Ein Anstrich, der nach einem Jahr fleckig aussieht, ist fast nie das Ergebnis der falschen Farbe. Er ist das Ergebnis eines Untergrunds, der nicht vorbereitet wurde. Deshalb geht es hier zuerst um die Wand und erst danach um den Eimer. Am Ende steht eine Rechnung, mit der Sie die benötigte Menge bestimmen, statt sie zu schätzen.

Wie prüfe ich, ob der Untergrund tragfähig ist?
Vier Prüfungen dauern zusammen keine fünf Minuten und entscheiden über das Ergebnis.
- Wischprobe: Fahren Sie mit der flachen Hand über die trockene Wand. Bleibt Kreide zurück, sandet der Untergrund und braucht Tiefengrund.
- Klebebandprobe: Drücken Sie ein Stück Kreppband fest an und ziehen Sie es ruckartig ab. Kommen Farbschollen mit, ist der Altanstrich nicht tragfähig und muss abgetragen werden.
- Wasserprobe: Sprühen Sie Wasser auf. Zieht es sofort ein und dunkelt die Fläche nach, saugt die Wand stark. Perlt es ab, ist der Altanstrich dicht, dann brauchen Sie eine haftvermittelnde Grundierung statt Tiefengrund.
- Kratzprobe: Ritzen Sie mit einem Schlüssel ein Kreuz in den Putz. Bröselt er heraus, ist er mürbe. Solche Stellen werden ausgebessert, nicht überstrichen.
- Feuchteprobe: Kleben Sie eine Folie von 50 mal 50 Zentimetern luftdicht auf die Wand und warten Sie 24 Stunden. Beschlägt die Unterseite, ist die Wand feucht. Streichen Sie erst, wenn die Ursache gefunden ist.
Löcher, Risse und Dübelreste schließen Sie vor dem Grundieren. Feine Risse und kleine Löcher nehmen Feinspachtel auf, wie er im Beitrag über Moltofill und ähnliche Spachtelmassen beschrieben ist. Größere Schäden, abgeplatzter Putz und Wandkanten behandelt der Ratgeber beschädigte Wände reparieren.
Achtung bei alten Anstrichen. Farbschichten aus der Zeit vor 1990 können Blei enthalten. Für Innenanstriche galt das Bleiweißverbot zwar ab 1921, in Beschichtungen allgemein war Blei aber erst ab 1989 untersagt, und in der DDR waren solche Farben bis 1990 erhältlich. Schleifen Sie Altanstriche in solchen Gebäuden nicht trocken ab und brennen Sie sie nicht ab; dabei entstehen bleihaltiger Feinstaub und Bleirauch. Arbeiten Sie nass, lüften Sie, tragen Sie eine FFP3-Maske und halten Sie Kinder fern.
Wann brauche ich Tiefengrund und wann eine Grundierung?
Die beiden Mittel lösen unterschiedliche Probleme und werden oft verwechselt.
| Befund | Mittel | Wirkung | Trockenzeit |
|---|---|---|---|
| Wand kreidet, sandet, staubt | Tiefengrund, lösemittelfrei | verfestigt die Oberfläche, bindet lose Partikel | meist 6 bis 12 Stunden, Herstellerangabe beachten |
| Wand saugt stark und ungleichmäßig | Tiefengrund, danach Grundierung | gleicht das Saugverhalten an, verhindert Flecken | je Schicht abwarten |
| Alter Lack, glatte dichte Fläche | Haftgrundierung | schafft Haftung auf glattem Untergrund | meist 12 Stunden |
| Nikotin, Wasser- oder Rußflecken | Isoliergrundierung, Sperrgrund | verhindert Durchschlagen der Verfärbung | meist 12 bis 24 Stunden |
| Neuer Gipskarton | Tiefengrund oder Spezialgrundierung | gleicht Karton und verspachtelte Fugen an | meist 12 Stunden |
| Tragfähiger alter Dispersionsanstrich | nichts | direkt überstreichen | entfällt |
Tiefengrund darf nicht glänzen, wenn er getrocknet ist. Eine spiegelnde Fläche bedeutet, dass zu viel aufgetragen wurde und ein Film entstanden ist, auf dem die Farbe schlecht haftet. In diesem Fall wird angeschliffen und neu grundiert. Wer über eine frisch entfernte Tapete streicht, prüft zusätzlich auf Kleisterreste; sie lösen sich unter der neuen Farbe wieder an. Wie Sie die Bahnen sauber herunterbekommen, steht im Beitrag Vliestapete entfernen.
Was bedeuten Deckvermögen und Nassabriebklasse?
DIN EN 13300 klassifiziert Innenfarben nach Deckvermögen, Nassabriebbeständigkeit, Glanzgrad und Korngröße. Zwei Klassen stehen auf jedem Eimer und beantworten die Fragen, wie oft Sie streichen müssen und ob Sie die Wand später abwischen können.
| Klasse | Deckvermögen (Kontrastverhältnis) | Nassabriebbeständigkeit |
|---|---|---|
| Klasse 1 | mindestens 99,5 Prozent | höchstens 5 Mikrometer bei 200 Scheuerzyklen |
| Klasse 2 | 98 bis unter 99,5 Prozent | höchstens 20 Mikrometer bei 200 Scheuerzyklen |
| Klasse 3 | 95 bis unter 98 Prozent | höchstens 70 Mikrometer bei 200 Scheuerzyklen |
| Klasse 4 | unter 95 Prozent | höchstens 70 Mikrometer bei nur 40 Scheuerzyklen |
| Klasse 5 | nicht vorgesehen | mehr als 70 Mikrometer bei 40 Scheuerzyklen |
Bei beiden Angaben ist die kleinere Zahl die bessere. Wichtig ist der Zusammenhang: Das Deckvermögen der Klasse 1 gilt bei einer Ergiebigkeit von rund 7 Quadratmetern je Liter. Eine Farbe, die Klasse 1 nur erreicht, weil man sie satt aufträgt, deckt in der Praxis schlechter. Für Flur, Küche und Kinderzimmer lohnt Nassabriebklasse 1 oder 2, weil dort abgewischt wird. Im Schlafzimmer reicht Klasse 3.
Wie viel Farbe brauche ich für meinen Raum?
- Wandfläche berechnen. Umfang des Raums mal Raumhöhe. Bei 4 mal 5 Metern Grundfläche und 2,50 Metern Höhe sind das 18 Meter Umfang mal 2,50 Meter, also 45 Quadratmeter.
- Öffnungen abziehen. Ziehen Sie Türen und Fenster ab, sobald eine Öffnung größer als etwa 2 Quadratmeter ist. Eine Tür misst rund 1,9 Quadratmeter, ein Fenster rund 1,5 Quadratmeter. Im Beispiel bleiben rund 41 Quadratmeter.
- Decke ergänzen. Wenn die Decke mit gestrichen wird, kommen 20 Quadratmeter hinzu, also 61 Quadratmeter gesamt.
- Durch die Ergiebigkeit teilen. Bei 7 Quadratmetern je Liter sind das rund 8,7 Liter je Anstrich.
- Anstriche multiplizieren. Zwei Anstriche ergeben rund 17,5 Liter. Bei Raufaser, strukturierten Putzen und saugenden Wänden rechnen Sie 20 bis 30 Prozent Zuschlag.
- Aufrunden und einen Eimer nehmen. Kaufen Sie die Gesamtmenge in einem Gebinde oder mischen Sie mehrere Eimer in einem großen Behälter. Zwei Eimer derselben Farbe aus unterschiedlichen Chargen können sichtbar voneinander abweichen.
MerkeZwei dünne Anstriche decken besser als ein dicker. Ein zu satt aufgetragener Film trocknet außen schneller als innen, zieht sich zusammen und bildet Läufer. Rechnen Sie deshalb immer mit zwei Durchgängen und lassen Sie zwischen ihnen die vom Hersteller angegebene Zeit vergehen, meist 4 bis 6 Stunden.
Wie streiche ich nass in nass ohne Ansätze?
Ansätze sind die sichtbaren Streifen, die entstehen, wenn eine bereits antrocknende Kante überrollt wird. Die Farbe zieht dort unterschiedlich an und bleibt als hellerer oder dunklerer Streifen stehen. Dagegen hilft nur Tempo und die richtige Reihenfolge.
- Ecken vorstreichen. Ziehen Sie mit dem Pinsel oder einem kleinen Roller einen Streifen von rund 5 Zentimetern an allen Kanten, Ecken und Rahmen entlang. Diesen Streifen überrollen Sie sofort danach, solange er nass ist.
- In Bahnen arbeiten. Rollen Sie eine Bahn von etwa 60 Zentimetern Breite vom Boden zur Decke, dann zurück, dann setzen Sie die nächste Bahn mit rund 5 Zentimetern Überlappung an.
- Kreuzgang. Verteilen Sie die Farbe zuerst in W-Form, dann waagerecht, dann ziehen Sie mit fast trockener Rolle senkrecht in einem Zug von oben nach unten ab. Das schließt die Struktur.
- Wandweise abschließen. Machen Sie keine Pause mitten in einer Wand. Eine Wand ist die kleinste Einheit, die am Stück fertig werden muss.
- Streiflicht prüfen. Leuchten Sie die frische Fläche flach mit einer Lampe an. Fehlstellen sehen Sie so sofort und können sie noch nass ausbessern.
- Licht und Raumklima beachten. Direkte Sonne auf der Wand und Zugluft verkürzen die offene Zeit stark. Schließen Sie Fenster und lassen Sie Rollläden halb herunter.
Wie klebe ich sauber ab, ohne dass Farbe unterläuft?
Kreppband ist nicht gleich Kreppband. Für frische Anstriche und empfindliche Untergründe gibt es Bänder mit geringer Klebkraft und Angaben zur maximalen Verweildauer, meist 1 bis 14 Tage. Bleibt ein Band länger kleben oder steht es in der Sonne, reißt es beim Abziehen Farbe mit.
- Untergrund trocken und fettfrei: Auf staubiger Leiste hält kein Band, und genau dort läuft die Farbe unter.
- Kante andrücken: Streichen Sie die Bandkante mit dem Spachtel oder Fingernagel fest an. Nur die Kante muss dicht sein, nicht die ganze Fläche.
- Kante versiegeln: Streichen Sie zuerst mit der alten Untergrundfarbe oder mit klarem Acryl über die Bandkante. Was unterläuft, ist dann farblos und dichtet zugleich ab.
- Im richtigen Moment abziehen: Ziehen Sie das Band ab, solange die Farbe noch leicht feucht ist. Vollständig durchgetrocknete Farbe reißt an der Kante ein.
- Flach abziehen: Ziehen Sie in einem Winkel von rund 45 Grad und langsam, nicht ruckartig nach oben.
- Steckdosen abschrauben: Nehmen Sie Abdeckungen ab, statt sie abzukleben. Schalten Sie dazu die Sicherung aus. Arbeiten an der Installation selbst gehören zur Elektrofachkraft.

Ein letzter Punkt zur Reihenfolge im Raum: Erst die Decke, dann die Wände, zuletzt Türen, Rahmen und Leisten. So läuft nichts auf bereits fertige Flächen. Und werfen Sie den Rest nicht weg. Notieren Sie Farbton, Hersteller und Chargennummer auf einem Klebezettel an der Innenseite der Sicherungskastentür, dann finden Sie den Ton für Ausbesserungen in zwei Jahren wieder.
