Ein ausrangiertes Bettlaken ist ein großes, dünnes, an allen vier Seiten bereits gesäumtes Stück Baumwolle. Als Gardinenstoff klingt das ideal. In der Praxis scheitert die Idee meist an einer Zahl, die niemand vorher ausrechnet: der Breite. Eine Gardine, die im geschlossenen Zustand genauso breit ist wie das Fenster, hängt flach wie ein Bettlaken an der Wand, und genau so sieht sie dann auch aus. Falten entstehen nur durch Mehrweite.

Wie viel Stoffbreite braucht eine Gardine wirklich?
Der Fachbegriff dafür ist Rafffaktor oder Mehrweite. Er gibt an, um wie viel breiter der flache Stoff sein muss als die Strecke, die er später abdecken soll. Bei einfachem Kräuselband liegt er bei 2, bei dichtem Faltenwurf und bei Bleistiftfalten bei 2,5 bis 3.
Dazu kommen Zuschläge, die den nutzbaren Rest verkleinern. Rechnen Sie mit rund 20 Zentimetern für beide Seitensäume zusammen sowie mit 20 bis 25 Zentimetern in der Länge für den oberen Umschlag samt Kräuselband und einen doppelt eingeschlagenen Untersaum.
Die Formel lautet also: nutzbare Fensterbreite gleich Stoffbreite minus 20 Zentimeter, geteilt durch den Rafffaktor. Setzen Sie die üblichen Lakenmaße ein, wird der Engpass sofort sichtbar.
| Bettlaken | Nutzbare Breite | Fensterbreite bei Faktor 2 | Fensterbreite bei Faktor 2,5 | Mögliche Fallhöhe |
|---|---|---|---|---|
| 150 x 250 cm, längs genutzt | 130 cm | 65 cm | 52 cm | ca. 225 cm |
| 160 x 290 cm, längs genutzt | 140 cm | 70 cm | 56 cm | ca. 265 cm |
| 180 x 290 cm, längs genutzt | 160 cm | 80 cm | 64 cm | ca. 265 cm |
| 240 x 290 cm, längs genutzt | 220 cm | 110 cm | 88 cm | ca. 265 cm |
| 150 x 250 cm, quer genutzt | 230 cm | 115 cm | 92 cm | ca. 130 cm |
| 180 x 290 cm, quer genutzt | 270 cm | 135 cm | 108 cm | ca. 160 cm |
Damit ist die Ausgangsfrage beantwortet. Ein Standardlaken mit 150 mal 250 Zentimetern reicht für ein schmales Fenster von etwa einem halben Meter Breite, für ein Badezimmerfenster oder für eine Seite eines zweiflügeligen Fensters. Für ein normales Wohnzimmerfenster mit 120 bis 140 Zentimetern Breite brauchen Sie zwei bis drei Laken oder ein Übergrößenlaken.
MerkeMessen Sie nicht das Fenster, sondern die Gardinenstange oder Schiene. Sie ragt üblicherweise 15 bis 20 Zentimeter über jede Fensterseite hinaus, damit die Gardine im geöffneten Zustand neben dem Glas steht. Diese Zusatzbreite geht in die Rechnung ein und macht bei einem 100 Zentimeter breiten Fenster schnell 135 Zentimeter abzudeckende Strecke.
Längs oder quer zuschneiden?
Der Ausweg aus dem Breitenproblem sieht naheliegend aus: Drehen Sie das Laken um 90 Grad. Aus 150 Zentimetern Breite werden 250 Zentimeter. Damit lässt sich ein Fenster von 92 bis 115 Zentimetern bespannen. Der Preis dafür ist die Fallhöhe, die auf rund 130 Zentimeter schrumpft.
Das ist kein Ausschlusskriterium, sondern eine Entscheidung. Eine Gardine, die auf der Fensterbank endet, ist bei Heizkörpern unter dem Fenster ohnehin die bessere Wahl, weil bodenlange Vorhänge die warme Luft an der Scheibe entlangführen und damit den Wärmeverlust erhöhen. Für ein raumhohes Fenster oder eine Terrassentür kommt die Querlösung dagegen nicht infrage.
Zwei technische Punkte sind bei der Querlösung zu beachten. Erstens laufen die Webkanten des Lakens dann waagerecht statt senkrecht. Webkanten sind fester gewebt als die Fläche und ziehen sich beim Waschen weniger zusammen, was bei waagerechter Lage zu einem leicht welligen Saum führen kann. Zweitens liegen die vorhandenen Säume des Lakens dann oben und unten, was praktisch ist: Den unteren Saum können Sie stehen lassen.
Wie viel Licht lässt ein Bettlaken durch?
Bettlaken aus Linon oder Renforcé liegen bei etwa 110 bis 140 Gramm je Quadratmeter. Zum Vergleich: Ein blickdichter Dekostoff für Vorhänge beginnt bei rund 200 Gramm je Quadratmeter, Verdunkelungsstoffe mit Beschichtung liegen deutlich darüber. Ein Bettlaken ist also ein Sichtschutz, aber kein Lichtschutz.
Prüfen Sie das vor dem Nähen: Halten Sie das Laken einlagig gegen ein Fenster bei Tageslicht. Sehen Sie Umrisse dahinter, ist es zu dünn für alles außer einer dekorativen Schiebegardine. Doppelt gelegt wird es blickdicht, verdunkelt aber immer noch nicht.
- Sichtschutz am Tag: Einlagiges weißes Laken genügt. Von außen ist bei Tageslicht nichts zu erkennen, solange innen kein Licht brennt.
- Sichtschutz am Abend: Sobald innen Licht brennt, kehrt sich das Verhältnis um. Dafür brauchen Sie zwei Lagen oder ein zusätzliches Rollo.
- Abdunkeln im Schlafzimmer: Nur mit separatem Verdunkelungsfutter, das hinter die Gardine gehängt oder eingenäht wird. Ein Laken allein leistet das nicht.
- Vollständige Verdunkelung: Mit Vorhängen praktisch nicht erreichbar, weil an Kopf und Seiten immer Licht vorbeifällt. Dafür sind seitlich geführte Rollos oder Außenjalousien zuständig.
- Muster und Farbe: Bedruckte Laken werden im Gegenlicht durchsichtiger, weil die Farbe nur auf einer Seite sitzt. Uni gefärbte Stoffe wirken blickdichter als bedruckte gleichen Gewichts.
- Sommerhitze: Innen liegende Vorhänge halten Wärme kaum ab, weil die Strahlung bereits durch die Scheibe ist. Wirksam sind nur außen liegende Elemente.
Warum muss das Laken vor dem Zuschnitt gewaschen werden?
Baumwolle läuft im ersten Waschgang um bis zu 3 Prozent ein. Bei einem fertigen Vorhang von 250 Zentimetern Länge sind das 7,5 Zentimeter. Ein Vorhang, der vorher den Boden gestreift hat, schwebt danach eine Handbreit darüber. Rückgängig machen lässt sich das nicht.
Bei einem gebrauchten Laken, das schon oft gewaschen wurde, ist der Effekt kleiner, aber nicht null. Waschen Sie deshalb einmal bei der höchsten für das Material zulässigen Temperatur, meist 60 Grad bei Baumwolle, und trocknen Sie das Laken genauso, wie Sie später den Vorhang behandeln wollen. Wer den Vorhang später in den Trockner geben will, muss auch das Laken vorher einmal durch den Trockner schicken, weil dort noch einmal Schrumpf entsteht.
Bügeln Sie das Laken vor dem Zuschnitt vollständig glatt. Ein Laken hat nach Jahren im Schrank Bruchkanten, und über eine Falte gemessen fehlen schnell 2 bis 3 Zentimeter je Meter. Bei 250 Zentimetern Länge ergibt das einen Vorhang, der 5 bis 7 Zentimeter zu kurz ist. Legen Sie das Laken zum Messen flach auf den Boden, nicht über einen Tisch, und beschweren Sie die Ecken. Auf einem zu kleinen Bügelbrett gemessene Längen sind regelmäßig falsch.
Wie nähe ich die Gardine Schritt für Schritt?
- Aufhängehöhe messen. Messen Sie vom Ring oder Gleiter der montierten Stange bis zum gewünschten Endpunkt. Bodenlang heißt 1 bis 2 Zentimeter über dem Boden, an der Fensterbank endend heißt 1 Zentimeter darüber. Wie weit die Stange über das Fenster hinausragen sollte, steht unter Gardinenstangen und Schienen montieren.
- Zuschnittlänge berechnen. Fertige Länge plus 10 Zentimeter für den oberen Umschlag mit Kräuselband plus 10 bis 15 Zentimeter für den doppelt eingeschlagenen Untersaum.
- Zuschnittbreite berechnen. Abzudeckende Strecke mal Rafffaktor plus 20 Zentimeter für beide Seitensäume.
- Laken waschen und bügeln. Bei 60 Grad waschen, so trocknen wie später üblich, danach glatt bügeln.
- Fadengerade zuschneiden. Ziehen Sie an der geplanten Schnittkante einen Querfaden aus dem Gewebe und schneiden Sie entlang der entstandenen Lücke. Nach Augenmaß geschnittene Vorhänge hängen schief, und man sieht es sofort.
- Seitensäume nähen. Je 5 Zentimeter doppelt einschlagen, also 2,5 plus 2,5 Zentimeter, bügeln und knappkantig absteppen. Vorhandene Lakensäume können Sie stehen lassen.
- Untersaum nähen. 5 plus 5 Zentimeter doppelt einschlagen. Ein schwerer Saum hängt besser, deshalb ruhig großzügig einschlagen statt schmal säumen.
- Kräuselband aufnähen. Oberkante 10 Zentimeter nach innen umschlagen, das Band mit 1 Zentimeter Abstand zur Oberkante auflegen, an beiden Längskanten in derselben Nährichtung feststeppen. Zugschnüre an einem Ende freilegen und verknoten, nicht mitnähen.
- Auf Breite ziehen. Ziehen Sie die Schnüre gleichmäßig von beiden Seiten, bis die Gardine die Breite der Stange erreicht. Verteilen Sie die Falten von Hand gleichmäßig.
- Aufhängen und ausfallen lassen. Hängen Sie die Gardine 48 Stunden auf, bevor Sie den Saum endgültig festlegen. Baumwolle längt sich unter dem Eigengewicht um 1 bis 2 Zentimeter.
Nähen Sie mit einer Universalnadel 80/12 und 2,5 bis 3 Millimetern Stichlänge. Bettlakenstoff ist glatt und rutscht unter dem Nähfuß, deshalb stecken Sie die gebügelten Säume alle 10 Zentimeter fest. Wenn Sie an der bereits vorhandenen Bettlakennaht arbeiten, liegen dort vier Lagen, das schafft eine Universalnadel gerade noch.
Was tun, wenn zwei Laken nebeneinander müssen?
Bei breiten Fenstern kommen Sie um eine Verbindungsnaht nicht herum. Setzen Sie sie nicht mittig, sondern legen Sie die Bahnen so, dass die Naht später in einer Falte verschwindet. Eine französische Naht, bei der die Schnittkanten vollständig eingeschlossen sind, ist hier die sauberste Lösung: Zuerst links auf links mit 5 Millimetern nähen, Zugabe zurückschneiden, wenden und rechts auf rechts mit 8 Millimetern darüber nähen.
Achten Sie darauf, dass beide Laken gleich alt und gleich oft gewaschen sind. Ein neues und ein zwanzig Jahre altes Laken haben unterschiedliche Farbtöne und unterschiedliches Schrumpfverhalten, und der Unterschied fällt im Gegenlicht sofort auf. Wenn die Bahnen sich farblich unterscheiden, nutzen Sie das bewusst und setzen Sie eine dritte, schmale Bahn als Kontraststreifen dazwischen.
Reißt eine Naht später auf oder zieht das Kräuselband aus, ist das kein Grund für einen neuen Vorhang. Die üblichen Schäden an der Oberkante und am Saum lassen sich nachträglich beheben, wie unter Gardinen reparieren beschrieben. Und wenn nach dem Nähen noch die Aufhängung fehlt, ist eine Gardinenstange aus alten Rohren die passende Ergänzung zum Materialrest. Messen Sie vor dem ersten Schnitt zweimal, denn Stoff, der einmal zu kurz geschnitten ist, wird nicht wieder länger.
