Bei einer tropfenden Verschraubung greifen viele zur größten Zange im Kasten. Das ist verständlich und in etwa der Hälfte der Fälle falsch. Rohrzange, Wasserpumpenzange und Zangenschlüssel sehen sich ähnlich, arbeiten aber nach unterschiedlichen Prinzipien und richten unterschiedliche Schäden an. Dieser Beitrag ordnet die Bauformen, erklärt die Anziehrichtung und benennt die Grenze, an der Sie besser aufhören.

Wie funktioniert eine Rohrzange überhaupt?
Die Rohrzange geht auf eine Konstruktion von Johan Petter Johansson aus dem Jahr 1896 zurück. Ihr Kern ist ein selbstklemmender Hebelmechanismus: Die bewegliche Backe sitzt so im Gelenk, dass sie sich beim Ziehen am Griff enger an das Werkstück legt. Je mehr Kraft Sie aufbringen, desto fester beißt die Zange zu. Die Maulweite stellen Sie grob über eine Rändelschraube ein, das Feine erledigt die Mechanik.
Daraus folgen zwei Eigenschaften. Erstens: Die Zange greift nur in einer Richtung. Zeigt die Maulöffnung in die falsche Richtung, rutscht sie ab, sobald Sie ziehen. Zweitens: Sie braucht ein rundes Werkstück, in das sich die gehärteten Zähne eingraben können. Genau dafür ist sie gebaut, und genau das macht sie an sichtbaren Oberflächen unbrauchbar.
Handelsübliche Rohrzangen sind in Längen von 250 bis 700 Millimetern erhältlich, mit Spannweiten ab etwa 35 Millimetern. Die Länge ist kein Komfortmerkmal, sondern der Hebelarm. Wer für eine Verschraubung an einem Waschtischsiphon zur 600-Millimeter-Zange greift, hat schon vor dem ersten Zug die Kontrolle über das Drehmoment abgegeben.
Wo liegt der Unterschied zur Wasserpumpenzange?
Die Wasserpumpenzange ist keine kleine Rohrzange, sondern ein anderes Werkzeug. Sie hat ein verstellbares Gleitgelenk mit mehreren Rastpositionen, arbeitet mit weitgehend parallelen Backen und klemmt nicht selbsttätig nach. Die Haltekraft kommt allein aus Ihrer Hand. Dafür fasst sie Sechskante, Flachstellen und runde Teile gleichermaßen und ist in engen Räumen handlicher.
Der Zangenschlüssel geht noch einen Schritt weiter: glatte, parallele Backen ohne Zahnung, die sich beim Zudrücken formschlüssig an die Schlüsselflächen legen. Er hinterlässt keine Riefen und ist deshalb das Werkzeug der Wahl an verchromten oder polierten Teilen. Was er nicht kann: sich in ein rundes, festgerostetes Rohr eingraben.
| Werkzeug | Backen | Kraftprinzip | Typischer Einsatz | Risiko |
|---|---|---|---|---|
| Rohrzange 90 Grad (Schwede) | gezahnt, parallel gegenüberstehend | selbstklemmend über Hebel | runde Rohre, festsitzende Verschraubungen | Riefen, eingedrücktes Rohr |
| Eckrohrzange 45 Grad | gezahnt, schräg angestellt | selbstklemmend über Hebel | Rohre dicht an der Wand, enge Nischen | fasst Sechskante schlechter, rutscht eher ab |
| Wasserpumpenzange | gezahnt, meist parallel | Handkraft, Gleitgelenk | Überwurfmuttern, Siphon, Allzweck | Riefen, Abrutschen bei zu wenig Handkraft |
| Zangenschlüssel | glatt, parallel | Handkraft, formschlüssig | verchromte Armaturen, Sechskante, weiche Metalle | rutscht an runden, festsitzenden Teilen |
| Maul- oder Ringschlüssel | fest, glatt | Formschluss | genormte Sechskante | keine Anpassung an andere Weiten |
Chrom kommt nicht zurück. Die Zähne einer Rohrzange sind gehärtet, die Chromauflage einer Armatur ist nur wenige Mikrometer dick. Eine einzige zu feste Umdrehung reicht für Riefen, die sich weder auspolieren noch nachverchromen lassen. Setzen Sie an sichtbaren Teilen entweder einen Zangenschlüssel mit glatten Backen an oder legen Sie einen dicken Lappen, ein Stück Leder oder einen aufgeschnittenen Schlauch zwischen Backe und Armatur. Der Lappen kostet Griffigkeit, deshalb sauber ansetzen und langsam ziehen.
In welche Richtung wird angezogen?
Das Maul der Rohrzange muss immer in die Drehrichtung zeigen, in die Sie arbeiten wollen. Beim Lösen eines Rechtsgewindes drehen Sie gegen den Uhrzeigersinn, also zeigt die Maulöffnung nach links. Beim Anziehen entsprechend andersherum. Wer die Zange verkehrt ansetzt, spürt zunächst Widerstand und rutscht dann schlagartig ab. Das ist der Moment, in dem sich Menschen an der Wand hinter dem Rohr die Knöchel aufschlagen.
- Wasser abstellen. Vor jedem Eingriff das Eckventil schließen oder den Hauptabsperrhahn zudrehen und den Hahn öffnen, bis kein Wasser mehr kommt.
- Auffangen vorbereiten. Eimer und Lappen unterlegen. In jeder Leitung steht Restwasser, auch nach dem Absperren.
- Gegenhalten planen. An jeder Verschraubung mit zwei Seiten brauchen Sie zwei Werkzeuge. Eine Zange hält das Rohr, die andere dreht die Mutter, sonst verdrehen Sie die Leitung dahinter.
- Maul ausrichten. Die Öffnung zeigt in Drehrichtung. Die Rändelschraube so weit zustellen, dass beide Backen anliegen, bevor Sie Kraft geben.
- Kurz und kräftig lösen. Ein festsitzendes Gewinde bricht mit einem entschlossenen Ruck los. Dauerndes Wackeln mit halber Kraft rundet nur die Kanten ab.
- Von Hand ansetzen. Beim Zusammenbau jedes Gewinde erst mehrere Umdrehungen mit den Fingern eindrehen. Verkantet es, drehen Sie zurück und beginnen neu.
- Zuletzt nachziehen. Mit der Zange nur noch eine bis maximal eine halbe Umdrehung über handfest. Dann Wasser aufdrehen und beobachten statt weiterziehen.
Warum gehen Verschraubungen kaputt, obwohl die Zange hält?
Weil das Werkzeug mehr Kraft liefert, als das Bauteil verträgt. Sanitärverschraubungen dichten in der Regel über eine Flachdichtung oder einen konischen Sitz, nicht über Anpressdruck aus dem Gewinde. Eine zerquetschte Gummidichtung dichtet schlechter als eine locker sitzende. Wenn eine Verbindung nach dem Anziehen weiter tropft, ist fast nie zu wenig Kraft die Ursache, sondern eine falsch sitzende, verhärtete oder fehlende Dichtung.
Der zweite typische Schaden trifft das Rohr selbst. Bei dünnwandigen Rohren oder sehr festsitzenden Verbindungen drückt die selbstklemmende Zange den Querschnitt ein, im Extremfall bis zum Bruch. Auch die Zange nimmt Schaden: An gehärtetem Stahl stumpfen die Zähne ab, und eine stumpfe Rohrzange rutscht danach dauerhaft. Welche Zangenformen im Haushalt tatsächlich gebraucht werden, ordnet der Beitrag zum Zangenset für den Werkzeugkasten ein.
- Gegenhalten: An Siphon, Eckventil und Panzerschlauch immer mit zwei Werkzeugen arbeiten. Wer nur dreht, verdreht die Leitung dahinter mit.
- Kunststoff: Überwurfmuttern aus Kunststoff am Siphon werden ausschließlich handfest angezogen. Eine Zange sprengt sie.
- Dichtmittel: Konische Gewinde brauchen Hanf oder Gewindedichtband. Flachdichtende Verschraubungen brauchen die passende Dichtung und sonst nichts.
- Rostlöser: Bei festsitzenden Verbindungen einwirken lassen, statt die Zange zu verlängern. Zeit ersetzt Kraft.
- Gas: An Gasleitungen arbeitet ausschließlich ein zugelassener Fachbetrieb. Das gilt auch für die Anschlussverschraubung am Herd.
- Pflege: Gelenk und Rändelschraube gelegentlich ölen, Zangen trocken lagern. Eine schwergängige Verstellung führt zu ungenauem Ansetzen.

MerkeVerlängern Sie den Griff einer Rohrzange nie mit einem Rohr. Der Hebel wächst, die Zange bleibt gleich stark, und der Bruch trifft dann entweder das Werkzeug oder Ihre Hand. Wenn eine Verbindung mit der passenden Zangenlänge nicht aufgeht, liegt Korrosion oder ein verklebtes Gewinde vor. Wärme, Rostlöser und Geduld sind an dieser Stelle die besseren Werkzeuge.
Wofür brauchen Sie eine Rohrzange außerhalb der Sanitärtechnik?
Gewinderohre sind auch ein beliebtes Baumaterial. Beim Verschrauben von Fittings und Rohrstücken zu Regalen oder Kleiderstangen ist die Rohrzange das richtige Werkzeug, weil es hier auf die runden Rohrenden geht und Kratzer im Industrielook nicht stören. Wie eine solche Konstruktion aufgebaut und in der Wand verankert wird, zeigt der Beitrag zur Kleiderstange aus Wasserrohren.
Im Bad endet der Einsatzbereich schneller, als viele denken. Ein Waschtisch, der wackelt, hat kein Zangenproblem, sondern ein Befestigungsproblem; wie die Verankerung sauber gesetzt wird, beschreibt die Anleitung dazu, wie man ein Waschbecken an der Wand befestigt. Und bei einem Rohrbruch in der Wand ist die erste Handlung nicht das Ansetzen einer Zange, sondern das Schließen des Hauptabsperrhahns und der Anruf beim Installateur. Halten Sie deshalb im Kopf, wo dieser Hahn sitzt. Diese Information nützt Ihnen bei Wasserschäden mehr als jedes Werkzeug im Keller.
