Eine Tasse mit abgeplatztem Henkel ist als Geschirr erledigt und als Pflanzgefäß fast perfekt. Fast. Denn Porzellan hat kein Loch im Boden, und ein Gefäß ohne Wasserablauf ist die zuverlässigste Methode, eine Zimmerpflanze umzubringen. Deshalb steht am Anfang dieses Projekts nicht die Deko, sondern eine Bohrung, bei der die meisten Tassen zerspringen.

Wie viel wiegt eine Tassenampel überhaupt?
Diese Frage ist bei Tassen erfreulich harmlos, und trotzdem sollten Sie sie stellen. Eine Kaffeetasse fasst 150 bis 200 Milliliter, eine Teetasse 200 bis 250 Milliliter, ein Becher rund 300 Milliliter. Davon geht der Wurzelballen ab, sodass 0,15 bis 0,3 Liter Substrat übrig bleiben. Blumenerde wiegt trocken rund 0,38 Kilogramm je Liter, bei 40 Prozent Feuchte rund 0,52 Kilogramm je Liter. Die Erde in einer Tasse wiegt gegossen also nur 80 bis 160 Gramm.
Das Porzellan selbst ist schwerer als sein Inhalt. Eine Kaffeetasse wiegt leer 200 bis 350 Gramm, eine dickwandige Bechertasse auch 400 Gramm.
| Gefäß | Füllmenge | Substrat | Erde gegossen | Gesamt mit Pflanze |
|---|---|---|---|---|
| Espressotasse | 60 bis 80 Milliliter | rund 0,06 Liter | rund 30 Gramm | 200 bis 300 Gramm |
| Kaffeetasse | 150 bis 200 Milliliter | rund 0,15 Liter | rund 80 Gramm | 350 bis 500 Gramm |
| Teetasse | 200 bis 250 Milliliter | rund 0,2 Liter | rund 105 Gramm | 400 bis 600 Gramm |
| Becher | 300 bis 350 Milliliter | rund 0,3 Liter | rund 160 Gramm | 550 bis 800 Gramm |
| Ampel mit drei Teetassen | - | rund 0,6 Liter | rund 315 Gramm | 1,2 bis 1,8 Kilogramm |
Eine Ampel aus drei Tassen bleibt also unter 2 Kilogramm. Das ist wenig, aber es hängt über Ihrem Kopf. Ein Klebehaken auf einer Raufasertapete ist trotzdem die falsche Wahl, weil er sich bei Wärme löst. Nehmen Sie eine Schraube in einen Dübel, und wenn die Tassenampel an einer abgehängten Decke hängen soll, gilt dasselbe wie für jede andere Ampel: Der Gips allein trägt sie nicht. Details dazu stehen im Beitrag darüber, wie eine Blumenampel an der Decke befestigt wird.
Wie bohren Sie ein Loch in Porzellan, ohne es zu zerstören?
Porzellan ist hart, spröde und wärmeempfindlich. Ein normaler Steinbohrer schlägt die Glasur ab und reißt die Scherbe. Was funktioniert, ist ein diamantbesetzter Bohrer, entweder als Vollbohrer oder als Hohlbohrer, den es als Fliesenbohrer schon ab 6 Millimeter Durchmesser gibt. Dazu kommen zwei Bedingungen: niedrige Drehzahl und Wasserkühlung.
Die Wärme ist der eigentliche Gegner. Reibungshitze erzeugt im Material Spannungen, und weil Porzellan sie nicht durch Verformung abbauen kann, reißt es. Wasser führt die Wärme ab und spült gleichzeitig den Bohrschlamm aus. Petroleum wird ebenfalls genannt, Wasser reicht aber und ist unbedenklicher.
Kein Schlagwerk, keine Handbohrmaschine im Vollgas. Schalten Sie den Schlagbohrer ausdrücklich auf reines Bohren um und wählen Sie die niedrigste Drehzahlstufe. Die zulässige Höchstdrehzahl steht auf der Verpackung des Diamantbohrers und ist bei kleinen Durchmessern die Grenze, an die Sie sich halten. Tragen Sie eine Schutzbrille: Splitternde Glasur fliegt weit, und Porzellansplitter sind scharf. Handschuhe schützen die Finger, wenn die Tasse doch bricht.
Manche Tassen überleben das Bohren nicht. Rechnen Sie realistisch mit einer Ausfallquote und fangen Sie mit einem Stück an, um das es Ihnen nicht leidtut. Dünnwandiges Feinporzellan und Tassen mit Haarrissen sind die kritischen Fälle. Steingut und dickwandige Bechertassen sind deutlich gutmütiger.
Was brauchen Sie an Material und Werkzeug?

Die Liste gilt für eine Ampel mit drei Tassen an einer Schnur, Gesamtlänge rund 100 Zentimeter.
| Position | Maß und Menge | Kosten |
|---|---|---|
| Tassen | 3 Stück, 150 bis 250 Milliliter | 0 bis 6 Euro, gebraucht oft geschenkt |
| Diamantbohrer | 6 oder 8 Millimeter, Fliesen- oder Glasbohrer | 8 bis 20 Euro |
| Malerkrepp | 25 Millimeter breit | 2 bis 4 Euro |
| Korkplatte oder Silikonpad | rund 15 mal 15 Zentimeter als Unterlage | 2 bis 5 Euro |
| Blähton | Körnung 4 bis 8 Millimeter, 1 Liter reicht für 5 Tassen | 3 bis 6 Euro |
| Aufhängung | Makramee-Garn 4 Millimeter oder Kette, rund 4 Meter | 5 bis 12 Euro |
| Haken mit Dübel | Ringschraube M5, Dübel 6 oder 8 Millimeter | 2 bis 5 Euro |
Dazu Bohrmaschine mit Drehzahlregelung, Schutzbrille, Handschuhe, eine flache Schale für das Kühlwasser und ein Filzstift. Zeitaufwand: 10 bis 15 Minuten je Bohrung, dazu 30 bis 45 Minuten für Aufhängung und Bepflanzung. Der ganze Nachmittag ist es nicht.
- Hohlbohrer statt Vollbohrer: Ein diamantbesetzter Hohlbohrer schneidet einen Ring aus und erzeugt weniger Wärme als ein Vollbohrer gleicher Größe.
- Krepp als Anlaufhilfe: Zwei Streifen Malerkrepp über der Bohrstelle verhindern, dass der Bohrer auf der glatten Glasur verläuft.
- Weiche Unterlage: Kork oder Silikon dämpft Vibration. Auf einer harten Werkbank platzt die Tasse eher.
- Wasser nachfüllen: Die Bohrstelle muss die ganze Zeit nass sein. Legen Sie einen kleinen Damm aus Knetmasse um die Stelle und füllen Sie ihn mit Wasser.
- Schräg ansetzen: Setzen Sie den Bohrer leicht geneigt an und richten Sie ihn auf, sobald der Kranz greift. Damit verläuft er nicht.
- Kein Körnerschlag auf Porzellan: Der Rat, mit dem Körner anzukörnen, stammt aus der Metallbearbeitung. Bei Porzellan riskieren Sie damit einen Sprung.
Schritt für Schritt zur fertigen Tassenampel
- Tassen aussortieren. Klopfen Sie leicht gegen den Rand. Ein heller, langer Klang bedeutet heile Scherbe, ein dumpfes Scheppern deutet auf einen Haarriss. Rissige Tassen brechen beim Bohren.
- Bohrstelle markieren. Kleben Sie zwei Streifen Malerkrepp über die Bodenmitte und markieren Sie den Punkt mit Filzstift. Der Punkt liegt in der Mitte, denn der Boden ist dort am dicksten und am flachsten.
- Auflage vorbereiten. Legen Sie die Tasse mit dem Boden nach oben auf ein Korkstück und formen Sie aus Knetmasse einen Ring von rund 3 Zentimeter Durchmesser um die Bohrstelle.
- Wasser einfüllen. Füllen Sie den Knetring mit Wasser, bis der Bohrpunkt bedeckt ist. Kontrollieren Sie zwischendurch, ob noch Wasser darin steht.
- Langsam anbohren. Schalten Sie das Schlagwerk aus, wählen Sie die niedrigste Drehzahlstufe und setzen Sie ohne Druck an. Der Diamantbohrer schleift, er bohrt nicht. Druck bringt keine Geschwindigkeit, sondern Risse.
- Durchbruch abfangen. Kurz vor dem Durchbruch nehmen Sie den Druck vollständig zurück. Genau hier bricht die Glasur auf der Rückseite aus, wenn Sie zu schnell durchgehen.
- Kanten entgraten. Fahren Sie mit einem feinen Schleifpapier oder dem Bohrer von Hand über die Lochkante. Scharfe Kanten schneiden später in Ihre Finger.
- Trocken prüfen. Gießen Sie einen Schluck Wasser in die Tasse. Läuft er zügig durch, ist das Loch groß genug. Bleibt Wasser stehen, bohren Sie das Loch auf 8 Millimeter auf.
- Drainage einlegen. Geben Sie 1 bis 2 Zentimeter Blähton in die Tasse. In einer Tasse mit Loch hält diese Schicht vor allem das Loch frei.
- Bepflanzen. Setzen Sie die Pflanze ein und füllen Sie mit Substrat bis 1 Zentimeter unter den Rand auf. Drücken Sie die Erde nur leicht an.
- Aufhängung knüpfen. Legen Sie um jede Tasse ein Netz aus vier Schnüren unterhalb des Henkels und verknoten Sie es oben. Der Henkel allein trägt nicht zuverlässig, er ist nur angesetzt.
- Aufhängen und Auffangschale einplanen. Hängen Sie die Ampel so, dass ablaufendes Wasser nicht auf Möbel tropft. Eine Untertasse in der Aufhängung unter der untersten Tasse löst das.
Wer das Knüpfen der Aufhängung vertiefen will, findet die Knotenfolge und die Garnmengen im Beitrag über Blumenampeln aus Makramee.
Was tun, wenn Sie nicht bohren wollen?
Es gibt Tassen, die zu schade oder zu heikel sind. Dann bleibt das Gefäß dicht, und Sie ändern die Pflege statt der Tasse. Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Ohne Abzugsloch nützt die beste Drainageschicht nur begrenzt, weil das Wasser sich am Boden sammelt und dort bleibt. Blähton verschiebt das Problem, er löst es nicht.
Praktisch heißt das: 2 bis 3 Zentimeter Blähton der Körnung 4 bis 8 Millimeter einfüllen, darüber ein Stück Pflanzvlies, dann das Substrat. Gegossen wird mit dem Esslöffel, nicht mit der Kanne, und zwar erst, wenn die obersten 2 Zentimeter Substrat trocken sind. Zwei Esslöffel entsprechen rund 30 Millilitern und reichen für eine Kaffeetasse.
MerkeDie Pflanzenwahl entscheidet mehr als die Drainage. Zyperngras verträgt dauerhaft nasse Füße und braucht sie sogar, es ist damit die sicherste Art für ein Gefäß ohne Ablauf. Ebenfalls tolerant sind Efeutute und Zimmerfarne. Sukkulenten und Kakteen sind die schlechteste Wahl, obwohl sie in Bildern von Tassengärten am häufigsten auftauchen. Sie faulen in dauerfeuchtem Substrat innerhalb weniger Wochen.
Welche Pflanzen passen in 0,2 Liter Substrat?
Der Wurzelraum ist winzig. Damit scheidet alles aus, was Masse aufbaut. Was funktioniert, sind langsam wachsende, kleinbleibende Arten und Stecklinge, die Sie ohnehin regelmäßig erneuern. Sukkulenten wären von der Größe her ideal, scheitern aber am fehlenden Ablauf, sobald Sie nicht gebohrt haben.
Bewährt haben sich Bubikopf, kleine Farne, junge Efeututen, Fittonie und Moos. Kräuter sind heikel: Basilikum trocknet in 0,2 Litern an einem Sommertag zweimal aus, Schnittlauch und Petersilie brauchen mehr Tiefe. Wer Kräuter in kleinen Gefäßen ziehen will, findet die passenden Größen im Beitrag über das Kräuterregal aus Töpfen.
Planen Sie das Umtopfen von Anfang an ein. Eine Pflanze, deren Wurzeln 0,2 Liter durchwurzelt haben, steht in etwa sechs bis zwölf Monaten in einem geschlossenen Ballen und nimmt kaum noch Wasser auf. Dann setzen Sie sie in einen größeren Topf und die Tasse neu. Genau darin liegt der praktische Vorteil dieser Ampel: Sie ist kein Dauerstandort, sondern ein Wechselplatz.
