Alte Rohre als Gardinenstange sind eine der wenigen Upcycling-Ideen, bei denen das Ergebnis dem gekauften Produkt technisch nicht unterlegen ist. Ein Stahl- oder Kupferrohr ist steifer als viele Stangen aus dem Baumarkt. Die Frage ist nicht, ob es hält, sondern ob es gerade bleibt.
Warum hängt eine lange Stange durch?
Weil sich ein Träger unter Last verformt, und diese Verformung wächst nicht linear mit der Länge, sondern deutlich schneller. Bei einem gleichmäßig belasteten Träger auf zwei Stützen steigt die Durchbiegung in der vierten Potenz der Stützweite. Das klingt abstrakt, hat aber eine sehr praktische Folge: Eine Stange über 240 Zentimeter hängt bei gleicher Last nicht doppelt so stark durch wie eine über 120 Zentimeter, sondern etwa sechzehnmal so stark.
Deshalb ist eine zusätzliche Stütze in der Mitte so wirkungsvoll. Sie halbiert nicht die Durchbiegung, sondern reduziert sie um ein Vielfaches, weil sie aus einer langen Spannweite zwei kurze macht. In der Praxis wird ein Mittelträger je nach Quelle ab etwa 200, 240 oder 250 Zentimetern empfohlen, bei schweren Vorhängen grundsätzlich früher. Da sich die Angaben unterscheiden, gilt für selbst gebaute Stangen die vorsichtige Variante: ab 200 Zentimetern stützen.
MerkeSteifigkeit gewinnen Sie in erster Linie über den Außendurchmesser, nicht über die Wandstärke. Bei einem Rohr wächst das Flächenträgheitsmoment mit der vierten Potenz des Durchmessers. Ein dünnwandiges Rohr mit 28 Millimetern Außendurchmesser ist deshalb erheblich steifer als ein dickwandiges mit 15 Millimetern, obwohl es weniger Material enthält.
Wie schwer sind Vorhänge wirklich?
Schwerer, als die meisten schätzen. Verdunkelungsstoffe liegen üblicherweise bei 250 bis 400 Gramm je Quadratmeter, dünne Dekostoffe deutlich darunter. Rechnen Sie ein Beispiel durch: Ein Fenster mit 250 Zentimetern Breite, ein Faltenfaktor von 2, also 500 Zentimeter Stoffbreite, bei 240 Zentimetern Höhe ergibt 12 Quadratmeter Stoff. Bei 330 Gramm je Quadratmeter sind das rund 4 Kilogramm, dazu kommen Ringe, Ösen und Saumgewichte.
Nasser Stoff wiegt ein Vielfaches davon. Wie viel genau, hängt vom Gewebe ab, dafür gibt es keine allgemeingültige Zahl. Praktisch relevant wird das, wenn frisch gewaschene Vorhänge zum Trocknen wieder aufgehängt werden, was bei vielen Stoffen ausdrücklich empfohlen wird, damit sie sich glatt ziehen. Für die Stange bedeutet das eine kurzzeitige Überlast, die deutlich über dem Auslegungsfall liegt. Wenn Sie so vorgehen, planen Sie die Stütze großzügiger.
| Rohrtyp | Typischer Außendurchmesser | Steifigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Kupferrohr | 15, 22 oder 28 Millimeter | mittel bis gut | Optisch attraktiv, weich, verbiegt sich bei Stößen dauerhaft |
| Stahlrohr, verzinkt | etwa 21 bis 34 Millimeter | sehr gut | Schwer, muss vor Rost geschützt werden |
| Gerüst- oder Konstruktionsrohr | 33,7 oder 48,3 Millimeter | ausgezeichnet | Braucht kräftige Halterungen, wirkt sehr massiv |
| Edelstahlrohr | 16 bis 25 Millimeter | gut | Rostfrei, teuer, schwer zu kürzen |
| PVC-Rohr | ab 20 Millimeter | gering | Kriecht unter Dauerlast, bleibt dauerhaft durchgebogen |
Warum ist PVC hier die falsche Wahl?
Sanitärrohre aus Kunststoff sind für Abwasser konstruiert, nicht für Biegebelastung. Entscheidend ist dabei weniger die kurzfristige Festigkeit als das Langzeitverhalten: Thermoplaste kriechen, sie geben unter dauerhafter Last langsam und bleibend nach. Eine PVC-Stange, die am ersten Tag gerade aussieht, hängt nach einem halben Jahr sichtbar durch, und sie federt nicht zurück, wenn Sie den Vorhang abnehmen.
Wenn Sie trotzdem mit Kunststoffrohr arbeiten wollen, etwa weil es farblich passt, gibt es zwei Wege. Entweder Sie stecken ein Metallrohr oder einen Holzrundstab als Kern hinein, dann trägt der Kern und das Rohr ist Verkleidung. Oder Sie setzen die Stützen enger, etwa alle 80 Zentimeter. Für andere Anwendungen sind PVC-Rohre durchaus brauchbar, etwa für einen Regenschirmständer aus PVC-Rohren, wo keine Biegelast auftritt.
Wie bauen Sie die Stange Schritt für Schritt?
- Länge bestimmen. Messen Sie die Fensterbreite und rechnen Sie 20 bis 30 Zentimeter Überstand je Seite dazu, damit der offene Vorhang nicht vor dem Glas hängt. Bei schweren Vorhängen darf der Überstand etwas kleiner ausfallen.
- Rohr prüfen. Rollen Sie das Rohr auf einer ebenen Fläche. Ein Rohr, das eiert, ist bereits verbogen und wird mit Vorhang nicht besser.
- Ablängen. Kürzen Sie Metallrohr mit einem Rohrabschneider, nicht mit dem Winkelschleifer. Der Rohrabschneider liefert einen geraden Schnitt ohne Funkenflug.
- Entgraten und reinigen. Entfernen Sie den Innen- und Außengrat und schleifen Sie alte Beschichtungen ab. Rost gehört vor dem Lackieren vollständig herunter.
- Oberfläche behandeln. Verzinktes Stahlrohr braucht einen Haftgrund, sonst blättert der Lack. Kupfer können Sie klarlackieren, damit es nicht oxidiert und abfärbt.
- Träger anzeichnen. Setzen Sie die äußeren Träger rund 15 bis 20 Zentimeter von der Fensterkante entfernt und richten Sie beide mit der Wasserwaage aus.
- Mittelträger einplanen. Ab 200 Zentimetern Länge kommt ein dritter Träger in die Mitte. Achten Sie darauf, dass die Vorhangringe an ihm vorbeilaufen können, sonst lässt sich der Vorhang nicht mehr zuziehen.
- Dübel wählen. Der Untergrund entscheidet. In Gipskarton gehören Hohlraum- oder Klappdübel, in Beton und Vollziegel Spreizdübel. Bohren Sie 10 Millimeter tiefer als der Dübel lang ist und blasen Sie das Loch aus.
- Probehängen. Hängen Sie den Vorhang zuerst ohne Ringe über die Stange und prüfen Sie, ob die Stange sichtbar nachgibt. Erst danach fertig montieren.
Woran erkennen Sie, dass die Stange überfordert ist?
- Sichtbarer Bogen: Legen Sie eine Richtschnur von Träger zu Träger. Ein Durchhang, den Sie aus 3 Metern Entfernung sehen, wird mit der Zeit größer, nicht kleiner.
- Klemmende Ringe: Ringe, die in der Mitte hängenbleiben, sind ein Frühzeichen. Die Stange hat dort bereits ihre Form verloren.
- Wandernde Träger: Wenn sich Schrauben lockern, stimmt die Dübelwahl nicht oder die Last ist zu hoch für den Untergrund.
- Verdrehte Stange: Bei einseitig aufgeschraubten Trägern verdreht sich ein Rohr unter Last, besonders wenn der Vorhang nur auf einer Seite hängt.
- Knarzen: Geräusche beim Zuziehen deuten auf Reibung zwischen Ringen und einer nicht mehr geraden Stange hin.
- Abplatzender Lack: An den Auflagepunkten der Träger arbeitet das Material. Dort platzt Lack zuerst ab, das ist ein Hinweis auf Bewegung.
Über der Fensterbank verlaufen selten Leitungen, über Steckdosen dagegen fast immer. Prüfen Sie die Wand vor jedem Bohrloch mit einem Ortungsgerät und halten Sie sich von den senkrechten Installationszonen über Schaltern und Steckdosen fern. Bei Deckenmontage gilt zusätzlich: In Betondecken liegen die Bewehrungsstäbe oft nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche, und in abgehängten Decken hält kein Dübel. Wenn Sie nicht wissen, was hinter der Fläche liegt, bohren Sie nicht auf Verdacht.
Die Montagemaße für Höhe, Wandabstand und Trägerabstände sind im Beitrag über das Anbringen von Gardinenstangen und Schienen ausführlich beschrieben und gelten für selbst gebaute Stangen unverändert. Wenn Sie die Vorhänge ebenfalls selbst machen wollen, ist der Beitrag über Gardinen aus Bettlaken der passende nächste Schritt, dort finden Sie auch die Stoffmengen für den Faltenfaktor. Für die Stange selbst gilt als Faustregel: ab 200 Zentimetern ein Mittelträger, und lieber ein Rohr mit 28 Millimetern als eines mit 16.
