Ein WC-Reiniger muss zwei Dinge können: an der schrägen Beckenwand haften und Kalk lösen. Beides bekommen Sie mit drei Zutaten aus dem Supermarkt hin, und zwar für einen Bruchteil des Preises eines Markenprodukts. Was Sie nicht bekommen, ist eine Desinfektion. Dazu später mehr, denn dieser Punkt wird in vielen Rezepten im Netz falsch dargestellt.

Was gehört in einen selbstgemachten WC-Reiniger?
Jede Zutat hat eine Aufgabe. Wer eine davon weglässt, bekommt entweder eine Flüssigkeit, die sofort ins Wasser läuft, oder eine Paste, die nichts löst.
| Zutat | Menge | Funktion |
|---|---|---|
| Zitronensäure, kristallin | 30 Gramm, etwa 2 gehäufte Esslöffel | Löst Kalk und Urinstein, senkt den pH-Wert der Mischung in den sauren Bereich |
| Wasser, höchstens 40 Grad | 100 Milliliter | Löst die Zitronensäure auf |
| Flüssigseife oder mildes Spülmittel | 10 Milliliter | Tenside lösen Fett und organische Rückstände von der Keramik |
| Speisestärke | 2 Esslöffel, etwa 20 Gramm | Verdickt, damit das Gel an der Beckenwand haftet statt abzulaufen |
| Wasser, kalt | 500 Milliliter | Rührwasser für die Stärke |
Die fertige Menge liegt bei etwa 600 Millilitern mit rund 5 Prozent Zitronensäure. Das entspricht der Größenordnung handelsüblicher saurer WC-Reiniger, deren Säureanteil meist zwischen 3 und 10 Prozent liegt. Statt Speisestärke funktionieren auch Pfeilwurzelmehl oder Maisstärke, weil beide dieselbe Verdickungswirkung haben.
Wie stellen Sie den Reiniger her?
- Wasser erwärmen und abkühlen. Erhitzen Sie 100 Milliliter Wasser und lassen Sie es auf unter 40 Grad abkühlen. Erst dann rühren Sie die Zitronensäure ein.
- Stärke anrühren. Verrühren Sie die 2 Esslöffel Speisestärke klümpchenfrei in 500 Millilitern kaltem Wasser.
- Stärke aufkochen. Erhitzen Sie die Stärkelösung unter Rühren, bis sie sichtbar andickt, und nehmen Sie sie sofort vom Herd.
- Abkühlen lassen. Warten Sie, bis der Stärkekleister handwarm ist. Dieser Schritt ist der wichtigste, denn heiß darf die Säure nicht dazu.
- Zusammenführen. Rühren Sie die Zitronensäurelösung und die Flüssigseife in den abgekühlten Kleister. Kräftig, aber ohne zu schlagen, sonst schäumt es stark.
- Abfüllen und beschriften. Füllen Sie das Gel in eine saubere, gut ausgespülte Flasche mit Spritzverschluss und beschriften Sie sie mit Inhalt und Herstellungsdatum.
Nie zusammen mit chlorhaltigen Reinigern verwenden. Selbstgemachte WC-Reiniger sind sauer. Trifft Säure auf ein chlorhaltiges Produkt, etwa auf einen Sanitärreiniger mit Aktivchlor, auf Bleiche oder auf einen Reinigungsstein im Spülkasten, entsteht Chlorgas. Es reizt Augen, Nase und Rachen, löst starken Hustenreiz und Erstickungsgefühl aus, in höherer Konzentration führt es zu schwerer Atemnot und Lungenschäden. Die Gefahr besteht auch dann, wenn Sie nacheinander arbeiten, weil Reste im Becken und im Siphon stehen bleiben. Spülen Sie das Becken vorher zweimal durch, wenn Sie vom Chlorprodukt auf die Hausmischung wechseln, und lüften Sie beim Putzen.
Warum darf Zitronensäure nicht heiß angesetzt werden?
Weil sie dann ihre Wirkung ins Gegenteil verkehrt. Zitronensäure löst Kalk, indem sie das Calciumcarbonat in ein wasserlösliches Salz überführt. Bei höheren Temperaturen entsteht stattdessen Calciumcitrat, und das ist schwer löslich. Es setzt sich als weißlicher Belag ab, verstopft feine Kanäle und lässt sich schlechter entfernen als der ursprüngliche Kalk. Praktisch heißt das: Ansetzen und anwenden nur kalt bis handwarm, also unterhalb von etwa 40 Grad. Dieselbe Regel gilt beim Entkalken der Waschmaschine.
Ein zweiter Punkt betrifft die Kontaktzeit. Kalk und Urinstein lösen sich nicht in Sekunden. Verteilen Sie das Gel unter dem Beckenrand, lassen Sie es 15 bis 30 Minuten stehen, bei starken Ablagerungen über Nacht, und bürsten Sie danach nach. Über Nacht bedeutet, dass niemand die Spülung betätigt, sonst wird das Mittel verdünnt.
Desinfiziert ein selbstgemachter WC-Reiniger?
Nein. Zitronensäure senkt den pH-Wert und hemmt dadurch das Wachstum vieler Keime, aber das ist etwas anderes als eine Desinfektion. Ein Desinfektionsmittel muss eine geprüfte Wirksamkeit gegen definierte Keimgruppen nachweisen und in vorgegebener Konzentration und Einwirkzeit angewendet werden. Eine Hausmischung erfüllt diese Anforderungen nicht, und es gibt für sie auch keinen Wirksamkeitsnachweis.
Das ist für die meisten Haushalte kein Problem. Die Verbraucherzentrale hält Desinfektionsmittel in der normalen Wohnung für überflüssig und nennt vier Mittel, die für den gesamten Hausputz genügen: Handspülmittel, einen neutralen Allzweckreiniger, Scheuerpulver sowie Essigreiniger oder Zitronensäure. Anders liegt der Fall, wenn im Haushalt eine ansteckende Magen-Darm-Erkrankung auftritt oder eine Person mit geschwächtem Immunsystem lebt. Dann greifen Sie zu einem Produkt mit ausgewiesener Wirksamkeit und halten die aufgedruckte Einwirkzeit ein. Hausmittel sind hier die falsche Wahl.
MerkeSauber und keimfrei sind zwei verschiedene Dinge. Für die Toilette im Privathaushalt reicht mechanische Reinigung mit einer Bürste plus ein saurer Reiniger gegen Kalk. Wichtiger als jedes Desinfektionsmittel ist, den Deckel beim Spülen zu schließen und die Bürste nach Gebrauch abtropfen zu lassen, statt sie nass in den geschlossenen Halter zu stellen.
Wie lange hält die Mischung, und worauf müssen Sie bei der Lagerung achten?
Kürzer, als viele Rezepte behaupten. Speisestärke ist ein Nährboden, die Mischung enthält keinen Konservierungsstoff, und Flüssigseife allein konserviert nicht. Rechnen Sie mit wenigen Wochen. Setzen Sie lieber kleine Mengen an und verbrauchen Sie sie zügig. Riecht das Gel muffig, sieht es flockig aus oder haben sich Schlieren gebildet, gehört es weg.
- Gefäß: Nur saubere, gut ausgespülte Flaschen verwenden. Eine leere Flasche eines gekauften Reinigers eignet sich, eine Getränkeflasche nicht.
- Beschriftung: Inhalt und Herstellungsdatum notieren. Unbeschriftete Hausmischungen sind die häufigste Ursache für Verwechslungen.
- Standort: Kühl, dunkel und außerhalb der Reichweite von Kindern. Zitronensäure in dieser Konzentration reizt Augen und Schleimhäute.
- Ätherische Öle: Nur sparsam und nicht bei Katzen im Haushalt. Katzen bauen Terpene schlecht ab, und die Öle sind für sie giftig. Auch bei Menschen kommen Kontaktallergien vor.
- Materialien: Auf Keramik unproblematisch. Halten Sie das Mittel von Naturstein fern, dort ätzt jede Säure matte Flecken in die Oberfläche, die nur durch Schleifen wieder verschwinden.
Wogegen hilft das Rezept nicht?
Gegen alles, was nicht Kalk oder Fett ist. Braune Ränder im Siphon, schwarze Punkte unter dem Beckenrand und ein Abfluss, der langsam läuft, sind andere Probleme. Schwarze Flecken sind meist Schimmel oder Mangan aus dem Wasser, dagegen hilft eher mechanisches Bürsten, siehe auch die Hinweise zu Schimmelflecken entfernen. Ein träger Abfluss ist eine Verstopfung und kein Reinigungsproblem, dafür ist der Ratgeber zum Reinigen verstopfter Abflüsse die richtige Adresse.
Und noch ein praktischer Hinweis zum Sparen: Zitronensäurepulver kostet im 1-Kilogramm-Gebinde deutlich weniger als in der 500-Gramm-Packung aus dem Drogeriemarkt. Mit einem Kilogramm setzen Sie rund 33 Portionen dieses Rezepts an, also gut 20 Liter fertigen WC-Reiniger.
