Eine Wanduhr wird meist nach Optik gekauft und dann jahrelang benutzt. Die Eigenschaften, die im Alltag stören oder gefallen, sind aber technischer Natur: ob sie tickt, ob sie sich selbst stellt, ob man sie vom Sofa aus überhaupt ablesen kann. Dieser Beitrag behandelt die Uhr als Gerät. Wie sie an die Wand kommt, welcher Haken hält und wie man sie waagerecht ausrichtet, steht im Beitrag mit Tipps zum Anbringen von Wanduhren und Thermometern.

Was macht eine Funkuhr anders als eine Quarzuhr?
Eine Quarzuhr misst die Zeit selbst. Ein Schwingquarz gibt den Takt vor, ein Schrittmotor bewegt die Zeiger. Die Uhr weiß nichts davon, wenn sie falsch geht, und sie stellt sich weder auf Sommerzeit noch nach einem Batteriewechsel selbst.
Eine Funkuhr enthält zusätzlich einen Langwellenempfänger. Er hört auf den Zeitzeichensender DCF77, der in Mainflingen steht, rund 26 Kilometer ostsüdöstlich von Frankfurt am Main. Der Sender arbeitet auf 77,5 Kilohertz mit einer Leistung von 50 Kilowatt und erreicht über 2.000 Kilometer, also praktisch ganz Mitteleuropa. Getaktet wird er von den Cäsium-Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.
Die Übertragung ist einfach aufgebaut. Zu Beginn jeder Sekunde wird die Trägeramplitude auf etwa 25 Prozent abgesenkt, und zwar 0,1 Sekunden lang für eine binäre Null und 0,2 Sekunden lang für eine binäre Eins. Die vollständige Zeitinformation mit Minute, Stunde, Datum und Wochentag steckt in den Sekunden 15 bis 58 einer Minute. Die 59. Sekundenmarke fehlt, dieses Loch markiert den Minutenwechsel. Am Senderort wird eine relative Standardabweichung in der Größenordnung von 10 hoch minus 12 erreicht, was einem Fehler von einer Sekunde in etwa 30.000 Jahren entspricht.
| Merkmal | Quarzuhr | Funkuhr mit DCF77 |
|---|---|---|
| Zeitquelle | eigener Schwingquarz | Atomuhren der PTB über Langwelle |
| Sommerzeitumstellung | von Hand | automatisch über Statusbits im Signal |
| Nach Batteriewechsel | von Hand stellen | stellt sich selbst, sobald Empfang besteht |
| Abhängig vom Standort | nein | ja, Stahlbeton und Störfelder blockieren |
| Verhalten ohne Signal | läuft normal weiter | läuft als Quarzuhr weiter, versucht erneut zu synchronisieren |
| Preisniveau | niedriger | höher, wegen Empfänger und Antenne |
Zur Ganggenauigkeit einer reinen Quarzuhr kursieren sehr unterschiedliche Zahlen, und die Werkshersteller geben sie selten offen an. Verbindlich ist allein die Angabe im Datenblatt des jeweiligen Werks. Was sich sagen lässt: Quarzwerke reagieren auf Temperatur. Eine Uhr an einer kalten Außenwand oder in einem ungeheizten Flur geht anders als dieselbe Uhr im Wohnzimmer.
Warum stellt sich meine Funkuhr nicht?
Das Signal kommt mit sehr kleiner Feldstärke an. Drei Ursachen erklären fast alle Fälle. Erstens die Abschirmung: Stahlbeton, Metallfassaden, Kellerräume und Aufzugsschächte dämpfen die Langwelle stark. Zweitens elektrische Störfelder aus Bildschirmen, Fernsehern, Rechnern, Mikrowellen, Schaltnetzteilen und LED-Leuchtmitteln mit billiger Elektronik. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens 1,5 bis 2 Metern zu solchen Geräten. Drittens der Zeitpunkt: Nachts zwischen 2 und 4 Uhr ist die Störung am geringsten, und viele Uhren synchronisieren deshalb ausschließlich in diesem Fenster.
- Erststart: Legen Sie die Uhr nach dem Batterieeinsetzen für ein paar Stunden flach ans Fenster, bevor Sie sie aufhängen.
- Antennenlage: Im Werk sitzt eine Ferritantenne. Sie empfängt am besten quer zur Richtung des Senders, also senkrecht zur Linie Richtung Frankfurt am Main. Drehen Sie die Uhr im Zweifel um 90 Grad und probieren Sie erneut.
- Störer abschalten: Schalten Sie über Nacht Bildschirme und Steckernetzteile im selben Raum ab, wenn die Synchronisation ausbleibt.
- Geduld: Eine vollständige Zeitinformation braucht mindestens eine volle Minute störungsfreien Empfang, viele Uhren werten mehrere Minuten aus, bevor sie den Wert übernehmen.
- Alterung: Bei sehr alten Empfängern kann der Abgleich des Schwingkreises wegdriften, dann hilft nur ein neues Werk.
- Batteriezustand: Eine halb leere Zelle reicht oft noch für den Antrieb, aber nicht mehr für den Empfangsteil. Ausbleibende Synchronisation ist häufig das erste Anzeichen für einen fälligen Batteriewechsel.
MerkeEine Funkuhr ohne Empfang ist nicht kaputt. Sie läuft als gewöhnliche Quarzuhr weiter und versucht in festen Abständen erneut, das Signal zu holen. Wenn Ihre Uhr im Bad hinter einer Betonwand hängt und sich nicht stellt, ist die einfachste Lösung, sie einmal im Jahr für eine Nacht an ein Fenster zu legen.
Wie groß muss das Zifferblatt sein?
Die Größe folgt dem Ableseabstand, nicht der Wandfläche. Soll die Uhr vom Sofa aus in 3 bis 4 Metern Entfernung bequem lesbar sein, werden Durchmesser ab 30 Zentimetern empfohlen. Hängt sie über einem Sideboard, an dem Sie ohnehin vorbeigehen, genügen 20 bis 25 Zentimeter.
Als zweite Orientierung dient die Raumgröße. Für Wohnräume bis 15 Quadratmeter passen 20 bis 30 Zentimeter, für 15 bis 25 Quadratmeter sind 30 bis 40 Zentimeter üblich, ab 25 Quadratmetern auch 40 Zentimeter und mehr. Wichtiger als der reine Durchmesser ist allerdings der Kontrast. Ein mattschwarzes Zifferblatt mit dunkelgrauen Zeigern ist aus vier Metern unlesbar, egal wie groß es ist. Dünne Zeiger ohne Kontrastkante, spiegelndes Glas und filigrane Indizes kosten mehr Lesbarkeit als zehn Zentimeter Durchmesser bringen.
Für Haushalte mit älteren Menschen gilt: großer Durchmesser, arabische Ziffern statt römischer, breite Zeiger mit deutlich unterschiedlicher Länge und entspiegeltes oder ganz weggelassenes Deckglas. Wenn ein Deckglas verbaut ist und die Uhr über einem Sitzplatz hängt, lohnt der Blick in den Beitrag zum Anbringen von Glasbildern und Wanduhren.
Tickt sie oder nicht?
Das klassische Tick entsteht durch den Schrittmotor: Er bewegt den Sekundenzeiger einmal pro Sekunde ruckartig weiter, und dieses Anschlagen überträgt sich auf das Gehäuse. In einem Schlafzimmer oder einem stillen Arbeitsraum ist das für viele Menschen störend.
Die Alternative heißt Sweep-Werk oder Werk mit schleichender Sekunde. Der Sekundenzeiger gleitet gleichmäßig über das Zifferblatt, statt zu springen. Ein Anschlaggeräusch entsteht dabei nicht. Solche Werke gibt es als reine Quarzausführung und als Funkausführung, Sie müssen sich also nicht zwischen Ruhe und Selbststellung entscheiden.
Zwei Einschränkungen sind ehrlich zu nennen. Erstens ist auch ein Sweep-Werk nicht absolut still, das Getriebe erzeugt ein leises, gleichmäßiges Surren, das in völliger Stille aus kurzer Distanz hörbar sein kann. Zweitens läuft der Motor kontinuierlich statt im Sekundentakt, wodurch der Stromverbrauch höher liegt als bei einem Schrittwerk. Rechnen Sie mit häufigeren Batteriewechseln. Wie stark der Unterschied ausfällt, hängt vom Werk ab und wird von den Herstellern kaum beziffert.
Welches Uhrwerk passt zu welchem Zifferblatt?
Wer ein Zifferblatt selbst gestaltet oder ein defektes Werk ersetzt, braucht drei Maße. Erstens die Zeigerwellenlänge, also die Länge des Gewindestücks, das durch das Zifferblatt ragt. Handelsübliche Werke gibt es in Stufen, etwa 11,8 Millimeter. Die Welle muss zur Materialdicke passen: Bei einer 18 Millimeter starken Holzscheibe reicht eine 11,8-Millimeter-Welle nicht, dort muss von hinten eine Vertiefung eingefräst werden.
Zweitens das Einbaumaß des Gehäuses. Ein typisches Großuhrwerk misst rund 55,9 mal 55,9 mal 17,0 Millimeter, es braucht also hinter dem Zifferblatt eine entsprechende Aussparung oder Aufbauhöhe. Drittens die Zeigerlänge: Sie muss zum Radius des Zifferblatts passen und darf beim Drehen nirgends anstoßen.
- Zifferblattdicke messen. An der Bohrstelle messen, nicht am Rand. Bei Holzscheiben schwankt die Dicke.
- Wellenlänge bestimmen. Materialdicke plus etwa 4 Millimeter für Mutter, Unterlegscheibe und Zeigeraufnahme.
- Loch bohren. Übliche Wellendurchmesser liegen bei rund 8 Millimetern. Von beiden Seiten bohren oder eine Opferplatte unterlegen, sonst reißt die Rückseite aus.
- Werk montieren. Gummischeibe vorn, Mutter handfest anziehen. Zu festes Anziehen verklemmt das Getriebe.
- Zeiger aufsetzen. Reihenfolge Stunde, Minute, Sekunde. Alle Zeiger auf 12 Uhr ausrichten, bevor Sie die Zeit stellen.
- Freigang prüfen. Zeiger von Hand einmal komplett durchdrehen. Sie dürfen sich nicht berühren und nirgends schleifen.
- Batterie einsetzen. In aller Regel eine Mignonzelle mit 1,5 Volt. Polung beachten, dann eine Stunde beobachten, ob der Sekundenzeiger sauber durchläuft.
Ausgelaufene Batterien sind der häufigste Totalschaden an Wanduhren. Alkalizellen entladen sich über Jahre und beginnen dann zu lecken, das Elektrolyt zerfrisst die Kontakte und die Leiterbahnen im Werk. Notieren Sie das Einbaudatum auf einem Klebestreifen auf der Rückseite. Wechseln Sie die Zelle, sobald die Uhr nachgeht oder die Funksynchronisation ausbleibt, und nehmen Sie die Batterie heraus, wenn die Uhr länger als vier Wochen nicht läuft. Ein Werk mit korrodierten Kontakten lohnt keine Reparatur, aber der Austausch gegen ein neues Werk kostet wenig und rettet ein schönes Zifferblatt.
Beim Selbstbau mit vorhandenen Materialien lohnt ein Blick auf die Praxisbeispiele im Beitrag zu DIY-Wanduhren aus Holzscheiben, dort geht es um Zuschnitt, Bohrung und Oberfläche. Und noch ein Detail, das oft übersehen wird: Prüfen Sie vor dem Kauf, ob die Uhr eine Aufhängeöse oder eine Schlüssellochbohrung hat und wie tief das Werk hinten aufbaut. Eine Uhr mit 4 Zentimetern Aufbau hängt an einem flachen Bilderhaken schief.
