Ein Regalsystem ist mehr als ein Regal. Es ist die Entscheidung, nach welchem Raster Sie in den nächsten zehn Jahren Stauraum ergänzen. Wer das erste Feld kauft, kauft die Regeln mit: Lochraster, Fachhöhen, Trägerform, Ersatzteilversorgung. Dieser Beitrag stellt die vier gängigen Bauarten gegenüber und sagt, wofür sie taugen. Die Details zu einzelnen Bauformen stehen in den jeweiligen Beiträgen, hier geht es um die Systementscheidung davor.

Welche Regalsysteme gibt es überhaupt?
Die Bauarten unterscheiden sich weniger im Aussehen als in der Frage, wo die Last landet. Bei Wandschienen trägt die Wand, bei Steck- und Schraubregalen der Rahmen und der Boden.
| System | Prinzip | Typische Fachlast | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Wandschienensystem | Senkrechte Schienen an der Wand, Konsolen einhängbar | bis rund 55 Kilogramm bei Schwerlastausführungen | Höhen frei wählbar, kein Bodenkontakt, leicht zu reinigen | Traglast hängt vollständig an Dübel und Wandaufbau |
| Steckregal | Winkelprofile und Böden werden ineinandergesteckt | je nach Baureihe 50 bis über 300 Kilogramm | Werkzeuglos montiert und ohne Aufwand erweiterbar | Meist unlackierter Industrielook, wenig wohnraumtauglich |
| Schraubregal | Winkelprofile und Böden werden verschraubt | bis rund 100 Kilogramm | Günstiger als vergleichbare Stecksysteme | Deutlich längere Montagezeit, Schrauben können bei Überlast versagen |
| Modul- und Würfelsystem | Geschlossene Korpusse werden nebeneinander gestellt oder gestapelt | meist 20 bis 30 Kilogramm je Boden | Wohnraumtauglich, mit Türen und Schubladen kombinierbar | Geringe Traglast, hohes Eigengewicht, feste Rastermaße |
| Kragarmregal | Einseitig auskragende Arme an einer Säule | je nach Auslegung sehr hoch | Ideal für lange Güter wie Rohre, Leisten, Bretter | Braucht zwingend Bodenverankerung, kein Wohnraummöbel |
Die Wahl entsteht meist aus der Kombination von Last und Raum. Im Keller mit 40 Kilogramm je Boden und einer freien Wand ist ein Steckregal die naheliegende Lösung. Im Wohnzimmer mit Büchern über einer Heizung ist es ein Wandschienensystem, weil darunter der Heizkörper zugänglich bleibt. Die Bauformen und Lastklassen der Metallvarianten sind im Beitrag zu Steckregalen im Detail beschrieben.
Was bedeuten Fachlast, Feldlast und Punktlast?
Diese drei Begriffe entscheiden darüber, ob ein Regal hält, und sie werden regelmäßig verwechselt.
- Fachlast: das Höchstgewicht eines einzelnen Fachbodens, immer bei gleichmäßig über die Fläche verteilter Last. Steht auf dem Karton "150 kg", ist fast immer dieser Wert gemeint.
- Feldlast: das Gesamtgewicht, das ein komplettes Regalfeld zwischen zwei Rahmen aufnehmen darf. Sie ist nicht die Summe aller Fachlasten, sondern liegt oft deutlich darunter.
- Punktlast: Gewicht, das auf kleiner Fläche steht, etwa ein Getränkekasten auf vier Ecken oder eine Maschine auf Füßen. Fachlastangaben gelten dafür ausdrücklich nicht.
- Durchbiegung: wächst mit der dritten Potenz der Stützweite. Ein 120 Zentimeter breites Feld biegt sich unter gleicher Last erheblich stärker durch als ein 80 Zentimeter breites.
- Eigengewicht: zählt bei der Feldlast mit. Schwere Vollholzböden verbrauchen einen Teil der zulässigen Last, bevor Sie überhaupt etwas hineinstellen.
MerkeRechnen Sie vor dem Kauf einmal ehrlich zusammen, was in das Regal soll. Ein laufender Meter Aktenordner wiegt rund 26 Kilogramm, ein voller Getränkekasten bis zu 17 Kilogramm, ein Meter Taschenbücher etwa 20 bis 25 Kilogramm. Fünf solcher Ebenen ergeben schnell 100 bis 175 Kilogramm je Feld. Danach wählen Sie das System, nicht umgekehrt.
Wie gut lässt sich ein System später erweitern?
Erweiterbarkeit ist der wirtschaftliche Kern der Systemfrage. Bei Steck- und Schraubregalen unterscheiden Hersteller zwischen Grundfeld und Anbaufeld. Das Anbaufeld nutzt einen Rahmen des Nachbarfelds mit und braucht deshalb nur zwei statt vier Ständer. Es ist entsprechend günstiger. Voraussetzung ist, dass Sie beim selben System und derselben Baureihe bleiben.
Wandschienensysteme sind in der Fläche am flexibelsten. Sie hängen eine weitere Konsole ein, wo Sie sie brauchen, und ergänzen Böden in beliebigen Höhen. Die Grenze liegt nicht am System, sondern an der Wand: Jede zusätzliche Schiene braucht Dübel, die zum Wandaufbau passen. In Gipskarton ohne Unterkonstruktion ist bei leichten Lasten Schluss.
Modulsysteme aus Korpussen sind am unflexibelsten, weil das Rastermaß fest ist. Ein Modul von 40 Zentimetern Breite ergänzt sich nur in 40er-Schritten. Dafür können Sie Türen, Schubladen und offene Fächer mischen. Wer hier später erweitert, stößt oft auf ein anderes Problem: Der Hersteller hat das Dekor gewechselt, und das neue Weiß passt nicht zum alten.

Wie stark binden Sie sich an einen Hersteller?
Bei Wandschienen gibt es zwei verbreitete Lochbilder: einreihige und zweireihige Schienen. Konsolen sind innerhalb einer Bauart oft zwischen Herstellern austauschbar, aber nicht garantiert. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Schiene und Konsole aus derselben Serie stammen, und kaufen Sie Ersatzkonsolen lieber gleich mit.
Bei Möbelkorpussen ist das System 32 der gemeinsame Nenner: Lochreihen im Abstand von 32 Millimetern, üblicherweise 37 Millimeter von der Vorderkante, Bohrungen mit 5 Millimetern. Wer danach gebohrte Möbel kauft, bekommt Bodenträger überall. Bei Steck- und Schraubregalen aus dem Baumarkt sind Profile dagegen fast nie kompatibel. Die Zahnung der Winkelprofile ist herstellerspezifisch, und schon eine geänderte Baureihe desselben Herstellers passt oft nicht mehr.
Der praktische Rat daraus: Kaufen Sie beim ersten Mal ein Feld mehr, als Sie brauchen, wenn Sie absehbar erweitern werden. Regalbaureihen laufen im Handel häufig nach wenigen Jahren aus, und dann steht neben dem alten Feld ein neues mit anderer Fachhöhe.
Wann muss ein Regal an die Wand?
Für Regale nennt die DGUV Regel 108-007 ein Höhen-Tiefen-Verhältnis von 5 zu 1 als Grenze, ab der eine Sicherung gegen Umstürzen erforderlich ist. Ein Regal mit 40 Zentimetern Tiefe darf danach freistehend etwa 200 Zentimeter hoch sein, ein Regal mit 30 Zentimetern Tiefe nur rund 150 Zentimeter. Die Sicherung erfolgt über Wandbefestigung, Bodenverdübelung oder eine Kopplung mit dem Nachbarregal.
Die Traglast eines Wandschienensystems steht und fällt mit dem Dübel. Die Angabe von rund 55 Kilogramm je Boden gilt für die Schiene selbst. Ob diese Last in der Wand ankommt, entscheidet der Untergrund: Vollziegel, Lochziegel, Porenbeton, Gipskarton und Holzständerwerk verhalten sich vollkommen verschieden. Setzen Sie so viele Befestigungspunkte, wie die Schiene Löcher hat, nicht nur den obersten und den untersten. Bei Lasten über 50 Kilogramm an einer Gipskartonwand ohne Unterkonstruktion ist das Vorhaben ohne zusätzliche Traglattung nicht seriös umsetzbar.
Wie wählen Sie das passende System aus?
- Lagergut wiegen. Ermitteln Sie die tatsächliche Last je Ebene. Bücher, Akten und Getränke sind schwer, Textilien und Kartons leicht.
- Raumhöhe und Tiefe messen. Aus Tiefe mal fünf ergibt sich die Höhe, bis zu der ein Regal ohne Sicherung freistehen darf.
- Wandaufbau bestimmen. Klopfen, anbohren, Bohrmehl ansehen. Ohne diese Information können Sie kein Wandsystem planen.
- Bauart festlegen. Bis 30 Kilogramm je Boden reicht ein Modulsystem, bis 55 Kilogramm ein Wandschienensystem, darüber gehört ein Steck- oder Schraubregal her.
- Erweiterung mitdenken. Prüfen Sie, ob es Anbaufelder gibt und ob die Baureihe seit mehreren Jahren im Programm ist.
- Stützweite begrenzen. Bei Holzböden über 80 Zentimetern freier Länge lieber eine Mittelstütze oder eine dickere Platte einplanen.
- Kippsicherung beschaffen. Wandwinkel, Schrauben und passende Dübel gehören zur Bestellung, nicht zum Nachkauf.
- Nach der Beladung nachziehen. Schraubregale setzen sich. Alle Verbindungen nach der ersten Vollbeladung kontrollieren.
Welches System passt in welchen Raum?
Im Keller und in der Garage ist verzinktes Metall die vernünftige Wahl, weil es Feuchtigkeit verträgt und hohe Fachlasten bietet. Im Wohnraum entscheidet die Optik mit, dort sind Wandschienensysteme mit Holzböden und Modulsysteme üblich. Im Bad gehört das Regal nicht direkt in den Spritzbereich, und unbeschichtete Spanplatte hat dort nichts verloren.
In der Werkstatt lohnt der Blick auf die Kombination: ein Schwerlastregal für Maschinen und Farbeimer, daneben ein Wandschienensystem für Kleinteile in Sichtlagerkästen. Für die schweren Positionen finden Sie die Lastklassen im Beitrag zu Schwerlastregalen, für die leichten Wandlösungen die Montagehinweise bei den Wandregalen.
Zum Abschluss ein Punkt, der sich in der Praxis auszahlt: Notieren Sie Baureihe, Fachlast und Feldlast auf einem Aufkleber an der Innenseite eines Ständers. In drei Jahren findet niemand mehr die Verpackung, und die Frage, ob dieses Regal 50 oder 150 Kilogramm je Boden trägt, lässt sich am Regal selbst nicht ablesen.
