Eine Schreibtischleuchte hat genau eine Aufgabe: Sie soll auf einer Fläche von etwa 60 mal 40 Zentimetern so viel Licht erzeugen, dass Sie ohne Anstrengung lesen und schreiben können, und dabei weder in Ihre Augen noch auf Ihren Bildschirm strahlen. Alles andere ist Gestaltung. Wenn Sie stattdessen eine Lampe selbst bauen wollen, finden Sie die handwerkliche Seite im Beitrag zur Schreibtischlampe aus einer Flasche. Dieser Text behandelt die Auswahl.

Wie viel Licht braucht ein Schreibtisch wirklich?
Die Zahl steht in der DIN EN 12464-1 in der Fassung von November 2021 und wird von der Arbeitsstättenregel ASR A3.4 aufgegriffen: Für Schreiben, Lesen und Datenverarbeitung gilt ein Wartungswert der Beleuchtungsstärke von 500 Lux. Wartungswert bedeutet, dass dieser Wert auch nach Jahren mit verschmutzten Reflektoren und gealterten Leuchtmitteln noch erreicht sein muss. Neu geplant wird deshalb höher.
Der Wert gilt für gewerbliche Arbeitsplätze. Für Ihr privates Arbeitszimmer ist er nicht rechtlich bindend, aber er ist der einzige belastbare Maßstab, den es gibt. Der übliche Fehler im Homeoffice ist die Annahme, die Deckenleuchte reiche. Sie reicht meist nicht: Unter einer mittig platzierten Deckenleuchte liegen auf der Tischplatte häufig nur 200 bis 300 Lux.
| Tätigkeit oder Bereich | Beleuchtungsstärke | Blendwert UGR | Farbwiedergabe |
|---|---|---|---|
| Schreiben, Lesen, Datenverarbeitung | 500 Lux | höchstens 19 | ab Ra 80 |
| Technisches Zeichnen | 500 bis 750 Lux | 16 bis 19 | ab Ra 80 |
| Empfangs- und Thekenbereich | 300 Lux | höchstens 22 | ab Ra 80 |
| Verkehrsweg, Flur | 100 Lux | höchstens 28 | ab Ra 40 |
Wie viel Lumen die Leuchte dafür braucht, lässt sich nicht sauber umrechnen, weil das Ergebnis vom Abstand, vom Reflektor und von der Tischoberfläche abhängt. Als grobe Orientierung nennen Anbieter für eine ergänzende Schreibtischleuchte 400 bis 500 Lumen. Verlassen Sie sich nicht darauf. Messen Sie stattdessen nach, wenn die Leuchte auf dem Tisch steht.
MerkeSie können die Beleuchtungsstärke mit einer Luxmeter-App am Smartphone grob prüfen. Legen Sie das Gerät flach auf die Tischplatte, dorthin, wo sonst das Papier liegt. Die Sensoren der Telefone sind nicht kalibriert und weichen erheblich ab, oft um mehrere zehn Prozent. Für die Frage, ob Sie bei 150 oder bei 500 Lux arbeiten, genügt das trotzdem.
Warum blendet eine helle Lampe, obwohl sie hell sein soll?
Weil Helligkeit und Blendung zwei getrennte Größen sind. Blendung entsteht, wenn im Blickfeld große Leuchtdichteunterschiede auftreten. Das Auge stellt sich auf die hellste Stelle ein, und alles andere wird dunkler wahrgenommen. Der Kennwert dafür ist der UGR, der Unified Glare Rating. Für Bildschirm- und Büroarbeit gilt UGR kleiner oder gleich 19, beim technischen Zeichnen wird 16 angesetzt.
Praktisch heißt das: Sie dürfen die Lichtquelle im Sitzen nicht sehen. Eine offene Glühfadenlampe im gläsernen Schirm sieht schön aus und ist am Schreibtisch ungeeignet. Brauchbare Leuchten haben entweder eine mattierte Abdeckung, eine Mikroprismenscheibe oder einen so tiefen Reflektor, dass die Lampe aus der Sitzhaltung verdeckt bleibt.
Der zweite Blendungstyp trifft den Bildschirm. Reflexblendung entsteht, wenn sich die Leuchte oder ein helles Fenster in der Displayoberfläche spiegelt. Glänzende Displays sind dafür anfälliger als matte. Die Gegenmaßnahme kostet nichts: Stellen Sie den Monitor so, dass Sie im ausgeschalteten Zustand keine Lichtquelle darin sehen, und richten Sie die Leuchte niemals frontal auf den Schirm.
Welche Farbtemperatur passt zum Arbeiten?
Für Büroumgebungen haben sich 3500 bis 4000 Kelvin eingebürgert, also neutralweißes Licht. Es enthält genug Blauanteil, um wach zu halten, wirkt aber nicht so kühl wie 5000 oder 6500 Kelvin. Vorgeschrieben ist das nicht, die Norm regelt die Lichtfarbe nicht als Grenzwert.
Für einen Arbeitsplatz, an dem Sie auch abends sitzen, ist eine Leuchte mit einstellbarer Farbtemperatur sinnvoll. Tagsüber 4000 Kelvin, abends 2700 bis 3000 Kelvin. Wenn Sie Farben beurteilen müssen, etwa beim Fotobearbeiten oder Nähen, gehen Sie bei der Farbwiedergabe über den Standard hinaus und wählen Ra 90 oder höher.
- Beleuchtungsstärke: 500 Lux auf der Arbeitsfläche als Zielwert, nachgemessen und nicht geschätzt.
- Blendung: Lichtquelle aus der Sitzhaltung nicht direkt sichtbar, Herstellerangabe UGR höchstens 19.
- Farbwiedergabe: mindestens Ra 80, für Farbbeurteilung Ra 90 und mehr.
- Farbtemperatur: 3500 bis 4000 Kelvin für die Arbeit, umschaltbar auf 2700 bis 3000 Kelvin für den Abend.
- Ausleuchtung: Der Lichtkegel muss die volle Breite der Arbeitsfläche abdecken, bei einem Standardschreibtisch also etwa 60 Zentimeter.
- Verstellbarkeit: Gelenkarm oder Schwanenhals, damit Sie den Winkel korrigieren können, statt den Kopf zu drehen.
- Flimmern: Halten Sie die Handykamera vor die eingeschaltete Leuchte. Laufende Streifen im Bild deuten auf starke Restwelligkeit hin.
Von welcher Seite muss das Licht kommen?
Von der Seite der nicht schreibenden Hand. Rechtshänder stellen die Leuchte links, Linkshänder rechts. Sonst steht die Schreibhand im Lichtweg und wirft ihren Schatten genau auf die Stelle, an der Sie gerade schreiben. Empfohlen wird ein seitlicher Versatz von mindestens 30 Zentimetern zur Mitte der Arbeitsfläche.
Bei reiner Bildschirmarbeit spielt der Handschatten keine Rolle, dafür wird die Position gegenüber dem Fenster wichtig. Der Bildschirm sollte im rechten Winkel zur Fensterfront stehen, damit Sie weder gegen das Fenster blicken noch das Fenster im Display sehen.

In sieben Schritten zum passenden Arbeitslicht
- Ist-Wert messen. Bei der üblichen Abendbeleuchtung die Beleuchtungsstärke auf der Tischplatte prüfen. Werte unter 300 Lux sind der Regelfall.
- Raumlicht zuerst. Erhöhen Sie die Grundhelligkeit, bevor Sie eine Punktleuchte kaufen. Ein heller Fleck in einem dunklen Raum zwingt die Augen zur ständigen Anpassung.
- Standort festlegen. Seite der nicht schreibenden Hand, mindestens 30 Zentimeter seitlicher Versatz, Kabelweg prüfen.
- Bauform wählen. Standfuß bei freier Tischfläche, Klemmfuß bei knappem Platz. Zur Klemmbefestigung und zur zulässigen Plattenstärke lesen Sie den Beitrag zu LED-Klemmleuchten.
- Kennwerte abgleichen. Lumen, UGR, Ra und Farbtemperatur aus dem Datenblatt notieren. Fehlen diese Angaben, fehlt die Grundlage für den Vergleich.
- Aufstellen und nachmessen. Leuchte einschalten, Beleuchtungsstärke erneut auf der Arbeitsfläche prüfen, Winkel korrigieren.
- Blendtest im Sitzen. Normale Arbeitshaltung einnehmen. Sehen Sie die Lichtquelle oder ihr Spiegelbild im Bildschirm, ändern Sie Position oder Neigung.
Finger weg von der Verkabelung. Arbeiten an der 230-Volt-Installation, also das Anschließen von Leuchten an Klemmdosen oder das Austauschen von Kabeln und Steckern, gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Steckerfertige Leuchten dürfen Sie selbst aufstellen. Beschädigte Zuleitungen, wackelnde Stecker oder heiß werdende Netzteile werden nicht repariert, sondern ausgetauscht.
Was die Lampe nicht lösen kann
Eine Schreibtischleuchte korrigiert keine falsche Sitzhöhe und keinen zu tief stehenden Monitor. Wenn Sie sich beim Lesen vorbeugen, prüfen Sie zuerst die Geometrie des Arbeitsplatzes, etwa mit dem Beitrag zum Schreibtisch und seiner richtigen Höhe. Erst danach ist das Licht die plausible Ursache.
Auch die Verteilung im Raum bleibt Aufgabe der Deckenbeleuchtung. Die Norm arbeitet mit abgestuften Zonen: Auf 500 Lux im Arbeitsbereich folgen 300 Lux in der unmittelbaren Umgebung. Wenn ringsum nur 50 Lux herrschen, ermüden die Augen trotz korrekt beleuchteter Tischplatte, weil sie bei jedem Blick vom Papier zum Regal neu adaptieren müssen. Zwei zusätzliche Lichtquellen im Raum sind hier wirksamer als eine noch stärkere Leuchte auf dem Tisch.
Ein letzter Punkt zum Reinigen: Staub auf Abdeckung und Reflektor kostet messbar Licht. Wischen Sie die Abdeckung zweimal im Jahr mit einem leicht feuchten Tuch ab, im ausgeschalteten und abgekühlten Zustand.
