Ein Wohnzimmer wirkt selten wegen der Möbel eng, sondern wegen der Flächen. Wände und Decke machen den größten Teil dessen aus, was Sie sehen, und sie sind der billigste Teil der Einrichtung. Zwei Eimer Farbe kosten weniger als ein Regal und verändern mehr. Der Haken ist, dass Farbe nur dann funktioniert, wenn Sie die Richtung des Lichts und die Proportionen des Raums mitdenken.

Wie verändert Farbe die Proportionen eines Raums?
Der Grundmechanismus ist einfach. Helle Flächen reflektieren mehr Licht und treten optisch zurück, dunkle Flächen schlucken Licht und rücken näher. Daraus ergeben sich vier praktische Regeln, die sich in jedem Zimmer nachvollziehen lassen.
| Ziel | Maßnahme | Wirkung |
|---|---|---|
| Kleiner Raum soll größer wirken | Alle Wände hell und leicht kühl, Decke ebenfalls hell | Flächen treten zurück, Ecken verschwimmen |
| Hoher Altbauraum soll gemütlicher wirken | Decke deutlich dunkler als die Wände | Die Decke rückt optisch nach unten |
| Langer Schlauchraum soll kürzer wirken | Nur die kurze Stirnwand dunkel streichen | Die Stirnwand kommt näher, der Raum wirkt quadratischer |
| Schmaler Raum soll breiter wirken | Längswände hell, Stirnseiten farbig absetzen | Die Seitenwände treten zurück |
| Nordzimmer soll freundlicher wirken | Helle Töne mit warmem Unterton, im ganzen Raum gleich | Gleicht das kühle Nordlicht aus |
Die letzte Zeile ist die, die am häufigsten schiefgeht. Ein Zimmer mit Fenstern nach Norden bekommt Tageslicht mit hohem Blauanteil und ohne direkte Sonne. Ein an sich neutrales Grau kippt darin ins Kalte und wirkt schmutzig. Warme Untertöne wie Creme, Sand, gedämpftes Salbei oder ein sehr blasses Rosé fangen das ab. Nach Süden orientierte Zimmer vertragen dagegen kühlere Töne, weil das warme Sonnenlicht sie ausgleicht.
Welche Kennwerte stehen auf einem Farbeimer?
Die europäische Norm DIN EN 13300 klassifiziert Wand- und Deckenfarben für Innenräume nach vier Merkmalen: Nassabriebbeständigkeit, Deckvermögen, Glanzgrad und maximale Korngröße. Das ist der sachliche Teil des Kaufs und der einzige, mit dem sich Produkte verschiedener Hersteller vergleichen lassen.
| Nassabriebklasse | Schichtdickenverlust | Scheuerzyklen | Sinnvoll für |
|---|---|---|---|
| Klasse 1 | Höchstens 5 Mikrometer | 200 | Flure, Kinderzimmer, stark beanspruchte Wände |
| Klasse 2 | Über 5 bis 20 Mikrometer | 200 | Wohnzimmer mit Sofa an der Wand, Küche |
| Klasse 3 | Über 20 bis 70 Mikrometer | 200 | Normal genutzte Wohnräume |
| Klasse 4 | Höchstens 70 Mikrometer | 40 | Wenig beanspruchte Flächen |
| Klasse 5 | Über 70 Mikrometer | 40 | Decken und Räume ohne Berührung |
Beim Deckvermögen wird das Kontrastverhältnis bewertet, und zwar immer in Verbindung mit einer Ergiebigkeitsangabe in Quadratmetern je Liter. Klasse 1 erreicht mindestens 99,5 Prozent, Klasse 2 liegt zwischen 98 und 99,5 Prozent, Klasse 3 zwischen 95 und 98 Prozent, Klasse 4 darunter. Ohne die Ergiebigkeit ist die Klasse wertlos: Eine Farbe, die bei 6 Quadratmetern je Liter Klasse 1 erreicht, ist besser als eine, die dafür 10 Quadratmeter je Liter braucht.
MerkeFür ein Wohnzimmer ist Nassabriebklasse 2 in den meisten Fällen ausreichend, in Klasse 1 zahlen Sie für Scheuerfestigkeit, die eine Wohnzimmerwand selten braucht. Wichtiger ist ein gutes Deckvermögen, weil eine schlecht deckende Farbe drei Anstriche statt zwei erfordert. Flecken auf frisch gestrichenen Flächen sind ein eigenes Thema, dazu steht mehr im Beitrag über Wandfarbenflecken entfernen.
Wie viel Farbe verträgt ein Wohnzimmer?
- Eine Akzentwand: Der zurückhaltendste Eingriff. Wählen Sie die Wand ohne Fenster, denn Gegenlicht lässt jede Farbe flau aussehen.
- Sockelband: Ein farbiger Streifen bis auf etwa 90 bis 110 Zentimeter Höhe, darüber hell. Das beruhigt hohe Räume und verdeckt Gebrauchsspuren hinter Möbeln.
- Decke einbeziehen: Wer die Decke im Wandton mitstreicht, lässt die Raumkanten verschwinden. Das wirkt größer, kostet aber Kontrast.
- Nischen und Rücksprünge: Regalrückwände und Nischen dunkel abzusetzen erzeugt Tiefe, ohne dass der ganze Raum kippt.
- Textilien statt Anstrich: Vorhänge, Teppich und Kissen bringen Farbe ohne Leiter und lassen sich wieder austauschen.
- Holzflächen: Ein Wohnzimmertisch aus dunklem Holz nimmt jedem warmen Wandton die Beliebigkeit und wirkt wie eine gesetzte Farbe.
So gehen Sie beim Streichen vor
- Muster anlegen. Streichen Sie Testflächen von mindestens 50 mal 50 Zentimetern an zwei Wänden und beurteilen Sie sie morgens, mittags und bei Kunstlicht. Farbkarten in der Hand täuschen.
- Untergrund prüfen. Kreidet die alte Farbe beim Wischen mit der Hand ab, brauchen Sie einen Tiefengrund. Sonst zieht der neue Anstrich ungleichmäßig ein.
- Löcher schließen. Dübellöcher und Risse mit Spachtelmasse füllen, nach dem Trocknen mit Körnung 120 planschleifen und abstauben.
- Abkleben. Malerkrepp an Sockelleisten, Schaltern und Fensterrahmen. Ziehen Sie das Band ab, solange die Farbe noch feucht ist, dann reißt der Rand nicht aus.
- Kanten vorstreichen. Erst mit dem Pinsel eine Handbreit an allen Ecken, Kanten und Übergängen, danach die Fläche mit der Rolle. So bleiben keine hellen Streifen in den Ecken.
- Nass in nass rollen. Arbeiten Sie bahnenweise und setzen Sie jede neue Bahn in die noch feuchte Kante der vorherigen. Ansätze auf angetrockneter Farbe bleiben sichtbar.
- Zweiten Anstrich planen. Halten Sie die Trocknungszeit vom Etikett ein, meist mehrere Stunden. Streichen Sie den zweiten Auftrag quer zur Richtung des ersten.
- Holzteile zuletzt. Fensterrahmen und Türen kommen nach den Wänden an die Reihe. Wie das bei Holz sauber gelingt, steht im Beitrag darüber, wie man Holzfenster richtig streicht.

Farbtöne sehen im Eimer anders aus als an der Wand. Eine große Fläche wirkt fast immer kräftiger und dunkler als das Muster auf der Karte, weil sich das Licht zwischen den Wänden mehrfach bricht und die Farbe verstärkt. Wählen Sie deshalb einen Ton heller, als Sie zunächst möchten. Bei abgetönten Mischfarben gilt zusätzlich: Kaufen Sie die gesamte Menge in einem Ansatz und notieren Sie die Rezeptnummer, sonst weicht die Nachbestellung sichtbar ab.
Was tun, wenn die Farbe nicht gefällt?
Überstreichen ist möglich, kostet bei dunklen Tönen aber Aufwand. Ein kräftiges Blau oder Rot verlangt zwei bis drei Anstriche in Weiß, oft zusätzlich einen Absperrgrund, weil Pigmente durchschlagen. Rechnen Sie damit, bevor Sie sich für einen sehr dunklen Ton entscheiden. Wer flexibel bleiben will, streicht nur eine einzelne Wand oder arbeitet mit abnehmbaren Elementen wie Vorhängen und Teppichen. Notieren Sie in jedem Fall Hersteller, Farbton und Rezeptnummer auf einem Klebeband an der Innenseite der Schranktür im selben Raum. Beim nächsten Ausbesserungsversuch in zwei Jahren ist das die nützlichste Information, die Sie haben.
