Eine Außenvoliere ist kein Möbelstück und kein Deko-Objekt im Garten. Sie ist die Wohnung von Tieren, die Sie nicht verlassen können. Deshalb steht am Anfang nicht die Frage nach dem Aussehen, sondern die nach dem Platz, dem Winterschutz und der Sicherheit gegen alles, was von außen hineinwill.

Welche Mindestmaße gelten für eine Voliere?
Fachliche Grundlage ist in Deutschland das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es ist kein Gesetz, sondern eine sachverständige Auslegungshilfe zu Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes, wonach Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen untergebracht werden müssen. Behörden ziehen das Gutachten regelmäßig als Maßstab heran.
Die Werte sind nach Körperlänge gestaffelt, nicht nach Artname. Messen Sie also von der Schnabelspitze bis zur Schwanzspitze und ordnen Sie Ihre Vögel danach ein.
| Gruppe | Körperlänge | Mindestmaß Breite mal Tiefe mal Höhe |
|---|---|---|
| Sittiche | unter 25 Zentimeter | 100 mal 50 mal 50 Zentimeter |
| Sittiche | 25 bis 40 Zentimeter | 200 mal 100 mal 100 Zentimeter |
| Sittiche | über 40 Zentimeter | 300 mal 100 mal 200 Zentimeter |
| Kurzschwänzige Papageien | unter 25 Zentimeter | 100 mal 50 mal 50 Zentimeter |
| Kurzschwänzige Papageien | 25 bis 40 Zentimeter | 200 mal 100 mal 100 Zentimeter |
| Kurzschwänzige Papageien | über 40 Zentimeter | 300 mal 100 mal 200 Zentimeter |
| Aras | unter 40 Zentimeter | 200 mal 100 mal 150 Zentimeter |
| Aras | 40 bis 60 Zentimeter | 300 mal 100 mal 200 Zentimeter |
| Aras | über 60 Zentimeter | 400 mal 200 mal 200 Zentimeter |
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind das Untergrenzen für ein Paar; jedes weitere Paar verlangt zusätzliche Fläche. Zweitens waren Wellensittich und Nymphensittich als domestizierte Arten von dem Gutachten aus dem Jahr 1995 ausdrücklich ausgenommen, weshalb für sie oft ersatzweise die Werte für Sittiche unter 25 Zentimeter herangezogen werden; eine verbindliche eigene Regelung dazu liegt nicht in derselben Form vor. Drittens hilft Höhe den Tieren weniger als Länge. Vögel fliegen waagerecht, nicht senkrecht. Eine Voliere von 4 Metern Länge und 1 Meter Tiefe ist besser als ein Turm gleicher Grundfläche.
Achtung, Mindestmaß ist nicht Wohlfühlmaß. Die Zahlen im Gutachten beschreiben die Untergrenze, unterhalb derer ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz naheliegt. Sie beschreiben nicht, was die Tiere brauchen, um sich normal zu verhalten. Wer ganzjährig draußen hält, sollte die Fläche deutlich großzügiger planen, weil sich Tiere im Winter im Schutzraum drängen und die Freifläche dann als Ausgleich fehlt. Klären Sie außerdem vor dem Bau die Meldepflichten: Viele Papageienarten fallen unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen und müssen bei der zuständigen Naturschutzbehörde gemeldet werden, bei Sittichen und Papageien kommt die Meldepflicht nach der Psittakose-Verordnung hinzu.
Warum braucht die Voliere einen Schutzraum?
Eine Freivoliere ohne angeschlossenen Innenraum ist eine Sommerlösung. Für die ganzjährige Außenhaltung verlangt das Gutachten einen isolierbaren und beheizbaren Schutzraum, den die Vögel jederzeit selbst aufsuchen können. Er erfüllt vier Aufgaben: Frostschutz, Windschutz, Schutz vor Dauerregen und ein trockener Ort für Futter und Wasser.
- Zugang: Die Öffnung zwischen Freiflug und Schutzhaus wird klein gehalten, damit möglichst wenig Wärme entweicht. Ein Schieber erlaubt es, die Tiere abends einzusperren, ohne sie einzufangen.
- Wärme: Welche Mindesttemperatur nötig ist, hängt stark von der Art und von der Eingewöhnung ab. Tropische Arten brauchen deutlich mehr als winterharte Prachtfinken. Klären Sie den Wert für Ihre Art mit einem vogelkundigen Tierarzt, statt eine allgemeine Zahl zu übernehmen.
- Licht: Im Winter ist es in Mitteleuropa zu kurz hell. Eine Beleuchtung im Schutzhaus, die einen längeren Tag simuliert, gehört zur Planung. Sie muss außerhalb der Reichweite der Schnäbel montiert sein.
- Trinkwasser: Bei Frost friert offenes Wasser innerhalb von Stunden zu. Der Trinkplatz gehört in den beheizten Teil.
- Kondensat: Ein dichtes, unbelüftetes Schutzhaus schimmelt. Planen Sie eine kleine, zugfreie Lüftungsöffnung im oberen Bereich.
Wie verhindern Sie, dass ein Vogel beim Betreten entweicht?
Durch eine Schleuse, nicht durch Vorsicht. Eine Schleuse ist ein kleiner Vorraum mit zwei hintereinander liegenden Türen: Sie treten ein, schließen die äußere Tür hinter sich und öffnen erst dann die innere. Fliegt ein Vogel mit in die Schleuse, können Sie ihn dort in Ruhe zurücksetzen. Die Schleuse sollte so tief sein, dass beide Türen nie gleichzeitig offen stehen müssen, also mindestens 100 Zentimeter. Zusätzlich helfen Weich-PVC-Lamellen oder ein Fliegenvorhang mit Magnetverschluss an der Innentür.
Türen schlagen grundsätzlich nach innen auf. Öffnet die Tür nach außen und ein Vogel sitzt im Rahmen, drücken Sie ihn beim Schließen ins Freie.
Wie sichern Sie gegen Marder, Katze und Greifvogel?
Der Draht ist die halbe Miete. Empfohlen wird punktgeschweißtes, verzinktes Viereckgitter, weil sich punktgeschweißte Maschen nicht aufziehen lassen, wenn sich ein Marder hineindrückt. Sechseckiger Hasendraht ist dafür ungeeignet. Übliche Kombinationen sind 12,7 mal 12,7 Millimeter Maschenweite bei etwa 1,05 Millimeter Drahtstärke, bei größerer Maschenweite bis 19 mal 19 Millimeter sollte die Drahtstärke bei mindestens 1,3 Millimetern liegen.
Der wirksamste Schutz ist die doppelte Vergitterung: zwei Gitterlagen mit 8 bis 10 Zentimetern Abstand. Der Marder erreicht dann durch die äußere Lage hindurch keinen Vogel, der an der inneren sitzt. Das gilt auch für das Dach, weil Greifvögel von oben angreifen und Katzen über Bäume und Zäune aufs Volierendach klettern. Wer den Draht selbst zuschneidet, entgratet die Schnittkanten, sonst verletzen sich die Tiere daran.
- Standort wählen. Halbschattig, windgeschützt, nicht unter Bäumen mit herabfallenden Ästen oder Vogelkot von Wildvögeln. Ein Teil der Voliere sollte immer Sonne bekommen, ein anderer immer Schatten.
- Graben ausheben. Rings um die Grundfläche 30 bis 50 Zentimeter tief graben, bei lockerem Boden eher tiefer. Bei gemauertem Fundament sind 50 Zentimeter Tiefe üblich.
- Untergrabschutz einbauen. Das Gitter bis in den Graben führen und unten im rechten Winkel mindestens 20 Zentimeter nach innen abwinkeln. Fuchs und Marder graben an der Wand entlang und stoßen dann auf das waagerechte Stück.
- Rahmen stellen. Holz oder Aluminiumprofil. Holz muss außen mit einem für Tiere unbedenklichen Anstrich geschützt werden, innen bleibt es unbehandelt oder wird mit Draht abgedeckt, weil Papageien alles benagen.
- Dach eindecken. Mindestens ein Drittel der Fläche fest überdachen, damit die Tiere bei Regen einen trockenen Sitzplatz außerhalb des Schutzhauses haben. Der Rest bleibt vergittert, damit Regen den Boden reinigt.
- Zweite Gitterlage setzen. Auf Abstandshaltern von 8 bis 10 Zentimetern an allen Seiten und auf dem Dach.
- Schleuse anbauen. Als eigener Vorraum mit zwei nach innen öffnenden Türen und einem Riegel, der von beiden Seiten bedienbar ist.
- Einrichtung anbringen. Naturäste unterschiedlicher Durchmesser quer zur Flugrichtung, Sitzplätze möglichst weit auseinander an den Schmalseiten, damit der Flugweg dazwischen frei bleibt.
Für den Holzschutz der tragenden Teile gelten dieselben Regeln wie bei anderen bewitterten Bauteilen; wie Sie einen dauerhaften Außenanstrich aufbauen, steht im Beitrag zum Streichen von Holzfenstern. Wichtig ist hier nur, dass die Vögel selbst nicht an behandelte Flächen kommen.
Wie gestalten Sie den Boden gegen Parasiten?
Der Boden ist der kritische Punkt jeder Außenvoliere. Kot fällt herunter, Futterreste ebenso, und feuchte Erde ist der ideale Ort für Kokzidien, Würmer und Milben. Es gibt zwei brauchbare Wege.
Der erste ist Naturboden aus ungedüngter Erde oder Sand, der regelmäßig oberflächlich abgetragen und ersetzt wird. Er bietet den Tieren die Möglichkeit zu scharren und zu baden, verlangt aber Disziplin: Bei feuchtem Wetter reichern sich Parasiten schnell an. Der zweite Weg ist ein befestigter, leicht geneigter Boden aus Beton oder Platten mit Ablauf, der sich abkehren und abspritzen lässt. Er ist hygienisch einfacher, aber reizärmer. Viele Halter kombinieren beides: befestigter Streifen unter den Sitzstangen und den Futterplätzen, Naturboden im Rest.
Unter überdachten Bereichen hat sich saugfähige Einstreu bewährt. Hanfstreu nimmt das Vier- bis Fünffache ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf und bindet damit den Kot. Futter- und Wasserstellen gehören grundsätzlich nicht unter Sitzstangen, sonst fällt Kot direkt hinein. Eine Kotprobe einmal jährlich beim vogelkundigen Tierarzt ist der einzige verlässliche Weg, einen Parasitenbefall zu erkennen, bevor die Tiere sichtbar krank werden.
MerkeWildvögel sind der häufigste Weg, auf dem Krankheitserreger in die Voliere gelangen. Bringen Sie deshalb keine Futterstelle für freilebende Vögel in die Nähe der Voliere. Wenn Sie beides im Garten haben wollen, halten Sie größtmöglichen Abstand und reinigen Sie das Vogelhaus für die Wildvögel regelmäßig; wie ein solches Häuschen gebaut wird, zeigt der Beitrag zum Vogelhäuschen aus Holz.
Planen Sie den Reinigungsaufwand realistisch ein: Futter- und Wasserstellen täglich, Sitzstangen und der Bereich darunter wöchentlich, ein gründlicher Durchgang mit Austausch der Einstreu je nach Besatz alle vier bis acht Wochen. Wer diesen Rhythmus nicht dauerhaft leisten kann, sollte die Voliere kleiner und den Bestand geringer planen.
