Der antike Briefkasten wird über die Optik gekauft: geschwungene Kanten, Gusseisenanmutung, Messingklappe, vielleicht eine Zeitungsrolle darunter. Was dabei regelmäßig untergeht, ist die Frage, ob Ihre Post überhaupt hineinpasst. Ein Kasten, in den kein C4-Umschlag geht, sammelt Benachrichtigungskarten statt Briefen.

Welche Maße schreibt die Norm vor?
Die maßgebliche Norm ist die DIN EN 13724 mit dem Titel Anlagen für Postempfangsanlagen. Sie unterscheidet zwischen Längseinwurf und Quereinwurf und nennt für beide konkrete Fenster. Die Werte sind keine Wunschgrößen, sondern folgen dem Papierformat: Ein DIN-C4-Umschlag misst 229 mal 324 Millimeter, und genau daran orientieren sich die Einwurfmaße.
| Merkmal | Vorgabe nach DIN EN 13724 | Hintergrund |
|---|---|---|
| Längseinwurf, Breite | Mindestens 230, höchstens 280 Millimeter | C4-Umschlag ist 229 Millimeter breit |
| Längseinwurf, Höhe | 30 bis 35 Millimeter | Gepolsterte Sendungen brauchen Schlitzhöhe |
| Quereinwurf, Breite | Mindestens 325, höchstens 400 Millimeter | C4-Umschlag ist 324 Millimeter lang |
| Quereinwurf, Höhe | 30 bis 35 oder 35 bis 45 Millimeter | Zwei zulässige Ausführungen |
| Innenraum | C4-Umschläge mindestens 40 Millimeter hoch stapelbar | Post soll mehrere Tage aufnehmen können |
| Höhe der Einwurföffnung | Zwischen 700 und 1700 Millimeter über dem Boden | Erreichbarkeit für Zusteller |
| Schlosshöhe barrierefrei | Etwa 900 bis 1300 Millimeter | Bedienbarkeit auch im Sitzen |
Ein antiker Nachbau scheitert meist an zwei Stellen. Erstens ist der Einwurfschlitz zu schmal, weil er zur Zierklappe passen sollte und nicht zum Papierformat. Zweitens ist der Kasten zu flach: Er nimmt zwar einen Brief auf, aber keine 40 Millimeter Stapelhöhe im C4-Format. Messen Sie deshalb vor dem Kauf nach, statt sich auf die Bezeichnung normgerecht zu verlassen.
MerkeDie DIN EN 13724 ist formal eine Empfehlung und kein Gesetz. In Ausschreibungen hat sie faktisch Vorschriftscharakter und wird bei Streitigkeiten als Beurteilungsmaßstab herangezogen. Für ein privates Einfamilienhaus gibt es keine Pflicht zur Normerfüllung, aber es gibt auch keine Pflicht des Zustellers, Sendungen zu falten oder zu knicken. Wer einen zu kleinen Kasten wählt, bekommt Benachrichtigungen statt Post.
Hält ein antiker Briefkasten das Wetter aus?
Das hängt weniger vom Stil als von zwei Details ab: der Klappe und dem Material. Die Norm fordert, dass die Einwurfklappe selbsttätig schließt und das Postgut nicht durchnässt wird. Viele Zierkästen haben eine Klappe, die nur durch ihr Eigengewicht zurückfällt und bei Schrägregen offen steht oder Wasser einlaufen lässt. Prüfen Sie die Klappe an Ort und Stelle: Sie muss auch bei leichtem Gegendruck zufallen und sauber auf der Dichtfläche aufliegen.
Beim Material gilt die Norm mit Korrosionsschutzklassen nach DIN EN 1670, die über Salzsprühnebeltests definiert sind. Herstellerangaben reichen von 96 bis 240 Stunden Prüfdauer. Für die Praxis wichtiger ist, was unter der Beschichtung liegt. Pulverbeschichteter Stahl rostet an jeder Kratzstelle durch, Aluminiumguss und Edelstahl tun das nicht. Wenn Ihnen die Optik wichtig ist, aber die Wartung nicht, ist der Blick auf einen Briefkasten aus Edelstahl mit dunkler Beschichtung eine Alternative zum echten Gusseisen.
- Klappe: Muss selbsttätig schließen und dicht aufliegen. Eine schwergängige Feder ist besser als eine Klappe, die im Wind steht.
- Dachüberstand: Ein überstehendes Dach über dem Schlitz leitet Wasser ab. Ohne Überstand läuft es am Korpus in den Schlitz.
- Entwässerung: Im Boden sollten kleine Öffnungen sitzen, damit Kondenswasser abläuft. Ein dichter Kasten sammelt Feuchtigkeit.
- Schloss: Zylinderschlösser lassen sich tauschen, Buntbartschlösser meist nicht. Für einen Kasten im Freien ist ein austauschbarer Zylinder praktischer.
- Zeitungsrolle: Sieht stilgerecht aus, ist aber nach oben offen. Zeitungen werden darin nass, wenn kein Dach darüber liegt.
- Wandabstand: Ein paar Millimeter Luft zwischen Kasten und Putz verhindern, dass sich hinter dem Kasten dauerhaft Feuchtigkeit hält.
In welcher Höhe montieren Sie den Kasten?
- Höhe festlegen. Die Einwurföffnung soll zwischen 700 und 1700 Millimeter über dem Boden liegen. Praktisch bewährt sich eine Schlitzmitte um 1400 Millimeter, weil dort weder gebückt noch gestreckt werden muss.
- Schloss prüfen. Wenn der Kasten barrierefrei bedienbar sein soll, liegt die Schlossachse zwischen 900 und 1300 Millimetern über dem fertigen Boden.
- Untergrund bestimmen. Vollziegel, Lochziegel, Porenbeton und Wärmedämmverbundsystem verlangen jeweils andere Dübel. Bohren Sie ein Probeloch und beurteilen Sie das Bohrmehl.
- Position anzeichnen. Kasten mit der Wasserwaage ausrichten, Bohrlöcher durch die Rückwand anzeichnen, Abstand zur Tür mindestens eine Armlänge.
- Bohren ohne Schlag. In Fliesen, Klinker und Dämmplatten ohne Schlagwerk vorbohren, sonst reißt die Oberfläche aus.
- Dübel setzen. Bohrloch ausblasen, Dübel bündig einsetzen. Bei Dämmfassaden brauchen Sie Abstandsmontagesysteme, die die Last in den tragenden Untergrund leiten.
- Kasten montieren. Schrauben über Kreuz anziehen und noch einmal mit der Wasserwaage kontrollieren. Details dazu stehen im Beitrag darüber, wie Sie einen Briefkasten an der Hauswand montieren.
- Abdichten. Die obere Kante und die Seiten mit einer schmalen Fuge aus Fassadensilikon schließen, die untere Kante offen lassen, damit Wasser ablaufen kann.
Bohren Sie nicht in eine Dämmfassade wie in Mauerwerk. Bei einem Wärmedämmverbundsystem sitzt hinter dem Putz eine 100 bis 200 Millimeter dicke Dämmschicht, die keine Last trägt. Ein normaler Dübel reißt darin aus, sobald der Kasten voll ist oder jemand daran zieht. Sie brauchen Abstandsmontagesysteme oder Dämmstoffdübel mit Verankerung im tragenden Untergrund. Prüfen Sie den Wandaufbau vor dem ersten Bohrloch, denn ein falsch gesetztes Loch in einer Dämmfassade ist eine Wärmebrücke und ein Wassereintrittspunkt.
Was gehört noch an die Hauswand?
Briefkasten, Namensschild und Hausnummer bilden eine Einheit. Ein Zusteller sucht in dieser Reihenfolge: erst die Hausnummer, dann den Namen, dann den Schlitz. Fehlt eines davon, geht Zeit verloren, und bei mehreren Parteien geht Post an die falsche Adresse. Ein antiker Kasten ohne beschriftetes Schild ist deshalb ein halb fertiges Bauteil.
Achten Sie auf Lesbarkeit statt auf Zierschrift. Kontrastreiche Beschriftung mit ausreichender Zeichenhöhe funktioniert auch im Dunkeln und bei Regen, verschnörkelte Messingbuchstaben auf Messinggrund nicht. Zur Anordnung und Befestigung beider Elemente gibt es einen eigenen Beitrag über das Anbringen von Hausnummern und Namensschildern an der Fassade. Wenn Sie ohnehin gerade bohren, setzen Sie beides in einem Arbeitsgang.
Antik gekauft oder antik gemacht?
Echte historische Briefkästen aus Gusseisen sind schwer, meist ohne normgerechte Öffnung und häufig ohne funktionierendes Schloss. Als Dekoration an der Wand sind sie geeignet, als Empfangsanlage selten. Wenn Ihnen die Optik wichtig ist, führen zwei Wege zum Ziel: ein Neubau im Stil mit normgerechten Maßen oder ein moderner Kasten, den Sie farblich anpassen. Für die zweite Variante brauchen Sie eine für Metall geeignete Grundierung, einen Decklack für den Außenbereich und Geduld beim Trocknen. Messen Sie in beiden Fällen zuerst den Einwurfschlitz mit einem Zollstock nach und schieben Sie probeweise einen leeren C4-Umschlag hinein.
