Bei Lackflecken lohnt sich ein Blick auf die Dose mehr als jedes Hausmittel. Denn Lack ist nicht gleich Lack, und die Frage, ob das Bindemittel in Wasser oder in einem Lösungsmittel schwimmt, entscheidet über alles Weitere.
Alle Lacke haben aber eines gemeinsam: Sie sind dafür gemacht, nach dem Trocknen einen dauerhaften, widerstandsfähigen Film zu bilden. Der Zeitfaktor ist deshalb bei keinem anderen Fleck so entscheidend.
Welchen Lack habe ich?
| Lacktyp | Erkennungsmerkmal | Lösungsmittel | Nach dem Aushärten |
|---|---|---|---|
| Acryllack, Dispersionslack | Reinigung mit Wasser laut Dose, geruchsarm | Wasser und Seife | schwer, nur aufweichen |
| Alkydharzlack, Kunstharzlack | starker Geruch, Verdünner laut Dose | Terpentinersatz, Verdünner | sehr schwer |
| Nitrolack | trocknet sehr schnell | Nitroverdünnung | sehr schwer |
| Zweikomponentenlack | zwei Komponenten zum Anmischen | vor dem Aushärten Verdünner | nicht mehr lösbar |
| Sprühlack | feiner Nebel, große Fläche | je nach Basis | meist nur Aufhellen |
Steht die Dose nicht mehr zur Verfügung, hilft ein einfacher Test an einer unauffälligen Stelle: Löst sich der noch feuchte Lack mit Wasser, ist er wasserbasiert. Passiert nichts, ist er lösemittelbasiert.
Frische Lackflecken
- Sofort handeln. Bei Lack zählt jede Minute mehr als bei jedem anderen Fleck.
- Überschuss abtupfen, mit Küchenpapier, nicht wischen.
- Saugfähiges Tuch unterlegen.
- Passendes Mittel auftragen: Wasser mit Seife bei Acryl, Terpentinersatz oder der angegebene Verdünner bei Kunstharz.
- Von außen nach innen tupfen und die Unterlage wechseln, sobald sie sich färbt.
- Mit Gallseife nacharbeiten und waschen.
Verdünner und Aceton greifen Acetat, Triacetat und Modacryl an und lösen diese Fasern auf. Prüfen Sie das Pflegeetikett und testen Sie an einer Innennaht. Auch Textilfarben lösen sich in Verdünner häufig mit. Lösungsmittel nur bei geöffnetem Fenster und fern von offenen Flammen einsetzen.
Ausgehärteter Lack
Ist der Film geschlossen, sinken die Chancen deutlich. Was bleibt, ist der Versuch, ihn wieder aufzuweichen und mechanisch zu entfernen.
- Mehrere Stunden mit dem passenden Verdünner tränken, das Textil dabei feucht halten.
- Glycerin als schonende Variante, es macht viele Lackfilme wieder geschmeidig.
- Vorsichtig abheben, mit dem Fingernagel oder einem stumpfen Messer, ohne die Faser aufzureißen.
- Reste ausbürsten, solange sie weich sind.
- Mehrfach wiederholen, statt kräftiger zu reiben.
Bei Zweikomponentenlacken hilft nichts davon. Sie härten chemisch aus und bilden ein Netzwerk, das sich nicht wieder auflösen lässt. Hier bleibt nur Ausbessern oder Abdecken.
Lack auf anderen Oberflächen
- Fensterglas: ausgehärteten Lack mit einem flach angesetzten Klingenschaber abziehen.
- Fliesen und Laminat: Kunststoffspachtel, notfalls mit dem passenden Verdünner aufweichen.
- Kunststofffenster: kein Aceton und kein Nitroverdünner, beide mattieren den Rahmen dauerhaft.
- Haut: Speiseöl einmassieren, dann mit Seife waschen. Keine Verdünner auf die Haut.
- Teppich: punktuell mit Verdünner betupfen, nicht tränken, sonst löst sich der Rückenkleber.
- Autolack: Fachbetrieb, jedes Lösungsmittel greift den Klarlack an.
TippBeim Lackieren gehört ein Lappen mit dem passenden Verdünner in Reichweite, nicht in den Keller. Der Unterschied zwischen einem Fleck, der in zwei Minuten behandelt wird, und einem, der bis zum Feierabend antrocknet, ist bei Lack der Unterschied zwischen sauber und dauerhaft.
Wasserbasierte Wandfarben verhalten sich ähnlich und werden im Ratgeber zu Wandfarbenflecken behandelt, Nagellack im Ratgeber zu Nagellackflecken. Die Systematik liefert die Übersicht zu den vier Fleckenarten.
