Palettenmöbel sind billig, robust und schnell gebaut. Bei einem Kinderbett endet dieser Vorteil aber dort, wo Sicherheitsnormen anfangen. Für Kinderbetten und Reisekinderbetten im Wohnbereich gilt die DIN EN 716, für Etagen- und Hochbetten die DIN EN 747. Beide Normen legen Maße fest, die kein Zufall sind, sondern aus ausgewerteten Unfällen stammen. Ein Eigenbau durchläuft keine dieser Prüfungen. Das muss man wissen, bevor man die erste Schraube setzt.
Ist ein Kinderbett aus Paletten überhaupt zulässig?
Wer für den eigenen Haushalt baut, bringt kein Produkt in Verkehr und unterliegt damit nicht der Produktsicherheitspflicht eines Herstellers. Verboten ist der Selbstbau also nicht. Nur: Die Normen bleiben trotzdem der Maßstab dafür, was ein sicheres Kinderbett ausmacht, und ein Palettengestell erfüllt sie nicht automatisch. Es gibt kein GS-Zeichen, keine Belastungsprüfung, keine Kontrolle auf Fangstellen. Sie tragen die Verantwortung allein.
Die DIN EN 716-1 regelt Kinderbetten mit einer inneren Länge über 900 Millimeter und höchstens 1400 Millimeter. Sie schreibt unter anderem einen Abstand zwischen den Gitterstäben von mindestens 45 und höchstens 65 Millimetern vor, und zwar auch unter Belastung. Der Wert hat einen doppelten Zweck: Unter 45 Millimetern klemmen Finger, über 65 Millimetern rutscht ein Körper durch und der Kopf bleibt hängen. Dazu kommen eine überkletterbare Mindesthöhe von 600 Millimetern, ein Spalt zwischen Bettboden und Seitenwand von höchstens 25 Millimetern sowie das grundsätzliche Verbot von Fangstellen für Kopf, Hals und Finger und von Scherstellen zwischen beweglichen Teilen.
Ein Palettenbett ersetzt kein geprüftes Gitterbett. Für Säuglinge und Kleinkinder, die noch im Gitterbett schlafen, ist ein Eigenbau aus Paletten die falsche Wahl. Sprossenabstände, Gitterhöhe und die Freiheit von Fangstellen lassen sich mit Palettenbrettern nicht zuverlässig herstellen und schon gar nicht prüfen. Kaufen Sie in dieser Altersgruppe ein Bett nach DIN EN 716.
Welche Norm gilt für welches Alter?
Die beiden Normen betreffen unterschiedliche Bettarten und damit unterschiedliche Lebensphasen. Wer das trennt, kommt schnell zu einer klaren Entscheidung.
| Alter des Kindes | Bettart und Norm | Palettenbett vertretbar? |
|---|---|---|
| 0 bis etwa 2 Jahre | Gitterbett nach DIN EN 716-1 | Nein. Gitterabstand 45 bis 65 Millimeter und Gitterhöhe sind sicherheitsrelevant |
| etwa 2 bis 3 Jahre | Übergang vom Gitterbett zum Kinderbett | Nein, solange das Kind noch aus dem Bett fallen kann und nicht sicher aufsteht |
| ab etwa 3 bis 4 Jahren | bodennahes Bettgestell ohne Norm-Pflicht | Eher vertretbar, wenn splitterfrei, ohne Fangstellen und niedrig gebaut |
| ab 6 Jahren, erhöhte Liegefläche | Hochbett oder Etagenbett nach DIN EN 747 | Nein. Gestapelte Paletten sind für diese Lasten nicht ausgelegt |
Die DIN EN 747-1 gilt für Etagen- und Hochbetten, deren Liegefläche 600 Millimeter oder mehr über dem Boden liegt. Sie fordert unter anderem eine Absturzsicherung, die mindestens 16 Zentimeter über die Oberkante der Matratze hinausragt, eine Einstiegsöffnung von 30 bis 40 Zentimetern Breite und Leitersprossen mit mindestens 20 Zentimetern Abstand und mindestens 9 Zentimetern Trittfläche. Am Rahmen muss außerdem markiert sein, wie hoch die Matratze maximal sein darf. Ein Turm aus gestapelten Paletten liefert nichts davon: Die Verbindung zwischen den Lagen ist nicht auf dynamische Belastung ausgelegt, und springende Kinder erzeugen genau diese. Bauen Sie daraus kein Hochbett. Bleiben Sie bei Palettenmöbeln lieber bei unkritischen Stücken, wie sie der Überblick zu Upcycling-Möbeln aus alten Paletten zeigt.
Woran erkennen Sie eine Palette, die ins Kinderzimmer darf?
- IPPC-Stempel: Behandeltes Verpackungsholz für den internationalen Warenverkehr trägt nach ISPM 15 einen Stempel mit Ährensymbol, Länder- und Registriernummer sowie einem Behandlungskürzel. Ohne Stempel wissen Sie nichts über die Herkunft.
- HT heißt hitzebehandelt: Das Holz wurde thermisch behandelt, es ist chemisch unbelastet und für Möbel geeignet. Nur solche Paletten kommen für ein Kinderzimmer in Betracht.
- MB heißt Methylbromid: Diese Paletten wurden begast. Methylbromid ist in Deutschland seit 2010 nicht mehr zugelassen, alte Paletten können den Stempel aber noch tragen. Solches Holz gehört nicht ins Haus und erst recht nicht in ein Bett.
- DB und KD: DB steht für entrindet, KD für kammergetrocknet. Beide Kürzel sind unbedenklich, sagen aber nichts über eine chemische Behandlung aus. Sie ersetzen das HT nicht.
- Herkunft und Zustand: Paletten aus dem Chemie-, Farben- oder Lebensmitteltransport können Rückstände tragen, die sich nicht abwaschen lassen. Flecken unbekannter Herkunft, muffiger Geruch, Schimmel oder morsche Klötze sind Ausschlusskriterien.
- Beschläge: Herausstehende Nagelköpfe, gebrochene Klammern und Rostpartien sind typische Schnittverletzungsquellen. Was sich nicht bündig versenken lässt, wird gezogen.
Wie bereiten Sie die Paletten so auf, dass nichts absplittert?
- Sortieren. Nur Paletten mit HT-Stempel behalten, alles ohne lesbaren Stempel oder mit MB aussortieren. Risse, morsche Stellen und Pilzbefall sind ein Ausschlussgrund, keine Reparaturaufgabe.
- Reinigen. Trocken abbürsten, dann mit Wasser und Kernseife abwaschen und mindestens zwei bis drei Tage durchtrocknen lassen. Feuchtes Holz nimmt später keine Oberflächenbehandlung an.
- Metall entfernen. Alle losen Nägel und Klammern ziehen, verbleibende Nagelköpfe mit dem Durchschlag ein bis zwei Millimeter unter die Holzoberfläche versenken.
- Grob schleifen. Mit Körnung 60 bis 80 die Bretter planschleifen und die Splitter herunternehmen. Arbeiten Sie draußen oder mit Absaugung, tragen Sie Schutzbrille und Staubmaske.
- Kanten brechen. Jede Kante und jede Ecke mit Körnung 120 rundschleifen, bis der Handrücken darüber gleitet, ohne hängen zu bleiben. Scharfe Kanten sind bei Kindermöbeln die häufigste Verletzungsursache.
- Feinschliff und Zwischenkontrolle. Mit Körnung 180 nacharbeiten, dann mit einem alten Nylonstrumpf über jede Fläche fahren. Bleibt er hängen, ist dort noch ein Splitter.
- Oberfläche behandeln. Verwenden Sie nur Lacke, Lasuren oder Öle, die ausdrücklich als speichelfest und schweißfest nach DIN EN 71-3 gekennzeichnet sind. Nach dem Trocknen mit Körnung 240 anschleifen und einen zweiten Auftrag geben.
- Aushärten lassen. Halten Sie die vom Hersteller genannte Durchtrocknungszeit ein und lüften Sie den Raum, bevor das Kind einzieht. Die Angaben auf der Dose sind Mindestwerte, nicht Richtwerte.
MerkeDie Kennzeichnung nach DIN EN 71-3 bezieht sich auf die Migration bestimmter Elemente aus Spielzeugmaterial. Sie wird von akkreditierten Prüfinstituten vergeben und steht auf dem Gebinde. Ein Produkt, das nur als lösemittelarm oder naturnah beworben wird, ist damit nicht automatisch speichelfest.
Wie sieht ein vertretbares Palettenbett für ein Schulkind aus?
Ab dem Vorschulalter geht es nicht mehr um ein Gitterbett, sondern um ein Bettgestell. Damit verschwindet der kritischste Teil der Normanforderungen. Halten Sie die Konstruktion trotzdem bewusst schlicht. Eine einzelne Lage Europaletten liegt rund 14,4 Zentimeter hoch, mit Matratze kommen Sie auf eine Liegehöhe um 30 Zentimeter. Aus dieser Höhe ist ein Herausrollen im Schlaf harmlos. Zwei gestapelte Lagen erhöhen die Fallhöhe, ohne einen Vorteil zu bringen.
Verschrauben Sie die Paletten untereinander mit Flachverbindern, damit sie sich nicht gegeneinander verschieben und keine Scherstelle zwischen zwei Lagen entsteht. Lassen Sie zwischen Matratze und Rahmen keinen Spalt, in den ein Arm oder ein Bein rutschen kann; bündig abschließend ist besser als ein rundum umlaufender Rand. Ein Lattenrost ist nicht nötig, weil das Palettendeck bereits belüftet, allerdings sind die Spalten zwischen den Deckbrettern der Europalette unterschiedlich breit. Legen Sie eine dünne Filzmatte oder eine durchgehende Platte unter die Matratze, damit sie nicht in die Zwischenräume durchhängt. Wie so ein Aufbau im Detail aussieht, beschreibt der Beitrag zum Bettgestell aus Paletten.
Ein Rausfallschutz ist bei dieser Bauhöhe optional. Wenn Sie einen anbringen, führen Sie ihn durchgehend aus, ohne Öffnungen zwischen 6,5 und 23 Zentimetern. In diesem Bereich liegen die klassischen Fangstellen für Kopf und Hals. Entweder der Spalt ist so schmal, dass der Kopf nicht hineinpasst, oder so breit, dass der Körper vollständig hindurchpasst. Alles dazwischen ist gefährlich.
Lohnt sich der Aufwand im Vergleich zum gekauften Bett?
Rechnen Sie ehrlich. Gebrauchte Europaletten kosten je nach Zustand und Region etwa 5 bis 15 Euro pro Stück, für ein Einzelbett von 90 mal 200 Zentimetern brauchen Sie zwei bis drei Stück. Dazu kommen Schleifpapier in drei Körnungen, Verbinder, Schrauben und vor allem der speichelfeste Lack, der bei rund 750 Millilitern deutlich teurer ist als normaler Möbellack. Der Arbeitsaufwand liegt beim Schleifen und Streichen realistisch bei einem ganzen Wochenende. Ein einfaches, geprüftes Kinderbett aus dem Handel liegt preislich in derselben Größenordnung und bringt die Prüfung mit.
Das spricht nicht gegen das Projekt. Es spricht dagegen, es mit dem Argument Ersparnis zu begründen. Der eigentliche Gewinn ist die Optik, die Reparierbarkeit und die Tatsache, dass Sie jede Schraube kennen. Löst sich später eine Verbindung oder splittert eine Kante nach, arbeiten Sie mit denselben Mitteln nach, die auch der Ratgeber zur Reparatur von Holzmöbeln beschreibt. Prüfen Sie das Bett nach dem ersten Monat und danach halbjährlich: alle Schrauben nachziehen, mit der Hand über Kanten und Auflageflächen fahren und nachgeschliffene Stellen sofort wieder versiegeln.
