Die Idee klingt sinnvoll. Ein Altreifen ist kostenlos, rund, stabil und liegt in vielen Garagen herum. Wer danach sucht, findet Bauanleitungen in Serie. Nur ist die Frage, die vor jeder Bauanleitung stehen müsste, eine andere: Ist ausgerechnet dieses Material für ein Kind geeignet, das stundenlang mit nassen Händen daran sitzt? Die Antwort fällt gegen die Bauidee aus, und zwar von zwei unabhängigen Stellen.

Autoreifen sind kein Spielmaterial für Kinder. Das Umweltbundesamt rät vorsorglich davon ab, Autoreifen und Schläuche als Spielgerät zu verwenden, besonders in Innenräumen. Stiftung Warentest hat die Frage unter der Überschrift geführt, dass Autoreifen als Spielgerät tabu sind. Der Grund ist nicht eine akute Vergiftungsgefahr, sondern eine Datenlücke: Es ist unklar, ob und in welchem Umfang sich Gummichemikalien aus dem gealterten Material lösen. Bei einem Sandkasten sitzt ein Kleinkind über Stunden mit feuchten Händen direkt auf dem Material und steckt die Finger anschließend in den Mund.
Was steckt in einem Altreifen?
Ein Reifen ist eine Mischung aus Kautschuk, Ruß, Ölen, Vulkanisationsbeschleunigern, Alterungsschutzmitteln und Verstärkungsmaterial. Mehrere dieser Gruppen sind toxikologisch relevant. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, stammen vor allem aus den verwendeten Weichmacherölen und aus dem Ruß. Vulkanisationsbeschleuniger aus der Thiuram-Gruppe stehen im Verdacht, Allergien auszulösen. Hinzu kommen Abriebpartikel und der Umstand, dass ein gebrauchter Reifen jahrelang Straßenschmutz, Öl und Bremsstaub aufgenommen hat.
Der entscheidende Punkt ist die Nachweisbarkeit. Für neue Erzeugnisse gibt es klare Grenzen, für einen Gebrauchtreifen aus dem Container gibt es keine.
| Produktgruppe | Regelung | Grenzwert für PAK | Gilt für Altreifen? |
|---|---|---|---|
| Verbraucherprodukte mit längerem Hautkontakt | REACH Anhang XVII, Eintrag 50 | 1 Milligramm je Kilogramm je Einzelstoff der acht geregelten PAK | Nein, Altreifen sind kein neu in Verkehr gebrachtes Erzeugnis |
| Spielzeug und Babyartikel | REACH Anhang XVII, Eintrag 50 | 0,5 Milligramm je Kilogramm je Einzelstoff | Nein, kein Nachweis vorhanden |
| Loses Gummigranulat und Mulch auf Spielplätzen | REACH Anhang XVII, Eintrag 50 | 20 Milligramm je Kilogramm für die Summe der acht PAK | Nein, gilt für das Inverkehrbringen von Granulat |
| Geprüfte Spielgeräte | DIN EN 1176 für Spielplatzgeräte | Sicherheitsanforderungen, nicht stofflich | Nein, Eigenbauten sind nicht geprüft |
Man kann das nüchtern zusammenfassen: Der Gesetzgeber hat für jedes neue Produkt, das ein Kind anfasst, enge Werte festgelegt. Ein alter Autoreifen ist von diesen Werten nicht erfasst, und niemand hat gemessen, was in ihm steckt. Wer ihn trotzdem verbaut, entscheidet sich bewusst gegen das einzige Material im Garten, für das die Prüfung fehlt.
Gibt es Situationen, in denen Reifen im Garten in Ordnung sind?
Ja, sofern kein dauerhafter Hautkontakt von Kindern entsteht und das Material nicht in Innenräumen liegt. Ein Reifen als Rankhilfe, als Beetumrandung ohne Nutzpflanzen oder als Anfahrschutz an der Garageneinfahrt ist eine andere Situation als ein Kleinkind, das darauf sitzt. Ideen dazu sammelt der Beitrag Gartendeko aus alten Autoreifen. Für Gemüsebeete ist der Reifen dagegen ebenfalls keine gute Wahl, weil dort Stoffe in die Erde und damit in Nahrungsmittel übergehen könnten.
Was ist die bessere Umrandung?
Holz. Ein rechteckiger oder sechseckiger Rahmen aus Massivholz ist in zwei Stunden gebaut, kostet wenig und ist in seiner Zusammensetzung bekannt. Lärche und Douglasie sind ohne chemischen Holzschutz vergleichsweise dauerhaft, Fichte und Kiefer sind günstiger und müssen häufiger ersetzt werden. Verzichten Sie auf kesseldruckimprägniertes Holz im direkten Handkontakt und auf Palettenholz unbekannter Herkunft.
- Standort wählen. Halbschatten, nicht unter Bäumen mit starkem Fruchtfall, mindestens 2 Meter Abstand zu Schaukeln und anderen bewegten Spielgeräten.
- Fläche vorbereiten. Grasnarbe abstechen, Boden waagerecht abziehen, Unkrautvlies auslegen. Das Vlies muss wasserdurchlässig sein, sonst steht der Sand nach jedem Regen unter Wasser.
- Rahmen bauen. Bretter von etwa 20 bis 24 Millimetern Dicke und 20 Zentimetern Höhe an den Ecken stumpf verschrauben, Schraubenköpfe versenken und die oberen Kanten mit einem Radius von etwa 3 Millimetern brechen oder abrunden.
- Sitzkante ergänzen. Ein aufgelegtes Brett von 10 bis 12 Zentimetern Breite auf der Oberkante gibt eine Sitzfläche ohne scharfe Kante und stabilisiert den Rahmen.
- Sand einfüllen. Spielsand mit Körnung 0 bis 2 Millimetern, etwa 25 bis 30 Zentimeter Schütthöhe. Achten Sie beim Kauf auf die ausdrückliche Deklaration als Spielsand.
- Abdeckung montieren. Ein gespanntes Netz oder eine Plane mit Belüftung. Eine dicht schließende Holz- oder Kunststoffplatte fördert Schimmel und Ameisennester.
MerkeSpielsand wird nach Körnung verkauft. Für formstabile Sandburgen eignet sich Material im Bereich von etwa 0,6 bis 2 Millimetern, feiner Sand von 0 bis 2 Millimetern ist angenehmer für Kinderhände. Sand aus dem Baustoffhandel ohne Deklaration als Spielsand kann scharfkantige Bruchstücke und Fremdanteile enthalten.
Warum muss der Sandkasten abgedeckt werden?
Wegen Katzen. Ein offener Sandkasten ist aus Sicht einer Katze ein großes, weiches Katzenklo. Katzenkot kann Erreger der Toxoplasmose enthalten, außerdem Spulwurmeier und Fäkalkeime. Für gesunde Kinder verläuft eine Toxoplasmose meist unauffällig, für Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist eine Erstinfektion dagegen ernst zu nehmen. Hundekot bringt zusätzlich Fäkalstreptokokken ein.
- Netz statt Deckel: ein gespanntes Netz hält Tiere ab und lässt den Sand trocknen. Dichte Abdeckungen schließen Feuchtigkeit ein.
- Täglich sichten: vor dem Spielen kurz über die Oberfläche harken. Kotreste großzügig mit dem umgebenden Sand entfernen und im Restmüll entsorgen.
- Handschuhe tragen: beim Entfernen von Tierkot Einweghandschuhe benutzen und danach die Hände waschen.
- Regelmäßig durchharken: das lockert den Sand, lässt ihn trocknen und bringt Verunreinigungen an die Oberfläche.
- Sand tauschen: etwa alle 12 bis 24 Monate vollständig erneuern, bei starker Nutzung oder nach einem Kotfund im Zweifel früher.
- Nach dem Spielen Hände waschen: die einfachste und wirksamste Maßnahme überhaupt.
Was tun mit den Altreifen?
Reifen gehören nicht in den Hausmüll und nicht auf den Kompost. Reifenhändler und Werkstätten nehmen Altreifen gegen eine Gebühr zurück, kommunale Wertstoffhöfe nehmen sie in vielen Regionen ebenfalls an, teils mengenbegrenzt. Fragen Sie vorher nach den Konditionen Ihres Landkreises. Aus dem Material wird unter anderem Granulat für industrielle Anwendungen, und genau für dieses Granulat gilt der Summengrenzwert von 20 Milligramm je Kilogramm, wenn es lose auf Spielplätzen ausgebracht werden soll.
Wer den Garten kindgerecht ausstatten will, findet in der Anleitung Schaukel oder Klettergerüst im Garten montieren die Punkte zu Fallschutz und Verankerung. Innerhalb der Wohnung ist der Beitrag Treppenschutzgitter anbringen die passende Ergänzung.
Wenn Sie an der Reifenidee dennoch festhalten möchten, hilft nur eine ehrliche Einordnung: Es gibt für dieses Material keinen Prüfnachweis, und beide zitierten Stellen raten davon ab. Ein Holzrahmen aus vier Brettern kostet weniger als 40 Euro und nimmt Ihnen diese Frage vollständig ab.
