Zahl eine Entscheidung.
- Zählerstand monatlich notieren. So sehen Sie, ob eine Umstellung tatsächlich gewirkt hat, statt es zu vermuten.
Wer Ausgaben ohnehin systematisch verfolgt, hält diese Werte am besten dort fest, wo auch die übrigen Fixkosten stehen, zum Beispiel im Haushaltsbuch. Strom ist einer der wenigen Posten, bei dem sich eine einmalige Entscheidung über Jahre auszahlt.
