Eine CD, die nicht mehr abspielt, ist selten kaputt. Meist ist sie nur verschmutzt. Fingerabdrücke, Staub und Hautfett streuen den Laserstrahl so weit, dass das Laufwerk die Daten nicht mehr sauber ausliest. Die Reinigung ist in zwei Minuten erledigt, aber sie folgt einer Regel, gegen die fast jeder intuitiv verstößt: Man wischt eine CD niemals im Kreis. Warum das so ist, hat mit der Art zu tun, wie die Scheibe ihre Fehler selbst repariert.

Warum darf man eine CD nicht kreisförmig wischen?
Die Daten auf einer CD liegen in einer einzigen spiralförmigen Spur, die vom Innenrand nach außen läuft. Sie ist etwa 6 Kilometer lang, und der Abstand zwischen zwei Windungen beträgt nur 1,6 Mikrometer. Ein Kratzer, der dieser Spur folgt, löscht also einen langen zusammenhängenden Abschnitt.
Genau davor schützt sich das System mit einem Trick. Die Daten werden vor dem Pressen verschachtelt, in der Fachsprache Interleaving genannt. Bytes, die beim Abspielen direkt aufeinanderfolgen, liegen auf der Scheibe rund 2 Zentimeter auseinander. Zusätzlich läuft eine Reed-Solomon-Fehlerkorrektur mit, im CD-Standard als CIRC bezeichnet und bereits 1980 im sogenannten Red Book von Philips und Sony festgeschrieben. Ein Kratzer quer zur Spur, also radial, trifft dadurch viele Datenblöcke jeweils nur mit einem winzigen Ausfall. Die Elektronik rekonstruiert das ohne hörbaren Verlust. Nach den Angaben des Standards ist ein radialer Kratzer von etwa 2,4 Millimetern Breite, das entspricht rund 3500 aufeinanderfolgenden Bits, vollständig korrigierbar.
Ein kreisförmiger Kratzer macht das Gegenteil. Er trifft dieselben Blöcke immer wieder, über eine lange Strecke hinweg. Die Korrektur läuft ins Leere, weil ihr die Stützstellen fehlen. Das Ergebnis hören Sie als Springen, Knacken oder Aussetzer, bei Daten-CDs als Lesefehler. Deshalb ist die Wischrichtung keine Kosmetik, sondern der einzige Punkt, an dem Sie beim Reinigen wirklich etwas falsch machen können.
Welche Seite ist empfindlicher, oben oder unten?
Die meisten Menschen behandeln die glänzende Leseseite vorsichtig und legen die CD sorglos mit dem Label nach unten auf den Tisch. Das ist genau verkehrt herum.
Eine CD ist 120 Millimeter groß und 1,2 Millimeter dick. Fast die gesamte Dicke besteht aus durchsichtigem Polycarbonat. Der Laser mit 780 Nanometer Wellenlänge liest von unten durch diese 1,2 Millimeter hindurch. Ein Kratzer auf der Leseseite liegt dadurch weit außerhalb der Fokusebene und wirkt für die Optik wie eine leichte Unschärfe. Die eigentliche Information liegt dagegen als Vertiefungsmuster direkt unter der reflektierenden Aluminiumschicht, und die sitzt an der Oberseite, geschützt nur von einer dünnen Lackschicht und dem Aufdruck. Wer dort mit einem Kugelschreiber schreibt oder mit einem Fingernagel kratzt, verletzt die Datenschicht unmittelbar. Solche Schäden sind endgültig.
Bei DVDs ist die Lage etwas anders. Dort werden zwei Scheiben von je 0,6 Millimetern verklebt, die Datenschicht liegt in der Mitte und ist von beiden Seiten geschützt. Blu-ray-Discs haben ihre Datenschicht nur 0,1 Millimeter unter der Leseseite und tragen deshalb ab Werk eine harte Schutzbeschichtung. Wenn ein Laufwerk gar nichts mehr liest, muss der Fehler übrigens nicht an der Scheibe liegen. Eine verschmutzte oder gealterte Laseroptik zeigt dasselbe Bild, was der Beitrag zu Problemen mit dem Blu-ray-Player genauer aufschlüsselt.
| Merkmal | CD | DVD | Blu-ray |
|---|---|---|---|
| Laserwellenlänge | 780 Nanometer | 650 Nanometer | 405 Nanometer |
| Spurabstand | 1,6 Mikrometer | 0,74 Mikrometer | 0,32 Mikrometer |
| Tiefe der Datenschicht unter der Leseseite | 1,2 Millimeter | 0,6 Millimeter | 0,1 Millimeter |
| Empfindlichste Seite | Labelseite | beide etwa gleich | Leseseite, ab Werk beschichtet |
| Toleranz gegen Oberflächenkratzer | hoch | mittel | gering ohne Hardcoat |
| Kapazität | rund 700 Megabyte | 4,7 Gigabyte einlagig | 25 Gigabyte einlagig |
Wie reinigen Sie eine CD Schritt für Schritt?
Sie brauchen wenig. Ein sauberes Mikrofasertuch, lauwarmes Wasser, bei Bedarf einen Tropfen Handspülmittel oder etwas Isopropanol. Kein Küchenpapier, keine Taschentücher, denn Zellstoff enthält harte Partikel und hinterlässt feine Kratzer.
- Am Rand anfassen. Halten Sie die Scheibe am Außenrand und am Mittelloch. Berühren Sie die Leseseite nicht mit den Fingerflächen, jeder Abdruck ist neues Fett.
- Staub abblasen. Entfernen Sie loses Korn zuerst trocken, mit einem Blasebalg oder Druckluft aus mindestens 20 Zentimetern Abstand. Wer Staubkörner direkt mit dem Tuch verreibt, schleift sie über die Oberfläche.
- Tuch anfeuchten. Befeuchten Sie das Mikrofasertuch leicht mit lauwarmem Wasser. Die Scheibe selbst nicht tränken, und nie Flüssigkeit ins Mittelloch laufen lassen.
- Radial wischen. Führen Sie das Tuch in geraden Bahnen vom Mittelloch zum Rand. Nach jeder Bahn die Scheibe leicht weiterdrehen und eine frische Stelle des Tuchs verwenden.
- Fett nachbehandeln. Bleiben Fingerabdrücke sichtbar, geben Sie einen Tropfen Spülmittel ins Wasser oder nutzen Sie Isopropanol mit rund 70 Prozent. Wieder ausschließlich radial arbeiten.
- Klarspülen. Bei Spülmittel mit klarem, lauwarmem Wasser nachspülen, damit kein Tensidfilm zurückbleibt. Ein Film streut den Laser genauso wie Fett.
- Trocknen lassen. Stellen Sie die Scheibe hochkant an und lassen Sie sie an der Luft trocknen, oder tupfen Sie mit einem trockenen Mikrofasertuch nach. Kein Föhn, keine Heizung.
- Testen und sichern. Spielt die Scheibe wieder, kopieren Sie wichtige Inhalte sofort auf eine Festplatte. Eine Disc, die einmal Lesefehler zeigte, wird nicht besser.
Keine Spülmaschine, keine Lösemittel, kein Fensterreiniger mit Ammoniak. Polycarbonat verträgt weder die Temperaturen einer Spülmaschine noch aggressive Chemie. Die Scheibe verzieht sich, wird milchig oder bekommt feine Spannungsrisse. Aceton, Nitroverdünnung und Bremsenreiniger lösen den Kunststoff regelrecht an. Ammoniakhaltige Glasreiniger können die Lackschicht auf der Labelseite angreifen. Bleiben Sie bei Wasser, mildem Spülmittel oder Isopropanol.
Hilft Polieren bei Kratzern wirklich?
Ja, aber nur bei Kratzern auf der Leseseite, und nur mit klarem Kopf über die Nebenwirkung. Beim Polieren tragen Sie Polycarbonat ab, bis die Kratzerkanten flach genug sind, um den Laser nicht mehr zu streuen. Sie machen die Scheibe also dünner und optisch minimal ungenauer. Jeder Durchgang ist unumkehrbar.
Wenn Sie es versuchen, dann in dieser Reihenfolge: erst reinigen, dann testen, dann erst polieren. Geeignet sind Kunststoffpolituren für Displays oder Autoscheinwerfer, aufgetragen mit einem weichen Tuch, wieder in radialer Richtung. Zahnpasta wird oft empfohlen, ist aber ein Glücksspiel, weil der Abrasivgehalt je nach Produkt stark schwankt. Auf der Labelseite hat Polieren nichts verloren, dort schleifen Sie die Datenschicht ab.
Für wirklich wichtige Inhalte gibt es einen besseren Weg. Kopieren Sie die Scheibe mit einem Programm, das mehrfach liest und Sektoren wiederholt anfährt. Solche Werkzeuge holen aus einer beschädigten Disc oft mehr heraus als jede mechanische Behandlung. Erst wenn das scheitert, ist Polieren die letzte Option.
MerkeBeschriften Sie CDs nur mit einem weichen Folienstift auf der Labelseite. Kugelschreiber und Bleistift drücken durch die dünne Lackschicht bis auf das Aluminium durch. Handelsübliche Papieraufkleber sind ebenfalls ungeeignet: Sie erzeugen eine Unwucht bei hoher Drehzahl, und ihr Kleber kann die Lackschicht über Jahre angreifen.
Wie lange hält eine CD überhaupt?
Kürzer, als der Werbespruch von der unzerstörbaren Silberscheibe glauben machte. Gepresste Audio-CDs erreichen unter guten Lagerbedingungen realistisch 20 bis 50 Jahre, unter idealen Archivbedingungen werden auch 50 bis 100 Jahre genannt. Selbstgebrannte CD-R liegen deutlich darunter, je nach Rohlingqualität und Lagerung bei etwa 10 bis 50 Jahren. Der Grund: Ein Rohling speichert nicht in gepressten Vertiefungen, sondern in einer organischen Farbstoffschicht, die durch Licht und Wärme altert.
Daneben gibt es zwei Alterungsbilder mit eigenen Namen. Als Disc Rot bezeichnet man die Korrosion der Reflexionsschicht, sichtbar als durchscheinende Flecken, wenn man die Scheibe gegen eine Lampe hält. Bronzing meint eine bräunliche Verfärbung, die vor allem Audio-CDs betraf, die zwischen 1988 und 1993 im Werk von Philips und Du Pont Optical im britischen Blackburn gefertigt wurden. Dort war der Schwefelgehalt des Lacks das Problem, der das Aluminium angriff. Betroffene Scheiben lassen sich nicht retten, nur noch auslesen, solange sie es zulassen.
Aussagen zur Haltbarkeit schwanken je nach Quelle erheblich, weil es kaum Langzeitmessungen über mehrere Jahrzehnte gibt. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf eine Zahl, sondern auf Redundanz: Wichtige Sammlungen gehören zusätzlich auf mindestens zwei getrennte Datenträger.
Wie lagern Sie CDs richtig?
Die Lagerung entscheidet über die Lebensdauer stärker als die Marke des Rohlings.
- Senkrecht: Bewahren Sie Scheiben stehend in der Hülle auf, nicht liegend gestapelt. Liegende Stapel erzeugen Druck und begünstigen Verzug.
- Jewel Case statt Papier: Papierhüllen scheuern bei jedem Herausziehen über die Oberfläche und nehmen Feuchtigkeit auf. Für die Langzeitlagerung sind sie ungeeignet.
- Temperatur: Empfohlen wird ein Bereich von etwa 4 bis 20 Grad Celsius, konstant. Archive gehen bis auf rund 10 Grad Celsius herunter. Vermeiden Sie starke Schwankungen, etwa im Auto oder auf dem Dachboden.
- Luftfeuchte: 20 bis 50 Prozent relative Feuchte. Höhere Werte fördern die Korrosion der Reflexionsschicht.
- Dunkelheit: Direkte Sonne ist der schnellste Weg, eine CD-R unbrauchbar zu machen, weil das UV-Licht die Farbstoffschicht zersetzt.
- Regal statt Spindel: In Spindeln liegen die Scheiben unter Druck aufeinander. Ein normales CD- und DVD-Regal hält sie senkrecht und staubarm, das ist die praktischste Lösung für größere Sammlungen.
- Nach dem Abspielen zurück: Die meisten Kratzer entstehen nicht im Laufwerk, sondern auf Tischen, in Autotüren und in Taschen.
Wenn ein Laufwerk trotz sauberer Scheiben immer häufiger Fehler meldet, liegt es oft am Gerät selbst. Die Laseroptik verstaubt, die Leistung der Laserdiode lässt über die Jahre nach. Wie Sie diesen Fall von einem Datenträgerfehler unterscheiden, beschreibt der Ratgeber zum kaputten DVD-Player. Ein einfacher Test: Legen Sie eine fabrikneue, gepresste Scheibe ein. Wird auch die nicht gelesen, liegt der Fehler im Gerät.
