Ein alter Schrank hat für ein Puppenhaus das richtige Grundmaß: feste Seitenwände, waagerechte Böden, eine offene Front nach dem Ausbau der Türen. Was in den meisten Bauanleitungen fehlt, ist die Reihenfolge. Wer zuerst streicht und tapeziert und die Standsicherheit auf später verschiebt, hat am Ende ein hübsches Möbel, das ein Kind auf sich ziehen kann. Deshalb steht hier die Sicherung an erster Stelle.

Warum muss ein Puppenhaus aus einem Schrank an die Wand?
Ein Standschrank steht im Alltag deshalb sicher, weil niemand daran zieht. Ein Puppenhaus kehrt das um. Kinder spielen an der obersten Etage, stellen sich auf den untersten Boden, hängen sich an die Kante und ziehen dabei den Schwerpunkt nach vorn und nach oben. Kommoden und Schrankmöbel wiegen im beladenen Zustand häufig über 100 Kilogramm. Kippt ein solches Möbel, kann ein Kind eingeklemmt und schwer verletzt werden.
Die europäische Norm DIN EN 14749 legt für Schrankmöbel im Wohnbereich Anforderungen an die Standsicherheit fest. Sieht ein Hersteller eine Wandbefestigung vor, ist deren Montage keine Empfehlung, sondern Voraussetzung für die zugesagte Sicherheit. Bei einem umgebauten Altmöbel gibt es keinen Hersteller mehr, der dafür einsteht. Die Verantwortung liegt vollständig bei Ihnen.
Achtung, Kippgefahr geht vor Gestaltung. Verankern Sie den Schrank, bevor Sie ihn einrichten und bevor ein Kind ihn zum ersten Mal sieht. Zwei Befestigungspunkte im oberen Drittel, jeweils rund 10 Zentimeter von den Außenkanten entfernt, sind das Minimum. Der Schrank steht sonst genau in dem Zeitraum ungesichert, in dem er für Kinder am interessantesten ist.
Wie sichere ich den Schrank richtig an der Wand?
- Untergrund bestimmen. Bohren Sie ein Probeloch. Beton und Vollziegel tragen viel, Lochziegel und Porenbeton verlangen Spezialdübel, Gipskarton braucht Hohlraumdübel oder eine Befestigung im Ständer. Welcher Dübel wohin gehört, steht im Ratgeber welchen Dübel für welche Wand.
- Winkel oder Gurte wählen. Stahlwinkel mit zwei Schrauben je Seite sind steifer als Textilgurte. Gurte sind zulässig, sofern sie stramm sitzen; ein durchhängender Gurt lässt den Schrank erst einmal kippen und fängt ihn dann ruckartig ab.
- Im oberen Drittel befestigen. Je höher der Befestigungspunkt sitzt, desto kleiner ist die Kraft, die er aufnehmen muss. Unten befestigt wirkt der Schrank wie ein Hebel gegen die Schraube.
- Rückwand prüfen. Dünne Hartfaserrückwände von 3 bis 5 Millimetern tragen nichts. Schrauben Sie den Winkel in den massiven Korpus, also in Seitenwand oder Oberboden, nicht in die Rückwand.
- Fußleiste beachten. Steht der Schrank wegen der Fußleiste 2 Zentimeter von der Wand ab, brauchen Sie ein Distanzstück. Ohne Distanzstück verbiegt sich der Winkel beim Anziehen und verliert seine Steifigkeit.
- Belastungsprobe machen. Ziehen Sie oben mit beiden Händen kräftig nach vorn, danach seitlich. Nichts darf sich lösen, die Schrauben dürfen sich nicht mitdrehen. Wiederholen Sie diese Probe einmal im Jahr.
Welche Altlasten stecken in alten Schränken?
Zwei Stoffe sind hier maßgeblich, und beide betreffen genau die Möbel, die sich zum Umbau anbieten: alt, günstig, aus dem Keller oder vom Sperrmüll.
| Stoff | Wo er steckt | Zeitraum | Was Sie tun |
|---|---|---|---|
| Formaldehyd | Leim in Spanplatten, MDF, Sperrholz | Platten aus der Zeit vor Anfang der 1980er Jahre | lüften, Schnittkanten versiegeln, im Zweifel nicht ins Kinderzimmer |
| Blei | Deckende Anstriche in Weiß, Grau, Gelb, Rot, Schwarz | Innenanstriche bis 1921 zulässig, Beschichtungen allgemein bis 1989, DDR-Farben bis 1990 erhältlich | nicht trocken schleifen, nicht abbrennen, überstreichen statt abtragen |
| Alte Holzschutzmittel | Kellerschränke, Gartenmöbel, Dachbodenholz | vor allem 1960er bis 1980er Jahre | im Kinderzimmer nicht verwenden |
Zum Formaldehyd: Seit Anfang der 1980er Jahre dürfen in Deutschland nur Holzwerkstoffplatten in Verkehr gebracht werden, die den Grenzwert von 0,1 ppm einhalten, das ist die Emissionsklasse E1 und entspricht rund 125 Mikrogramm je Kubikmeter Raumluft. Ältere Platten unterlagen dieser Grenze nicht. Wichtig ist außerdem, dass die Ausgasung mit steigender Temperatur und Luftfeuchte zunimmt und sich die Emissionen aller Quellen im Raum addieren. Ein Kinderzimmer mit Teppich, Laminat, Bett und Schrank kann also über dem Wert liegen, obwohl jedes Einzelteil ihn einhält.
Zum Blei: Für Innenanstriche war Bleiweiß in Deutschland ab 1921 verboten, vollständig untersagt wurde Blei in Beschichtungen erst 1989. In den alten Bundesländern wurden bleiweißhaltige Beschichtungen bis in die 1960er Jahre verwendet, in der DDR waren entsprechende Farben bis 1990 erhältlich. Betroffen sind nicht nur weiße Lacke; auch Grau, Gelb, Rot und Schwarz konnten Bleipigmente enthalten. Gefährlich wird der Anstrich erst, wenn er abblättert oder abgeschliffen wird, weil dann bleihaltiger Feinstaub entsteht, den Kinder über die Hände aufnehmen.
MerkeEin intakter Altanstrich, der fest sitzt und nicht kreidet, ist ungefährlicher als ein abgeschliffener. Wenn Sie unsicher sind, tragen Sie nichts ab. Reinigen Sie die Fläche feucht, schleifen Sie nur mattierend mit Nassschliff an und setzen Sie darauf einen deckenden, sperrenden Anstrich. Der Altlack bleibt dann eingeschlossen.
Wie bereite ich den Schrank her, ohne Staub zu verteilen?
- Baujahr klären: Fragen Sie nach Herkunft und Alter des Möbels. Alles vor 1990 behandeln Sie vorsorglich als bleiverdächtig, alles vor 1980 zusätzlich als formaldehydverdächtig.
- Draußen arbeiten: Schleifen, Sägen und Bohren gehören auf Terrasse, Balkon oder in die Garage, nicht ins Kinderzimmer. Legen Sie eine Folie unter und entsorgen Sie sie samt Staub.
- Nass statt trocken: Nassschliff bindet den Staub. Trockenes Schleifen und Abbrennen erzeugen die höchsten Belastungen durch Bleistaub und Bleirauch und sind bei Verdacht tabu.
- Atemschutz: Bei Schleifarbeiten an Altlack tragen Sie eine Maske der Klasse FFP3. Eine einfache Papiermaske hält Feinstaub nicht zurück.
- Kinder fernhalten: Während der gesamten Arbeiten und bis die Flächen feucht abgewischt sind, hat niemand Kleines Zutritt.
- Kanten versiegeln: Offene Spanplattenkanten gasen am stärksten aus. Umleimer, Kantenlack oder ein deckender Anstrich reduzieren das deutlich.
- Lüften vor dem Einzug: Lassen Sie das fertige Puppenhaus mehrere Tage bei geöffnetem Fenster stehen, bevor es ins Kinderzimmer kommt. Das gilt auch für frisch aufgetragene Lacke und Kleber.
Welche Kleinteile sind bei kleinen Kindern gefährlich?
Nach DIN EN 71-1 gilt als Kleinteil alles, was vollständig in einen Prüfzylinder mit 31,7 Millimetern Innendurchmesser passt. Dieses Maß bildet den Rachen eines Kleinkindes nach. Spielzeug für Kinder unter drei Jahren darf keine ablösbaren Kleinteile enthalten. Ein Puppenhaus ist dabei doppelt betroffen: durch die Einrichtung und durch das Möbel selbst.
Prüfen Sie deshalb alles, was sich lösen kann. Dazu gehören Möbelknöpfe, Rollen und deren Achsstifte, Schraubenabdeckkappen, Miniaturmöbel, Perlen, Magnete und Knopfzellen aus beleuchteten Bastelsätzen. Magnete und Knopfzellen sind die gefährlichsten Einzelteile überhaupt, weil sie im Körper Verätzungen verursachen; sie haben in einem selbstgebauten Puppenhaus für Kleinkinder nichts zu suchen. Verwenden Sie stattdessen aufgemalte Details und geklebte statt gesteckte Verbindungen. Für die Aufbewahrung der Einrichtung eignet sich eine flache Kiste, wie sie im Beitrag Spielzeugkiste aus Obstkisten beschrieben ist.

Was ist beim Umbau des Korpus zu beachten?
Beim Entfernen der Türen bleiben Topfbandtöpfe als 35-Millimeter-Löcher in der Seitenwand zurück. Verschließen Sie sie mit Abdeckkappen oder eingeleimten Holzscheiben, sonst greifen Kinder hinein. Scharnierschrauben, die nach innen ragen, kürzen oder ersetzen Sie. Sägen Sie neue Zwischenböden aus Multiplex oder Leimholz statt aus dünner Spanplatte; 15 bis 18 Millimeter Stärke tragen die Belastung, wenn sich ein Kind aufstützt. Runden Sie alle offenen Kanten mit einem Radius von rund 2 Millimetern ab.
Die Rückwand ist der zweite Schwachpunkt. Alte Hartfaserrückwände von 3 Millimetern Stärke halten den Korpus nicht in Form. Ersetzen Sie sie durch 6 bis 8 Millimeter Sperrholz und verschrauben Sie es umlaufend im Abstand von rund 15 Zentimetern. Der Korpus wird damit gegen Verschieben ausgesteift, was für die Kippsicherung ebenso wichtig ist wie die Wandverankerung. Weitere Hinweise zum Umarbeiten von Korpusmöbeln stehen im Beitrag Küchenschrank aus alten Möbeln.
Zuletzt die Standfläche: Stellen Sie das Puppenhaus nicht auf einen hochflorigen Teppich. Der Flor gibt unter Last nach und kippt den Schrank nach vorn an, bevor die Wandbefestigung greift. Ein fester Untergrund und zwei Winkel oben sind die Kombination, die trägt.
