Getränkeregale werden selten nach Traglast gekauft. Sie sehen aus wie ein simples Gestell, und genau das ist das Problem: Kaum jemand rechnet aus, was da eigentlich hineinkommt. Ein voller Kasten liegt in einer Gewichtsklasse, die viele Dekoregale überfordert. Dieser Beitrag rechnet mit Zahlen und nennt die Punkte, an denen Getränkeregale in der Praxis versagen.

Wie schwer ist ein voller Getränkekasten wirklich?
Die Antwort hängt an Flaschenzahl, Flaschengröße und Glasstärke. Ein leerer Kunststoffkasten wiegt rund ein Kilogramm. Der Inhalt bringt den Rest.
| Kastentyp | Grundfläche | Gewicht gefüllt | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Bierkasten, 20 Flaschen zu 0,5 Liter | 400 mal 300 Millimeter | im Mittel rund 11 Kilogramm | Einzelne Marken erreichen rund 17 Kilogramm, je nach Glasstärke |
| Kasten mit Euroflaschen | 400 mal 330 Millimeter | vergleichbar mit dem Bierkasten | Etwas tiefer, passt nicht in jedes schmale Fach |
| Kasten mit 24 Flaschen zu 0,33 Liter | 400 mal 270 Millimeter | rund 10 bis 12 Kilogramm | Schmalste Bauform der gängigen Kästen |
| Mineralwasser, 12 Glasflaschen zu 0,7 Liter | Normbrunnenkasten 353 mal 275 Millimeter | rund 17 Kilogramm einschließlich Kiste | Der schwerste Kasten im normalen Haushalt |
| Kasten mit 12 Glasflaschen zu 1 Liter | je nach Hersteller | rund 14 Kilogramm | Abgeleitet aus rund 560 Kilogramm je Palette mit 40 Kästen |
| Kasten mit 6 PET-Flaschen zu 1,5 Litern | je nach Hersteller | rund 10 Kilogramm | Deutlich leichter, weil das Glasgewicht entfällt |
Rechnen Sie mit dem höheren Wert. Wenn ein Regal für sechs Kästen ausgelegt sein soll, planen Sie 6 mal 17 Kilogramm, also gut 100 Kilogramm. Kommen leere Rückgabekästen dazu, ändert das wenig, ein leerer Kasten wiegt nur etwa ein Kilogramm. Der Kasten selbst ist übrigens Pfandgut, üblicherweise mit 1,50 Euro belegt.
Welche Traglast und welche Maße braucht das Regal?
Aus den Kastenmaßen folgen die Fachmaße direkt. Ein Bierkasten misst 400 mal 300 Millimeter. Zwei Kästen nebeneinander brauchen also mindestens 80 Zentimeter lichte Breite, in der Praxis eher 85 Zentimeter, damit Sie den Kasten noch schräg herausziehen können. Die Fachtiefe sollte bei 32 bis 35 Zentimetern liegen, damit der Kasten weder übersteht noch hinten anstößt.
Bei der Fachhöhe zählt der Kasten plus Flaschenhals. Halbliterflaschen im Kasten sind mitsamt Kiste rund 30 Zentimeter hoch, Literflaschen deutlich mehr. Planen Sie je Ebene 33 bis 40 Zentimeter lichte Höhe und messen Sie im Zweifel Ihren tatsächlichen Kasten aus.
Bei der Fachlast wird es unangenehm. Zwei volle Kästen je Ebene sind bis zu 34 Kilogramm. Ein Möbelboden aus 19 Millimeter Spanplatte mit rund 30 Kilogramm Herstellerangabe ist damit ausgereizt, und diese Angabe gilt für gleichmäßig verteilte Last. Ein Kasten steht aber auf vier Ecken und wirkt eher punktuell. Für Getränke gehört deshalb ein Metallregal her. Steck- und Schwerlastregale mit Fachlasten ab 100 Kilogramm sind die passende Bauart, eine Übersicht dazu steht im Beitrag zu Schwerlastregalen.
MerkeAngaben zur Fachlast beziehen sich immer auf gleichmäßig über die Fläche verteilte Last. Getränkekästen sind das Gegenteil davon: Ihr Gewicht steht auf vier Kunststoffecken von wenigen Quadratzentimetern. Legen Sie deshalb bei Holzböden eine dünne Platte unter oder wählen Sie ein Fachbodenregal aus Stahl, bei dem die Blechkante die Last in den Rahmen leitet.
Warum kippen Getränkeregale nach vorn?
Ein Getränkeregal ist typischerweise schmal, tief beladen und hoch. Der Schwerpunkt liegt hoch, sobald die oberen Ebenen voll sind. Kritisch wird der Moment, in dem Sie einen Kasten aus der obersten Ebene ziehen: Der Kasten steht dann halb außerhalb des Regals, sein Gewicht wirkt vor der vorderen Standlinie, und das Regal beginnt zu kippen.
Die Gegenmaßnahmen sind einfach und werden trotzdem selten umgesetzt. Erstens: beladen Sie immer von unten nach oben. Die schwersten Kästen gehören auf die unterste Ebene, leichte PET-Kästen nach oben. Zweitens: befestigen Sie das Regal an der Wand, sobald es höher als etwa das Fünffache seiner Tiefe ist. Bei 32 Zentimetern Regaltiefe ist das ab rund 160 Zentimetern Höhe der Fall. Drittens: stellen Sie das Regal auf einen ebenen Untergrund. Kellerböden haben oft Gefälle zum Bodenablauf, und schon zwei Grad Neigung verschieben die Kippkante spürbar.
Ein kippendes Getränkeregal ist gefährlicher als sein Gewicht vermuten lässt. Beim Umfallen zerbrechen die Glasflaschen, und die Scherben verteilen sich mit dem auslaufenden Inhalt über den ganzen Raum. In engen Kellergängen gibt es dabei keine Ausweichmöglichkeit. Verdübeln Sie hohe Regale in der Wand und stellen Sie sie nie so auf, dass sie in Richtung Tür oder Treppe kippen können.
In welcher Höhe stehen Kästen richtig?
Getränkekästen werden nicht nur gelagert, sie werden regelmäßig gehoben und getragen. Das macht die Zugriffshöhe zum wichtigsten ergonomischen Merkmal des Regals. Ein Kasten, der zwischen Knie- und Hüfthöhe steht, lässt sich mit geradem Rücken aufnehmen. Ein Kasten in Schulterhöhe verlangt Heben mit gestreckten Armen weit vor dem Körper, und das ist bei 17 Kilogramm die ungünstigste denkbare Haltung.
Eine allgemein verbindliche Kilogrammgrenze für das Heben gibt es im deutschen Arbeitsschutzrecht nicht. Beurteilt wird die Belastung über die Leitmerkmalmethode, die Gewicht, Haltung, Häufigkeit und Dauer zusammen bewertet. Für den Haushalt lässt sich daraus eine praktische Regel ableiten: Was Sie wöchentlich anfassen, gehört zwischen 40 und 120 Zentimeter Höhe. Alles darüber ist Platz für leere Kästen oder für PET.
- Unterste Ebene: etwa 15 bis 20 Zentimeter über dem Boden. So bleibt der Kasten trocken, wenn im Keller Wasser steht, und Sie kommen zum Fegen darunter.
- Arbeitsebene: zwischen 40 und 120 Zentimetern. Hier stehen die Kästen, die Sie regelmäßig wechseln.
- Oberste Ebene: nicht höher als Schulterhöhe, also rund 140 bis 150 Zentimeter. Darüber nur Leergut.
- Gangbreite davor: mindestens 80 Zentimeter, damit Sie einen Kasten mit beiden Händen tragend passieren können.
- Auszugsbleche oder Rollen: nur sinnvoll, wenn sie für die tatsächliche Kastenlast freigegeben sind. Viele Auszüge sind für 15 bis 20 Kilogramm ausgelegt und damit knapp bemessen.
Was hält der Kellerboden aus?
Rechnen Sie die Flächenlast aus, bevor Sie ein Regal in eine Altbauwohnung oder auf einen Dachboden stellen. Ein Regal mit 80 Zentimetern Breite und 30 Zentimetern Tiefe steht auf 0,24 Quadratmetern. Sechs volle Kästen darauf ergeben rund 100 Kilogramm, also über 400 Kilogramm je Quadratmeter Grundfläche.
Zum Vergleich: DIN EN 1991-1-1 setzt für Wohnräume der Kategorie A Nutzlasten in der Größenordnung von 1,5 bis 2,0 Kilonewton je Quadratmeter an, das entspricht rund 150 bis 200 Kilogramm je Quadratmeter. Diese Werte sind Bemessungswerte für die gesamte Deckenfläche und nicht für einen einzelnen Quadratmeter, und eine Decke verteilt Lasten mit. Auf einer Kellersohle aus Beton auf gewachsenem Boden ist ein Getränkeregal deshalb unkritisch. Auf einer Holzbalkendecke im Altbau oder im ausgebauten Dachgeschoss ist es das nicht, und diese Frage kann nur ein Tragwerksplaner beantworten, der die Konstruktion kennt.
Der zweite Punkt im Keller ist die Feuchtigkeit. Getränkekästen werden häufig direkt auf den Boden gestellt, und dort steht bei Starkregen als Erstes das Wasser. Ein Regal mit 15 Zentimetern Bodenfreiheit löst das Problem. Unbeschichtete Holzregale saugen sich in feuchten Kellern voll und schimmeln, verzinkte Steckregale nicht. Welche Bauart sich im Keller bewährt, steht im Beitrag zu Kellerregalen.
Kaufen oder selbst bauen?
- Kastenzahl festlegen. Zählen Sie, wie viele Kästen tatsächlich gleichzeitig im Haus sind, volle und leere zusammen. Die meisten Haushalte unterschätzen die Zahl der Leergutkästen.
- Kasten ausmessen. Nehmen Sie Breite, Tiefe und Höhe Ihres tatsächlichen Kastens ab. Zwischen einem Bierkasten und einem Normbrunnenkasten liegen 5 Zentimeter Breite.
- Last berechnen. Kastenzahl mal 17 Kilogramm ergibt die Gesamtlast. Dieser Wert muss unter der Feldlast des Regals bleiben.
- Bauart wählen. Für mehr als vier Kästen kommt praktisch nur ein Metallsteckregal oder ein Schwerlastregal in Frage.
- Stellplatz prüfen. Ebener Boden, Wand zum Verdübeln, mindestens 80 Zentimeter Gang davor. Kein Aufstellen vor Sicherungskasten oder Kellerfenster.
- Wandanker setzen. Bei Höhen über dem Fünffachen der Regaltiefe verdübeln Sie das Regal oben an der Wand.
- Nach der ersten Beladung kontrollieren. Böden auf Durchbiegung ansehen und alle Schraubverbindungen nachziehen.
Wer selbst bauen will, findet die Konstruktion mit Maßen und Materialliste im Beitrag zum Getränkekistenregal. Dort geht es um den Aufbau, hier um die Auswahl. Ein Punkt gilt für beide Wege: Prüfen Sie vor dem Zuschnitt oder vor der Bestellung, ob der Kasten wirklich durch die Kellertür passt, wenn Sie ihn waagerecht in Hüfthöhe tragen. Kellerabgänge mit engem Podest sind der häufigste Grund, warum ein gut geplantes Getränkelager am Ende doch in der Küche steht.
