Stoffreste zu einem Lampenschirm zu verarbeiten ist eine der wenigen Upcycling-Ideen, bei denen aus einem Rest wirklich ein Gebrauchsgegenstand wird. Der Haken steckt nicht im Nähen. Er steckt darin, dass ein Textil direkt neben einer Wärmequelle hängt, und dass die meisten Anleitungen im Netz genau diesen Punkt auslassen.
Wie heiß wird es unter einem Lampenschirm wirklich?
Die Wärme kommt vom Leuchtmittel, nicht von der Leuchte. Und die Unterschiede zwischen den Bauarten sind gewaltig. Eine klassische Glühlampe setzt rund 95 Prozent der aufgenommenen Energie in Wärme um; ihr Glaskolben erreicht je nach Leistungsaufnahme etwa 220 Grad Celsius und mehr, einzelne Quellen nennen über 250 Grad. Halogenlampen liegen in derselben Größenordnung. Ein LED-Retrofit dagegen wird warm, aber nicht heiß, und vor allem an anderer Stelle: Die Verlustwärme entsteht am Sockel und im eingebauten Vorschaltgerät.
| Leuchtmittel | Wo es heiß wird | Typische Temperatur | Für einen Stoffschirm |
|---|---|---|---|
| Glühlampe, 40 bis 60 Watt | Gesamter Glaskolben | Etwa 220 Grad und mehr | Nicht verwenden |
| Halogenlampe | Kolben und Reflektor | Bis etwa 250 Grad | Nicht verwenden |
| LED-Retrofit E27 | Sockel und Kühlkörper | Tc-Punkt meist 60 bis 90 Grad | Geeignet, mit Abstand |
| LED-Filamentlampe | Sockel, Kolben bleibt kühler | Meist unter 90 Grad am Sockel | Geeignet, mit Abstand |
| Batterie- oder Solarleuchte | Praktisch keine Erwärmung | Handwarm | Unkritisch |
Dem gegenüber stehen die Zündtemperaturen der Materialien, die Sie verbauen wollen. Feuerwehrtabellen nennen für Zeitungspapier etwa 175 Grad, für Schreibpapier etwa 360 Grad und für Holz je nach Art 280 bis 340 Grad. Für Baumwolle liegen die Angaben weit auseinander: Eine Quelle nennt 221 Grad, eine andere 450 Grad. Nehmen Sie den niedrigen Wert als Rechengrundlage. Er liegt unter der Kolbentemperatur einer Glühlampe, und damit ist die Sache entschieden.
Achtung, Stoff ist Brandlast. Ein Textilschirm gehört ausschließlich über ein LED-Leuchtmittel. Ein Glüh- oder Halogenleuchtmittel im selben Schirm erreicht Temperaturen, die im Bereich der Zündtemperatur von Baumwolle liegen. Kritisch wird es besonders dann, wenn jemand später das Leuchtmittel tauscht und aus der Restekiste eine alte Glühlampe einsetzt. Kleben Sie deshalb einen Hinweis mit der maximal zulässigen Wattzahl und dem Vermerk "nur LED" in die Schirmfassung.
Was bedeutet das Abstandssymbol auf einer Leuchte?
Auf vielen Leuchten finden Sie ein Piktogramm mit einer Meterangabe, meist eine stilisierte Lampe mit Pfeil und einer Zahl wie 0,5 m oder 1,0 m. Es gibt den Mindestabstand zu angestrahlten Flächen an und ist nach DIN EN 60598 dann anzubringen, wenn durch die verwendeten Lampen oder die Bauart der Leuchte eine Überhitzungsgefahr besteht. Trägt eine Leuchte keine solche Angabe, ist damit ausgesagt, dass sie eine angestrahlte Fläche im Abstand von 1 Meter auf nicht mehr als 90 Grad Celsius erwärmt.
Für Sie als Selbstbauer ist das Symbol zweierlei. Erstens die Information, die Sie an einer gekauften Fassungsgarnitur ablesen. Zweitens der Maßstab, den Sie an Ihre eigene Konstruktion anlegen: Wenn eine Industrieleuchte ohne Kennzeichnung eine Fläche in 1 Meter Abstand unter 90 Grad hält, sagt Ihnen das nichts darüber, was Ihr selbst gebauter Schirm in 2 Zentimeter Abstand vom Kolben aushält. Das F-Zeichen für die Montage auf normal entflammbaren Baustoffen ist seit dem 12. April 2012 übrigens nicht mehr normativ vorgeschrieben; Leuchten nach aktueller Norm dürfen ohne besondere Kennzeichnung auf Holz montiert werden, sofern keine gegenteilige Warnung aufgedruckt ist.
Was dürfen Sie selbst verkabeln?
Die Grenze verläuft an der Deckendose. Eine Tisch- oder Stehleuchte mit Stecker dürfen Sie aus geprüften Fertigteilen zusammensetzen: Fassung mit VDE-Zeichen, fertig konfektionierte Anschlussleitung mit Stecker, Schalter, Zugentlastung. Was Sie nicht tun: Adern verdrillen und mit Klebeband isolieren, Lüsterklemmen frei im Schirm hängen lassen oder Metallteile ohne Schutzleiter verbauen. Bei Leuchten der Schutzklasse I muss jedes berührbare Metallteil am Schutzleiter hängen, bei Schutzklasse II gibt es keinen Schutzleiter, dafür eine doppelte Isolierung, die Sie durch eigene Bohrungen nicht durchbrechen dürfen.
Sobald es um den Anschluss an die feste Installation geht, also um die Deckendose, eine neue Leitung oder den Verteiler, ist Schluss. Diese Arbeiten sind Elektrofachkraftsache. Auch der bloße Leuchtmitteltausch verdient Sorgfalt; die Reihenfolge und die typischen Fehler stehen im Beitrag zum Austausch einer defekten Glühbirne. Wer die Elektrik ganz umgehen möchte, arbeitet mit Batterie-LEDs; wie belastbar solche Lösungen sind, zeigt der Artikel zu LED-Solarlichterketten.
Welcher Stoff eignet sich, welcher nicht?
- Baumwolle, mittelschwer: Der Klassiker. Popeline oder Halbleinen mit etwa 120 bis 200 Gramm pro Quadratmeter lässt sich sauber kaschieren und wirft ein warmes Licht. Dünne Voile-Stoffe zeigen jede Klebefalte.
- Leinen: Schöne Struktur, aber sperrig in der Rundung. Waschen Sie vorher, Leinen schrumpft beim ersten Waschgang deutlich.
- Synthetik, vor allem Polyester und Acryl: Schmilzt statt zu verkohlen und tropft dabei. Für Schirme in Leuchtennähe die schlechteste Wahl.
- Beschichtete oder bedruckte Stoffe: Kunststoffbeschichtungen und Plastisoldrucke können bei Dauerwärme weich werden und riechen. Testen Sie ein Stück 30 Minuten auf einer 60 Grad warmen Fläche.
- Schwer entflammbare B1-Ware nach DIN 4102-1: Sinnvoll, wenn Sie sie bekommen. Beachten Sie aber, dass eine chemische Imprägnierung nach etwa 3 bis 4 Jahren nachlässt und beim Waschen ausgewaschen wird. Nur Fasern mit dauerhaft eingebautem Flammschutz behalten die Eigenschaft.
- Kaschierfolie: Selbstklebende PVC-Folie mit Trägerpapier ist das übliche Trägermaterial für Stoffschirme. Sie hält den Stoff formstabil und macht das Ergebnis erst brauchbar.
Material, Maße und Kosten
Für einen zylindrischen Schirm mit 25 Zentimetern Durchmesser und 20 Zentimetern Höhe brauchen Sie:
| Teil | Maß oder Menge | Ungefähre Kosten |
|---|---|---|
| Stoffrest | Mindestens 85 x 25 Zentimeter | Rest, sonst 5 bis 10 Euro |
| Kaschierfolie, selbstklebend | 80 x 21 Zentimeter | 8 bis 15 Euro pro Bogen |
| Schirmringe, oben und unten | 2 Stück, 25 Zentimeter Durchmesser | 6 bis 14 Euro |
| Fassungsring E27 oder Steckring | Passend zum oberen Ring | Im Ringset enthalten |
| Doppelseitiges Klebeband, textil | Etwa 2 Meter | 3 bis 5 Euro |
| Wäscheklammern zum Fixieren | 10 bis 15 Stück | Vorhanden |
Der Umfang ergibt sich aus Durchmesser mal 3,14. Bei 25 Zentimetern Durchmesser sind das 78,5 Zentimeter. Rechnen Sie 1,5 Zentimeter Überlappung für die Klebenaht und je 2 Zentimeter Zugabe an Ober- und Unterkante zum Umschlagen, also 80 Zentimeter Folie und 85 Zentimeter Stoff.
Wie entsteht der Schirm Schritt für Schritt?
- Stoff vorbereiten. Waschen, trocknen und bügeln. Das nimmt den Schrumpf vorweg. Ein nicht gewaschener Baumwollstoff zieht sich später unter der Folie zusammen und wirft Wellen.
- Zuschnitt anzeichnen. Folie auf 80 x 21 Zentimeter schneiden, Stoff auf 85 x 25 Zentimeter. Fadenlauf parallel zur langen Kante legen, sonst verzieht sich der Schirm.
- Kaschieren. Trägerpapier der Folie an einer Schmalseite etwa 5 Zentimeter abziehen, Stoff mittig auflegen und mit einem Kunststoffrakel oder einem Lineal von der Mitte nach außen anstreichen. Dann in 10-Zentimeter-Schritten weiter abziehen und andrücken. Blasen bekommen Sie nur so heraus.
- Kanten schneiden. Die kaschierte Bahn auf das Endmaß beschneiden: Ober- und Unterkante mit je 1,5 Zentimeter Stoffüberstand über die Folie hinaus, die Seitenkanten bündig bis auf 1,5 Zentimeter Klebefalz.
- Ringe positionieren. Ringe auf die Innenseite legen und die Bahn locker um sie herumrollen. Prüfen Sie die Passung, bevor Sie kleben. Ein zu kurzer Zuschnitt lässt sich nicht mehr retten.
- Ringe einkleben. Doppelseitiges Klebeband auf die Ringe kleben, Bahn Stück für Stück anlegen und mit Wäscheklammern fixieren. Arbeiten Sie zu zweit, dann bleibt die Bahn in der Spur.
- Kante schließen. Den Stoffüberstand oben und unten nach innen über die Ringe schlagen und andrücken. Bei dicken Stoffen mit einem stumpfen Falzbein nachziehen.
- Naht setzen. Die Längsnaht mit doppelseitigem Klebeband schließen und die obenliegende Stoffkante vorher 5 Millimeter nach innen umbügeln, damit keine ausgefranste Kante sichtbar bleibt.
- Abstand prüfen. Leuchtmittel einsetzen, Leuchte 30 Minuten laufen lassen, dann mit dem Handrücken die Stoffinnenseite über der Lampe abtasten. Sie darf handwarm sein, nicht heiß. Bleiben Sie mit dem Stoff mindestens 3 bis 5 Zentimeter von der LED entfernt.
- Beschriften. Ein kleines Etikett mit "nur LED, maximal 10 Watt" in den Schirm kleben. Das ist der einzige Schutz gegen den späteren Leuchtmitteltausch durch jemand anderen.
MerkeRechnen Sie realistisch mit 2 bis 3 Stunden für den ersten Schirm, davon gut die Hälfte für das blasenfreie Kaschieren. Wer zwei Schirme nacheinander macht, braucht für den zweiten etwa 45 Minuten.
Wie lange hält ein selbst gebauter Stoffschirm?
Ehrlich betrachtet: Die Konstruktion ist haltbar, die Optik nicht unbegrenzt. Die Klebeverbindung zwischen Folie und Stoff bleibt bei Zimmertemperatur über Jahre stabil. Was altert, ist der Stoff selbst. Helle Baumwolle vergilbt unter Dauerlicht, besonders auf der Seite, die zum Fenster zeigt. Rechnen Sie bei täglicher Nutzung mit sichtbarer Verfärbung nach etwa 3 bis 5 Jahren. Staub setzt sich an der Innenseite ab und lässt sich dort schlecht entfernen, weil ein feuchtes Tuch die Kaschierung aufweichen kann. Absaugen mit Polsterdüse auf kleinster Stufe ist die einzige unkritische Reinigung.
Nicht haltbar ist die Idee, den Schirm zu waschen. Die Kaschierfolie löst sich, und der Stoff schrumpft ohne Trägermaterial. Ein Stoffschirm ist ein Verschleißteil, dessen Ringe Sie behalten und immer wieder neu beziehen. Genau darin liegt der Reiz für die Restekiste: Der teure Teil, nämlich die Ringe, bleibt. Weitere Verwendungen für kleinere Reste, die für einen Schirm nicht reichen, finden Sie unter Wanddeko aus Stoffresten. Notieren Sie sich zum Schluss den Ringdurchmesser und die Höhe auf einem Klebestreifen an der Innenseite, dann sparen Sie sich beim nächsten Bezug das Nachmessen.
