Beim Streichen entscheidet sich in wenigen Minuten, ob ein Farbspritzer ein Ärgernis oder ein Totalschaden wird. Der Unterschied liegt allein am Zustand der Farbe: feucht oder trocken.
Übliche Wandfarbe ist Dispersionsfarbe. Sie besteht aus Pigmenten und einem Kunststoffbindemittel, das in Wasser verteilt ist. Solange das Wasser da ist, lässt sich alles ausspülen. Verdunstet es, verbinden sich die Kunststoffteilchen zu einem geschlossenen Film, und genau dafür ist die Farbe gemacht: damit sie an der Wand bleibt.
Frische Farbspritzer
- Sofort handeln. Jede Minute zählt hier mehr als bei jedem anderen Fleck.
- Überschuss abtupfen, mit Küchenpapier, ohne zu reiben.
- Mit kaltem Wasser ausspülen, von der Rückseite durch das Gewebe.
- Milde Seife oder Spülmittel einarbeiten und erneut ausspülen.
- Wiederholen, bis kein Farbton mehr abgeht.
- Waschen, so warm wie das Pflegeetikett erlaubt.
Nicht warten und nicht antrocknen lassen. Ein feuchter Dispersionsfleck geht praktisch immer raus, ein getrockneter fast nie. Wenn Sie gerade keine Zeit haben, legen Sie das Kleidungsstück in kaltes Wasser, statt es beiseitezulegen.
Getrocknete Wandfarbe
Ist der Film einmal geschlossen, hilft kein Waschmittel mehr. Was bleibt, ist der Versuch, ihn aufzuweichen und mechanisch zu entfernen. Die Erfolgsaussichten sind begrenzt und hängen stark vom Gewebe ab.
- Mehrere Stunden in warmem Wasser einweichen, mit etwas Spülmittel oder Gallseife.
- Vorsichtig abheben, mit dem Fingernagel oder einem stumpfen Messer, ohne die Faser aufzureißen.
- Reste ausbürsten, mit einer weichen Bürste im aufgeweichten Zustand.
- Glycerin auf die Stelle geben und mehrere Stunden wirken lassen, es macht den Film wieder geschmeidig.
- Mehrfach wiederholen, statt mit Lösungsmitteln zu arbeiten.
Warum Lösungsmittel hier selten helfen
Der Griff zu Verdünnung, Terpentinersatz oder Aceton liegt nahe, ist bei Dispersionsfarbe aber meist falsch. Diese Mittel sind für Lackfarben gemacht und greifen den Kunststofffilm der Wandfarbe kaum an. Gleichzeitig können sie Gewebe beschädigen oder auflösen, insbesondere Acetat und Modacryl.
Bei Lackfarbe sieht es anders aus: Dort ist das passende Lösungsmittel der einzige Weg, und welches das ist, steht auf der Farbdose. Details dazu behandelt der Ratgeber zu Lackflecken.
Farbe auf anderen Oberflächen
| Untergrund | Frisch | Getrocknet |
|---|---|---|
| Textil | kaltes Wasser, Seife | einweichen, abheben, oft bleibt ein Rest |
| Laminat, Fliesen | feuchtes Tuch | mit Kunststoffspachtel abheben |
| Fensterglas | feuchtes Tuch | Klingenschaber flach ansetzen |
| Teppich | abtupfen, kaltes Wasser | Faserspitzen vorsichtig abschneiden |
| Haut und Haare | Wasser und Seife | Öl einmassieren, dann waschen |
| Kunststofffenster | feuchtes Tuch | kein Aceton, es mattiert den Rahmen |
TippVor dem Streichen lohnt sich alte Kleidung mehr als jedes Hausmittel danach. Und ein Eimer Wasser im Raum sorgt dafür, dass Spritzer sofort behandelt werden können, statt bis zum Feierabend anzutrocknen. Das ist bei Wandfarbe der einzige wirklich verlässliche Trick.
Warum Farbflecken zu den Pigmentflecken zählen, ordnet die Übersicht zu den vier Fleckenarten ein. Verwandt ist der Ratgeber zu Nagellackflecken, bei denen ebenfalls ein Lackfilm entsteht.
