Ein selbst gebauter Papierschirm sieht auf Fotos einfach aus. In der Werkstatt scheitert er an zwei Stellen. Erstens passt der Zuschnitt nicht: Wer ein Rechteck um einen konischen Ring wickelt, bekommt Falten unten und eine klaffende Naht oben. Zweitens passt die Aufnahme nicht zur Fassung, und der fertige Schirm hängt schief oder gar nicht. Beides sind Rechen- und Messaufgaben, keine Geschmacksfragen.

Wie berechnen Sie den Zuschnitt für einen konischen Schirm?
Ein Schirm, der oben enger ist als unten, ist geometrisch ein Kegelstumpf. Seine Abwicklung, also der flache Zuschnitt, ist kein Rechteck, sondern ein gebogener Streifen: ein Ausschnitt aus einem Kreisring. Sie brauchen dafür drei Maße. Den oberen Durchmesser nennen wir d1, den unteren d2, die Schräghöhe entlang der Mantellinie nennen wir s. Die Schräghöhe ist nicht die senkrechte Höhe des Schirms, sondern die Strecke am schrägen Rand.
Der äußere Radius des Zuschnitts ergibt sich als R gleich s mal d2 geteilt durch die Differenz aus d2 und d1. Der innere Radius ist einfach R minus s. Der Öffnungswinkel beträgt 180 Grad mal d2 geteilt durch R. Ein Rechenbeispiel: Bei einem oberen Durchmesser von 20 Zentimetern, einem unteren von 30 Zentimetern und einer Schräghöhe von 25 Zentimetern ergibt sich R gleich 25 mal 30 geteilt durch 10, also 75 Zentimeter. Der innere Radius beträgt 50 Zentimeter, der Winkel 180 mal 30 geteilt durch 75, also 72 Grad. Der Zuschnitt ist damit ein 72-Grad-Segment zwischen zwei Kreisbögen mit 50 und 75 Zentimetern Radius, zuzüglich einer Überlappung für die Naht.
MerkeNur bei einem geraden Zylinderschirm, bei dem oberer und unterer Durchmesser gleich sind, ist der Zuschnitt tatsächlich ein Rechteck. Seine Länge beträgt dann Durchmesser mal 3,1416 zuzüglich Überlappung. Sobald sich die Durchmesser um mehr als etwa 1 Zentimeter unterscheiden, ist ein Rechteck falsch, und die Falten am unteren Rand lassen sich nicht mehr wegdrücken.
Welche Aufnahme hat Ihre Leuchte?
Bevor Sie zuschneiden, klären Sie, wie der Schirm gehalten wird. Im Leuchtenbau ist M10 mal 1 das übliche Gewinde für Gewinderohre, Nippel und Schirmhalter, weshalb Zubehörteile verschiedener Anbieter meist zusammenpassen. Darüber hinaus gibt es mehrere Systeme, die sich nicht ohne Adapter mischen lassen. Messen Sie den vorhandenen Ring oder die Fassung deshalb aus, bevor Sie Teile bestellen.
| System | Typische Maße | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| E27-Fassungskit mit Doppelklemmring | Durchmesser 40 Millimeter, Höhe 55 Millimeter, Klemmring 60 Millimeter, Befestigung M10 mal 1 | Schirme, die direkt an der Fassung geklemmt werden |
| E14-Fassungskit | Kappe 13 Millimeter Durchmesser, Gewinderohr M10 mal 1 | Kleine Schirme an Tisch- und Wandleuchten |
| E14-Federring | Etwa 55 mal 20 Millimeter, für Öffnungen um 40 Millimeter | Gläser und Schirme mit runder Öffnung |
| Schraubring, auch Gewindering | Passend zu E27, E14, G9 und G4 | Schirm wird zwischen Ring und Fassung geklemmt |
| Schirmkreuz, auch Spinne | Zentrale Aufnahme mit M10 mal 1 | Große Schirme an Steh- und Pendelleuchten |
| Adapterring E27 auf E14 | Reduzierring | Wenn Schirmöffnung und Fassungsgröße nicht zusammenpassen |
Wie bauen Sie den Schirm zusammen?
- Ringe zuerst beschaffen. Kaufen oder retten Sie den oberen und unteren Ring, bevor Sie rechnen. Der reale Ringdurchmesser ist das Maß, nach dem sich alles Weitere richtet.
- Maße aufnehmen. Messen Sie beide Ringe außen und legen Sie die Schräghöhe fest. Prüfen Sie dabei, ob das Leuchtmittel danach noch genügend Abstand zum Papier hat.
- Zuschnitt anreißen. Schlagen Sie mit einer Schnur und einem Bleistift die beiden Kreisbögen auf dem Papier an. Ein Zirkel reicht bei Radien über 30 Zentimetern nicht.
- Überlappung zugeben. Geben Sie an einer Seite 15 bis 20 Millimeter für die Naht zu. Weniger hält nicht, mehr zeichnet sich im Gegenlicht als dunkler Streifen ab.
- Probewickeln ohne Kleber. Legen Sie den Zuschnitt um die Ringe und fixieren Sie ihn mit Klammern. Passt die Naht nicht, korrigieren Sie jetzt und nicht nach dem Kleben.
- Ringe einfassen. Falzen Sie am oberen und unteren Rand einen Streifen um, legen Sie ihn über den Ring und kleben Sie ihn nach innen. So bleibt die Kante sauber und der Ring unsichtbar.
- Naht verkleben und trocknen lassen. Arbeiten Sie mit einem Kleber, der transparent auftrocknet, und beschweren Sie die Naht, bis er wirklich fest ist. Heißkleber ist hier ungeeignet, weil er unter Wärme nachgibt.
Das Leuchtmittel entscheidet, nicht das Papier. Papier liegt mit seinen Zündtemperaturen im Bereich dessen, was Glüh- und Halogenlampen an der Oberfläche erreichen. Ein Papierschirm gehört deshalb ausschließlich über eine LED, und zwar mit freiem Kühlkörper. Die vollständigen Temperaturwerte und Abstände stehen im Beitrag zur Hängelampe aus Papier und werden hier bewusst nicht wiederholt. Denken Sie außerdem daran, dass ein späterer Leuchtmittelwechsel diese Rechnung aufhebt, wenn jemand eine alte Glühlampe einsetzt.
Welches Papier eignet sich, welches nicht?
- Transparentpapier: Gibt weiches, gleichmäßiges Licht. Es wellt sich bei Feuchtigkeit stark, weshalb Klebstoff sparsam und flächig aufgetragen werden muss.
- Japanpapier: Faserreich, sehr reißfest bei geringem Flächengewicht und mit sichtbarer Struktur im Gegenlicht. Es ist teurer, verzeiht aber Zugbelastung an der Naht.
- Pergaminpapier: Glatt und durchscheinend, formstabil, aber empfindlich gegen Knicke. Einmal gefaltet, bleibt die Linie sichtbar.
- Fotokarton: Hält die Form ohne Ringe, lässt aber kaum Licht durch. Sinnvoll nur, wenn das Licht nach oben und unten austreten soll.
- Bedrucktes und beschichtetes Papier: Lacke, Metallicfarben und Kaschierungen verhalten sich unter Wärme anders als das Trägermaterial. Für Schirme über Leuchtmitteln ungeeignet.
- Recyclingpapier und Zeitungspapier: Vergilbt schnell und wird unter Wärme spröde. Für ein Möbelstück, das jahrelang hängen soll, die schlechteste Wahl.
Was gilt, wenn Sie eine gekaufte Leuchte umbauen?
Eine im Handel erworbene Leuchte ist als Gesamtgerät geprüft und gekennzeichnet. Wenn Sie den Originalschirm gegen einen selbst gebauten tauschen, verändern Sie die Wärmeführung und damit eine Eigenschaft, die Teil dieser Prüfung war. Rechtlich heißt das: Der Nachweis des Herstellers deckt Ihren Umbau nicht mehr ab, und die Verantwortung für den sicheren Betrieb liegt bei Ihnen. Bleiben Sie deshalb bei den Abstandsangaben, die auf der Leuchte oder in ihrer Anleitung stehen, und überschreiten Sie die angegebene maximale Leistung des Leuchtmittels nicht.
Am elektrischen Teil ändern Sie am besten nichts. Fassung, Leitung und Zugentlastung bleiben, wie sie sind. Wer nur den Schirm tauscht, arbeitet an einem mechanischen Bauteil und braucht dafür keinen Fachbetrieb. Wer Fassungen tauscht, Leitungen kürzt oder Leuchten fest anschließt, bewegt sich dagegen im Bereich der Elektroinstallation. Für die Instandsetzung vorhandener Schirme gibt es eine eigene Anleitung zum Reparieren beschädigter Lampenschirme, und wer statt Papier ein Textil verwenden möchte, findet die Unterschiede im Beitrag zum Lampenschirm aus Stoffresten. Messen Sie vor dem Zuschnitt in jedem Fall den lichten Abstand zwischen Leuchtmittel und Papier und notieren Sie ihn, damit Sie ihn beim nächsten Leuchtmittelwechsel noch kennen.
