Der Küchenschwamm ist in vielen Haushalten das am stärksten besiedelte Objekt überhaupt, stärker als der Toilettensitz. Das klingt nach Boulevard, ist aber gemessen. Ein Forschungsteam der Hochschule Furtwangen untersuchte 2017 vierzehn gebrauchte Küchenschwämme aus Privathaushalten und fand darin 362 verschiedene Bakterienarten. In der Spitze lagen die Dichten bei 5,4 mal 10 hoch 10 Zellen je Kubikzentimeter, also rund 54 Milliarden. Diese Größenordnung ist aus Stuhlproben bekannt. Der Grund ist banal: Ein Schwamm ist warm, feucht, nährstoffreich und hat auf kleinem Raum eine riesige innere Oberfläche. Genau hier setzt ein Schwammhalter an. Er kann die Keimzahl nicht auf null bringen, aber er verkürzt die Zeit, in der der Schwamm nass ist.

Wie stark ist ein Küchenschwamm wirklich besiedelt?
Die Furtwanger Arbeit erschien im Juli 2017 in Scientific Reports und entstand gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem Helmholtz Zentrum München. Untersucht wurden gebrauchte Haushaltsschwämme aus dem Raum Villingen-Schwenningen. Neben der reinen Zahl ist ein zweiter Befund wichtig: Man sieht und riecht die Belastung nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat später in eigenen Versuchen bestätigt, dass sich Testkeime ausgehend von geringen Ausgangszahlen innerhalb weniger Tage stark vermehren, ohne dass sich der Schwamm sichtbar verändert. Sogar eine mehrtägige Austrocknung überstanden Teile der untersuchten Bakterien.
Für den Alltag heißt das zweierlei. Erstens ist der Zustand eines Schwamms nicht am Aussehen ablesbar. Zweitens ist die einzige zuverlässige Maßnahme der Austausch. Alles andere, auch ein guter Halter, verschiebt nur die Kurve. Wer die Keimquelle grundsätzlich vermeiden will, greift zur Spülbürste statt zum Schwamm, denn ihre Borsten trocknen zwischen zwei Einsätzen deutlich schneller ab.
| Maßnahme | Wirkung | Haltbarkeit der Wirkung | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Ausdrücken und offen ablegen | Restwasser bleibt im Kern | Sehr kurz | Ungenügend |
| Halter mit Ablauf, hochkant | Wasser läuft ab, beide Seiten belüftet | Dauerhaft, solange trocken | Sinnvolle Basismaßnahme |
| Zwei Minuten in Wasser über 70 Grad Celsius | Deutliche Reduktion der Keimzahl | Tage, dann Wiederbesiedlung | Vom BfR genannt |
| Waschmaschine, 60 Grad Celsius, Pulverwaschmittel | Reduktion durch Hitze und Bleichmittel | Tage | Praktikabel im Wäschenetz |
| Mikrowelle | Kurzfristig sehr hohe Abtötung | Wenige Tage, dann Verschiebung des Artenspektrums | Umstritten, Brandgefahr |
| Austausch des Schwamms | Vollständig | Bis zur nächsten Besiedlung | Die einzige verlässliche Maßnahme |
Kann man Schwämme in der Mikrowelle desinfizieren?
Hier ist die ehrliche Antwort: umstritten. Kurzfristig funktioniert es. In Versuchen wurden im Mikrowellenherd nahezu alle Bakterien abgetötet. Das Problem beginnt danach. Die Furtwanger Gruppe fand ausgerechnet in Schwämmen, die von ihren Nutzern regelmäßig gereinigt wurden, also heiß ausgekocht oder in der Mikrowelle behandelt, einen höheren Anteil potenziell krankmachender Arten. Die naheliegende Erklärung ist eine Auslese. Wer die Hitzebehandlung übersteht, hat einen Vorteil und dominiert die schnell nachwachsende Gemeinschaft. Die Autoren empfahlen deshalb, Schwämme als Wegwerfartikel zu behandeln und wöchentlich zu ersetzen.
Dazu kommt ein praktisches Risiko. Ein Schwamm muss für die Mikrowelle vollständig durchnässt sein. Ein trockener oder halbtrockener Schwamm erhitzt sich lokal stark und kann zu qualmen oder zu brennen anfangen. Schwämme mit metallhaltigen Fasern oder Scheuervlies gehören ohnehin nicht in das Gerät. Wenn Sie zwischendurch reduzieren wollen, ist die vom Bundesinstitut für Risikobewertung genannte Variante die kontrollierbarere: mindestens zwei Minuten in Wasser über 70 Grad Celsius einlegen.
Nach rohem Fleisch, Fisch oder Ei ist der Schwamm Abfall. Salmonellen und Campylobacter überleben in feuchtem Schaumstoff mühelos. Haben Sie mit dem Schwamm eine Arbeitsfläche, ein Brett oder ein Behältnis abgewischt, das mit rohem Fleisch oder Fisch in Kontakt war, werfen Sie ihn weg. Verwenden Sie für solche Flächen besser Küchenpapier zum Einmalgebrauch. In Haushalten mit Säuglingen, älteren oder immungeschwächten Menschen sind kürzere Wechselintervalle angebracht.
Was macht einen brauchbaren Schwammhalter aus?
Die Anforderung ist einfach zu prüfen: Läuft das Wasser weg und kommt Luft an alle Seiten? Eine geschlossene Schale, in der sich eine Pfütze sammelt, verschlimmert die Lage, weil der Schwamm dauerhaft im Standwasser steht. Halter, die den Schwamm hochkant und mit möglichst wenig Auflagefläche halten, sind funktional im Vorteil. Modelle, die über den Beckenrand oder an die Innenseite der Spüle gehängt werden, lassen das Wasser direkt ins Becken laufen.
- Ablauf: Der Halter muss offen oder gelocht sein und darf kein Wasser sammeln. Prüfen Sie das, indem Sie einen nassen Schwamm einsetzen und nach zehn Minuten nachsehen.
- Auflagefläche: Je kleiner die Kontaktfläche zwischen Schwamm und Halter, desto besser trocknet die Unterseite. Gitter und Drahtbügel schlagen geschlossene Schalen.
- Position: Nicht unter dem Wasserhahn, weil jeder Spritzer den Schwamm wieder befeuchtet. Seitlich am Becken oder an der Wand daneben ist besser.
- Material: Edelstahl und Kunststoff lassen sich abspülen, Saugnapfhalterungen an glattem Keramik oder Edelstahl halten nur auf fettfreiem Untergrund.
- Reinigbarkeit: Der Halter selbst wird schmierig. Wählen Sie ein Modell, das Sie ohne Werkzeug abnehmen und in die Spülmaschine legen können.
- Kein Magnethalter am Beckenrand ohne Test: Viele Spülbecken bestehen aus austenitischem Edelstahl und sind nicht magnetisch. Halten Sie vorher einen Magneten an.
Routine für eine Woche
- Nach jedem Spülen ausspülen. Spülen Sie den Schwamm mit klarem, heißem Wasser durch und drücken Sie ihn kräftig aus. Speisereste sind das Futter für die Besiedlung.
- Hochkant einsetzen. Stellen Sie ihn so in den Halter, dass die größte Fläche senkrecht steht. Liegend trocknet nur die Oberseite.
- Zwei Schwämme rotieren. Wechseln Sie täglich zwischen zwei Schwämmen, dann hat jeder 24 Stunden Zeit zum Durchtrocknen.
- Aufgaben trennen. Einen Schwamm für Geschirr, einen anderen für Arbeitsflächen und Boden. Farbcodierung verhindert Verwechslungen.
- Wöchentlich waschen oder tauschen. Legen Sie den Schwamm mit den Küchentextilien in einem Wäschenetz bei 60 Grad Celsius in die Maschine, mit Pulverwaschmittel wegen des Sauerstoffbleichmittels. Danach spätestens nach einer weiteren Woche entsorgen.
- Halter mitreinigen. Nehmen Sie den Halter alle ein bis zwei Wochen ab und spülen Sie ihn heiß ab oder geben Sie ihn in die Spülmaschine. Unter dem Halter sammelt sich Biofilm.
MerkeEin Schwamm ist Verbrauchsmaterial im Wochenrhythmus, kein Gerät. Rechnen Sie ihn mit ein paar Cent je Woche ein und binden Sie den Wechsel an einen festen Tag, zum Beispiel an den Waschtag der Küchentextilien. Was Sie darüber hinaus an der Spüle sauber halten sollten, steht im Beitrag zur Spülbeckeneinlage.
Schwamm, Bürste oder Tuch: Was ist hygienisch im Vorteil?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt Bürsten und Mikrofasertücher als Alternativen mit niedrigerer Keimzahl, weil sie schneller trocknen. Eine Bürste hat kaum inneres Volumen, in dem Wasser stehen bleibt. Ein Tuch lässt sich flach aufhängen und ist bei 60 Grad Celsius waschbar. Der Schwamm dagegen ist konstruktionsbedingt ein Wasserspeicher, und genau das macht ihn beim Spülen angenehm und mikrobiologisch problematisch zugleich. Wenn Sie beim Schwamm bleiben, gleichen Sie das durch kurzes Wechselintervall und einen ablaufenden Halter aus. Welche Tuchtypen sich für welche Aufgabe eignen, steht im Beitrag zum Haushaltstuch.
Ein Hinweis zu antibakteriell ausgerüsteten Schwämmen: Belastbare Belege dafür, dass solche Ausrüstungen die Keimzahl im Haushalt dauerhaft niedrig halten, fehlen. Behandeln Sie sie im Zweifel wie jeden anderen Schwamm und halten Sie das Wechselintervall trotzdem ein. Konkret heißt das: Schwamm hochkant in den Ablaufhalter, spätestens nach sieben Tagen in den Restmüll.
