Ein Kalender aus alten Postkarten hat zwei Teile, und nur einer davon ist Bastelarbeit. Das Bild oben ist in zehn Minuten gesetzt. Das Kalendarium darunter muss dagegen stimmen, und zwar Tag für Tag, denn ein Kalender mit einem falschen Wochentag ist unbrauchbar. Dazu kommen zwei Fragen, die in Anleitungen fast nie auftauchen: wie das Blatt so aufgehängt wird, dass es nicht wellt, und ob Sie fremde Motive überhaupt verwenden dürfen.

Wie bauen Sie ein Kalendarium korrekt auf?
Beginnen Sie beim Wochenbeginn. In Deutschland und im übrigen deutschsprachigen Raum beginnt die Woche am Montag, nicht am Sonntag. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern in DIN ISO 8601 festgelegt. Wer eine Vorlage aus dem englischsprachigen Raum übernimmt, bekommt regelmäßig ein Raster mit Sonntag in der ersten Spalte, und damit verschiebt sich jeder Tag um eine Position.
Die Kalenderwoche folgt derselben Norm. Die KW 1 ist die Woche, die den ersten Donnerstag des Jahres enthält, gleichbedeutend mit der ersten Woche, die mindestens vier Tage im neuen Jahr hat. Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Der 1. Januar kann noch in der KW 52 oder 53 des Vorjahres liegen, und die KW 1 kann bereits im Dezember beginnen. Ein Jahr hat 53 Wochen, wenn der 1. Januar ein Donnerstag ist oder im Schaltjahr ein Mittwoch.
| Regel | Festlegung | Praktische Folge fürs Raster |
|---|---|---|
| Wochenbeginn | Montag nach DIN ISO 8601 | erste Spalte ist Montag, letzte Sonntag |
| Kalenderwoche 1 | Woche mit dem ersten Donnerstag des Jahres | KW-Spalte kann im Januar mit 52 oder 53 beginnen |
| 53-Wochen-Jahr | 1. Januar ist Donnerstag, im Schaltjahr auch Mittwoch | Dezemberblatt braucht Platz für KW 53 |
| Schaltjahr | durch 4 teilbar, nicht aber durch 100, es sei denn durch 400 | 2100 ist kein Schaltjahr, 2000 war eines |
| Sechs Wochenzeilen | 31 Tage ab Samstag oder Sonntag, 30 Tage ab Sonntag | Raster für sechs Zeilen anlegen, sonst fehlt ein Feld |
| Feiertage | überwiegend Ländersache, bewegliche Termine hängen vom Osterdatum ab | keine bundesweit einheitliche Liste eintragen |
| Postkartenformat | A6 misst 105 mal 148 Millimeter | ältere Karten weichen ab, vor dem Layout messen |
Der Punkt mit den sechs Wochenzeilen ist der häufigste Konstruktionsfehler. Rechnen Sie ihn selbst nach: Ein Monat mit 31 Tagen, der an einem Sonntag beginnt, belegt in der ersten Zeile nur einen Tag, danach vier volle Wochen bis zum 29. und braucht für den 30. und 31. eine sechste Zeile. Legen Sie das Raster deshalb grundsätzlich für sechs Zeilen an und lassen Sie die letzte Zeile leer, wenn sie nicht gebraucht wird.
Welche Maße und Materialien brauchen Sie?
- Trägerkarton: 300 Gramm je Quadratmeter oder mehr. Dünnerer Karton wellt sich, sobald eine Postkarte einseitig aufgeklebt ist, weil beide Materialien unterschiedlich auf Luftfeuchte reagieren.
- Blattformat: Für eine Karte im Format 105 mal 148 Millimeter reicht ein Trägerblatt in A4 hochkant, also 210 mal 297 Millimeter. Oben bleiben dann rund 30 Millimeter Rand, unten etwa 110 Millimeter für das Kalendarium.
- Kartenmaß prüfen: Alte Postkarten sind oft kleiner als A6. Der Weltpostverein lässt Formate ab 90 mal 140 Millimetern zu, und viele Karten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen in diesem Bereich. Messen Sie nach, bevor Sie zwölf Trägerblätter zuschneiden.
- Befestigung der Karte: Fotoecken oder doppelseitige Klebestreifen an den vier Ecken. Flächiger Kleber verzieht das Blatt und macht die Karte unbrauchbar.
- Rückwand: Graupappe von etwa 2 Millimetern Stärke hinter dem Blattstapel. Ohne feste Rückwand rollt sich der Kalender an der Wand nach vorn.
- Bindung: Zwei Ösen von 5 bis 6 Millimetern Durchmesser, mindestens 10 Millimeter vom oberen Blattrand entfernt, oder ein Kalenderaufhänger als Nietstreifen. Bei geringerem Randabstand reißt die Öse mit der Zeit aus.
- Zeichenmittel: Bleistift und Lineal für das Raster, danach dokumentenechter Fineliner. Wasserlösliche Filzstifte verlaufen, wenn der Kalender an einer Außenwand hängt und dort Kondensat entsteht.
Wie gehen Sie beim Bau vor?
- Jahr festlegen und prüfen. Notieren Sie für jeden Monat den Wochentag des Ersten und die Anzahl der Tage. Prüfen Sie das Ergebnis gegen einen bestehenden Kalender desselben Jahres, bevor Sie irgendetwas zeichnen.
- Raster konstruieren. Sieben Spalten von Montag bis Sonntag, sechs Zeilen, links eine schmale Spalte für die Kalenderwoche. Bei 190 Millimetern nutzbarer Breite ergeben sich sieben Spalten zu 25 Millimetern plus 15 Millimeter für die KW-Spalte.
- Erstes Blatt als Muster. Zeichnen Sie ein vollständiges Blatt aus und kontrollieren Sie es. Erst danach übertragen Sie das Raster auf die übrigen elf Blätter, entweder mit einer Schablone oder mit einem Ausdruck als Unterlage.
- Tage eintragen. Beginnen Sie in der Spalte des richtigen Wochentags und schreiben Sie durch. Sonntage und Feiertage in einer zweiten Farbe. Bei Feiertagen gilt: Das Bundesland bestimmt, deshalb tragen Sie nur die für Ihren Ort geltenden ein.
- Kalenderwochen ergänzen. Tragen Sie die KW-Zahl in die linke Spalte, jeweils in der Zeile, in der die Woche liegt. Prüfen Sie den Januar und den Dezember besonders, weil dort die Woche über den Jahreswechsel läuft.
- Karten setzen. Positionieren Sie jede Postkarte mittig im oberen Feld und markieren Sie die Ecken leicht mit Bleistift. Fotoecken ansetzen, Karte einschieben, Bleistiftmarken ausradieren.
- Blätter lochen und binden. Legen Sie alle Blätter samt Deckblatt und Rückpappe bündig aufeinander, spannen Sie sie ein und lochen Sie gemeinsam. Ungleich gelochte Blätter hängen später schief.
- Aufhängung anbringen. Kordel oder Aufhängehaken durch beide Ösen führen. Ein Kalender in A4 mit zwölf Blättern und Rückpappe wiegt je nach Material etwa 250 bis 400 Gramm, ein handelsüblicher Klebehaken oder ein Stiftnagel genügt.
MerkeLassen Sie sich die Wochentage von einem vorhandenen Kalender oder einer Tabellenkalkulation ausgeben, statt sie von Hand abzuzählen. Ein einziger Zählfehler im Februar verschiebt alle Folgemonate, und der Fehler fällt oft erst im Sommer auf. Wer zwölf Blätter von Hand zeichnet, sollte jedes fertige Blatt gegen eine unabhängige Quelle prüfen, nicht gegen das vorhergehende eigene Blatt.
Dürfen Sie fremde Postkartenmotive verwenden?
Für den eigenen Gebrauch in aller Regel ja, darüber hinaus muss man genauer hinsehen. Postkartenmotive sind fotografische Abbildungen und damit urheberrechtlich relevant. Das Gesetz unterscheidet zwei Stufen. Ein Lichtbildwerk, also eine Aufnahme mit persönlicher geistiger Schöpfungshöhe, ist bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers geschützt. Ein einfaches Lichtbild ohne diese Schöpfungshöhe ist nach den Regelungen für Lichtbilder deutlich kürzer geschützt, nämlich 50 Jahre nach dem Erscheinen. Welche Kategorie greift, lässt sich bei einer alten Ansichtskarte oft nicht sicher bestimmen.
Praktisch bedeutet das dreierlei. Wenn Sie eine gekaufte oder geerbte Originalkarte in einen Kalender einbauen, den Sie selbst aufhängen, ist das unproblematisch, weil Sie nichts vervielfältigen und nichts veröffentlichen. Wenn Sie die Karte scannen und mehrfach ausdrucken, um Kalender zu verschenken, ist das eine Vervielfältigung. Und wenn Sie den fertigen Kalender fotografieren und ins Netz stellen oder ihn verkaufen, verlassen Sie den privaten Bereich endgültig.
Aus dem Alter einer Karte folgt nicht automatisch, dass sie frei ist. Der Schutz eines Lichtbildwerks endet 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, nicht 70 Jahre nach dem Aufnahmedatum. Bei einer Karte von 1930, deren Fotograf 1975 gestorben ist, läuft der Schutz entsprechend länger. Bei den meisten alten Ansichtskarten ist der Urheber gar nicht bekannt, sodass sich die Frist nicht berechnen lässt. Solange der Kalender in Ihrer eigenen Wohnung hängt, ist das ohne Belang. Sobald Sie vervielfältigen, verkaufen oder veröffentlichen wollen, sollten Sie das im Einzelfall rechtlich prüfen lassen. Dieser Text ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
Wie hängt der Kalender, ohne sich zu wellen?
Papier arbeitet mit der Luftfeuchte. Ein einseitig beklebtes Blatt dehnt sich auf der einen Seite stärker als auf der anderen und rollt sich ein. Dagegen helfen drei Dinge: ein ausreichend schwerer Trägerkarton ab 300 Gramm je Quadratmeter, eine feste Rückpappe hinter dem gesamten Stapel und der Verzicht auf flächigen Kleber. Wer die Postkarten mit Fotoecken befestigt, hat dieses Problem nicht, und die Karten bleiben zusätzlich unbeschädigt.
Der Aufhängeort zählt ebenfalls. Eine Außenwand hinter einem Schrank, das Bad und die Wand über einem Heizkörper sind schlechte Plätze, weil dort entweder Kondensat entsteht oder trockene Heizungsluft die Blätter schrumpfen lässt. Direkte Sonne bleicht die Farben alter Karten schnell aus, und dieser Schaden ist nicht umkehrbar. Wer wertvolle Originale hat, arbeitet besser mit Kopien und legt die Karten selbst flach in einen Umschlag aus säurefreiem Papier.
Nach dem Jahr müssen die Blätter nicht in den Papierkorb. Nehmen Sie die Karten aus den Fotoecken heraus und verwenden Sie den Träger für den nächsten Jahrgang weiter, dann brauchen Sie nur ein neues Kalendarium. Für die Karten selbst gibt es weitere Verwendungen: Der Beitrag zu Kissen aus alten Landkarten zeigt, wie sich bedrucktes Papier auf Textil übertragen lässt, und wer Papier lieber bindet als klebt, findet im Beitrag zum Notizbuch aus alten Buchseiten die passenden Techniken. Soll der Kalender Teil einer größeren Wandgestaltung werden, hilft die Anleitung dazu, wie man ein Wandboard für Dekoelemente installiert. Planen Sie für zwölf von Hand gezeichnete Blätter etwa vier bis sechs Stunden ein.
