Ein Tablethalter aus einem alten Buch ist ein hübsches Objekt und in einer halben Stunde gebaut. Bevor Sie zum Cutter greifen, lohnt sich aber ein Zwischenschritt, den kaum eine Anleitung erwähnt: die Frage, was auf dem Tisch liegt. Ein ausgehöhltes Buch lässt sich nicht wiederherstellen, und der Unterschied zwischen einem beliebigen Buchclub-Nachdruck und einer Erstausgabe ist im Regal nicht immer auf den ersten Blick zu sehen.
Woran erkennen Sie, ob ein Buch Wert hat?
Sammlerwert entsteht nicht durch Alter allein. Ein Buch von 1890 in schlechtem Zustand aus einer Massenauflage ist wenig wert, ein Roman von 1970 als signierte Erstausgabe mit Originalschutzumschlag kann deutlich mehr bringen. Die Kriterien lassen sich in wenigen Minuten prüfen, wenn Sie wissen, wonach Sie suchen.
| Merkmal | Wo Sie es finden | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Auflagenangabe | Impressum auf der Rückseite des Titelblatts | Erstausgaben erzielen regelmäßig ein Vielfaches späterer Auflagen |
| Auflagenhöhe | Impressum, gelegentlich Nummerierung im Vorsatz | Kleine oder limitierte Auflagen sind besonders gesucht |
| Signatur oder Widmung | Vorsatzblatt, Titelblatt | Eine Autorensignatur steigert den Wert deutlich |
| Schutzumschlag | Außen, oft verloren gegangen | Der originale Umschlag ist bei modernen Erstausgaben ein großer Faktor |
| Erhaltungszustand | Rücken, Gelenke, Schnitt, Vorsatz | Steht bei der Bewertung über fast allem anderen |
| Herkunftsnachweis | Exlibris, Stempel, Begleitpapiere | Eine belegte Provenienz kann den Preis erhöhen |
Notieren Sie Autor, exakten Titel, Verlag, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr und Auflage und suchen Sie diese Angaben in einem Antiquariatsportal. Wenn dasselbe Buch dort dutzendfach für kleines Geld angeboten wird, können Sie unbesorgt schneiden. Bei Unsicherheit lassen Sie das Buch von einem Antiquariat einschätzen. Diese Prüfung kostet Sie eine Viertelstunde und verhindert den Fehler, der sich nicht korrigieren lässt.
Aushöhlen ist endgültig. Ein Buch, aus dem Seitenblöcke herausgeschnitten oder mit Kleber verblockt wurden, ist als Buch zerstört. Auch ein Sammler mit Interesse an genau diesem Titel kann daraus nichts mehr machen. Finger weg bei Erstausgaben, signierten Exemplaren, Büchern vor 1900, Familienbibeln, Widmungsexemplaren und allem, was Sie nicht selbst gekauft haben. Wenn Ihnen ein Buch etwas bedeutet, wählen Sie die zerstörungsfreie Variante weiter unten.
Wie schwer und wie groß ist ein Tablet wirklich?
Die Konstruktion muss zum Gerät passen, und dafür brauchen Sie zwei Zahlen. Aktuelle Tablets wiegen in der 11-Zoll-Klasse etwa 444 bis 477 Gramm, in der 13-Zoll-Klasse 582 bis 616 Gramm. Ältere Modelle und Geräte mit Schutzhülle liegen darüber, rechnen Sie mit einer Hülle 150 bis 250 Gramm dazu. Die Abmessungen liegen bei etwa 249 x 179 Millimetern für 11 Zoll und 281 x 215 Millimetern für 13 Zoll, die Bautiefe unter 8 Millimetern.
Daraus folgt die Statik. Ein hochkant aufgestelltes 13-Zoll-Gerät hat seinen Schwerpunkt etwa 100 bis 110 Millimeter über der Auflagefläche. Das Buch darunter ist im Standardformat rund 210 Millimeter hoch und 140 Millimeter breit. Steht das Tablet quer, ist es also doppelt so breit wie die Auflage tief ist. Ein Stoß gegen den Tisch, ein Zug am Ladekabel oder eine Berührung am oberen Bildschirmrand kippt das Gerät nach hinten. Ein Halter braucht deshalb entweder eine Rückenstütze oder zusätzliches Gewicht im Buchblock.
Wie bauen Sie die zerstörungsfreie Variante?
- Buch auswählen. Hardcover, mindestens 300 Seiten, Format ab 150 x 210 Millimetern. Der feste Einband ist die tragende Struktur.
- Aufschlagen und ausbalancieren. Schlagen Sie das Buch etwa mittig auf und stellen Sie es so ab, dass die Buchdeckel wie ein umgedrehtes V stehen. Der Öffnungswinkel bestimmt später den Bildschirmwinkel.
- Seitenblöcke sichern. Legen Sie je ein breites Gummiband um den vorderen und den hinteren Seitenblock, etwa 30 Millimeter vom Schnitt entfernt. Die Bänder halten die Seiten zusammen und bilden zugleich die Auflage.
- Auflagekante schaffen. Rollen Sie die untersten 20 bis 30 Seiten des vorderen Blocks nach vorn und klemmen Sie sie unter das Gummiband. Diese Rolle wird zur Kante, auf der das Tablet steht.
- Winkel einstellen. Für Lesen und Tippen bewährt sich ein flacherer Winkel von etwa 30 bis 45 Grad zur Tischebene, für Video ein steilerer von 60 bis 75 Grad. Verändern Sie den Öffnungswinkel des Buchs entsprechend.
- Rutschsicherung anbringen. Kleben Sie vier selbstklebende Filz- oder Gummifüße unter die Buchdeckelecken. Ohne sie wandert der Halter auf glatten Tischen.
- Kabelweg planen. Führen Sie das Ladekabel seitlich am Buch vorbei nach hinten, nicht nach vorn über die Auflagekante. Ein Kabel, das über die Kante zieht, kippt das Gerät.
- Kipptest machen. Tippen Sie mit dem Finger auf den oberen Bildschirmrand. Kippt der Aufbau, brauchen Sie ein schwereres Buch oder einen flacheren Winkel.
Und wenn es doch die geschnittene Variante sein soll?
Wenn das Buch geprüft und wertlos ist, gibt es zwei gängige Bauweisen. Bei der ersten wird der Seitenblock mit verdünntem Holzleim von außen an Schnitt und Rücken bestrichen und mit Gewicht beschwert getrocknet, bis er zu einem festen Block verklebt ist. In diesen Block wird anschließend eine Nut von 12 bis 15 Millimetern Breite und etwa 25 Millimetern Tiefe gefräst oder mit Stechbeitel und Cutter herausgearbeitet. Das Tablet steht dann in dieser Nut.
Bei der zweiten Bauweise werden zwei Bücher zu einer Winkelkonstruktion verschraubt, mit Winkelblechen und Holzleim, wobei ein Holzstab als Auflagekante dient. Diese Variante hält mehr Gewicht aus, weil die Last auf zwei Buchblöcke verteilt wird. In beiden Fällen gilt: Der verklebte Buchblock ist erheblich steifer als ein loser, verzieht sich aber, wenn der Leim einseitig aufgetragen wird. Arbeiten Sie deshalb symmetrisch und beschweren Sie beim Trocknen. Wer Buchseiten weiterverwenden will, ohne den Einband zu opfern, findet im Beitrag zum Notizbuch aus alten Buchseiten eine Alternative.
MerkeDie Nut für das Tablet wird mindestens 3 Millimeter breiter als die Bautiefe des Geräts mit Hülle. Ein aktuelles Tablet ist unter 8 Millimeter dick, mit Schutzhülle kommen schnell 15 Millimeter zusammen. Messen Sie Ihr Gerät nach, nicht das aus der Anleitung.
Woran scheitert ein Buchhalter im Alltag?
- Zu leichtes Buch: Ein Taschenbuch mit 200 Seiten wiegt weniger als das Tablet. Der Halter muss schwerer sein als das Gerät, sonst kippt die Kombination.
- Zu steiler Winkel: Über 75 Grad wandert der Schwerpunkt hinter die Auflagekante. Dann trägt nur noch die Rückenstütze.
- Feuchtigkeit: Papier zieht Wasser. Ein Buchhalter in der Küche neben dem Spülbecken wellt sich und verliert die Passung.
- Wärme: Ein Tablet gibt beim Laden Wärme ab. In einer engen Nut ohne Luftspalt staut sich diese Wärme am Gerätegehäuse.
- Kabelzug: Das Ladekabel ist die häufigste Kippursache. Führen Sie es nach hinten und legen Sie eine Schlaufe als Zugentlastung.
- Rutschen: Buchdeckel aus beschichtetem Karton gleiten auf lackierten Tischen. Filzgleiter sind kein Detail, sondern die halbe Standsicherheit.
Wenn Sie merken, dass die Konstruktion an ihre Grenzen kommt, ist der Wechsel zum Holzaufbau der ehrlichere Weg. Ein Halter aus Massivholz lässt sich auf das Gerät zuschneiden und trägt auch ein 13-Zoll-Tablet mit Tastaturhülle: Der Beitrag zum Tablethalter aus Holz beschreibt die Maße dafür. Für den Einsatz in der Küche, wo Feuchtigkeit und Fett dazukommen, ist ohnehin eine abwischbare Konstruktion sinnvoller, wie sie der Beitrag zum Kochbuchhalter aus Holz zeigt. Ein letzter messbarer Prüfpunkt für den fertigen Buchhalter: Stellen Sie ihn an die Tischkante und tippen Sie zehnmal kräftig auf den oberen Bildschirmrand. Bewegt sich der Aufbau dabei mehr als 5 Millimeter nach hinten, ist er für den Dauereinsatz zu leicht.
