Pommes frites zubereiten: Warum 175 Grad Celsius die Obergrenze sind

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Das Wichtigste in Kürze

  • Acrylamid bildet sich ab etwa 120 Grad Celsius und erreicht um 185 Grad Celsius ein Maximum. Ausgangsstoffe sind die Aminosäure Asparagin und reduzierende Zucker im Rahmen der Maillard-Reaktion.
  • Die Verordnung (EU) 2017/2158 gilt seit dem 11. April 2018 und nennt als Richtwert für verzehrfertige Pommes frites 500 Mikrogramm je Kilogramm, für Kartoffelchips 750 Mikrogramm je Kilogramm.
  • In der Heißluftfritteuse entsteht ebenfalls Acrylamid. Die Menge hängt an Temperatur, Zeit und Bräunungsgrad, nicht an der Bauart des Geräts.
  • Kartoffeln gehören nicht in den Kühlschrank. Unter 6 Grad Celsius steigt der Gehalt an reduzierenden Zuckern, und daraus wird beim Erhitzen mehr Acrylamid.
  • Die praktische Regel lautet vergolden statt verkohlen: hellgoldgelb ist das Ziel, dunkelbraune Ränder und schwarze Spitzen sind das Signal zum Aussortieren.
Pommes frites zubereiten: Warum 175 Grad Celsius die Obergrenze sind
Bild: KI generiert

Pommes frites sind ein einfaches Gericht mit einer harten physikalischen Grenze. Sie brauchen Hitze, damit Stärke verkleistert und die Oberfläche knusprig wird, und genau diese Hitze erzeugt einen Stoff, den man nicht essen möchte. Die gute Nachricht: Der Zusammenhang ist gut untersucht, und die wirksamen Stellschrauben sind wenige und leicht zu merken. Es geht um Temperatur, um Zeit und um die Lagerung der Kartoffel, lange bevor sie in die Pfanne kommt.

Pommes frites im heissen Fett einer Fritteuse
Bild: KI generiert

Wie entsteht Acrylamid beim Frittieren und Backen?

Acrylamid ist kein Zusatzstoff, sondern ein Nebenprodukt des Erhitzens. Es entsteht aus der Aminosäure Asparagin in Gegenwart reduzierender Zucker, also Glukose und Fruktose, im Verlauf der Maillard-Reaktion. Dieselbe Reaktion liefert Farbe, Röstaroma und Geschmack; sie lässt sich also nicht abschalten, ohne dass die Pommes fad und blass bleiben. Die Bildung beginnt bei etwa 120 Grad Celsius und erreicht um 185 Grad Celsius ein Maximum. Entscheidend ist außerdem der Wassergehalt: Je feuchter das Lebensmittel bleibt, desto weniger Acrylamid entsteht. Deshalb liefern Kochen, Dämpfen und Dünsten praktisch nichts, Frittieren und Backen dagegen viel. Zur Substanz selbst und ihrer toxikologischen Bewertung gibt es einen eigenen Beitrag über Acrylamid als chemische Verbindung.

Seit dem 11. April 2018 gilt die Verordnung (EU) 2017/2158. Sie verpflichtet Lebensmittelunternehmen, auch Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, zu definierten Minimierungsmaßnahmen und nennt in Anhang IV Richtwerte. Für verzehrfertige Pommes frites liegt dieser bei 500 Mikrogramm je Kilogramm, für Kartoffelchips aus frischen Kartoffeln und aus Teig bei 750 Mikrogramm je Kilogramm, für Brot auf Weizenbasis bei 100 Mikrogramm je Kilogramm. Richtwerte sind keine gesetzlichen Höchstgehalte, sondern Auslöser für eine Überprüfung des Verfahrens. Für den privaten Haushalt gelten sie nicht, aber die dahinterstehenden Maßnahmen funktionieren in der eigenen Küche genauso.

Die Heißluftfritteuse ist keine Ausnahme. Es wird oft behauptet, in der Heißluftfritteuse entstehe kein Acrylamid. Das ist falsch. Der Bildungsweg hängt an Temperatur, Zeit und Wassergehalt, nicht daran, ob die Hitze über Öl oder über bewegte Luft übertragen wird. Heißluftgeräte arbeiten üblicherweise zwischen 180 und 200 Grad Celsius und damit oberhalb des Bereichs, in dem Acrylamid entsteht. Was tatsächlich sinkt, ist die Fettaufnahme, weil kein Fettbad nötig ist. In der BfR-MEAL-Studie wurden Backofen, Fritteuse und Heißluftfritteuse verglichen; der Acrylamidgehalt stieg in allen Verfahren mit zunehmender Bräunung. Wer in der Heißluftfritteuse auf 200 Grad Celsius geht und bis dunkelbraun gart, hat nichts gewonnen.

Welche Zubereitungsart liefert welches Ergebnis?

VerfahrenEmpfohlene TemperaturUngefähre DauerFettbedarfAnmerkung
Fritteuse, FettbadHöchstens 175 Grad Celsius3 bis 4 Minuten vorgaren, dann 2 bis 3 Minuten fertigFettbad, Aufnahme je nach SchnittObergrenze der Verordnung (EU) 2017/2158
Backofen, UmluftHöchstens 180 Grad Celsius20 bis 30 Minuten, einmal wenden1 bis 2 Esslöffel ÖlAuf ein Blech in einer Lage, nicht stapeln
Backofen, Ober- und UnterhitzeHöchstens 200 Grad Celsius25 bis 35 Minuten1 bis 2 Esslöffel ÖlMittlere Schiene, Blech vorheizen hilft
Heißluftfritteuse180 Grad Celsius statt 20015 bis 20 Minuten, mehrfach schütteln1 Esslöffel ÖlWeniger Fett, aber dieselbe Acrylamidchemie
PfanneMittlere Hitze10 bis 15 MinutenÖlfilmUngleichmäßig, Randstücke werden schnell dunkel

Wie bereiten Sie Pommes frites aus rohen Kartoffeln zu?

  1. Sorte wählen. Nehmen Sie vorwiegend festkochende Kartoffeln. Sehr mehlige Sorten zerfallen, sehr feste bleiben innen glasig.
  2. Gleichmäßig schneiden. Stäbchen von etwa 10 Millimeter Kantenlänge sind ein guter Kompromiss. Ungleiche Stärken bedeuten, dass die dünnen verbrennen, während die dicken noch roh sind.
  3. Stärke auswaschen. Spülen Sie die Stäbchen unter kaltem Wasser, bis es klar bleibt, und wässern Sie sie danach 30 Minuten bis 2 Stunden in kaltem Wasser. Das entfernt einen Teil der reduzierenden Zucker.
  4. Gründlich trocknen. Tupfen Sie die Stäbchen mit einem Küchentuch ab. Restwasser kühlt das Fett schlagartig ab, spritzt und verhindert die Kruste.
  5. Vorgaren bei 160 Grad Celsius. Im Fettbad 3 bis 4 Minuten, bis die Stäbchen weich, aber noch blass sind. Danach abtropfen und abkühlen lassen.
  6. Fertigfrittieren bei höchstens 175 Grad Celsius. Weitere 2 bis 3 Minuten, bis die Oberfläche hellgoldgelb ist. In kleinen Portionen arbeiten, damit die Temperatur nicht einbricht.
  7. Nach dem Garen salzen. Salz vorher zieht Wasser aus der Oberfläche und stört die Krustenbildung. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und sofort servieren.

Welches Fett und welche Kartoffel passen?

  • Rauchpunkt: Zum Frittieren eignen sich raffinierte Öle und Fette mit Rauchpunkten oberhalb von 200 Grad Celsius, etwa raffiniertes Rapsöl, Erdnussöl oder Pflanzenfett. Kaltgepresste Öle und Butter sind ungeeignet.
  • Standzeit des Fetts: Riecht das Fett ranzig, schäumt es stark oder ist es dunkel und zäh, wird es ersetzt. Altes Fett raucht früher und bräunt schneller.
  • Sorte: Vorwiegend festkochende Kartoffeln mit niedrigem Zuckergehalt sind die erste Wahl. Sorten mit hohem Zuckeranteil bräunen deutlich schneller.
  • Keimende Ware: Keime und grüne Stellen großzügig wegschneiden, stark gekeimte oder grüne Knollen aussortieren. Es geht dabei um Solanin, nicht um Acrylamid.
  • Schnittstärke: Je dünner geschnitten, desto größer die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen und desto mehr Acrylamid entsteht bei gleicher Bräunung.
  • Tiefkühlware: Halten Sie sich an die Packungsangabe, aber nehmen Sie die Pommes am unteren Ende der angegebenen Zeit heraus. Die Angaben zielen auf ein bräuneres Ergebnis, als nötig ist.

Warum gehören Kartoffeln nicht in den Kühlschrank?

Weil Kälte den Stoffwechsel der Knolle umstellt. Unterhalb von etwa 6 Grad Celsius baut die Kartoffel Stärke zu reduzierenden Zuckern ab, ein Vorgang, der als Kältesüßung bekannt ist. Genau diese Zucker sind der zweite Baustein des Acrylamids. Eine im Kühlschrank gelagerte Kartoffel liefert deshalb beim Frittieren mehr Acrylamid und bräunt schneller, obwohl an der Zubereitung nichts geändert wurde. Die Verordnung (EU) 2017/2158 schreibt für gewerbliche Verarbeiter deshalb ausdrücklich eine Lagerung über 6 Grad Celsius vor.

Für den Haushalt heißt das: dunkel, kühl, luftig und frostfrei, also Keller, Speisekammer oder ein unbeheizter Abstellraum bei etwa 8 bis 12 Grad Celsius. Licht lässt die Knolle ergrünen, Wärme lässt sie keimen, Plastiktüten lassen sie faulen. Welche Behälter sich dafür eignen, steht im Beitrag zur Kartoffel-Aufbewahrungsbox. Wenn Kartoffeln versehentlich kalt gelagert wurden, hilft es, sie vor der Verarbeitung einige Tage bei Raumtemperatur zu lagern; ein Teil der Zucker wird dann wieder abgebaut.

MerkeVergolden statt verkohlen. Hellgoldgelb ist das Ziel, denn der Acrylamidgehalt steigt mit dem Bräunungsgrad. Sortieren Sie dunkelbraune Stücke und schwarze Spitzen aus, statt sie mitzuessen. Wie Sie in der Heißluftfritteuse trotz niedrigerer Temperatur ein knuspriges Ergebnis bekommen, steht im Beitrag über gute Pommes in der Heißluftfritteuse.

Woran erkennen Sie, dass die Temperatur zu hoch war?

An drei Zeichen. Erstens an der Farbverteilung: Wenn die Kanten dunkelbraun sind, während die Fläche noch blass ist, war die Hitze zu hoch für die Garzeit. Zweitens am Inneren: Bei zu hoher Temperatur bildet sich außen sofort eine Kruste, während der Kern mehlig-roh bleibt. Drittens am Geschmack, denn zu dunkle Pommes schmecken bitter, und diese Bitterkeit ist ein brauchbarer Warnhinweis.

Ein Thermometer im Fett beendet das Raten. Ohne Thermometer hilft der Holzlöffeltest nur grob, weil er nur anzeigt, dass Wasserdampf entweicht, nicht bei welcher Temperatur. Wer regelmäßig frittiert, sollte den Thermostat der Fritteuse einmal mit einem Küchenthermometer gegenprüfen; Abweichungen von 10 bis 20 Grad Celsius sind bei älteren Geräten keine Seltenheit und verschieben die eingestellten 170 Grad Celsius still nach oben.

Häufige Fragen zu Pommes frites zubereiten: Warum 175 Grad Celsius die Obergrenze sind

Entsteht in der Heißluftfritteuse wirklich kein Acrylamid?

Doch, es entsteht auch dort. Acrylamid bildet sich ab etwa 120 Grad Celsius in stärkehaltigen Lebensmitteln, unabhängig davon, ob die Hitze über Fett oder über bewegte Luft übertragen wird. Heißluftfritteusen arbeiten meist zwischen 180 und 200 Grad Celsius. Was sinkt, ist die Fettaufnahme, nicht zwangsläufig der Acrylamidgehalt.

Welche Temperatur ist beim Frittieren die Obergrenze?

175 Grad Celsius. Diese Grenze nennt die Verordnung (EU) 2017/2158 als Minimierungsmaßnahme für Pommes frites. Im Backofen liegt die Empfehlung bei höchstens 180 Grad Celsius mit Umluft und höchstens 200 Grad Celsius bei Ober- und Unterhitze.

Warum soll man Kartoffeln nicht im Kühlschrank lagern?

Unterhalb von etwa 6 Grad Celsius baut die Knolle Stärke zu reduzierenden Zuckern ab. Diese Zucker sind zusammen mit der Aminosäure Asparagin die Ausgangsstoffe für Acrylamid, weshalb kalt gelagerte Kartoffeln beim Frittieren mehr davon bilden. Lagern Sie stattdessen dunkel, luftig und frostfrei bei etwa 8 bis 12 Grad Celsius.

Bringt das Wässern der Kartoffelstäbchen etwas?

Ja. Die Verordnung (EU) 2017/2158 nennt das Waschen und das Einweichen für 30 Minuten bis 2 Stunden in kaltem Wasser mit anschließendem Spülen ausdrücklich als Minimierungsmaßnahme. Dabei wird ein Teil der reduzierenden Zucker aus der Oberfläche gelöst. Trocknen Sie die Stäbchen danach gut ab, sonst leidet die Kruste.

Wie hoch sind die EU-Richtwerte für Acrylamid?

Anhang IV der Verordnung (EU) 2017/2158 nennt 500 Mikrogramm je Kilogramm für verzehrfertige Pommes frites, 750 Mikrogramm je Kilogramm für Kartoffelchips aus frischen Kartoffeln und aus Teig sowie 100 Mikrogramm je Kilogramm für Brot auf Weizenbasis. Es handelt sich um Richtwerte, nicht um gesetzliche Höchstgehalte; ein Überschreiten löst eine Überprüfung des Herstellungsverfahrens aus.

Soll ich Pommes vor oder nach dem Frittieren salzen?

Danach. Salz zieht Wasser aus der Oberfläche, was die Krustenbildung stört und im Fettbad zusätzlich Spritzer erzeugt. Salzen Sie unmittelbar nach dem Abtropfen, solange die Oberfläche noch heiß und leicht fettig ist, dann haftet das Salz am besten.

Quellen

Die Inhalte wurden mit Hilfe von KI erstellt, jedoch durch die Redaktion geprüft am 1. August 2026