Eine Gardine geht selten in der Fläche kaputt. Sie reißt oben, dort wo sie hängt. Kräuselband, Ösen und Saum tragen das gesamte Gewicht des Stoffs und werden bei jedem Zuziehen belastet, während die Bahn selbst jahrelang unbeschädigt bleibt. Genau diese drei Stellen lassen sich mit einfachen Mitteln instand setzen.

Welcher Schaden lohnt die Reparatur und welcher nicht?
Sehen Sie sich zuerst an, ob der Stoff selbst noch tragfähig ist. Ziehen Sie dazu neben der Schadstelle vorsichtig quer am Gewebe. Reißt das Material dabei weiter ein oder wirkt es brüchig und papierartig, ist die Gardine durch Sonneneinstrahlung vermürbt, und dann hält auch die sauberste Naht nicht lange. Ist der Stoff dagegen fest, sind fast alle Schäden am oberen Abschluss reparierbar, weil dort ohnehin mehrere Lagen übereinanderliegen.
| Schadensbild | Passende Reparatur | Grenze |
|---|---|---|
| Kräuselband gerissen oder aus der Naht gelöst | Band vollständig abtrennen und neues Band aufsteppen | lohnt nicht, wenn der Kopf der Gardine selbst eingerissen ist |
| Zugschnur im Kräuselband gerissen | Schnurrest herausziehen, neue Kordel mit Sicherheitsnadel einfädeln | bei mehr als zwei gerissenen Schnüren ist der Bandtausch schneller |
| Öse ausgerissen | Loch schließen, Stelle mit Bügeleinlage verstärken, neue Öse setzen | bei mehreren benachbarten Ösen besser die gesamte Oberkante neu aufbauen |
| Saum unten aufgegangen | neu absteppen oder mit Saumband einbügeln | Saumband hält bei schweren Dekostoffen nur begrenzt |
| Kleiner Riss oder Loch in der Fläche | Flicken von links aufbügeln oder mit kleinen Stichen unterlegen | bei transparenter Ware bleibt jede Reparatur sichtbar |
| Gardine nach der Wäsche zu kurz | Saum auftrennen und die Saumzugabe ausnutzen | ohne Zugabe hilft nur ein angesetzter Blendstreifen |
Rechnen Sie beim Auftrennen mit Nadelstichen im Gewebe. Bei dicht gewebter Baumwolle verschwinden sie nach dem Bügeln, bei Voile und anderen offenen Geweben bleiben sie sichtbar. Wer die Oberkante ohnehin neu aufbaut, sollte gleich prüfen, ob die Aufhängung zur Gardine passt; die Auswahl zwischen Schiene und Stange beschreibt der Ratgeber zum Anbringen von Gardinen und Vorhängen.
Wie ersetzen Sie ein gerissenes Kräuselband?
Das Band ist Meterware und kostet wenig. Es wird als Rolle mit 3, 5 oder 10 Metern verkauft. Schmale Kräuselbänder sind rund 22 Millimeter breit, breite Ausführungen und klassische Bleistift-Faltenbänder liegen bei etwa 50 Millimeter, Raffrollobänder bei 18 Millimeter und Klettbänder bei 20 Millimeter. Kaufen Sie das neue Band in derselben Breite wie das alte, sonst passt die Optik der Falten nicht mehr zum Rest der Fensterfront.
- Band ausmessen. Die Gardine flach auslegen und die ungeraffte Kopfbreite messen. Das neue Band wird auf diese Breite plus etwa 4 Zentimeter Zugabe für die Seiten zugeschnitten.
- Altes Band abtrennen. Mit einem Nahttrenner die obere und die untere Steppnaht öffnen und das Band abziehen. Lose Fäden restlos entfernen, sonst ziehen sie sich später in die neue Naht.
- Kopfkante glätten. Die Oberkante bügeln und, falls das Gewebe dort ausgefranst ist, 1 Zentimeter nach links umschlagen und mitbügeln.
- Bandenden versäubern. An beiden Seiten je 2 Zentimeter Band nach hinten einschlagen. Die Zugschnüre auf einer Seite vorher herausziehen und verknoten, auf der Gegenseite bleiben sie frei zum Ziehen.
- Band anstecken. Das Band 1 bis 2 Zentimeter unterhalb der Oberkante auflegen und alle 10 Zentimeter feststecken, damit es beim Nähen nicht verrutscht.
- Oben und unten absteppen. Beide Längskanten in gleicher Richtung nähen. Näht man die zweite Naht gegenläufig, verzieht sich das Band wellenförmig.
- Schnüre freihalten. Vor jeder Naht prüfen, dass die Kordeln frei liegen. Eine durchgenähte Schnur macht das Band unbrauchbar.
- Falten einziehen. An den freien Schnüren gleichmäßig ziehen, bis die gewünschte Breite erreicht ist, und die Falten mit der Hand verteilen.
- Schnurenden sichern. Die überstehenden Kordeln aufwickeln und in eine Schnurspule oder eine Falte stecken, niemals abschneiden.
MerkeDas Verhältnis zwischen fertiger Breite und ungeraffter Stoffbreite heißt Übersetzung. Bei 1:2 brauchen Sie 2 Meter Stoff je Meter Fensterbreite, bei 1:3 sind es 3 Meter und der Vorhang wirkt deutlich dichter. Kräuselband erlaubt jedes Verhältnis dazwischen, weil Sie frei zuziehen. Bleistift-Faltenband arbeitet dagegen mit fest vorgegebener Übersetzung 1:2.
Was tun, wenn eine Öse ausgerissen ist?
Ösen reißen aus, weil die Oberkante zu weich ist. Der Stoff arbeitet bei jedem Aufziehen an der Metallkante, bis das Gewebe nachgibt. Reparieren Sie deshalb nie nur das Loch, sondern verstärken Sie zuerst die Lage darunter.
- Verstärkung: Die Oberkante etwa 8 Zentimeter doppelt nach hinten umschlagen und eine Bügeleinlage zwischen die Lagen bügeln. Ohne diese Versteifung reißt die neue Öse an derselben Stelle wieder aus.
- Lochgröße: Gardinenösen mit 40 Millimeter Innendurchmesser sind der gängigste Standard. Passend dazu wird ein Stoffloch von 40 Millimeter gestanzt.
- Stangendurchmesser: Ösen mit 40 Millimeter passen üblicherweise auf Stangen von etwa 20 bis 28 Millimeter. Die Angaben schwanken je Hersteller, prüfen Sie vor dem Kauf die Produktangabe zu Ihrer Stange.
- Werkzeug: Zweiteilige Kunststoffösen lassen sich zusammendrücken, Metallösen brauchen eine Ösenzange oder Locheisen, Gummihammer und Einschlagstempel.
- Ösenband: Wer mehrere Ösen ersetzt, näht besser ein Ösenband mit vorgestanzten Positionen mittig auf den doppelten Saum und presst die Ösen anschließend ein.
- Abstand: Alle Ösen einer Bahn müssen denselben Abstand haben, sonst hängt der Faltenwurf schief. Übertragen Sie die Positionen vom alten Kopf, bevor Sie ihn auftrennen.

Wie reparieren Sie Saum, Risse und kleine Löcher?
Der untere Saum geht meist auf, weil ein Faden gerissen ist und sich die Steppnaht Stich für Stich auflöst. Trennen Sie in diesem Fall den gesamten losen Abschnitt auf, statt nur das offene Stück zu flicken. Danach die Kante bügeln, neu stecken und in einer durchgehenden Naht absteppen. Ein eingebügeltes Saumband ist die schnellere Lösung, hält bei schweren Dekostoffen aber nicht dauerhaft, weil das Eigengewicht der Bahn ohne Unterbrechung an der Klebeschicht zieht.
Für Risse in der Fläche gibt es drei Wege. Ein gerader Riss ohne fehlendes Material lässt sich mit Textilkleber sparsam an den Schnittkanten zusammensetzen. Größere Löcher werden mit einem Flicken aus gleichem Stoff von links unterlegt und mit kleinen Stichen umnäht, wobei die Garnfarbe genau treffen muss. Für helle Gardinen funktioniert auch der Stärketrick: einen Teelöffel Stärke in einer Tasse Wasser lösen, den Flicken darin tränken, ausdrücken, trocknen lassen und dann von links aufbügeln. Bei dunklen Stoffen bleiben Stärkerückstände sichtbar. Wie Sie Flicken sauber unterlegen und mit welchem Stich Sie arbeiten, zeigt der Beitrag zum Reparieren und Flicken von Kleidung.
Bei welcher Temperatur waschen Sie welches Gardinenmaterial?
Viele Gardinen werden nicht beschädigt, sondern kaputtgewaschen. Zu heiß, zu voll, zu stark geschleudert. Als allgemeine Vorgabe gilt für Gardinenstoffe maximal 30 Grad Celsius bei hohem Wasserstand und einem Schon- oder Gardinenprogramm. In eine haushaltsübliche Maschine mit 4 bis 5 Kilogramm Trommelvolumen gehören nur etwa 12 bis 15 Quadratmeter Gardinenstoff, weil das Gewebe im nassen Zustand sonst nicht frei schwimmt und Knickfalten behält.
| Material | Waschtemperatur | Schleudern und Trocknen | Bügeln |
|---|---|---|---|
| Baumwolle | 30 bis 40 Grad Celsius | nur kurz anschleudern, feucht aufhängen | mit Dampf, leicht feucht, Stufe Wolle |
| Leinen | farbig maximal 40 Grad Celsius, sonst bis 60 Grad Celsius | nur schwach anschleudern, nie in den Trockner | von links, leicht feucht oder mit Dampf bei niedriger Stufe |
| Polyester und Mischgewebe | maximal 30 Grad Celsius, Programm Pflegeleicht | niedrige Schleuderzahl, feucht aufhängen | nur bei niedriger Temperatur, Pflegeetikett beachten |
| Voile und transparente Ware | maximal 30 Grad Celsius, hoher Wasserstand | möglichst nicht schleudern, tropfnass aufhängen | meist überflüssig, das Eigengewicht zieht die Falten aus |
Hängen Sie Gardinen feucht wieder auf. Das Eigengewicht zieht die meisten Falten von selbst heraus, und Sie sparen sich das Bügeln einer sechs Meter langen Bahn. Weitere Grundlagen zu Programmen, Beladung und Waschmittel stehen im Ratgeber Wäsche richtig waschen.
Naturfasern laufen bei der ersten Wäsche ein. Bei Stoffen aus Baumwolle, Leinen oder mit Naturfaseranteil kann der Einsprung bis zu 10 Prozent betragen, meist gleich beim ersten Waschgang. Bei einer Bahn von 2,50 Meter Länge sind das bis zu 25 Zentimeter. Waschen Sie neue Meterware deshalb einmal vor dem Zuschnitt, und nähen Sie den unteren Saum mit ausreichend Zugabe, damit Sie nach dem Einlaufen noch verlängern können. Polyester schrumpft kaum, verträgt aber keine hohen Bügeltemperaturen und schmilzt.
Wann geht die Gardine in die Änderungsschneiderei?
Vier Fälle bespricht man besser mit einer Fachkraft. Erstens breite Bahnen mit Musterrapport, bei denen ein neuer Saum das Motiv verschiebt. Zweitens Faltenarten wie französische oder Wellenfalten, die von Hand eingearbeitet und nicht nur zugezogen werden. Drittens beschichtete Verdunklungsstoffe, deren Rückseite beim Bügeln kleben bleibt. Viertens alles, was in öffentlichen Gebäuden hängt, denn dort gelten Anforderungen an schwer entflammbare Ausstattung, die eine Reparatur mit beliebigem Fremdmaterial hinfällig macht.
Für alle übrigen Fälle gilt eine einfache Reihenfolge: erst prüfen, ob der Stoff noch trägt, dann die Oberkante verstärken, dann nähen. Wer ein Kräuselband tauscht, braucht dafür Nahttrenner, Stecknadeln, ein passendes Band in gleicher Breite und etwa eine Stunde Zeit je Bahn.
