Holzkisten sind als Möbelmaterial beliebt, weil sie kostenlos oder billig zu bekommen sind und ohne Zuschnitt auskommen. Bei einem TV-Ständer stößt dieser Ansatz allerdings an eine Grenze, die man nicht sieht: Der Fernseher steht auf zwei schmalen Füßen oder auf einer kleinen Mittelplatte, und dieses Gewicht drückt punktuell auf einen Kistenboden, der dafür nie gedacht war.

Tragen Weinkisten das Gewicht eines Fernsehers?
Nicht im Auslieferungszustand. Wein- und Obstkisten werden industriell mit Klammern oder Nägeln gefügt, weil das schnell und billig ist. Diese Verbindungen halten das Eigengewicht der Kiste samt Inhalt beim Transport, sie halten aber keine dauerhafte, punktuelle Last von oben. Unter Dauerlast arbeiten sich Klammern langsam aus dem Holz, und das merken Sie erst, wenn die Kiste schief steht.
Bevor Sie planen, brauchen Sie zwei Zahlen: das Gewicht Ihres Fernsehers und die Auflagefläche seiner Füße. Beide stehen im Datenblatt oder in der Aufbauanleitung. Die folgenden Werte sind Orientierungsgrößen und ersetzen die Herstellerangabe nicht.
| Bildschirmdiagonale | Typisches Gerätegewicht ohne Fuß | Übliche Fußbreite | Folge für den Ständer |
|---|---|---|---|
| 43 Zoll, etwa 109 Zentimeter | etwa 8 bis 12 Kilogramm | oft 60 bis 80 Zentimeter | Eine verstärkte Kistenreihe genügt meist |
| 55 Zoll, etwa 139 Zentimeter | etwa 13 bis 20 Kilogramm | oft 70 bis 100 Zentimeter | Durchgehende Deckplatte über den Kisten nötig |
| 65 Zoll, etwa 165 Zentimeter | etwa 20 bis 28 Kilogramm | oft 90 bis 120 Zentimeter | Deckplatte plus Wandsicherung dringend empfohlen |
| 75 Zoll, etwa 189 Zentimeter | etwa 30 bis 40 Kilogramm | oft 100 bis 130 Zentimeter | Kistenkonstruktion nur mit tragendem Unterbau sinnvoll |
Die praktische Konsequenz aus der Tabelle ist immer dieselbe: Eine durchgehende Deckplatte über den Kisten verteilt die punktuelle Last auf alle Seitenwände. Nehmen Sie dafür mindestens 18 Millimeter Multiplex oder Leimholz, ab 55 Zoll besser 21 bis 25 Millimeter. Ohne diese Platte drückt der Standfuß genau in die Mitte eines dünnen Kistenbodens.
Auf welcher Höhe steht der Fernseher richtig?
Die Augenhöhe im Sitzen liegt bei den meisten Menschen zwischen 90 und 120 Zentimetern über dem Boden, abhängig von Körpergröße und Sitzhöhe der Couch. Die Bildmitte, genauer das obere Drittel des Bildes, sollte auf dieser Linie liegen. Daraus rechnen Sie rückwärts: Ziehen Sie vom Augenhöhenwert die halbe Bildschirmhöhe ab, dann noch einmal 10 bis 20 Zentimeter für den Abstand zwischen Ständeroberkante und Bildschirmunterkante.
Für einen 55-Zoll-Fernseher mit etwa 68 Zentimetern Bildhöhe und einer Augenhöhe von 110 Zentimetern ergibt das grob: 110 minus 34 gleich 76 Zentimeter für die Bildunterkante, davon 12 Zentimeter Fußhöhe abgezogen, bleibt eine Ständeroberkante von rund 64 Zentimetern. Messen Sie Ihre eigene Augenhöhe im Sitzen aus, denn eine tiefe Loungecouch verschiebt den Wert um 20 Zentimeter nach unten. Wenn Sie die Höhe ohnehin nicht sinnvoll hinbekommen, ist die Wandmontage die bessere Lösung, dazu finden Sie eine Anleitung im Beitrag Flachbildfernseher an der Wand montieren.
Ein Fernseher auf einem selbstgebauten Ständer muss gegen Kippen gesichert werden. Der Schwerpunkt sitzt hoch, die Standfläche ist schmal, und ein Anstoßen oder ein Kind, das sich hochzieht, reicht aus. Verwenden Sie ein Kippsicherungsset mit Stahlseil oder Gurt: Ein Ende an den VESA-Gewinden auf der Rückseite des Fernsehers, das andere in einer tragenden Wand, nicht in einer Rigipsplatte ohne Hohlraumdübel. Wenn eine Wandbefestigung nicht möglich ist, sichern Sie zumindest den Fernseher am Ständer und den Ständer über eine breite Bodenplatte gegen Kippen.
Wie bekommen Sie Kabel und Belüftung in den Griff?
- Kabelausschnitt: Sägen Sie in die Rückwand jeder genutzten Kiste eine Öffnung von mindestens 60 mal 40 Millimetern. Bei Kisten ohne Rückwand entfällt das, dann brauchen Sie aber eine Führung, damit Kabel nicht durchhängen.
- Wandabstand: Halten Sie mindestens 8 Zentimeter Abstand zur Wand. HDMI-Stecker mit Knickschutz bauen nach hinten 4 bis 6 Zentimeter auf, und ein zu eng gestellter Ständer knickt das Kabel dauerhaft ab.
- Belüftung der Geräte: Receiver, Spielkonsolen und Verstärker geben im Betrieb Wärme ab. Die Herstellerangaben zum Mindestabstand stehen in der Bedienungsanleitung, üblich sind mindestens 5 bis 10 Zentimeter nach oben und hinten. Ein Gerät in einem geschlossenen Kistenfach ohne Rückwandöffnung erreicht diese Werte nicht.
- Steckdosenleiste: Legen Sie die Leiste nicht in ein geschlossenes Fach und nicht unter einen Kabelknäuel. Eine offene Befestigung an der Rückseite des Ständers ist besser als jede versteckte Lösung.
- Staub: Offene Kistenfächer setzen sich schnell zu. Rechnen Sie mit Absaugen oder Ausblasen der Lüftungsschlitze etwa alle drei Monate.
- Kabel nach unten: Wenn die Steckdose weiter entfernt liegt, führen Sie die Leitung in einem Kanal an der Sockelleiste entlang. Wie das sauber gelingt, beschreibt die Anleitung zum Anbringen von Kabelkanälen und Sockelleisten.

So bauen Sie den TV-Ständer aus Holzkisten
- Kisten prüfen und aussortieren. Drücken Sie jede Kiste diagonal zusammen. Was sich verwinden lässt, ist nur geklammert. Kisten mit Rissen im Boden oder losen Brettern kommen nicht in Frage.
- Verbindungen nacharbeiten. Setzen Sie in jede Ecke zusätzlich Schrauben, 3,5 mal 30 Millimeter bei dünnen Brettern, mit vorgebohrtem Kernloch von 2 Millimetern gegen Aufspalten. Alternativ oder ergänzend die Stoßkanten mit Weißleim benetzen und verspannen.
- Kisten untereinander verbinden. Nebeneinanderstehende Kisten mit vier Schrauben je Stoßstelle verbinden, gestapelte Kisten zusätzlich mit Flachverbindern aus Metall an den Innenseiten.
- Deckplatte zuschneiden. Eine durchgehende Platte über alle Kisten legen, mindestens 18 Millimeter stark, bei größeren Geräten 21 bis 25 Millimeter. Überstand vorn und seitlich je 1 bis 2 Zentimeter.
- Deckplatte verschrauben. Von unten durch die Kistenoberkante in die Platte schrauben, damit oben keine Schraubenköpfe sichtbar sind. Schraubenlänge so wählen, dass sie mindestens 5 Millimeter unter der Plattenoberfläche endet.
- Kabelöffnungen sägen. Mit einem Forstnerbohrer von 35 Millimetern zwei Löcher setzen und dazwischen mit der Stichsäge ausschneiden. Schnittkanten anschleifen, damit die Kabelisolierung nicht scheuert.
- Oberfläche behandeln. Alte Kisten gründlich abbürsten und mit Körnung 80, dann 120 schleifen. Splitter an Kanten vollständig entfernen. Hartwachsöl oder Klarlack auf Wasserbasis auftragen, zwei Aufträge mit Zwischenschliff.
- Kippsicherung montieren. Erst den Ständer an den endgültigen Platz stellen, dann Fernseher und Ständer sichern. Prüfen Sie die Sicherung nach dem ersten Monat noch einmal nach.
MerkeAlte Weinkisten aus dem Handel sind oft mit Stempelfarbe, Lack oder Holzschutzmittel behandelt, dessen Zusammensetzung Sie nicht kennen. Schleifen Sie solche Kisten nur im Freien oder mit Absaugung und Atemschutz. Kisten mit Brandgeruch, Ölflecken oder unbekannter Vorgeschichte gehören nicht ins Wohnzimmer, weil sich Gerüche über Jahre halten können.
Wann ist eine andere Lösung sinnvoller?
Ab etwa 30 Kilogramm Gerätegewicht wird die Kistenkonstruktion aufwendiger als ein einfacher gebautes Möbel aus Plattenmaterial, weil Sie ohnehin einen tragenden Unterbau brauchen. Auch bei sehr niedrigen Sitzmöbeln funktioniert der Stapel schlecht, weil eine einzelne Kistenreihe mit 30 bis 40 Zentimetern Höhe schon zu hoch sein kann. In beiden Fällen lohnt der Vergleich mit den Bauformen im Beitrag über den TV-Ständer.
Zum Abschluss zwei Zahlen, die Sie sich notieren sollten: Prüfen Sie die Standfestigkeit, indem Sie den Fernseher oben mit etwa 5 Kilogramm Zug nach vorn belasten. Bewegt sich der Ständer dabei, ist die Kippsicherung Pflicht und nicht optional.
