Alte Fensterflügel sind ein dankbares Ausgangsmaterial: Sie sind bereits ein fertiger Rahmen mit Füllung, sie haben Sprossen, die das Feld unterteilen, und sie kosten auf dem Bauhof oft nichts. Wenn Sie den grundsätzlichen Aufbau eines Faltschirms suchen, also Flügelbreiten, Lattenquerschnitte und Scharnierabstände für einen Neubau aus Rahmenholz, steht das im Beitrag zum Wandschirm aus Holz. Hier geht es um das, was sich ändert, wenn Sie stattdessen alte Fenster verwenden. Und das ist vor allem eines: das Gewicht.

Wie schwer wird ein Paravent aus Fensterflügeln?
Floatglas hat eine Dichte von rund 2.500 Kilogramm je Kubikmeter. Das ergibt eine handliche Faustformel: 2,5 Kilogramm je Quadratmeter und Millimeter Glasdicke. Eine 3 Millimeter starke Scheibe wiegt also 7,5 Kilogramm je Quadratmeter, eine 4 Millimeter starke 10 Kilogramm. Dazu kommt das Rahmenholz mit Beschlägen und Farbschichten.
Die Glasfläche ist kleiner als das Flügelformat, weil der Rahmen einen Teil einnimmt. Rechnen Sie überschlägig mit 80 Prozent des Außenmaßes.
| Flügelformat | Glasfläche etwa | Glas bei 3 Millimetern | Glas bei 4 Millimetern | Ein Flügel gesamt | Paravent aus drei Flügeln |
|---|---|---|---|---|---|
| 50 mal 120 Zentimeter | 0,48 Quadratmeter | 3,6 Kilogramm | 4,8 Kilogramm | 8 bis 9 Kilogramm | 24 bis 27 Kilogramm |
| 60 mal 140 Zentimeter | 0,67 Quadratmeter | 5,0 Kilogramm | 6,7 Kilogramm | 11 bis 13 Kilogramm | 33 bis 39 Kilogramm |
| 70 mal 160 Zentimeter | 0,90 Quadratmeter | 6,8 Kilogramm | 9,0 Kilogramm | 14 bis 16 Kilogramm | 42 bis 48 Kilogramm |
| Ausgeglast, Stoff bespannt | entfällt | entfällt | entfällt | 4 bis 7 Kilogramm | 12 bis 21 Kilogramm |
Die Werte für den kompletten Flügel sind Schätzungen, weil Holzart, Profilquerschnitt und Zahl der Farbschichten stark schwanken. Wiegen Sie einen Flügel auf einer Personenwaage, bevor Sie Scharniere kaufen. Diese eine Zahl bestimmt anschließend alles Weitere.
Warum ist das alte Glas ein Problem?
Weil es Floatglas ohne Vorspannung ist. Einscheibensicherheitsglas zerfällt bei Bruch in stumpfe Krümel, Verbundsicherheitsglas hält die Scherben in der Folie. Altes Fensterglas tut beides nicht. Es bricht in lange, spitze Stücke, und ein umkippender Paravent verteilt diese Stücke auf Kopf- und Kniehöhe in einem Raum, in dem sich Menschen bewegen.
Sie haben drei Möglichkeiten, und alle drei sind vertretbar.
- Splitterschutzfolie: Folie nach DIN EN 12600 auf die Rückseite ziehen. Sie hält die Splitter im Verbund, wenn die Scheibe bricht. Verbreitete Stärken beginnen bei etwa 100 Mikrometern.
- Ausglasen und bespannen: Kitt entfernen, Scheibe herausnehmen, Stoff oder Rattangeflecht in den Falz setzen. Das Gewicht sinkt auf ein Drittel bis die Hälfte.
- Acrylglas einsetzen: Bei einer Dichte von 1,19 Gramm je Kubikzentimeter wiegt Acrylglas rund 1,2 Kilogramm je Quadratmeter und Millimeter, gegenüber 2,5 Kilogramm bei Floatglas. Es splittert nicht, verkratzt aber leicht.
- Milchglasfolie: Wenn Sie das Glas behalten, verwandelt eine selbstklebende Sichtschutzfolie die klare Scheibe in eine blickdichte Fläche. Sie ersetzt jedoch keine Splitterschutzfolie.
- Alter Kitt: Leinölkitt trocknet über Jahrzehnte aus und hält die Scheibe irgendwann nicht mehr im Falz. Prüfen Sie ihn und setzen Sie im Zweifel Glaserstifte alle 15 bis 20 Zentimeter oder schrauben Sie schmale Leisten auf.
In Räumen mit Kindern oder Haustieren gehört Floatglas nicht in einen frei stehenden Paravent. Ein Faltschirm ist ein Möbel, gegen das man läuft, an dem man sich abstützt und das beim Spielen umgestoßen wird. Ein Flügel mit 13 Kilogramm und einer ungesicherten Scheibe ist an dieser Stelle eine ernsthafte Verletzungsgefahr. Glasen Sie in diesem Fall aus oder ersetzen Sie die Scheiben durch Acrylglas. Eine Splitterschutzfolie ist der Mindeststandard, keine Freigabe für den Kinderbereich.
Was ist mit dem alten Anstrich?
Bleihaltige Beschichtungen wurden auf Holzbauteilen lange verwendet, in den alten Bundesländern bis etwa 1960, in den neuen bis 1990. Solange die Schicht fest sitzt, geht davon keine Gefahr aus. Trockenes Schleifen, Bürsten oder Abbrennen mit Heißluft erzeugt dagegen Bleistaub, und der ist gesundheitsschädlich. Die ausführliche Einordnung mit Testmöglichkeiten und schonenden Verfahren steht im Beitrag zum Schmuckschrank aus altem Fenster, deshalb hier nur die Kurzfassung: Erst prüfen, dann entscheiden, und im Zweifel überstreichen statt abtragen.
Wenn Sie neu lackieren wollen, ist die Reihenfolge dieselbe wie beim Fenster selbst. Welcher Aufbau auf altem Holz hält und warum Anstriche trotzdem abplatzen, steht im Beitrag zum Streichen von Holzfenstern.
Bauanleitung in zehn Schritten
- Flügel auswählen. Drei Flügel mit gleicher Höhe und möglichst gleicher Breite suchen. Unterschiedliche Höhen lassen sich kaschieren, unterschiedliche Rahmenstärken nicht, weil die Scharniere dann nicht fluchten.
- Substanz prüfen. Mit einer Ahle in die unteren Ecken drücken. Gibt das Holz weich nach, sitzt dort Fäulnis, und der Flügel taugt nicht als tragendes Bauteil.
- Wiegen. Jeden Flügel auf die Personenwaage stellen. Notieren Sie das Gewicht, es bestimmt Scharniere und Schraubenlänge.
- Beschläge abbauen. Bänder, Riegel, Griffe und Wetterschenkel abschrauben. Alte Schlitzschrauben aufheben, sie sind schwer zu ersetzen.
- Glas entscheiden. Folie aufziehen, ausglasen oder Acrylglas einsetzen. Diese Entscheidung fällt vor der Oberflächenbehandlung, nicht danach.
- Reinigen statt schleifen. Lauwarmes Wasser mit Spülmittel und weiche Bürste. Mechanisch bearbeiten erst, wenn die Bleifrage geklärt ist.
- Oberfläche behandeln. Zwei dünne Schichten Wasserlack oder Lasur, dazwischen die Trockenzeit des Herstellers abwarten, meist 4 bis 6 Stunden.
- Scharniere setzen. Drei Wechselscharniere je Fuge, jeweils 15 Zentimeter vom oberen und unteren Rand und eines mittig. Löcher mit 2,5 Millimetern vorbohren, Schrauben 4 mal 30 Millimeter aus Edelstahl. Zwei Scharniere reichen bei diesem Gewicht nicht.
- Füße anbringen. Unter jeden Flügel zwei Filzgleiter mit 25 bis 30 Millimetern Durchmesser. Bei Flügeln über 12 Kilogramm besser eine quer angeschraubte Fußleiste von 25 bis 30 Zentimetern Länge, die den Schirm gegen Kippen sichert.
- Aufstellen und testen. Im Zickzack aufstellen, jede Fuge um mindestens 30 Grad öffnen. Danach mit der flachen Hand in Brusthöhe gegen den mittleren Flügel drücken. Beginnt der Schirm zu wandern, ist der Öffnungswinkel zu klein.

MerkeAusglasen ist die unterschätzte Variante. Ein dreiteiliger Paravent aus Flügeln von 60 mal 140 Zentimetern wiegt mit Glas 33 bis 39 Kilogramm und mit Stoffbespannung nur 12 bis 21 Kilogramm. Sie können ihn dann allein umstellen, er beschädigt keinen Boden, und die Verletzungsgefahr entfällt. Der Vintage-Charakter des Rahmens bleibt vollständig erhalten.
Wie bleibt der schwere Schirm stehen?
Ein Faltschirm steht durch seine Geometrie, nicht durch sein Gewicht. In eine Ebene aufgeklappt hat er keine Tiefe und kippt bei der ersten seitlichen Berührung um. Im Zickzack dagegen stützen sich die Flügel gegenseitig, und die Standfläche wächst mit jedem Grad Öffnungswinkel.
Das Gewicht hilft dabei nur bedingt. Es erhöht zwar die Reibung am Boden, aber es erhöht auch die Wucht beim Umfallen. Ein Paravent mit 39 Kilogramm, der auf einen Couchtisch kippt, richtet mehr Schaden an als einer mit 15 Kilogramm. Halten Sie deshalb an drei Punkten die Regeln ein: Öffnungswinkel je Fuge mindestens 30 Grad, keine Aufstellung auf Hochflorteppich, auf dem der Schirm einsinkt und schief steht, und kein Anlehnen von Gegenständen an die Außenflügel.
Zur Bodenfrage: Alte Fensterflügel haben oft unebene, teils morsche Unterkanten. Ohne Gleiter drücken diese Kanten Punktlasten in Parkett und Vinyl. Filzgleiter verteilen die Last und erleichtern das Verschieben.
Ein letzter Hinweis zum Transport. Ein Flügel von 70 mal 160 Zentimetern wiegt 14 bis 16 Kilogramm und ist sperrig. Tragen Sie ihn zu zweit, senkrecht und an den Längsseiten gefasst, niemals waagerecht an den kurzen Kanten. Waagerecht getragen biegt sich der Rahmen durch, und der alte Kitt lässt die Scheibe los.
