Ein Treppenregal lehnt an der Wand, verjüngt sich nach oben und braucht wenig Stellfläche. Genau diese Bauform hat aber ein Problem, das man ihr nicht ansieht: Sie kippt nach vorn, sobald oben Gewicht liegt. Der Schwerpunkt wandert mit jedem Buch im obersten Fach über die vordere Standlinie hinaus. Diese Anleitung baut ein Regal mit 180 Zentimetern Höhe und 60 Zentimetern Breite und behandelt die Wandbefestigung nicht als Zubehör, sondern als Teil der Konstruktion.

Wie berechnen Sie Neigung und Bodentiefen?
Die Neigung ergibt sich aus zwei Zahlen: der Höhe des Rahmens und dem Abstand der Füße zur Wand. Bei 180 Zentimetern Höhe und 36 Zentimetern Fußabstand stehen die Holme in etwa 11 Grad Neigung. Das ist ein bewährter Wert. Steiler wirkt das Regal instabil, flacher frisst es zu viel Raumtiefe.
Aus dieser Geometrie folgen die Bodentiefen automatisch. Der Rahmen rückt je 36 Zentimeter Höhengewinn um 7,2 Zentimeter näher an die Wand. Wenn die Vorderkanten aller Böden in einer senkrechten Ebene liegen sollen, wird jeder Boden also 7,2 Zentimeter flacher als der darunter. Bei fünf Böden im Abstand von 36 Zentimetern ergibt das eine saubere Staffelung.
| Boden | Höhe über dem Fußboden | Tiefe | Sinnvolle Nutzung |
|---|---|---|---|
| 1, unten | 30 cm | 40 cm | Bücher, Körbe, schwere Gegenstände |
| 2 | 66 cm | 33 cm | Zeitschriften, Boxen, Pflanzen |
| 3 | 102 cm | 26 cm | Bilderrahmen, kleine Bücher |
| 4 | 138 cm | 19 cm | Deko, Vasen, Kerzenständer |
| 5, oben | 174 cm | 12 cm | nur leichte Gegenstände |
Das oberste Fach ist absichtlich schmal. Es dient der Optik, nicht dem Stauraum. Wer dort eine schwere Pflanze abstellt, hebelt das ganze Regal von der Wand weg.
Material- und Werkzeugliste mit allen Maßen
Die Böden sitzen zwischen den beiden Holmen. Weil die Holme senkrechte Innenflächen haben, brauchen die Bodenenden keinen Winkelschnitt. Nur an Fuß und Kopf der Holme wird schräg abgelängt.
- Holme: 2 Stück Kantholz Fichte, 1800 mal 60 mal 40 Millimeter, an Fuß und Kopf mit etwa 11 Grad angeschnitten.
- Böden: 5 Stück Leimholz 18 Millimeter, Länge jeweils 520 Millimeter, Tiefen 400, 330, 260, 190 und 120 Millimeter.
- Auflageleisten: 10 Stück Leiste 30 mal 30 Millimeter, Länge jeweils gleich der Bodentiefe, je zwei pro Fach.
- Schrauben: 20 Stück 4,0 mal 40 Millimeter für die Auflageleisten, 10 Stück 4,5 mal 60 Millimeter durch die Holme in die Bodenstirnseiten.
- Wandbefestigung: 2 Stahlwinkel mindestens 40 mal 40 Millimeter, 2 Wanddübel passend zum Untergrund, 2 Schrauben 5,0 mal 60 Millimeter.
- Fußplatten: 2 Stück Filz oder Multiplex, mindestens 60 mal 60 Millimeter, gegen Einsinken auf weichem Boden.
An Werkzeug brauchen Sie: Handkreissäge oder Kappsäge mit einstellbarem Winkel, Akkuschrauber, Holzbohrer 3 Millimeter, Kegelsenker, Bohrmaschine mit Steinbohrer, Schmiege oder verstellbaren Winkelmesser, Wasserwaage ab 60 Zentimetern, Zollstock, Schraubzwingen, Schleifpapier Körnung 120 und 180. Eine Schmiege ist hier keine Spielerei: Ohne sie überträgt man die 11 Grad nicht zuverlässig auf beide Holme.
Bauanleitung Schritt für Schritt
- Winkel anreißen. Stellen Sie die Schmiege auf 11 Grad ein und übertragen Sie den Winkel auf beide Holmenden. Fuß und Kopf werden parallel angeschnitten, sonst steht das Regal nur mit den Kanten auf.
- Holme ablängen. Sägen Sie beide Holme in einem Arbeitsgang, indem Sie sie mit Zwingen bündig aufeinander spannen. Zwei getrennte Schnitte weichen fast immer um ein bis zwei Grad voneinander ab.
- Bodenhöhen anzeichnen. Legen Sie beide Holme nebeneinander und ziehen Sie die Linien für 30, 66, 102, 138 und 174 Zentimeter durch. Messen Sie dabei entlang des Holms, nicht senkrecht vom Boden, und rechnen Sie die Neigung heraus: Bei 11 Grad ist der Weg entlang des Holms rund 2 Prozent länger als die Höhe.
- Auflageleisten montieren. Schrauben Sie je Fach zwei Leisten 30 mal 30 Millimeter innen an die Holme, bündig zur angezeichneten Linie. Vorbohren mit 3 Millimetern, sonst reißt die Leiste. Diese Leisten tragen später die Hauptlast.
- Trockenaufbau prüfen. Legen Sie die Böden auf die Leisten und stellen Sie den Rahmen an die Wand. Prüfen Sie jeden Boden einzeln mit der Wasserwaage. Jetzt lassen sich Leisten noch versetzen.
- Böden verschrauben. Bohren Sie von außen durch die Holme in die Stirnseiten der Böden, mit 3 Millimetern vor, dann Schrauben 4,5 mal 60 Millimeter. Zwei Schrauben je Seite genügen. Senken Sie die Löcher, damit die Köpfe verschwinden.
- Kanten schleifen. Körnung 120, dann 180, immer in Faserrichtung. Runden Sie die Vorderkanten leicht ab, an scharfen Kanten platzt jede Oberfläche als Erstes ab.
- Oberfläche auftragen. Zwei Aufträge Hartwachsöl oder Klarlack mit Zwischenschliff Körnung 240, je 12 bis 24 Stunden Trocknung nach Herstellerangabe.
- Fußplatten aufkleben. Auf Teppich, Vinyl und Laminat sinken die schmalen Holmenden ein, dadurch ändert sich die Neigung und das Regal verliert an Wandkontakt. Platten von mindestens 60 mal 60 Millimetern verteilen die Last.
- Kippsicherung setzen. Stellen Sie das Regal endgültig auf, markieren Sie die Bohrpunkte an den oberen Holmenden, prüfen Sie die Stelle mit einem Leitungssuchgerät und schrauben Sie die Winkel in die Wand. Erst danach einräumen.

Warum ein angelehntes Regal an die Wand geschraubt gehört
Die Standfläche eines angelehnten Regals ist eine Linie, keine Fläche. Vorn stehen die beiden Holmenden auf dem Boden, hinten liegt der Rahmen an der Wand an. Solange nur unten Gewicht liegt, bleibt der Schwerpunkt hinter der Standlinie. Legen Sie oben etwas ab, wandert er nach vorn. Ein Kind, das sich am Regal hochzieht, verschiebt ihn schlagartig.
Zwei Stahlwinkel an den oberen Holmenden lösen das Problem vollständig. Sie tragen kaum Last, sondern verhindern nur die Drehung nach vorn. Der Dübel muss trotzdem zum Untergrund passen: In Beton und Vollziegel arbeitet ein Spreizdübel, in Lochziegel und Porenbeton brauchen Sie den passenden Spezialdübel, im Trockenbau schrauben Sie in das Ständerwerk. Die Zuordnung steht im Ratgeber welcher Dübel für welche Wand passt.
Angelehnt ist nicht befestigt. Deko-Leitern aus dem Möbelhandel werden oft ohne Wandanker verkauft, weil sie nur Handtücher tragen sollen. Ein Regal mit fünf Böden ist etwas anderes. Ohne Kippsicherung fällt es nach vorn, und zwar mit dem gesamten Inhalt. In Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren ist die Befestigung nicht verhandelbar.
Was trägt das Regal wirklich?
Diese Bauform ist kein Schwerlastregal. Die Böden liegen auf Leisten von 30 mal 30 Millimetern, und die Holme aus 60 mal 40 Millimeter Fichte sind auf Biegung nicht besonders steif. Realistisch sind 10 bis 15 Kilogramm je Boden. Das unterste Fach verträgt mehr, weil es nah am Boden sitzt und die kürzeste Hebelwirkung hat.
Für Bücher gilt deshalb eine klare Regel: nur in das unterste Fach, und auch dort nicht auf voller Breite. Bücher wiegen rund 40 Kilogramm je laufendem Regalmeter. Eine Reihe über die vollen 52 Zentimeter lichter Weite bringt schon etwa 21 Kilogramm auf einen einzigen Boden. Wer eine echte Buchsammlung unterbringen will, baut besser ein Korpusregal.
- Bodenstärke erhöhen: 25 statt 18 Millimeter Leimholz verbessert die Steifigkeit der Böden spürbar, ändert aber nichts an der Kippneigung.
- Holme verstärken: Ein Querholz auf der Rückseite, an den Enden im 45-Grad-Winkel abgesägt und mit je zwei Schrauben befestigt, versteift den Rahmen gegen das Verschieben.
- Fachlast beachten: Die Summe aller Fachlasten darf die Tragfähigkeit des Rahmens nicht überschreiten. Fünf voll beladene Fächer sind mehr als ein einzelnes voll beladenes Fach.
- Schwer nach unten: Räumen Sie grundsätzlich von unten nach oben und von schwer nach leicht ein. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen das Kippen.
- Nachziehen: Prüfen Sie die Schrauben der Auflageleisten nach etwa vier Wochen. Fichte setzt sich unter Dauerlast.
MerkeWenn Sie das Regal in einer Nische oder unter einer Dachschräge aufstellen wollen, messen Sie den vorhandenen Winkel mit einer Schmiege ab, statt ihn zu schätzen. Dachschrägen liegen selten bei glatten Werten, und ein Fehler von zwei Grad zeigt sich auf 180 Zentimetern Länge als Spalt von mehreren Zentimetern.
Varianten und Alternativen
Wer statt der Anlehnvariante ein freistehendes, beidseitig nutzbares Möbel möchte, braucht eine echte Standtiefe und einen Korpus. Die Bauformen im Handel und ihre Traglastangaben zeigt die Übersicht zu Treppenregalen und ihren Varianten. Eine deutlich günstigere Variante entsteht aus Altmaterial: Wie sich ausrangierte Möbelteile zu einem gestuften Regal verbinden lassen, steht in der Anleitung für ein Treppenregal aus alten Schubladen.
Prüfen Sie nach dem Aufstellen einmal mit der Hand am obersten Boden, ob sich der Rahmen bewegt. Wenn er das tut, sitzt einer der beiden Wandwinkel nicht fest. Ziehen Sie ihn nach, bevor Sie das Regal einräumen.
