Beim Kauf eines neuen Smartphones folgt fast automatisch die Frage nach dem Schutzpaket. Zehn Euro im Monat klingen überschaubar. Über zwei Jahre sind es 240 Euro, und damit liegt der Beitrag in der Größenordnung eines Mittelklassegeräts.

Die Verbraucherzentralen bewerten diese Produktgruppe eindeutig. Sie stufen Geräteversicherungen für Smartphones und Tablets als teuer und meist überflüssig ein und raten vom Abschluss ab. Dieser Text erklärt die Rechnung dahinter, benennt die Klauseln, die im Schadenfall greifen, und beschreibt, was stattdessen sinnvoll ist.
MerkeDieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Versicherungsberatung im Sinne von Paragraf 34d Gewerbeordnung. Ob und in welcher Höhe ein Schaden ersetzt wird, richtet sich allein nach den vereinbarten Versicherungsbedingungen und dem Versicherungsschein.
Was kostet die Police im Verhältnis zum Gerät?
Die Verbraucherzentrale nennt für Geräteversicherungen eine Beitragsspanne von 10 bis 30 Prozent des Verkaufspreises pro Jahr, abhängig vom Neuwert. Bei einem Smartphone für 1.000 Euro sind das 100 bis 300 Euro jährlich. Nach etwa zwei Jahren haben Sie damit den Neupreis des Geräts an Prämien überwiesen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einen konkreten Fall durchgerechnet. Für ein Gerät mit einem Kaufpreis von 519 Euro kostete eine Police über zwei Jahre 180 Euro, also 34 Prozent des Kaufpreises. Die Bedingungen sahen eine Selbstbeteiligung von 50 Euro vor und minderten den Zeitwert um 10 Prozent je angefangenem halbem Jahr. Bei einem Totalschaden nach anderthalb Jahren blieb eine Entschädigung von 313,30 Euro. Gezahlt hatte der Kunde bis dahin einen Großteil der 180 Euro Beitrag.
| Position | Wirkung auf die Entschädigung | Größenordnung |
|---|---|---|
| Jahresbeitrag | laufende Kosten unabhängig vom Schaden | 10 bis 30 Prozent des Kaufpreises pro Jahr |
| Selbstbeteiligung | wird je Schadenfall abgezogen | im gerechneten Beispiel 50 Euro, am Markt verbreitet 50 bis 150 Euro |
| Zeitwertabschlag | mindert die Entschädigung mit zunehmendem Alter | im gerechneten Beispiel 10 Prozent je halbem Jahr |
| Ersatzgerät statt Modell | Lieferung eines Geräts mit ähnlichem Leistungsumfang | teils generalüberholte Geräte |
| Diebstahlklausel | Leistung nur unter engen Voraussetzungen | häufig körpernahes Tragen gefordert |
| Verlust | in der Regel nicht versichert | vollständiger Ausschluss in den meisten Bedingungen |
Wann greift die Diebstahlklausel und wann nicht?

Diebstahl ist der Grund, aus dem viele Menschen die Police abschließen, und zugleich der Punkt, an dem sie am häufigsten scheitert. Einfache Tarife schließen Diebstahl gar nicht ein, er ist Bestandteil der teureren Pakete. Und selbst dort knüpfen die Bedingungen die Leistung an Voraussetzungen, die im Alltag schwer einzuhalten sind.
Die Verbraucherzentrale Hamburg beschreibt die gängige Praxis so: Versicherer verlangen regelmäßig, dass das Gerät körpernah getragen wurde und Sicherungsmaßnahmen aktiv waren. Ein Smartphone in der Handtasche während einer Bahnfahrt erfüllt diese Anforderung nach den Bedingungen vieler Anbieter nicht. Hinzu kommen Nachtzeitklauseln bei Diebstahl aus dem Fahrzeug, die die Leistung auf bestimmte Tagesstunden beschränken.
- Verlust: Ein liegen gelassenes oder verlorenes Gerät ist in den meisten Bedingungen ausgeschlossen. Es fehlt die versicherte Gefahr, weil kein Dritter zugegriffen hat.
- Unbeaufsichtigtes Gerät: Das Handy auf dem Café-Tisch, während Sie zur Theke gehen, gilt als unbeaufsichtigt. Die Definition steht im Bedingungswerk und ist streng.
- Zeitwert statt Neuwert: Erstattet wird meist der Wert zum Schadenzeitpunkt. Bei Smartphones sinkt dieser Wert schnell.
- Verschleiß und Akkuschwund: Nachlassende Akkuleistung und Abnutzung sind keine versicherten Schäden, sondern der bestimmungsgemäße Alterungsvorgang.
- Grobe Fahrlässigkeit: Nach Paragraf 81 Versicherungsvertragsgesetz darf der Versicherer die Leistung entsprechend der Schwere des Verschuldens kürzen, soweit der Vertrag nicht darauf verzichtet.
- Altersgrenze beim Abschluss: Viele Tarife versichern nur Geräte, die beim Abschluss wenige Wochen bis Monate alt sind, teils mit Vorlage des Kaufbelegs und Fotos.
Kündigungsfrist im Blick behalten. Geräteschutzverträge verlängern sich häufig automatisch, mit Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten. Die Verbraucherzentrale Hamburg dokumentiert einen Fall, in dem ein Kunde jahrelang für ein längst entsorgtes Gerät weiterzahlte. Notieren Sie den Kündigungstermin am Tag des Abschlusses, und beenden Sie den Vertrag, sobald Sie das Gerät verkaufen oder ersetzen.
Welche Rechte haben Sie ohne Versicherung?
Vor jeder Police stehen zwei Ansprüche, die nichts kosten. Der erste ist die gesetzliche Gewährleistung. Beim Kauf neuer Ware von einem Händler verjähren Mängelansprüche in der Regel zwei Jahre nach Übergabe. Im ersten Jahr wird nach Paragraf 477 Absatz 1 BGB vermutet, dass ein auftretender Mangel schon bei Übergabe vorlag. Der Händler müsste das Gegenteil beweisen. Das deckt Produktionsfehler und vorzeitige Ausfälle ab, nicht aber selbst verursachte Sturzschäden.
Der zweite ist die Herstellergarantie, eine freiwillige Zusage neben der Gewährleistung. Ihr Umfang steht in den Garantiebedingungen und reicht bei einzelnen Herstellern über zwei Jahre hinaus. Dritter Punkt: Bei Einbruchdiebstahl, Raub, Feuer oder Leitungswasser in der Wohnung greift die Hausratversicherung, und zwar für das gesamte Inventar einschließlich Elektronik. Sturzschäden durch eigene Unachtsamkeit sind dort allerdings nicht versichert.
Was ist der Unterschied zur Elektronikversicherung?
Die Handyversicherung ist auf ein einzelnes Mobilgerät zugeschnitten und wird als Endkundenprodukt beim Kauf oder Mobilfunkvertrag verkauft. Die Elektronikversicherung im fachlichen Sinn ist dagegen eine gewerbliche technische Versicherung. Sie folgt den Allgemeinen Bedingungen für die Elektronikversicherung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, arbeitet als Allgefahrendeckung und versichert einen ganzen Gerätebestand, meist ergänzt um Datenwiederherstellung und Mehrkosten.
Praktisch heißt das: Für Privathaushalte ist keines der beiden Produkte notwendig. Der gewerbliche Vertrag ist auf Betriebe zugeschnitten, der private Vertrag deckt ein Risiko ab, das die meisten Haushalte selbst tragen können.
Was stattdessen sinnvoll ist
- Hülle und Panzerglas kaufen. Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt statt der Police ausdrücklich eine gute Schutzhülle. Eine Hülle mit erhöhtem Rand über dem Display verhindert den häufigsten Schadenfall, den Sturz auf die Vorderseite. Wie Sie Displayschutz blasenfrei aufbringen, steht in der Anleitung zum Anbringen von Schutzfolien.
- Rücklage bilden. Legen Sie den Betrag, den die Police kosten würde, monatlich beiseite. Bei zehn Euro im Monat sind das nach drei Jahren 360 Euro und damit ein Reparaturbudget ohne Selbstbeteiligung und ohne Ausschlüsse.
- Reparaturpreise vorher prüfen. Displaytausch ist beim gleichen Modell je nach Werkstatt und Ersatzteilqualität sehr unterschiedlich teuer. Holen Sie zwei Angebote ein, bevor Sie das Gerät ersetzen.
- Ortungs- und Sperrfunktion einrichten. Aktivieren Sie die Geräteortung und notieren Sie die IMEI. Bei Diebstahl lassen Sie die SIM-Karte sperren und erstatten Anzeige, unabhängig davon, ob eine Police besteht.
- Backup automatisieren. Der teuerste Teil eines Handyschadens sind oft die Daten, und die ersetzt keine Police. Ein automatisches Backup kostet nichts und löst genau dieses Problem.
- Bestehende Verträge prüfen. Sehen Sie im Versicherungsschein Ihrer Hausratversicherung nach, welche Entschädigungsgrenzen für Elektronik und für die Außenversicherung gelten. Diese Angaben stehen dort und kosten keinen zusätzlichen Beitrag.
Wann kann eine Police trotzdem passen?
Es bleibt eine schmale Ausnahme. Wer ein sehr teures Gerät beruflich einsetzt und einen Ausfall nicht überbrücken kann, hat ein anderes Risikoprofil als ein Privathaushalt. Auch dann gilt: Prüfen Sie vorher drei Angaben im Bedingungswerk, nämlich die Selbstbeteiligung in Euro, die Formel für den Zeitwertabschlag und den genauen Wortlaut der Diebstahlklausel. Erst diese drei zusammen ergeben, was im Schadenfall ausgezahlt wird.
Für alle anderen bleibt die Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg maßgeblich: Auf diesen Versicherungsschutz können Sie verzichten. Kaufen Sie stattdessen eine Hülle für 25 Euro und richten Sie ein automatisches Backup ein.
