Kupferrohr aus dem Sanitärbereich ist als Bastelmaterial ungewöhnlich dankbar. Es ist maßhaltig, es gibt ein komplettes System aus Bögen, T-Stücken und Muffen dazu, und die Oberfläche sieht ohne jede Behandlung gut aus. Für einen Kerzenständer kommt allerdings ein Faktor hinzu, den ein Regal aus denselben Teilen nicht hat: offenes Feuer.

Welche Rohre und Fittings brauchen Sie?
Kupferrohre für die Hausinstallation sind in DIN EN 1057 genormt. Die Bezeichnung nennt immer Außendurchmesser mal Wandstärke. Gängig und im Baumarkt meist als Meterware oder Stange verfügbar sind 15 mal 1,0 Millimeter und 22 mal 1,0 Millimeter. Für Stabkerzen ist der Innendurchmesser das Kriterium: Eine Stabkerze mit 22 Millimetern Durchmesser passt weder in ein 15er noch in ein 22er Rohr, weil dort innen nur 20 Millimeter zur Verfügung stehen. Planen Sie deshalb entweder eine Tülle als Aufsatz oder eine Ablagefläche für Stumpenkerzen.
| Rohrmaß | Innendurchmesser | Typische Verwendung am Ständer | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 12 mal 1,0 Millimeter | 10 Millimeter | Filigrane Streben, Verbindungen | Zu schmal für Kerzen, nur als Gerüst |
| 15 mal 1,0 Millimeter | 13 Millimeter | Schäfte, Standrohre | Verbiegt sich bei größerer Höhe seitlich |
| 18 mal 1,0 Millimeter | 16 Millimeter | Aufnahme dünner Stabkerzen | Kerze muss unten angeschrägt werden |
| 22 mal 1,0 Millimeter | 20 Millimeter | Aufnahme kräftiger Stabkerzen, tragende Standrohre | Deutlich standfester, aber schwerer |
| 28 mal 1,5 Millimeter | 25 Millimeter | Sockelrohr, Fuß | Braucht passende Fittings der gleichen Reihe |
An Fittings brauchen Sie in der Regel Bögen mit 90 Grad, T-Stücke und Muffen. Achten Sie darauf, ob es sich um Lötfittings oder um Pressfittings handelt. Lötfittings haben glatte Muffen und passen stramm auf das Rohr, Pressfittings enthalten einen Dichtring und sind ohne Presswerkzeug nicht sinnvoll zu verarbeiten.
Stecken oder löten?
Für einen Kerzenständer, der auf dem Tisch steht und nicht getragen wird, reicht eine gesteckte Konstruktion aus Rohr und Lötfittings meist aus. Der Sitz ist stramm, und Sie können den Ständer zerlegen und umbauen. Wo mehr Halt nötig ist, hilft ein Tropfen Zweikomponentenkleber in der Muffe, was allerdings unumkehrbar ist und bei Wärme nachgeben kann.
Gelötet wird, wenn der Ständer angehoben, transportiert oder von Kindern angefasst wird. Dann ist die Frage nach dem Flussmittel wichtig. Beim Weichlöten von Kupfer wird üblicherweise das bleifreie Lot S-Sn97Cu3 verwendet, also 97 Prozent Zinn und 3 Prozent Kupfer, mit einem Schmelzbereich von etwa 227 bis 310 Grad Celsius. Das zugehörige Flussmittel entfernt die Oxidschicht und ist chemisch aktiv, meist auf Basis von Salzen oder Säuren. Es bleibt nach dem Löten aktiv, wenn Sie es nicht abwaschen, und greift dann das Kupfer an. Waschen Sie die Lötstellen deshalb nach dem Abkühlen gründlich mit Wasser ab und trocknen Sie sie.
Löten ist nichts fürs Wohnzimmer. Arbeiten Sie im Freien oder in einem gut belüfteten Raum auf einer nicht brennbaren Unterlage, halten Sie einen Feuerlöscher oder einen Eimer Wasser bereit und tragen Sie Schutzbrille und Handschuhe. Flussmitteldämpfe reizen die Atemwege, atmen Sie sie nicht ein. Das Rohr bleibt nach dem Löten mehrere Minuten heiß genug für eine schwere Verbrennung, obwohl es längst nicht mehr glüht. Wer noch nie gelötet hat, übt an Abschnitten, bevor das eigentliche Werkstück drankommt.
Wie bekommt der Ständer einen sicheren Stand?
Bei Kerzen ist das Umkippen die eigentliche Gefahr, nicht die Flamme selbst. Ein Rohrgestell ist leicht, hoch und hat oft eine kleine Grundfläche, also genau die Kombination, die schlecht steht. Die folgenden Punkte verschieben das Verhältnis in die richtige Richtung.
- Fußbreite: Der Standfuß sollte mindestens ein Drittel der Gesamthöhe messen. Ein Ständer von 30 Zentimetern Höhe braucht also einen Fuß mit etwa 10 Zentimetern Durchmesser oder Kantenlänge.
- Gewicht unten: Verschließen Sie das untere Rohrende und füllen Sie Sand oder Quarzkies ein. Masse im Fuß wirkt gegen das Kippmoment weit wirksamer als ein breiterer, aber leichter Fuß.
- Bodenplatte: Eine Platte aus Stein, Fliese oder Metall unter dem Ständer bringt zusätzlich Gewicht und ist gleichzeitig der nicht brennbare Untergrund, den brennende Kerzen brauchen.
- Rutschschutz: Filz- oder Gummifüße verhindern, dass der Ständer bei einem Anstoßen über den Tisch wandert. Blankes Kupfer auf einer lackierten Platte rutscht sehr leicht.
- Höhe begrenzen: Je höher der Ständer, desto größer der Hebel. Für freistehende Rohrkonstruktionen ohne beschwerten Fuß sind 25 bis 35 Zentimeter praktikabel.
- Symmetrie: Bauen Sie mehrarmige Ständer symmetrisch. Ein einzelner ausladender Arm verlagert den Schwerpunkt nach außen, und der Ständer kippt schon bei leichter Berührung.
- Standort: Nicht auf Tischkanten, nicht auf Tischdecken, die verrutschen können, und nicht dort, wo Tiere entlanglaufen.

Wie heiß wird ein Kerzenständer aus Metall?
Kupfer gehört zu den am besten wärmeleitenden Gebrauchsmetallen, die Wärmeleitfähigkeit liegt in der Größenordnung von 390 Watt je Meter und Kelvin. Praktisch heißt das: Die Wärme der Flamme bleibt nicht an der Tülle, sondern verteilt sich über die gesamte Konstruktion. Ein dünnwandiges Rohr erwärmt sich dabei schneller als ein massiver Leuchter, weil weniger Material die Wärme aufnimmt.
Daraus folgen drei Konsequenzen. Erstens: Fassen Sie einen Ständer mit brennender oder gerade gelöschter Kerze nicht an, auch nicht am Fuß. Zweitens: Stellen Sie ihn nur auf hitzebeständige, nicht brennbare Flächen, also nicht direkt auf eine Holzplatte oder eine Papierserviette. Drittens: Rechnen Sie damit, dass Wachs, das an heißem Kupfer herunterläuft, weiter fließt statt zu erstarren, und planen Sie eine Tropfschale ein.
Die allgemeinen Regeln für offenes Licht gelten unverändert. Halten Sie mindestens 50 Zentimeter Abstand zu Vorhängen, Zweigen, Papier und anderen brennbaren Gegenständen. Löschen Sie jede Kerze, wenn Sie den Raum verlassen, auch für kurze Zeit. Halten Sie brennende Kerzen außer Reichweite von Kindern und Haustieren. Für dekorative Zwecke ohne Aufsicht sind elektrische Leuchtmittel die sichere Wahl, und wer die Flamme trotzdem will, findet in schwereren Materialien eine standfestere Basis, wie sie der Beitrag zum Kerzenhalter aus Beton beschreibt.
Wie gehen Sie beim Bau vor?
- Entwurf maßstäblich zeichnen. Notieren Sie jede Rohrlänge einzeln und rechnen Sie die Einstecktiefe in den Fittings mit ein, üblicherweise 10 bis 15 Millimeter je Seite. Ohne diese Zugabe wird das fertige Stück zu kurz.
- Rohr trennen. Verwenden Sie einen Rohrabschneider, nicht die Säge. Der Abschneider erzeugt einen rechtwinkligen Schnitt, und rechtwinklig ist die Voraussetzung dafür, dass die Konstruktion später gerade steht.
- Entgraten. Entfernen Sie den nach innen gedrückten Grat mit dem Entgrater am Rohrabschneider oder mit einer Rundfeile. Der Grat ist scharf und verhindert, dass das Rohr vollständig in den Fitting rutscht.
- Trocken zusammenstecken. Bauen Sie den kompletten Ständer erst ohne Kleber und ohne Lot auf. Stellen Sie ihn auf eine ebene Fläche und prüfen Sie mit der Wasserwaage, ob die Kerzenaufnahme senkrecht steht.
- Verbindung festlegen. Erst jetzt entscheiden Sie zwischen gesteckt und gelötet. Beim Löten reinigen Sie Rohrende und Muffe mit Schleifvlies blank, tragen dünn Flussmittel auf und erwärmen den Fitting, nicht das Lot.
- Flussmittel entfernen. Waschen Sie alle Lötstellen nach dem Abkühlen mit Wasser ab. Reste greifen das Kupfer an und hinterlassen grüne Ränder.
- Oberfläche behandeln. Blankes Kupfer läuft an und wird matt bis bräunlich. Klarlack hält das auf, verträgt aber keine Hitze in unmittelbarer Flammennähe. Lassen Sie den Bereich um die Tülle deshalb unlackiert.
- Kippprobe machen. Stoßen Sie den fertigen Ständer mit dem Handrücken seitlich an, wie es beim Tischdecken passiert. Kippt er, ist er nicht fertig.
MerkeDieselben Rohre und Fittings ergeben auch tragende Konstruktionen, dort ist die Verbindungsart dann keine Geschmacksfrage mehr. Wie eine belastete Rohrkonstruktion aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zum Schuhregal aus Rohren. Und wer Wachsreste sinnvoll verwerten will, statt sie wegzuwerfen, findet die Anleitung bei den Duftkerzen aus Wachsresten.
Wenn Sie den Ständer für Teelichter statt für Stabkerzen bauen, verwenden Sie eine geschlossene Aufnahme mit Rand, in der die Aluminiumhülle sitzt. Teelichter erreichen in der Hülle Temperaturen, bei denen sich das gesamte Wachs verflüssigt. Auf einer offenen Rohrfläche ohne Rand kann eine gekippte Hülle das flüssige Wachs in einem Zug ausgießen.
